Hotel-Zentralwäscherei Gstaad, Schweiz Hightech auf der grünen Wiese

Es wurde zu eng in der Hotel-Zentralwäscherei Gstaad. Da eine Erweiterung nicht möglich war, hat die Schweizer Genossenschaftswäscherei sich für einen Neubau entschieden. Seit Mai 2015 läuft der neue, hochmoderne Betrieb, der u.a. mit Technik von BIKO und HeBeTec arbeitet. RWTextilservice war vor Ort.

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    HZW-Betriebsleiter Eric Oswald (li.) und BIKO-Gründer Rudolf Kobel haben beim Neubauprojekt eng zusammengearbeitet. Fotos: Schönhaar
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    2 Hansjörg Sumi hat die komplexe Gebäudetechnik der Wäscherei selbst geplant.
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    Die Hotel-Zentralwäscherei Gstaad (HZW) ist seit Mai 2015 in Betrieb.
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    1 Die Hotelwäsche kann an drei Mangelstraßen bearbeitet werden.
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    Mitarbeiterin an der Expedition
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    5 Der Jetstream Aire sorgt für Sauberkeit in der Produktionshalle.
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    3 Moderne Maschinen, die ökologisch und ökonomisch arbeiten, stehen in der HZW.
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    6 Die Frotteefaltanlage Maria von BIKO wurde auch optisch individualisiert.
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    4 Perfekt gemangelt kommen diese Servietten hinter der Mangelstraße an.
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    So sieht die untere Etage der BIKO-Technik aus.

3 Ein idyllisches Dorf im Berner Oberland. Die meisten Häuser sind im Chalet-Stil erbaut. Gstaad im Schweizer Kanton Bern ist sowohl im Winter als auch im Sommer Urlaubsziel für zahlungskräftige Touristen, sogar zahlreiche Prominente verbringen hier ihre Ferien. Die Hauptsaisons gehen von Mitte Dezember bis Mitte März und Mitte Juni bis Mitte September. Dann sind die Hotels in Gstaad, darunter auch einige Fünf-Sterne-Häuser, ausgelastet – und brauchen eine Menge Wäsche.

Im Jahr 1968 beschlossen elf Hoteliers der Region, sich in Sachen Wäscheaufbereitung zusammenzutun. Sie gründeten die erste Genossenschaftswäscherei in der Schweiz, die Hotel-Zentralwäscherei Gstaad (HZW). Ziel war es, die Wäsche zentral zu waschen,  Synergien zu nutzen und Kosten zu sparen bei gleichzeitiger Erfüllung des hohen Qualitätsanspruchs der Hotels. Das Konzept hat sich bewährt. Mittlerweile sind 26 Hotels Mitglieder der Genossenschaft. Die HZW wäscht und reinigt als textiler Vollversorger alles, was in Hotels anfällt. 70 Prozent der bearbeiteten Textilien sind Eigenwäsche, 30 Prozent laufen im Leasing, erklärt Betriebsleiter Eric Oswald. „Alles wird kundenindividuell bearbeitet, d.h. die Wäsche eines Kunden komplett gewaschen, getrocknet, gemangelt, gefaltet.“ Oswald übernahm die Leitung der HZW 2005. Es lief gut, die Aufträge nahmen zu und somit auch das Wäscheaufkommen. Schnell wurde damals klar: Am alten Standort reichen die Kapazitäten bald nicht mehr aus. Ein Anbau war nicht möglich, die logische Konsequenz ein Neubau. Die Genossenschaft mit Präsident Bruno Kernen, ehemaliger Skirennläufer und Besitzer des Hotels Kernen, beschloss, eine moderne, ökologische Wäscherei zu bauen. In dem an Gstaad angrenzenden Örtchen Saanen fand die HZW entsprechenden Grund und baute dort sprichwörtlich auf der grünen Wiese. Der erste Spatenstich fand im Oktober 2013 statt. Erste Testläufe liefen im April 2015, seit dem 1. Mai ist die neue HZW offiziell in Betrieb; auf insgesamt etwa 2.500 m2 Produktionsfläche, verteilt über mehrere Ebenen inklusive einer Privatwäscherei. RWTextilservice war im August 2015 vor Ort und hat sich die großzügig gestaltete, moderne Wäscherei angesehen. Die neue HZW ist idyllisch gelegen mit Blick auf Berge und Wiesen. Die Produktionsräume sind hell, sauber, durchdacht strukturiert. Für Sauberkeit sorgt hier auch der Jetstream Aire, ein Produkt des deutschen Unternehmens HeBeTec. Der Ventilator wurde entwickelt, um Industriegebäude von der Deckenkonstruktion aus von Flusen zu reinigen bzw. präventiv vor Neuansammlung zu schützen. In der Schweiz vertreibt Wäschereimaschinenhersteller BIKO als Partner die Ventilatoren. HeBeTec ist wiederum in Deutschland Vertriebspartner für BIKO-Maschinen.

