Jahrestagung der Gütegemeinschaft sachgemässe Wäschepflege e.V. Gute Stimmung im Jubiläumsjahr

Vom 10. bis 12. Oktober 2013 trafen sich die Mitglieder der Gütegemeinschaft für sachgemäße Wäschepflege e.V. in Bad Kissingen. Es wurde nicht nur über aktuelle Themen diskutiert, sondern auch 75 Jahre Gütezeichen sowie 60 Jahre Gütegemeinschaft gefeiert.

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    Johnson Eliezer-Jensen betrachtete die Gütesicherung auf philosophische Weise.
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    Josef Kurz erzählte über die Anfänge der Gütegemein-schaft.
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    Jan Beringer brachte Neuigkeiten zu einem Selbstentzündungstestgewebe mit.
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    Andreas Schmidt betonte, wie wichtig Gemeinschaftsforschung ist. Fotos: Schönhaar
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    Markus Beeh (li.) und Christian Mechel referierten zu den Themen Energiewende und Nachhaltigkeit.
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    Rose-Marie Riedl informierte über die Neugestaltung der Website der Gütegemeinschaft.
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    Projektleiterin Anja Mozer erläuterte die inhaltlichen und optischen Veränderungen.
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    Frank Tippelt mahnte die Betriebe zur regelmäßigen Wartung ihrer Maschinen.
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    Ludger von Schoenebeck präsentierte ein neues Ausbildungskonzept der Hohenstein Academy.
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    Klaus-Dieter Zastrow hatte interessante Neuigkeiten aus der Krankenhaushygiene dabei.

Gute Stimmung im Jubiläumsjahr

Im Jubiläumsjahr der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege war die Jahrestagung besonders gut besucht und auch die Stimmung war entsprechend positiv. Mit rund 330 Teilnehmern konnte die Gütegemeinschaft nach eigenen Angaben einen Besucherrekord verzeichnen. Karl-Rainer Dauer, 1. Vorsitzender des Verbands, freute sich über das Interesse der Mitglieder und begrüßte alle herzlich am traditionellen Tagungsort in Bad Kissingen.

Am Vormittag fanden parallel drei Intensivworkshops statt. Themen waren die Beurteilung von Waschverfahren, die Bedeutung der RAL-GZ 992 bei Ausschreibungen im Gesundheitswesen sowie das zeitgemäße Personalmanagement in Gütezeichenbetrieben.

Es folgte die Mitgliederversammlung mit den obligatorischen Berichten. Mit Stand zum 25. September 2013 hat die Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege 375 Mitglieder und 90 Fördermitglieder. Zu den aktuell geplanten Forschungsvorhaben gehören ein Projekt mit dem Titel „Sichere Desinfektion mit Waschverfahren bei hoher organischer Schmutzfracht“ sowie ein Projekt zum „Erhalt der Schutzfunktion von Feuerwehrschutzbekleidung durch Entwicklung innovativer, angepasster industrieller Wiederaufbereitungsverfahren“. Ein wichtiger Arbeitsbereich der Gütegemeinschaft sei auch der Transfer von Forschungsarbeiten in die Praxis der Gütezeichenbetriebe sowie die Arbeiten zum Gütezeichen, um immer auf dem aktuellen Stand zu sein.

Auf der Tagesordnung stand auch die Abstimmung zum neuen Beitragsstufenmodell des Verbands. Bei der Mitgliederversammlung 2012 hatte man eine Satzungsänderung zur Beitragsbemessung nach Tagestonnagen (statt nach gemeldeten Lohnsummen) ab dem Jahr 2013 beschlossen. Einig wurde man vergangenes Jahr allerdings nicht über die Beitragsstaffelung. Hierzu legten Vorstand und Geschäftsführung nun eine überarbeitete Tabelle in zwei Varianten zur Abstimmung vor. Die Variante, die die Beitragsgruppen in insgesamt 13 unterteilt, wurde von den Mitgliedern angenommen. Mit diesem Modell soll das Beitragsbemessungsverfahren laut Vorstand und Geschäftsführung nun gerechter sein.

Es folgten Neuwahlen von Güteausschuss und Vorstand (siehe Kasten „Wechsel im Vorstand“ auf Seite 16).

