Eine Wäscherei in Bad Lippspringe schafft Verbindungen: In „Die Brücke“ arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand zusammen. Das ist Inklusion im besten Sinne. In diesem Jahr feiert „Die Brücke gGmbH“ ihr 20. Jubiläum. Wir haben den Integrationsbetrieb besucht und uns u.a. die neue, ergonomisch optimierte Mangel von Electrolux Professional angesehen.
3 Herzlich Willkommen! Die Begrüßung ist genauso erfrischend wie die gesamte Atmosphäre. Mitarbeiterin Ina Schefer setzt sich zu uns an den Tisch. Wir freuen uns, sie und ihre Arbeitgeberin kennenzulernen. Die hochmotivierte und als Hauswirtschaftskraft ausgebildete Mitarbeiterin profitierte als eine der Ersten von der Gründung der gemeinnützigen Gesellschaft. Noch keine 20 Jahre, aber immerhin 18 Jahre ist sie dabei. Konsequent an der Mangel. Ina Schefer liebt ihren Arbeitsplatz, vor allem jetzt, an der neuen, ergonomisch ausgereiften Hochleistungsmangel, einer Electrolux C-Flex 12301, in die der Betrieb gerade investiert hat.
Einstieg ins Wirtschaftsfeld Textilservice
„Die Wäschepflege hat mir schon immer viel Spaß gemacht“, antwortet sie uns auf die Frage, was sie an ihrem Beruf liebt. Sie lernte „Die Brücke“ während eines zweiwöchigen Praktikums im Jahr 1998 kennen, im Anschluss an einen mehrjährigen Hauswirtschaftslehrgang für Jugendliche mit schweren Lernbehinderungen beim Kolping-Berufsförderungszentrum in Paderborn. Das war ihr Einstieg in eine berufliche Zukunft auf dem ersten Arbeitsmarkt und im Wirtschaftsfeld Textilservice.
Möglich gemacht hatten ihn die heutige Geschäftsführerin Adelheid Hoffbauer und ihr Mann Dirk Hoffbauer. Und hier beginnt die Gründungsgeschichte: Auch Tochter Julia Hoffbauer hatte im Jahr 1996 einen Lehrgang im Bereich Hauswirtschaft für schwerbehinderte Jugendliche in der Einrichtung des Kolping-Berufsförderungszentrum abgeschlossen. Es bestand allerdings keinerlei Aussicht auf einen angemessenen Arbeitsplatz auf dem freien Markt. Die engagierten Eltern wollten sich mit diesem vermeintlichen Schicksal ihrer Tochter nicht zufrieden geben und ergriffen die Initiative. Sie gründeten „Die Brücke“ und schufen echte Arbeitsplätze für die insgesamt zwölf jungen Menschen mit Handicap. „Ohne einen adäquaten Arbeitsplatz hätten meine Tochter und die anderen jungen Menschen buchstäblich auf der Straße gestanden. Mein Mann und ich wollten das ändern“, erzählt Adelheid Hoffbauer mit ungebrochener Leidenschaft für ihr Lebenswerk.
Know-how vom Textilpflegeprofi
Einen beruflichen Hintergrund in der Textilpflegebranche hatten weder sie noch ihr zwischenzeitlich verstorbener Ehemann. Das fehlende Fachwissen glichen von Anfang an qualifizierte Mitarbeiter aus. Seit 1999 ist Betriebsleiterin Anja Knaup für die Produktion verantwortlich. Die studierte Ingenieurin bringt die nötigen Erfahrungen aus der professionellen Textilpflege mit und die ebenso wichtige menschliche Führungskompetenz.
Der Einstieg in das Wäschereigeschäft mit dem Konzept eines Integrationsbetriebes war dennoch ein mutiger Schritt. Einer, den Adelheid Hoffbauer niemals bereute. „Damals wie heute hat die Arbeit für unsere Mitarbeiter mit Behinderung einen hohen Stellenwert. Sie ist ihr Lebensmittelpunkt“, betont die ehemalige Lehrerin. Ihre pädagogische Ausbildung war die Voraussetzung dafür, dass die Wäscherei als Integrationsbetrieb anerkannt wurde.