Zuverlässige Partner

Die HZW hat noch einige technische Details mehr zu bieten, wie der technische Leiter der Wäscherei, Hansjörg Sumi, erklärt. Er ist nicht nur gelernter Sanitär- und Heizungsbauer, sondern nebenbei auch ehemaliger Schweizer Skispringer. Oswald ist froh, mit ihm jemanden zu haben, der sich mit der komplexen Technik in der Wäscherei auskennt und den Ehrgeiz für ein großes Neubauprojekt hat. Zusätzlich hat die Wäscherei noch einen Elektriker an­gestellt. „Wir wollen möglichst alles selbst reparieren und unabhängig sein“, betont Oswald. Die Gebäudetechnik hat Sumi weitgehend selbst geplant. Bei den Rückgewinnungsanlagen hat er mit einem Ingenieurbüro zusammengearbeitet.

Ein wichtiger Projektpartner beim Neubau der HZW war auch der Schweizer Maschinenhersteller BIKO. BIKO-Gründer Rudolf Kobel und Eric Oswald haben ein offenes Miteinander, bei dem auch ­Kritik erlaubt ist. „Man braucht konstruktive Kritik, um nicht ­stehenzubleiben“, sind sich beide einig. Gemeinsam entwickelte man sich so auch während des HZW-Neubaus weiter. BIKO hat nicht nur Eingabe- und Faltmaschinen geliefert, sondern sogar Neuentwicklungen als individuelle Lösungen für die HZW gemacht. „Bei allen Maschinen zählen aber vor allem Zuverlässigkeit und Qualität“, sagt Kobel, „denn wenn z.B. eine unserer Eingabemaschinen stillsteht, steht die ganze Wäscherei.“ Er ist sich der Verantwortung bewusst, die der kleine Betrieb BIKO mit etwa 40 Mitarbeitern am Unternehmensstandort in Lyssach hier trägt. Bei allen Maschinenentwicklungen will man praktikable, effiziente Lösungen liefern, so Kobel: „Nicht die theoretisch mögliche ­Maximalleistung zählt, sondern die Teile, die am Ende des Arbeitstages in entsprechender Qualität fertig sind.“

Damit wirklich alle Teile, die die Hotels benötigen, pünktlich fertig sind, arbeitet die HZW mit insgesamt drei Mangelstraßen, alle mit Eingabe- und Faltmaschinen von BIKO. Die Straßen sind leicht vom Boden angehoben. „So kommt der Servicetechniker auch darunter, was vieles erleichtert“, weiß Kobel. Die Serviettenfaltmaschine ist von einem anderen Hersteller, aber trotzdem ins BIKO-Gesamtkonzept eingebunden. Für Großteile hat BIKO eine Eingabemaschine mit dezentraler Eingabe installiert, eine der Spezialitäten des Unternehmens. Der Mitarbeiter gibt hier ein Großwäscheteil in eine Klemme ein, diese fährt dann an einer Schiene nach oben. Dort können die Teile in Bahnen gespeichert werden und gehen dann automatisch zur Mangel. Das führt laut Kobel zu Vereinfachungen im Prozess und für die Mitarbeiter. Nach dem Mangeln und Falten gelangen alle Wäscheteile zu einer zentralen Abförderung.

Wichtig war in der HZW, dass man auch Kleinstposten rationell bearbeiten kann. Flexibilität ist dafür bei allen Abläufen erforderlich. Betriebsleiter Oswald erläutert: „Wegen der kundenindividuellen Bearbeitung muss es möglich sein, erst ein Leintuch und danach eine Serviette zu bearbeiten.“ Da sind individuelle Maschinenlösungen gefragt, die BIKO liefern konnte. Ein paar Maschinen kommen aus dem alten Betrieb der Genossenschaftswäscherei, das meiste ist neu; auch die beiden Waschstraßen, die den Hotels beim Ausfall einer Straße die nötige Sicherheit bieten. Es gibt acht Gastrockner mit 60 kg Beladekapazität. Die Trockner und die Bahnen des Wäschesackspeichers befinden sich im oberen Stock, jeweils in einem separaten Raum – das ist nicht nur wegen Flusen und Staub praktisch, sondern im Falle der Trockner auch aus energetischen und raumklimatischen Gründen, wie Hansjörg ­Sumi beim Wäschereirundgang berichtet. Die Trocknerabluft wird per Wärmetauscher für das Heizen im Winter verwendet. Zwei Reinigungsmaschinen mit 36 und 28 kg ergänzen die Wäschereitechnik. Sie stehen in der Privatwäscherei mit Reinigung, die von Gabriela Sumi, der Frau von Hansjörg Sumi, betreut wird.

