Global Responsible Textile Standard GRTS: Neues Siegel für nichtorganische Fasern

Siegel und Standards richten sich oft an biologische Fasern wie Baumwolle. Das soll sich nun ändern. Global Standard arbeitet derzeit an einem neuen Standard, der sich sich an Materialien nichtorganischen Ursprungs, wie beispielsweise Polyester und Viskose, richtet. Das steckt dahinter.

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Das bisher vor allem für Bio-Baumwolle geltende GOTS-Siegel wird um ein neues Siegel für Fasern nichtorganischen Ursprungs ergänzt. - © Timon – stock.adobe.com

Die Textilbranche erhält ein neues Siegel: den Global Responsible­
Textile Standard. Der GRST soll bereits Ende 2026 auch Fasern prüfen, die nicht organischen Ursprungs sind. Auf diese Weise könnten in Zukunft Materialien wie Polyester und Viskose nach sozialen und ökologischen Kriterien bewertet werden. Hinter dem neuen Nachhaltigkeitssiegel steckt die bekannte Organisation Global Standard. Sie ist den meisten wahrscheinlich durch den Global Organic Textile Standard (GOTS) bekannt. Dieser zeichnet vor allem Bio-Textilien beispielsweise aus Baumwolle aus.

Warum ein neuer Standard?

Der im Jahr 2006 eingeführte GOTS gilt heute als international anerkannt – von Regierungen, Industrie, NGOs und Verbrauchern. Mit mehr als 15.000 zertifizierten Betrieben in 87 Ländern ist GOTS einer der weltweit führenden Standards für die Verarbeitung von Bio-Textilien – und die Anzahl der zertifizierten Betriebe wächst stetig weiter.
Auf diesem bewährten Fundament soll nun der Global Responsible Textile Standard (GRTS) aufbauen.

„Er ist die logische Weiterentwicklung“, schreibt Global Standard in einer Pressemitteilung. Schließlich machen organische Fasern wie Baumwolle nur einen kleinen Teil des Marktes aus. Durch die Erweiterung auf eine breitere Materialbasis können noch mehr Anbieter ihre Produkte zertifizieren lassen. Damit möchte Global Standard „messbar mehr Wirkung für nachhaltige Entwicklung erzielen“. Das neue Siegel soll für eine definierte Anzahl von Fasern gelten, die im Global Fibre Registry erfasst sind.

Gestiegene Erwartungen an Transparenz in textiler Lieferkette

Ziel ist es, Unternehmen eine praxisnahe und glaubwürdige Lösung zu bieten, um gestiegene Erwartungen an Transparenz in der Lieferkette und verantwortungsvolle Beschaffung zu erfüllen. „Es unterstützt sie dabei, regulatorische Anforderungen zu erfüllen – und zeigt ihr Engagement für soziale und ökologische Integrität über den Bio-Bereich hinaus“, so Global Standard. Die Praxisnähe zeigt sich im geplanten Verfahren: Das GRTS könnte als Erweiterung eines bestehenden GOTS-Zertifikats erworben werden. Noch ist das neue Siegel aber nicht so weit. Zunächst holt Global Standard nämlich Vorschläge und Kritik bei Branchenakteuren ein. Mitte Juli 2025 hat die erste öffentliche Konsultationsphase begonnen. Im Laufe des 4. Quartals 2025 soll die erste Version des neuen Standards publiziert werden.

GRTS: Diese sieben Kriterien soll der neue Standard umfassen

  1. Menschenrechte & Soziales: Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, ­sichere Arbeitsbedingungen.
  2. Ökologische Anforderungen: Umweltfreundliche Prozesse & Materialien sowie Chemikalienmanagement.
  3. Verantwortungsvolles Handeln: Sorgfaltspflicht, um ökologische und soziale Risiken zu bewerten.
  4. Abdeckung aller Verarbeitungs­stufen: Vom Rohmaterial bis zum Endprodukt – keine Ausnahmen.
  5. Rückverfolgbarkeit: Transparente Materialverfolgung und Mengen­erfassung entlang der Lieferkette.
  6. Unabhängige Drittzertifizierung: Alle Anforderungen prüfen akkreditierte Zertifizierungsstellen.
  7. Kein Einsatz von GVO-Fasern: ­Ausschluss gentechnisch veränderter Rohstoffe.