Anfangs ging es um Energiemanagement, doch was die Wäscherei Merz umgesetzt hat, reicht weit darüber hinaus: Mit einem individuell realisierten System hat sie den Überblick über ihren Gas-, Wasser- und Stromverbrauch sowie die Auslastung und Produktivität aller Maschinen und Anlagen. Zusammen mit Econ Solutions setzte man das Projekt um.
3 Einen großen Schritt in Richtung Energieeffizienz hatte die Wäscherei Merz in Wurmberg bei Pforzheim bereits 2008 unternommen: Im Zuge der Umsiedlung in einen Neubau hatte sie den zentralen Dampfkessel durch unabhängige Gasbrenner für jede Maschine ersetzt und einen Kreuzstromwärmetauscher sowie eine neu entwickelte Jetpresse installiert. Damit hatte das Familienunternehmen mit einem Bearbeitungsvolumen von 18 t pro Tag seinen Energieverbrauch halbiert, den Wasserverbrauch um 60 Prozent gesenkt und darf sich seitdem grüne Wäscherei nennen. „Doch manchmal gab es trotzdem zu hohe Verbräuche oder auch zu geringe Leistungen – wir wussten allerdings nicht warum“, erklärt Marcel Jokiel, Prokurist bei der Wäscherei Merz.
Fehleranfällige manuelle Datenerfassung
Damals wurden die Hauptwasserzähler einmal im Monat schriftlich erfasst. Zum Gasverbrauch lagen nur unregelmäßige Auswertungen des Gaslieferanten vor, die die Spitzen zu bestimmten Uhrzeiten aufzeigten. Zum Stromverbrauch hatte Merz keinerlei Verbrauchsdaten. Um trotzdem Leistungskennzahlen zu ermitteln, erfassten die Mitarbeiter einige Daten per Hand. Beispielsweise packten sie jeden Posten Frotteewäsche, den sie gelegt hatten, auf die Waage und notierten das Gewicht. „Das war nicht nur zeitaufwändig, sondern auch fehleranfällig. Vor allem zu den Verbräuchen waren die Daten außerdem viel zu grob, als dass wir daraus irgendwelche Maßnahmen hätten ableiten können. Denn wir hatten keine Informationen zu einzelnen Maschinen, sondern nur den Gesamtbetriebsverbrauch“, erinnert sich Jokiel. „Außerdem lagen die Auswertungen zu spät vor, so dass wir zwar vieles nachvollziehen, aber nicht mehr ändern konnten.“
Deshalb entschied Merz, ein Energiemanagementsystem einzuführen. Dies sollte den Gas- und Stromverbrauch vorerst nur von den Mangelmaschinen erfassen und so visualisieren, dass Unregelmäßigkeiten sofort ins Auge springen und die Ursachen erkennbar sind. Zudem sollten Vergleiche mit anderen Monaten oder Wochen bis hin zu Stunden und Minuten möglich sein. „Im benachbarten Straubenhardt sind wir auf Econ Solutions gestoßen. Deren Energiemanagementsystem schien vieles zu bieten, was uns wichtig war: Es funktioniert unabhängig, so dass wir nicht an bestimmte Maschinenhersteller gebunden sind. Es lässt sich individuell konfigurieren und liefert sinnvolle Visualisierungen und Auswertungen. Außerdem müssen wir die Messdaten nicht in einer Cloud speichern, sondern können sie bei uns im Haus belassen“, erklärt Jokiel.
Während der Vorgespräche mit Econ Solutions entstand die Idee, die Energiedatenerfassung mit der Erfassung von Stückzahlen, Durchlaufzeiten und Geschwindigkeiten zu kombinieren – und damit mit einer Leistungserfassung. Dies sollte nicht nur die Mangelmaschinen beinhalten, sondern auch die Mangelbänder, die Frotteelegemaschine, Bügeltische und Hemden- sowie Tunnelfinisher. Hierfür empfahl Econ Solutions die CPUs, Leistungsklemmen und Stromzähler von Wago. Denn anders als der hauseigene „Econ Sens3“, der verschiedene Parameter der elektrischen Energie erfasst, können diese auch Werte wie Anzahl und Gewicht aufnehmen. Für die Visualisierung der Energiedaten sollte die webbasierte Software „econ3“ zum Einsatz kommen. Die anderen Leistungskennzahlen sollte die ERP-Software „Tikos“ von SoCom liefern, die bei Merz bereits im Einsatz war.
