Vom 7. Bis 8. Oktober 2016 tagte die österreichische Branche in Bad Leonfelden. Die beiden Themenschwerpunkte Kostenrechnung und Hygiene trafen den Nerv der Teilnehmer, sorgten für Diskussionsstoff und boten neue Impulse.
3 Vom 7. bis 8. Oktober 2016 tagte die österreichische Branche in Bad Leonfelden. KommR Kuno Graßner, Landesinnungsmeister des Landes Oberösterreich, freute sich über einen vollbesetzten Vortragssaal, als er die Branche zum diesjährigen Bundestreffen begrüßte. Heuer hatten die Organisatoren nach Bad Leonfelden im Mühlviertel geladen. Die Tagung startete am Freitag mit einem Rahmenprogramm, der Samstag war für die Fachvorträge reserviert. Bei der Auswahl der Themenschwerpunkte stand im Vordergrund, sowohl den kleineren als auch den größeren Betrieben für den Unternehmenserfolg wertvolle Informationen rund um die Themen Kostenrechnung bzw. Umgang mit dem Finanzamt sowie Hygiene zu bieten.
Zunächst brachte Bundesinnnungsmeister KommR Walter Imp die Zuhörer auf den neuesten Stand und informierte über aktuelle Entwicklungen und Neuerungen. „Wir sitzen alle in einem großen Boot, das derzeit recht gut fährt“, sagte der Bundesinnungsmeister und schaute somit zuversichtlich in die Zukunft. Die gesamte Innung, versicherte er, arbeite daran, den Betrieben notwendige Hilfestellungen zu geben, um erfolgreich am Markt bestehen zu können. Er appellierte an die Betriebe, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen und dankte den Innungsmeistern für ihr Engagement (Informationen zur Auszeichnung des Landesinnungsmeisters finden Sie im Kasten „Kuno Graßner ausgezeichnet“ auf Seite 52).
Kostenrechnung als Entscheidungsinstrument
Den Auftakt zu den Fachvorträgen machte Stefanie Schreiner, Steuerberaterin der Steuer- und Unternehmensberatung Raml und Partner. Ihr Vortragstitel „Scharf kalkulieren, mehr verdienen“ machte die Wichtigkeit einer stimmigen Kostenrechnung deutlich. Die Expertin erklärte zunächst die Grundstruktur der Kostenverrechnung und ging auf Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung und Kostenträgerrechnung ein. Schreiner zeigte den Teilnehmern die wichtigsten Kostenarten auf: Materialkosten, Personalkosten, Fremdleistungskosten und kalkulatorische Kosten fallen im Betrieb an. Die Steuerberaterin machte die Grundsatzfrage der Kostenrechnung deutlich: „Welche Daten möchte ich aus meiner Kostenrechnung haben, damit ich meine unternehmerischen Schlüsse daraus ziehen kann?“ Wichtige, für den Erfolg des Betriebes relevante Fragen können dabei geklärt werden, etwa ob eine bestimmte Filiale Sinn macht.
Schwierige Preisgestaltung im Hemdengeschäft
Die Referentin hatte ein Rechenbeispiel vorbereitet und präsentierte den Teilnehmern eine bespielhafte Kalkulation für die Hemdenbearbeitung. Dazu wurden sämtliche Prozesse genau aufgeschlüsselt: von der Annahme über die Sortierung und Vorbehandlung, der Reinigung und dem Trockenvorgang bis hin zur Endkontrolle und Warenrückgabe. Zunächst wurde der Zeitaufwand eines jeden Schrittes ermittelt. Hier zeigte sich, dass dieser von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich sein kann. Wie Schreiner betonte, sei die Kostenrechnung immer eine ganz individuelle Thematik. Anhand ihres Beispiels zeigte die Steuerberaterin auf, wie Personalkosten, Miete, Raumkosten, Energie, Infrastruktur und Anlagevermögen, kalkulatorische Zinsen etc. korrekt in die Berechnung einbezogen werden.
In den Reihen des Publikums waren das Interesse und der Informationsbedarf für die Thematik spürbar. Während einer regen Diskussion zeigte sich, wie abhängig die Kosten von der Organisation des Betriebes, dem Standort und der Kundschaft sind. Deutlich wurde nach der beispielhaften Kalkulation, dass die meisten Betriebe wenig bis nichts an den Hemden verdienen. Oft würde lediglich der Deckungsbeitrag erreicht. Walter Imp sagte dazu, der Preis müsse sensibel gewählt werden. Der Konsument müsse das Gefühl haben, einen vernünftigen Preis für die gewünschte Qualität zu zahlen. Er appellierte an die Betriebe, die Preise zu überdenken, bei Erhöhungen jedoch eine „sanfte Gangart“ zu verfolgen.