Güte sichern und Güte leben

Die anschließende Vortragsveranstaltung begann mit Ausführungen von Johnson Eliezer-Jensen. Der Pfarrer und Unternehmer betrachtete Gütesicherung und Werte auf philosophische Weise. „Ich halte ,Güte‘ für eines der schönsten Worte der deutschen Sprache“, sagte er. Sie beschreibe sowohl eine innere Einstellung als auch die Hochwertigkeit eines Produkts, einer Leistung oder Prozesses. „Die Güte hat es schwer in dieser Welt“, meinte Eliezer-Jensen, „wohl deshalb braucht sie eine ,Gütesicherungstruppe‘, also Sie alle. Als Gütegemeinschaft sind Sie miteinander verbunden in der Bemühung, eine Leistung zu bieten, die überragend ist.“ Mit vielen kleinen Geschichten zeigte der Schweizer indischer Abstammung: Was wir sind und was wir tun, gehört zusammen. Seine Botschaft an die Gütegemeinschaftsbetriebe war: „Wenn wir glaubwürdig sein wollen, müssen wir unsere Werte leben. Güte sichern und Güte leben gehen Hand in Hand.“

Güte sichern und leben - das tut die Gütegemeinschaft seit 60 Jahren aktiv am Markt. Das Gütezeichen sachgemäße Wäschepflege gibt es sogar bereits seit 75 Jahren. Zu diesem Doppeljubiläum hielt das Hohensteiner Urgestein Prof. Dr. h.c. Josef Kurz einen unterhaltsamen Vortrag, in dem er einen Überblick über die Geschichte der Wäscherei und des Textilservice sowie über die Anfänge der Gütegemeinschaft gab. So wurde am 3. Juni 1938 von der „Fachuntergruppe Industrielle Wäscherei“ und dem Reichsinnungsverband des Wäscherei- und Plättereihandwerks das „Gütezeichen für sachgemäßes Waschen“ ins Leben gerufen. Als „Vater“ des Gütezeichens gilt Willy Löcher, Wäschereibesitzer aus Köln, der bereits 1935 die Idee zu einem Gütezeichen hatte. Als Ehrengast durfte die Gütegemeinschaft in diesem Jahr in Bad Kissingen den Enkel von Willy Löcher begrüßen - dieser hat zwar nichts mit der Wäschereibranche zu tun, verfolgte dennoch mit Interesse die Ausführungen von Josef Kurz. „Wenn man die Entwicklung des RAL-Gütezeichens für sachgemäße Wäschepflege in der Rückschau bewerten will, kommt man zu der Festestellung, dass in den 75 Jahren seit dem ersten Gütezeichen eine stetige Anpassung an die jeweiligen Erfordernisse der Zeit erfolgt ist.“ Dies bedeute, dass die Gütegemeinschaft, wie sie sich vor 60 Jahren konstituiert hat, eine lebendige Organisation ist. Bei den Kunden gewerblicher Wäschereien sei das Gütezeichen ein Ausweis für gute Qualität mit dem Anspruch von maximaler Sauberkeit und Hygiene. Mittlerweile haben sich die Gütezeichen 992 auch international etabliert.

Innovationen und Projekte

Welche Innovationen der Hohenstein Institute die Wettbewerbsfähigkeit der Gütezeichenbetriebe steigern sollen, erfuhren die Mitglieder nach der Kaffeepause von Hohensteiner Mitarbeitern. Dr. Andreas Schmidt erläuterte den Sinn und die Hintergründe der Gemeinschaftsforschung. Forschung und Entwicklung seien für gewerbliche Wäschereien nicht nur hilfreich, sondern auch notwendig, um sich Wettbewerbsvorteile gegenüber Mitbewerbern zu verschaffen. „Für jeden einzelnen Wäschereibetrieb ist es nicht möglich, neben dem laufenden Betrieb ,mal eben etwas auszuprobieren‘“, gab Schmidt zu bedenken. Es sei auch sehr wahrscheinlich, dass ein anderer Betrieb genau dieselben Versuche durchführt, ohne dass beide voneinander wissen. „Hier gilt es ganz klar, durch Gemeinschaftsforschung Doppelarbeit zu vermeiden und Synergien zu nutzen“, so Schmidt.