Großes Projektteam für großes Projekt
Für die Umsetzung und die Programmierung der Wago-Komponenten wurde der Elektrogroßhändler und Technologiedienstleister Alexander Bürkle hinzugezogen, die Projektsteuerung übernahm Econ Solutions. „Alle Unternehmen und Verantwortlichen zu koordinieren, war schon eine Herausforderung“, kommentiert Marcel Jokiel. „Doch dank der intensiven Zusammenarbeit der Beteiligten und dem Engagement von Econ Solutions hat alles reibungslos geklappt.“ Nachdem das Konzept stand, installierte Merz alle Lichtschranken, Messräder, Kabel, Wasser-, Gas- und Stromzähler sowie den Schaltschrank inklusive aller Verkabelungen. Jokiel berichtet: „Den Plan für den Schaltschrank und dessen Verdrahtung hatten wir von Alexander Bürkle bekommen, alles andere führten wir in Eigenregie durch. Dafür waren einige Samstage nötig, sodass der laufende Betrieb ungehindert weiterlaufen konnte – schließlich brauchen die meisten unserer Kunden wie gewohnt täglich ihre Wäsche.“ Auf der Softwareseite spielte Econ Solutions sein System „econ3“ auf die bei Merz vorhandenen Server. Nun galt es, die Hard- und Software zu vernetzen und den Datentransfer zwischen dem Econ-System und Tikos einzurichten.
Inzwischen steht die Lösung. Alle Betriebs- und Energiedaten werden via XLS-File an das Econ-Energiemonitoringsystem übermittelt, ausgewählte Daten gehen von hier per SQL in Echtzeit an die Socom-Software. „Aktuell sind wir noch damit beschäftigt, die exakten Sollwerte für die Leistungsvisualisierung zu einzelnen Kunden und Artikeln einzurichten und genau auf unsere Gegebenheiten anzupassen“, berichtet Marcel Jokiel.
Energieverbrauch wird spürbar reduziert
Die Visualisierung der Energiedaten läuft bereits und Merz konnte schon erste Erkenntnisse herausziehen. So zeigte sich schnell, warum von drei baugleichen Trocknern einer viel mehr Energie aufnimmt als die anderen. Eine Ursache hierfür war eine defekte Türdichtung, wodurch der Trockner zu viel Fremdluft gezogen hat. Ein weiterer Grund lag darin, dass am Brenner Verschleißteile getauscht werden mussten, damit er wieder seine volle Leistung ausschöpfen konnte.
Ebenso kann die Wäscherei nun nachvollziehen, warum zu gewissen Zeiten der Energieverbrauch steigt, und Gegenmaßnahmen ergreifen. Gerade was den Gasverbrauch betrifft, konnte Merz so besser die Spitzen ermitteln und Maßnahmen einleiten – gasbeheizte Maschinen werden jetzt nicht mehr alle zur gleichen Zeit eingeschaltet, sondern versetzt. „Wir haben Einsparungen realisiert – und das, obwohl wir bereits sparsame Maschinen und Technologien nutzen“, freut sich Jokiel. „Als weiteres Beispiel haben wir nur ein paar einfach verstellbare Parameter an einem Wäschetrockner neu gesetzt, das war alles. Doch ohne die Econ-Auswertungen wären wir nie darauf gekommen.“ Darüber hinaus nutzt Merz die Software, um Schäden frühzeitig zu erkennen und zu beheben, etwa weil eine Dichtung oder ein Ventil defekt ist und dadurch der Wasser- oder Gasverbrauch steigt.
Leistungssteigerungen nach kurzer Zeit
Auch bei den Leistungskennzahlen konnte Merz schnell Erfolge verbuchen: Schon in den ersten Wochen, nachdem diese an einzelnen Kostenstellen für die Mitarbeiter sichtbar wurden, stieg die Leistung um fünf Prozent. Durch die Kombination der Energie- und Leistungskennzahlen verfügt Merz über eine fundierte Kalkulationsbasis für einzelne Textilien, Aufträge oder Kunden. „Damit sind wir nicht nur eine grüne, sondern auch eine gläserne Wäscherei“, bringt es Marcel Jokiel auf den Punkt. „Wir sind extrem zufrieden mit dem Projektverlauf und dem Ergebnis. Das System ist auf unsere Anforderungen und Gegebenheiten abgestimmt, ohne dass dafür eine Eigenentwicklung oder Sonderanfertigungen notwendig waren. Lediglich ein paar Anpassungen mussten gemacht werden. Damit war das System auch preislich attraktiv.“ Da das System modular und skalierbar aufgebaut ist, lassen sich auch neue Maschinen einbinden. „So sind wir für die Zukunft bestens gerüstet.“
Infos: www.merz-textil.de, www.econ-solutions.de