Umgang mit dem Finanzamt
Interessante Fakten wusste auch der folgende Referent zu berichten. Heinz Achhorner, Außenprüfer am Finanzamt Linz, vermittelte seinen Zuhörern auf humorvolle Art Wissenswertes über den Umgang mit der Finanzbehörde. Er wolle Ängste nehmen und Prüfungshandlungen der Behörde erklären. Zunächst zeigte der Referent die verschiedenen Arten der Prüfungsverfahren auf:
- Die Nachschau erfolgt ohne Ankündigung und ist meist relativ schnell erledigt.
- Die Umsatzsteuersonderprüfung wird angekündigt und geht bereits mehr ins Detail. Gegenstand der Untersuchung ist hierbei nur die Umsatzsteuer.
- Weitere Instrumente sind die Außenprüfung,
- sowie Maßnahmen der Steuerfahndung.
Eine Außenprüfung wird, wie der Referent ausführte, sieben bis 14 Tage vorher angekündigt. Der Prüfungszeitraum erstreckt sich dabei über drei Jahre und findet in den Räumlichkeiten des Betriebes statt, lediglich in Ausnahmefällen beim steuerlichen Vertreter. „Wir prüfen dabei in Zusammenarbeit mit dem Betrieb. Dazu besteht auch eine gesetzliche Mitwirkungspflicht“, erläuterte Achhorner. Er klärte auch über die Rechte des Geprüften auf: Dieser darf Akteneinsicht verlangen und laufende Informationen einholen. Es bestehen ebenso Rechte auf Privatsphäre und die rasche Abwicklung des Verfahrens. Auch kann ein Betrieb Beschwerde einlegen, etwa dann, wenn beim Prüfer der Verdacht auf Befangenheit besteht.
Der Experte wusste auch die in der Praxis oft gestellte Frage zu beantworten, wie die Betriebe ausgewählt werden: Entweder bestimmt ein Zufallsgenerator den Betrieb oder dieser ist aufgrund des Zeitraums der letzten Prüfung an der Reihe. Ebenso kann aber auch eine Einzelauswahl vorgenommen werden. Etwa dann, wenn Anzeigen vorliegen oder Prüfungsfeststellungen aus Vorverfahren vorliegen. Die Teilnehmer des Bundestreffens erfuhren, welche Grundaufzeichnungen geprüft werden, in welcher Form diese vorliegen müssen und wie Schätzungen ermittelt werden, wenn die Abgabenerhebung nicht berechnet werden kann.
Weiterer Schwerpunkt des Vortrages war die bereits vom Bundesinnungsmeister angesprochene Registrierkassenpflicht. Es bestehe seit Jänner 2016 (mit entsprechender Übergangsregelung) eine Belegerteilungspflicht sowie eine Belegentgegennahmepflicht. Ab April kommenden Jahres müsse die Kasse über eine Sicherheitseinrichtung (Signatur) verfügen. Achhorner riet den Teilnehmern, sich bereits auf die Neuerung vorzubereiten, denn die Einrichtung dieser könne einige Zeit in Anspruch nehmen. Außerdem warnte er vor unseriösen Angeboten, die es vermehrt gebe. Sein Rat: Betriebe sollen sich die geforderten Voraussetzungen von den Kassenherstellern bestätigen lassen.
Der Außenprüfer informierte die Zuhörer auch über die Finanzpolizei, über deren Befugnisse immer wieder Unsicherheiten entstehen. Wie der Referent erklärte, ist die Finanzpolizei uniformiert, jedoch nicht bewaffnet. Sie habe ein Betretungsrecht, dürfe die Identität von Personen feststellen, Fahrzeuge anhalten sowie Auskunft verlangen. Achhorner riet dazu, sich den Dienstausweis zeigen zu lassen, um Betrug auszuschließen. Die Aufgaben der Finanzpolizei seien u.a. der Schutz der redlichen Wirtschaft, des Arbeitsmarktes sowie die Gleichmäßigkeit der Besteuerung.