Sein Kollege Dr. Jan Beringer zeigte verschiedene Felder auf, in denen Gemeinschaftsforschung aktuell wichtig ist. Dazu zählen z.B. Nachhaltigkeit in Wäschereien, die Vertretung in Normungsgremien oder die Entwicklung neuer Testgewebe. Eine gegenwärtige Forschungstätigkeit mit aktuellem Hintergrund sei z.B. die Entwicklung eines sogenannten „Selbstentzündungstestgewebes“. „Die Aktualität des Problems wird durch die erst kürzlich bekanntgewordenen Wäschereibrände bestätigt“, sagte Beringer.

Erste Voruntersuchungen konnten zu den Testgeweben bereits abgeschlossen werden, wie er anhand von Fotos und einem Video von sich selbst entzündenden Geweben zeigte.

Energiewende und Nachhaltigkeit

Die Energiewende und ihre Auswirkungen auf die Betriebe waren Thema von Dipl.-Ing. Markus Beeh. Europa habe sich ehrgeizige Energiestrategien vorgenommen. Bis 2020 sollten 20 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs durch erneuerbare Energien abgedeckt sein, außerdem die Treibhausgasemissionen um 20 Prozent gegenüber 1990 reduziert sowie die Energieeffizienz um 20 Prozent gesteigert werden. Die „Energy Roadmap 2050“ sieht sogar eine Einsparung der EU-Treibhausgasemissionen von 85 bis 90 Prozent bis 2050 vor. Die Energiewende ist und bleibt also ein Thema. Damit die Gütegemeinschaftsbetriebe dafür gerüstet sind, forschen die Hohenstein Institute auch in diesem Bereich.

Als Reaktion auf die energiepolitische Lage hat die Gütegemeinschaft die Hohenstein Institute beauftragt, ein praktikables System zur Bewertung der Nachhaltigkeit einer gewerblichen Wäscherei zu entwickeln. Dipl.-Ök. Christian Mechel erarbeitet das Bewertungssystem im Rahmen seiner Dissertation. Ziel ist es, einen aussagekräftigen Nachhaltigkeitsindex zu generieren, und zwar individuell für jeden interessierten Wäschereibetrieb. Die individuelle Betriebssituation wird durch einen Gesamtgewichtungsfaktor berücksichtigt, der die Bewertungsstufen für den Verbrauch an Energie, Chemie und Wasser sowie für Transport anpasst, bevor die eigentliche Bewertung beginnt. Der Nachhaltigkeitsindex soll ein aussagekräftiges Werkzeug darstellen, um die Situation eine Wäschereibetriebs zu analysieren und dessen Nachhaltigkeitsleistung mit der gesamten Branche „fair“ zu vergleichen. Als Folge daraus können umweltrelevante und ökonomische Schwachstellen aufgezeigt werden und Handlungsempfehlungen für Verbesserungen sind mit quantitativen Vorgaben ableitbar, planbar und kontrollierbar (einen ausführlichen Artikel zum Nachhaltigkeitsindex gab es in RWTextilservice Ausgabe 3/2013, „Keine Äpfel mit Birnen vergleichen“).

Über die Neugestaltung der Website der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege informierten Rose-Marie Riedl und Anja Mozer von den Hohenstein Instituten. Seit Oktober 2013 präsentiert sich die Website unter www.waeschereien.de nach einem Relaunch inhaltlich überarbeitet und in einer modernen Optik. Anja Mozer ist Projektleiterin der Websiteneugestaltung und Ansprechpartnerin für neue Medien. Sie erläuterte die neuen Inhalte und Funktionalitäten. So ist z.B. die Möglichkeit hinzugekommen, Wäschereien über verschiedene Suchkriterien wie Land, Adresse oder geführte Gütezeichen webbasiert zu suchen. Im passwortgeschützten Mitgliederbereich können Gütezeichenbetriebe u.a. auf für sie aufbereitete Informationen, Adressmaterial, Mustertexte, Werbematerialien und Anleitungen der Gütegemeinschaft zurückgreifen. In Kürze soll auch eine englischsprachige Version unter www.quality-laundry.com ans Netz gehen und international über die Belange der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege informieren.