Offizielle Eröffnung war im August 1996. Als Produktionsstätte diente zunächst das leerstehende Rohrlager eines ehemaligen Kinoleinwandherstellers, von dem Dirk Hoffbauer Mehrheitsanteile besaß. Zusammen mit dem Kolpingbildungswerk, das heute 51 Prozent der Unternehmensanteile hält, wurde die gemeinnützige GmbH gegründet. Der Geschäftsführer des Bildungswerks in Paderborn, Wolfgang Gelhard, bildet zusammen mit Adelheid Hoffbauer die Geschäftsführung von „Die Brücke“. Seit drei Jahren gehört auch Schwiegertochter Christiane Hoffbauer zur Geschäftsleitung. Sie selbst hatte ihr Praktikum während des Studiums hier absolviert und war vom Konzept begeistert. Heute ist die Diplom-Pädagogin sowohl Personalleiterin als auch für die psychosoziale Betreuung der behinderten Mitarbeiter verantwortlich.
Ein ganz normales Unternehmen
Gefördert wird der Vorbildbetrieb in Westfalen-Lippe vom zuständigen Landschaftsverband (LWL). Hilfe bei der Mitarbeitersuche bekommt „Die Brücke“ zudem vom Integrationsfachdienst Paderborn (IFD). „Geeignetes Personal zu finden, ist für uns wichtig, denn wir müssen uns auf dem freien Markt behaupten wie jede andere Wäscherei auch“, betont die Personalchefin. „Wir sind trotz allem ein ganz normales Unternehmen“, ergänzt die Schwiegermutter. „Und so wollen wir auch gesehen werden.“
Heute sind 55 Menschen aus dem Bad Lippspringer Umland im Wäschereibetrieb beschäftigt, ungefähr die Hälfte davon sind Mitarbeiter mit Handicap. Ihre Beeinträchtigungen umfassen leichte körperliche und psychische Einschränkungen, z.B. Lernbehinderungen, Gehörlosigkeit oder Sehschwächen. Bei Schwierigkeiten im Arbeitsablauf werden sie von den übrigen Angestellten mit fachlichen Anweisungen unterstützt. Genau darum gehe es, so Christiane Hoffbauer. Eine wirtschaftlich sinnvolle und relevante Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung sei letztendlich der Weg zur echten Integration in die Gesellschaft. „Inklusion kann erfolgreich gelingen. Dafür sind wir der beste Beweis.“ Sie ist vom starken Zusammenhalt der Mitarbeiter jeden Tag aufs Neue begeistert. „Jeder bringt sich nicht nur nach seinen Fähigkeiten ein, sondern sorgt auch für den anderen mit. Es sind vor allem die Menschen mit Behinderung, die uns menschlich bereichern.“
Spürbare Erleichterung im Arbeitsalltag
Ina Schefer stimmt beherzt zu. „Bei uns haben alle gute Laune. Außerdem werde ich von den anderen immer gut unterstützt. Natürlich gibt es auch mal Stress und Hektik. Aber das ist ja ganz normal“, erklärt sie lächelnd. Die Chefinnen wissen das Engagement ihres Personals sehr zu schätzen, vor allem die Zuverlässigkeit von erfahrenen Mitarbeiterinnen wie Ina Schefer. Die ruhige und hilfsbereite Fachfrau an der Mangel springe jederzeit ein, wenn „Not am Mann“ sei. Sie freut sich über die Vorzüge der neuen Electrolux C-Flex 12301. Die Hochleistungsmangel, ein 1-Roller mit einem 1.200 mm Arbeitsdurchmesser und einer Arbeitsbreite von 3 m, verschaffe eine spürbare Erleichterung in ihrem Arbeitsalltag, so Ina Schefer. Sie könne nun mit geradem Rücken