Keimreduktion in der Textilreinigung
Der erste Vortrag zum Themengebiet Hygiene kam von Frank Ziermann, Geschäftsführer von Böwe Textile Cleaning. Er ging der Frage auf den Grund: „Keimreduktion in Textilreinigungsmaschinen – Illusion oder Wirklichkeit?“ Der Unternehmer kennt die internationalen Märkte, verkauft seine Maschinen und Anlagen weltweit, u.a. ins bevölkerungsreiche China. „Vor einigen Jahren kam eine Anfrage zu diesem Thema aus dem dortigen Ministerium für Gesundheit“, erklärte Ziermann die Anfänge seiner Bemühungen in Richtung Keimreduktion. „Im Alltag haben wir mit Keimen, Bakterien, Viren und Pilzen zu tun, all das ist somit auch in der Textilreinigung ein Thema.“ Der Unternehmer aus dem badischen Sasbach gab den Zuhörern einen Überblick: Durch Keime ausgelöst wird z.B. MRSA. Bakterien verursachen etwa Borreliose oder Cholera, Viren sind z.B. für SARS, Vogel- oder Schweinegrippe verantwortlich. In der Wäscherei bestünden bekanntlich bessere Möglichkeiten zur Desinfektion, Lösungsmittel habe schließlich einen nur geringen Effekt auf die Keimabtötung, führte der Referent aus und erklärte seinen Lösungsansatz: „Zunächst haben wir die gesamte Maschine genau durchleuchtet. Untersucht wurde die Keimablösung während der Reinigung und Trocknung und auch in welchen Bereichen Keime verbleiben.“ Mit Hilfe der gewonnenen Kenntnisse hat das Unternehmen verschiedene Maßnahmen entwickelt und umgesetzt:
- Bereiche in der Textilreinigungsmaschine, die anfällig für Schmutz sind, werden mit einer Kathaporese-Beschichtung ausgestattet, dabei handelt es sich um eine galvanische Ionenbeschichtung.
- Ein Ozongenerator reduziert die Keimbelastung. Hier komme es auf die Dosierung an, zu viel würde schließlich Farbverlust und Faserschäden verursachen.
- UV-C-Strahlung kann ebenfalls häufig vorkommende Keime in Flüssigkeiten abtöten.
- Auch durch Sprühdesinfektion mit einem nicht brennbaren Desinfektionsmittel kann eine Keimreduktion erreicht werden. Dabei werden 0,5 Prozent vom Warengewicht gesprüht.
Wie der Referent erklärte, können mittels SPS-Steuerung alle Parameter bequem abgestimmt werden. Ziermann sieht „gerade die Kombination verschiedener Waffen“ als besonders erfolgversprechend. „Wir schaffen dabei eine Keimreduktion von 106. Zum Vergleich: In der Wäscherei wird ein Wert von 107 erreicht. Das ist bereits ein extremer Schritt.“
Die Gesamtkosten für die Desinfektion betragen laut Anbieter etwa fünf bis sechs Cent pro Teil. „Wir wollen die Keimdiskussion nicht zusätzlich ankurbeln. Vielmehr wollen wir zeigen, dass die Keimreduzierung möglich ist“, erklärte Ziermann abschließend. In bevölkerungsreichen Ländern wie etwa China spiele die Thematik bereits eine größere Rolle. Doch auch hierzulande beschäftigen sich die Verbraucher verstärkt mit dem Thema Hygiene, wie der Unternehmer immer wieder von den Betrieben der Branche hört.
Hygiene erfolgreich nachweisen
Ein Nachweis der Hygiene bedeutet sowohl Herausforderungen als auch Chancen für große und kleine Betriebe. Zu diesem Thema informierten gemeinsam die beiden Referenten Dr. Arno Sorger von der W.H.U. GmbH, Laboratorium für Wasseruntersuchungen und Hygiene in Bischofshofen, als auch Dr. Konrad Kopecky von der Salesianer Miettex GmbH in Wien. Eingangs erläuterte Dr. Arno Sorger den Begriff der Hygiene: „Hygiene bedeutet vorbeugende Maßnahmen für die Gesunderhaltung einzelner Menschen und Gruppen. Zur Hygiene gehören auch Maßnahmen, die Menschen widerstandsfähiger gegen die Entstehung von Krankheiten machen. Anders gesagt ist Hygiene die Wissenschaft der Vorbeugung von Krankheiten.“ Der Referent stellte klar, dass es keine absolute Hygiene gibt. Er machte außerdem deutlich, dass der Blick allein auf die Hygiene nicht ausreicht. Auch ein schmutziges Produkt könne hygienisch sein, sofern es keine Keime aufweist. Ein optisch einwandfreies Produkt dagegen könne auch mit Keimen belastet und somit unhygienisch sein. Solche Textilien haben Gefährdungspotenzial, das je nach Einsatzzweck unterschiedlich ausfällt.