„Wartung kommt nicht von warten“

Frank Tippelt von den Hohenstein Instituten ging auf Vermeidung kostenverursachender Fehler im Betriebsablauf ein. Er fragte die Teilnehmer: „Wer überprüft eigentlich wann und wie oft die Entwässerungsleistung der Waschmaschinen? Wer ist zuständig für die regelmäßige Reinigung der Flusensiebe und wer checkt die Messfühler auf einwandfreie Funktion?“ Tippelt machte klar: Moderne Maschinen sind nur so gut, wie Wartung und Unterhaltsreinigung es zulassen. Eine vollautomatische Flusensiebreinigung für Trockner oder eine elektronische Mangelbandüberwachung sei nicht gleich als „putzfreie Zone“ zu verstehen. „Wartung kommt nicht von warten“, betonte er, „sondern bedeutet Instandhaltung, Pflege und Vorsorge der technischen Anlagen, um deren Funktionsfähigkeit und die Gesundheit aller Mitarbeiter zu erhalten.“ Er forderte die Wäschereileiter auf, mit offenen Augen und Ohren durch den Betrieb zu gehen, um kostenverursachende Fehler im Ablauf zu vermeiden. Als Beispiel führte Tippelt auf, dass eine Eingabemaschine mit Flusen auf den Bürsten in der Streckeinrichtung bares Geld kostet. Oder dass eine Faltmaschine mit teilweise glatten Gurten zu Qualitätseinbußen führt - wenn dann noch derLuftdruck aufgrund von Undichtigkeiten schwankt, geht die Leistung „in die Knie“. Zielsetzung müsse es sein, eine technische Verfügbarkeit von mehr als 95 Prozent bei gleichzeitig hoher Produktqualität und Prozesssicherheit sicherzustellen.

Und auch ohne qualifiziertes Personal geht es im Wäschereibetrieb nicht: Um zukünftige Ausbildungsmöglichkeiten von Fach- und Führungskräften für die Gütegemeinschaft ging es im Vortrag von Ludger von Schoenebeck. „Wir haben ein Problem, Führungskräftenachwuchs für die Textildienstleistungsbranche zu gewinnen, und müssen hier etwas tun“, sagte er. Ein neues Ausbildungskonzept der Hohenstein Academy sieht eine Weiterbildung für bereits in der Praxis tätige Führungskräfte vor. Innerhalb von drei Semestern soll alles gelehrt werden, was für einen technischen Manager in einem Textildienstleistungsunternehmen erforderlich ist, der als Betriebsleiter oder Niederlassungsleiter arbeiten will. Zu den Lehrblöcken gehören Textilien, Chemie/Physik, Maschinen/Technik, Verfahren, Organisation/Rationalisierung, Nachhaltigkeit, Menschenführung sowie Betriebswirtschaft. Die Wissensvermittlung erfolgt berufsbegleitend nach dem System des Blended Learnings, wobei sich Präsenzunterricht und E-Learning ergänzen. Nach erfolgreichem Studium kann die Prüfung zum „technischen Manager industrieller Textilservice“ an der Hohenstein Academy abgelegt werden.

Podiumsdiskussion: Zukunft des Mietservice

Am Samstag startete die Tagung mit einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Der Textilservice im Zeitalter von Wellness, Wohlempfinden und Entspannung - Visionen für innovative Dienstleistungsangebote im Gesundheitswesen und der Hotellerie“. Karl-Rainer Dauer moderierte die Diskussion und sagte zur Einführung: „Dem Wunsch nach Individualität bei der Ausstattung mit Wäsche stehen logistische und ökonomische Rahmenbedingungen gegenüber.“ Als Experten diskutierten über zukünftige Gestaltungsmöglichkeiten für den Mietservice neben Pia Bessmann und Peter Beirholm von Beirholm, Kolding (Dänemark), auch Ellen Petow von der Hesse GmbH, Dransfeld, Ludger von Schoenebeck und Andreas Janning von den Hohenstein Instituten sowie Andreas Langer und Michael Harre von Kannegiesser, Vlotho.

Ellen Petow berichtete von Trends im Mietservice aus ihrer Erfahrung. Bei Bettwäsche und Frottierware würde nach wie vor Weiß favorisiert. Im Wellnessbereich sei das anders. „Durch Aroma- oder Massageöle entstehen hier schwierige Verfleckungen. Wir empfehlen unseren Kunden deshalb farbige Wellnesstücher“, erläuterte sie. Auch im Gesundheitswesen werde ihrer Erfahrung nach häufig farbige Bettwäsche gewünscht, damit sich „die Patienten heimisch fühlen können“.