arbeiten. Die Eingabe der Textilien sei nun wesentlich einfacher. Und mit ein wenig Übung seien sicherlich bald alle in der Lage, die gewünschte Mangelqualität zu erzielen. „Die Mangel ist in der Tat das Herzstück unserer Produktion“, erklärt Adelheid Hoffbauer. „Wir haben einen extrem hohen Anteil an Mangelwäsche. Außer uns gibt es am Ort gar keine traditionelle Heißmangel. Damit haben wir eine echte Alleinstellung, nicht nur für Privatkunden. Inzwischen sind wir ein attraktiver Subunternehmer für Großwäschereien, deren Kunden großen Wert auf erstklassig gemangelte Textilien legen.“
Jedes Teil von Hand gefaltet
Gefaltet wird die gemangelte Wäsche übrigens ausschließlich von Hand. Jeder neue Mitarbeiter mit Handicap startet seine „Karriere“ in der Produktion daher erst einmal am Falttisch. „Dann schauen wir, wo die individuellen Talente liegen und welche Aufgaben wir dem Einzelnen zuteilen können“, erklärt Christiane Hoffbauer. „Die Tatsache, dass wir sehr viel Handarbeit haben, zeichnet uns aus. Daher sind wir idealer Servicepartner für Altenheime, soziale Einrichtungen oder die Gastronomie. Neben dem Waschen, Trocknen, Bügeln und Mangeln erledigen wir Näharbeiten. Alle Textilien, die gereinigt werden müssen, geben wir an Kooperationspartner am Ort ab. Die pünktliche Auslieferung übernehmen unsere eigenen Fahrer.“
Die Arbeitsabläufe im Betrieb sind bestens geregelt. Für alle, die nicht lesen können, gibt es hilfreiche Piktogramme oder Zeichnungen, auch an den Maschinen: „Max & Moritz“ beispielsweise. Kreativität ist gefragt, um Brücken zu schlagen, die ein barrierefreies Zusammenwirken möglich machen. So werden täglich rund 2 t Textilien bearbeitet, von der Tischdecke für Restaurants über das Oberhemd bis hin zu kirchlichen Gewändern. Die Aufbereitung von Hygienewäsche gehört zum Tagesgeschäft. „Wir sind selbstverständlich zertifiziert und besitzen die RAL-Gütezeichen 1 bis 4“, informiert Adelheid Hoffbauer.
Auch in Zukunft sollen vorhandene Arbeitsplätze gesichert und weitere geschaffen werden. Die Chancen stehen gut. Gerade konnten vier neue Mitarbeiter eingestellt werden. Dass der Erfolg mit der richtigen Technik steht und fällt, sei keine Frage, so Adelheid Hoffbauer. Hier hatten die Quereinsteiger vor 20 Jahren besonders hohen Beratungsbedarf. In Ralf Brinkmann, einem von neun „Electrolux-Professional-Laundry-Excellence“-Partnern in Deutschland, fanden sie den Technikpartner ihres Vertrauens. „Herr Brinkmann trägt unsere Idee von Anfang an mit.“ Er kenne die Anforderungen und denke nicht nur technisch, sondern vor allem auch menschlich mit. So habe auch ihr Maschinenpartner maßgeblich zum Erfolg beigetragen.
Vom Rohrlager zum modernen Betrieb
Adelheid Hoffbauer ist zufrieden mit der Entwicklung der letzten 20 Jahre. Und stolz auf den Betrieb, der von der Schwiegertochter weitergeführt werden wird. Aus dem einstigen Rohrlager ist ein moderner Betrieb geworden, der 2013 durch einen Neubau erweitert wurde. „Die Brücke“ kann sich sehen und feiern lassen: ganz offiziell bei einem Tag der offenen Tür im März 2017.