Azubi-Porträt: Mathäus Pravec, Stuttgart Glücksgriff für beide Seiten

Wenn Mathäus Pravec zur Arbeit in Vieby’s Textilpflege in Stuttgart geht, hat er meistens gute Laune. Der Textilreiniger-Azubi im zweiten Lehrjahr hat einen Beruf und einen Ausbildungsbetrieb gefunden, die „zu ihm passen“, wie er sagt. Seit 2009 ist er motiviert und mit Leidenschaft dabei.

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    Textilreiniger-Azubi Mathäus Pravec und seine Ausbilderin Heike Viebig verstehen sich gut.Fotos: Vieby’s Textilpflege
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    Mathäus bei einer seiner Lieblingsaufgaben, dem Bügeln. Seine Ausbilderin steht ihm mit Rat und Tat zur Seite.

Glücksgriff für beide Seiten

Zum Ausbildungsberuf Textilreiniger ist Mathäus Pravec ganz zufällig gekommen. Nach seinem Realschulabschluss und einer abgebrochenen Kochlehre hat er im Internet geschaut, welche Ausbildungsberufe es sonst noch so gibt. Auf der Website der Agentur für Arbeit (www.arbeitsagentur.de) wurde er fündig. Eine Anzeige „Textilreiniger gesucht“ weckte seine Aufmerksamkeit. Von diesem Beruf hatte er zwar keinerlei Vorstellungen, aber nach etwas Recherche stellte Mathäus fest: „Der Job klingt interessant und abwechslungsreich.“ Also schrieb er eine Bewerbung an Vieby’s Textilpflege, bekam prompt eine Antwort mit einer Einladung zum Probearbeiten. Nach zwei Wochen war klar: Die Arbeit gefällt ihm und dem Chef gefällt, was er macht. Sie unterschrieben den Ausbildungsvertrag.

Das war vor zwei Jahren. Auch heute noch hat Mathäus Spaß an seiner Arbeit. „Beim Bügeln höre ich Musik oder singe manchmal“, erzählt er. Das Mangeln macht er nicht so gerne, aber die Kombination der vielen verschiedenen Aufgaben sei sein Ding. Das merkt auch seine Ausbilderin, Heike Viebig, die von ihrem Azubi begeistert ist. „Er gibt sich richtig viel Mühe, schaut sich viel von den Kollegen ab und setzt es dann selber um“, sagt sie, „und gut aufgelegt ist er dabei auch noch.“ Ein richtiger Glücksgriff eben. Mathäus hat einen guten Tipp für seine Azubi-Kollegen: „Es muss Spaß machen - schließlich verbringt man in der Arbeit mehr Zeit als Zuhause.“ Ein gutes Verhältnis zu Kollegen sei das A und O. Und natürlich müsse man Engagement zeigen, vermitteln, dass man den Job gerne macht - und dabei auch mal über seinen Schatten springen. Das ist genau das, was auch Ausbilderin Viebig von ihren Lehrlingen erwartet. „Bereitschaft und Willen sollten da sein, den Beruf zu lernen“, sagt sie. Außerdem sind Aufgeschlossenheit und Teamfähigkeit wichtige Eigenschaften für Textilreiniger-Azubis. „Sie müssen einfach mit Leuten gut auskommen, seien es Kunden oder Kollegen“, meint Viebig.

Junge Leute mit diesen Eigenschaften zu finden, ist gar nicht einfach, weiß auch die Ausbilderin. „Die meisten wissen überhaupt nicht, was ein Textilreiniger überhaupt ist und was er macht“, sagt sie, „die bewerben sich dann nur, um überhaupt einen Ausbildungsplatz zu haben.“ Und das ist auf Dauer weder für den Betrieb noch für den Azubi selbst optimal, Ausbildungsabbrüche sind an der Tagesordnung. Die Vieby’s Textilpflege würde auf jeden Fall gerne noch weitere Textilreiniger-Lehrlinge einstellen. Bisher blieb die Schublade für die Bewerbungen leider leer. Der Nachwuchsmangel ist auch Mäthäus bewusst. In seiner Berufsschulklasse sind sie gerade einmal neun Schüler. „Viele männliche Bewerber schrecken vor dem Beruf zurück, wenn sie bügeln oder waschen auch nur hören“, erzählt er. Dabei sei Textilreiniger ein technischer Beruf, bei dem auch handwerkliche Begabung nötig ist, schließlich muss man mit den Maschinen umgehen können.

Für seine eigene Zukunft hat Mathäus große Pläne. Nach der abgeschlossenen Ausbildung hofft er natürlich, übernommen zu werden. „Den Meister möchte ich dann auch so schnell wie möglich machen“, sagt Mathäus. Denn so sei er noch „im Lernen drin“ und der Weg zum Meister falle ihm so hoffentlich leichter. Das Endziel ist dann ein eigener Betrieb: „Ich möchte mein eigener Chef sein in meiner eigenen Wäscherei“, sagt er und ist dabei ganz realistisch: „Vorher muss ich natürlich noch einiges an Berufserfahrung sammeln.“ Das Wichtigste aber ist ihm, den Spaß an der Tätigkeit als Textilreiniger nicht zu verlieren.

Elena Schönhaar