Bei den farbigen Textilien stellt sich laut Ludger von Schoenebeck dann die Frage, welche Aufbereitungsprozesse geeignet sind. „Das erfordert oft hohe Flexibilität in den Betrieben und auch innovative Miettextilien“, betonte er. Diese Textilien entwickelt z.B. Beirholm. Als Textilhersteller legt das Unternehmen Wert auf Design, Qualität und Funktionalität seiner Produkte. Peter Beirholm hat daneben aber auch die Nachhaltigkeit seiner textilen Konzepte im Blick. Langlebigkeit ist ein Stichwort hierzu. Mit dem nachhaltigen Produkt „BeirTex“ will Beirholm nicht nur den Endnutzer zufriedenstellen und die Umwelt schützen, sondern als Partner von Textildienstleistern auch auf Prozessoptimierung in deren Abläufen achten.

Flexible Maschinenlösungen gefordert

Durch immer mehr Individualität bei den Textilien steigen auch die Anforderungen an die Waschtechnik, wie Andreas Langer berichtete. Größere Artikelvielfalt, variierende Wäschemengen, Hygieneanforderungen und Kostendruck erfordern hohe Leistungen und Flexibilität der Maschinen. Kannegiesser hat diesen Entwicklungen mit der Waschstraße „PowerTrans Plus“ Rechnung getragen. Eine spezielle Entwicklung soll es ermöglichen, weiße Wäsche nach farbiger zu bearbeiten; außerdem sei die Bearbeitung unterschiedlichster Postengrößen möglich. Und auch im Finishbereich hat Kannegiesser entsprechende Maschinen und Lösungen entwickelt, die u.a. den Werterhalt durch höchste Textilschonung im Fokus haben. Michael Harre erwähnte in diesem Zusammenhang die ECO2power-Technologie für Trockner mit Trockengraderkennung, bei der die Ware überwacht wird und so keine Überhitzung stattfinden soll.

Auch die Hohenstein Institute forschen in Richtung Aufbereitung farbiger Textilien. Andreas Janning berichtete von einem Projekt zu farbigen Textilien in der Wäscherei. In zwei Betrieben werden dabei Untersuchungen mit farbiger Mischgewebeware durchgeführt. Karl-Rainer Dauer resümierte: „Alle Kundenwünsche werden wir nicht erfüllen können - es machen auch nicht alle Sinn.“ Hier sei Überzeugungsarbeit der professionellen Wäscher bei ihren Kunden gefragt.

Traditionell durfte in Bad Kissingen natürlich auch ein Vortrag von Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow nicht fehlen. Der frischgebackene Professor und Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Hygieniker in Berlin erläuterte die Auswirkungen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) auf das Hygienebewusstsein im Gesundheitswesen. Aus der verbindlichen RKI-Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention gehen z.B. Forderungen zur Krankenhausreinigung hervor, die für Wäscher interessant sind. Tücher und Wischbezüge zum mehrmaligen Gebrauch sollen demnach maschinell thermisch bzw. chemothermisch desinfizierend aufbereitet werden. Sie müssen so aufbewahrt werden, dass es nicht zu einer Vermehrung von Mikroorganismen kommen kann (z.B. Trocknung im Trockner). „Dies führt dazu, dass die Reinigungsutensilien, die in der Vergangenheit sehr stiefmütterlich behandelt wurden, zunehmend nach RAL aufbereitet werden“, sagte Zastrow. Mit Geldmangel könnten Krankenhäuser nun unzureichende Hygiene auch nicht mehr begründen: Ein Finanzierungsgesetz-Hygieneförderprogramm führt laut Zastrow im Jahr 2013 zu einer geschätzten Entlastung der Krankenhäuser in Höhe von circa 415 Millionen Euro und etwa 690 Millionen Euro 2014. „Die Maßnahmen, die der neue § 23 des IfSG fordert, werden damit vollständig finanziert“, so der Hygieneexperte.

Das Programm der Gütegemeinschaftstagung wurde von gelungenen Abendveranstaltungen abgerundet, die ausreichend Zeit zum Austausch boten.

Die Jahrestagung der Gütgemeinschaft soll im nächsten Jahr vom 16. bis 18. Oktober 2014 stattfinden. Elena Schönhaar