Ökologisches Konzept

Trotz stark erweiterter Kapazitäten will die HZW ganz auf Qualität setzen und bewusst nur ein kleines Einzugsgebiet bedienen, Luftlinie etwa 20 km. „Die Wäsche über lange Strecken in Lkws zu transportieren, macht meiner Meinung nach wirtschaftlich keinen Sinn und für die Umwelt auch nicht“, ist Eric Oswald überzeugt. Sinn für die Umwelt macht aber sehr wohl das Gebäude, in dem die HZW sich befindet. Es ist nach Minergiestandard gebaut, einem Schweizer Baustandard. Ziel ist es, bei geschlossenen Fenstern im Sommer die Räume zu kühlen und im Winter zu beheizen, ohne viel Energie zuzuschießen. Sämtliche Lüftungen funktionieren vollautomatisch. Schon von außen merkt man dem Gebäude an, dass es neuesten Standards genügt. Die Türen öffnen sich mit Fingerabdruckscanner. Innen wie außen gibt es LED-Beleuchtung. Über den PC sind alle Komponenten und Daten des Wäschereigebäudes abruf- und steuerbar; sämtliche Anlagen und Geräte sind miteinander verbunden. Im ganzen Betrieb gibt es Energiezähler, insgesamt rund 60 Stück, um die volle Kontrolle zu haben. Die Schaltpläne und Programmierung der Gebäudetechnik hat Sumi gemacht, an der Umsetzung wird weiterhin laufend gearbeitet. „Es ist ein großes Projekt, ein komplexes System über die ganze Wäscherei hinweg – von Mangelabluft über Schnelldampferzeuger bis zu Heizung und Sanitär“, sagt Sumi. Die Software dazu wurde individuell für die HZW entwickelt. Alle Parameter lassen sich darüber ansehen, kontrollieren und verändern – egal ob Waschstraße oder Licht. Eric Oswald führt es vor: Mit einem Klick geht das Licht im kompletten ersten Stockwerk aus. Es ist auch via Smartphone programmierbar. Der Betriebsleiter ist begeistert von dem System: „Ich kann einstellen, dass um 21 Uhr spätestens das Licht ausgeht – falls jemand vergessen hat, es auszumachen, wird über Nacht keine Energie verschwendet. So versuchen wir, jedes Kilowatt zu sparen.“

Ressourcen sparen will man außerdem durch Rückgewinnung an verschiedensten Stellen. Auf der Waschstraße z.B. wird mit der Energie aus dem Entspannungsdampf von den Mangelstraßen gewaschen. Selbst das Kühlwasser der Reinigungsmaschinen wird wiederverwendet. Die zurückgewonnene Wärme geht in einen zentralen Wärmespeicher. Dieser befindet sich im Untergeschoss und hat ein Fassungsvermögen von 30.000 l. „Über den PC lässt sich sehen, wo im Speicher welche Temperatur herrscht“, erklärt der technische Leiter. Ebenfalls über die PC-Steuerung könne man in verschiedenen Schichten des Tanks mit entsprechendem Temperaturniveau Wasser entnehmen. Der Tank ist vollisoliert, so dass er über Nacht fast keine Energie verliert.

Auch für weitere technische Anlagen wird der geräumige Keller der Wäscherei genutzt, von Energie- und Wasserrückgewinnung bis Gebäudetechnik. Das gesamte Abwasser geht durch einen Rotationsfilter von der ABZ-Zierler GmbH & Co KG, anschließend fließt es durch einen Abwasserwärmetauscher, der wiederum das Frischwasser für die Waschstraße aufwärmt. Zum Hochfahren des ganzen Systems gibt es drei Schnelldampferzeuger mit je zwei Economisern, um auch hier möglichst energiesparend arbeiten zu können. Im Keller befindet sich außerdem das Chemielager der Wäscherei. Gewaschen wird mit Chemie von BEZEMA, dosiert mit vier Anlagen von Permatech. Genaue Dosierung, umweltfreundliche, chlorfreie Waschverfahren – darauf legt Oswald Wert.

Im Dachboden befinden sich verschiedene Wärmetauscher und Lüftungsanlagen. Obwohl alle Geräte und Leitungen gut isoliert sind, wird es einem als Besucher recht warm hier oben – aber auch wirklich nur hier. In den Produktionsräumen herrscht ein angenehmes Klima für die Mitarbeiter, nicht zuletzt dank der ausgeklügelten Gebäudetechnik. Fest arbeiten etwa 30 Vollzeitkräfte in der HZW. Da das Hotelgeschäft in Gstaad sehr saisonabhängig ist, braucht die Wäscherei während der Hochzeiten einige Mitarbeiter mehr. Gearbeitet wird sieben Tage die Woche.

Eric Oswald, Hansjörg Sumi und das ganze HZW-Team sind stolz auf die hochmoderne Wäscherei. Bis allerdings alles optimal läuft, wird es noch etwas dauern, da ist Oswald Realist. Erstmal will er die Wintersaison abwarten. Das Ziel des Betriebsleiters: 1 t pro Stunde zu schaffen. Auf dem Weg dorthin ist er auch immer offen für einen Austausch mit Kollegen und engagiert sich für die Textilpflegebranche. Seit Kurzem ist Oswald Vorstandsmitglied im ­Verband Textilpflege Schweiz.

Infos: www.hzwgstaad.ch/de, www.biko.ch, www.hebetec.de