Hygienemaßnahmen sind ein desinfizierendes Waschverfahren, hygienisch einwandfreie Spülwässer, eine hygienische Nachbearbeitung (z.B. keine schmutzigen Hände beim Legen) und auch Lagerung sowie Transport müssen ebenfalls hygienisch einwandfrei erfolgen. Auch der Schutz der Mitarbeiter ist Teil der Hygiene, wie die Referenten ausführten. Bedacht werden müssen die Arbeitsschritte, in denen die Mitarbeiter Kontakt mit Schmutzwäsche, kontaminierter Flotte, Stäuben und Aerosolen usw. haben.
Der Nachweis einwandfreier hygienischer Textilien ist aus verschiedenen Gründen notwendig. Zum einen gibt er Rechtssicherheit, vor allem im Umgang mit dem Gesundheitswesen oder Lebensmittelbetrieben. Zum anderen werden Produktsicherheit und Kundenzufriedenheit erreicht. Um hygienisch einwandfreie Wäsche nachzuweisen, gibt es verschiedene Möglichkeiten und unterschiedliche Zertifikate. Die beiden Referenten gingen im Speziellen auf die Zertifizierung durch die österreichische Gütezeichengemeinschaft ein. Je nach Gegebenheiten im jeweiligen Betrieb kommen verschiedene Nachweise infrage, die die Referenten im Detail vorstellten. Dabei wird den individuellen Anforderungen der Kunden (aus Gesundheitssektor, Lebensmittelbereich oder Hotellerie) Rechnung getragen. Die unterschiedlichen Levels ermöglichen es auch kleineren Einrichtungen, eine hygienisch einwandfreie Aufbereitung nachzuweisen. Die Gütezeichengemeinschaft für Wäscherei und Textilreinigung Österreichs bietet, wie Sorger und Kopecky berichteten, ihren Mitgliedern neben der Ausstellung von Hygienepässen und Qualitätszertifikaten außerdem u.a. Fachvorträge, Hilfestellung bei der Werbung sowie hilfreiche fachliche Unterlagen.
Kosten sparen im Waschpozess
Andreas Bürger von Procter und Gamble (P&G) sowie Josef Huber von Kärcher informierten über das Ariel-Flüssigwaschsystem für die professionelle Wäscheaufbereitung. Das Produkt Ariel von P&G wurde 1967 in Österreich eingeführt und hat im Konsumentenbereich eine hohe Bekanntheit erreicht. Im Jahr 2007 tat das Unternehmen P&G einen weiteren Schritt und führte Ariel-Professional in Österreich ein. „Die Produkte im Privat- und Professional-Segment sind dabei nicht miteinander vergleichbar, es besteht ein großer Unterschied“, erklärte Bürger. Zusammen mit der Firma Kärcher, die sich im Bereich der Reinigungstechnik einen Namen gemacht hat, möchte das Unternehmen auch im Bereich der professionellen Wäscheaufbereitung Marktanteile erobern.
Die Vorzüge ihres Systems sehen die Referenten in Bezug auf Leistung, Kostensenkung und Mitarbeitersicherheit. Mit rund sieben Prozent der Gesamtkosten sei der Anteil von Waschchemikalien an den Gesamtkosten relativ gering. Durch eine bessere Leistung könnten jedoch zusätzlich Kosten bei den großen Kostentreibern Personal, Wäscheabnutzung oder Energieeinsatz erzielt werden. „Enzyme sorgen dafür, dass die Tenside bis in die tiefsten Wäscheschichten vordringen und somit Flecken aus den tiefen Schichten des Textils entfernen“, erklärte Josef Huber. Der Anteil an der Nachwäsche soll so deutlich verringert werden.
Ein weiterer Vorteil sei die Gewebeschonung und ein somit längerer Lebenszyklus, da das Produkt ohne Peressigsäure arbeite. In diesem Zusammenhang betonte der Referent auch die geringeren Risiken bei der Lagerung und Anwendung sowie den dezenten Frischeduft. Das Ariel-Professional-System biete ebenfalls Waschprogramme zur wirksamen Desinfektion. Entscheidet sich ein Betrieb für das Waschsystem, erfolgen zuerst eine Analyse der Bedürfnisse und ein darauf abgestimmter Produkteinsatz. Acht Elemente können je nach Ansprüchen im Baukastensystem kombiniert werden. Anschließend könne genau errechnet werden, wie viel ein Kilogramm Wäsche tatsächlich kostet.
Umfassend informiert und mit vielen Anregungen im Gepäck, verabschiedeten Kuno Graßner und Walter Imp die Teilnehmer. Das nächste Bundesinnungstreffen findet in Niederösterreich statt, im darauf folgenden Jahr trifft sich die Branche in Wien.
Vanessa Ebert
Infos: www.wko.at/ooe, www.guetezeichen.org, www.textilreiniger.at