Beratungsstelle Azuro Hilfe für Azubis in Not

Überstunden ohne Ausgleich, schuften, ohne dabei etwas zu lernen, Mobbing am Arbeitsplatz - Lehrlinge haben es nicht immer leicht. Eine Beratungsstelle will Azubis über ihre Rechte informieren und in Krisensituationen helfen.

Über Probleme zu reden, hilft meist. Wenn Freunde und Familie ratlos sind, können Lehrlinge sich auch an Beratungsstellen wenden. Foto: MEV

Hilfe für Azubis in Not

Der Wecker klingelt. Kai will nicht aufstehen. Die ganze Nacht hat er sich hin- und hergewälzt. Sein Magen schmerzt, wenn er an die Arbeit denkt. Oft verstummen die Gespräche, sobald er die Textilreinigung betritt, in der er seine Ausbildung macht. Ständig kritisieren ihn Kollegen grundlos - immer soll Kai an nicht richtig behandelten Wäschestücken schuld sein.

So könnte der Tagesbeginn eines Azubis aussehen, der gemobbt wird. „Mobbing ist häufig Thema in unseren Beratungsstunden“, berichtet Leonie Farnbacher von Azuro, einer Beratungsstelle für Azubis in München. Die Sozialpädagogin unterstützt Lehrlinge in Krisensituationen oder bei Rechtsfragen. Ihr Tipp, den sie nicht nur Mobbingopfern gibt: „Wenn etwas schiefläuft, rechtzeitig melden.“ Denn meistens beißen die Azubis die Zähne zusammen und suchen erst im zweiten Lehrjahr Rat. „Dabei gilt: Je früher, desto besser“, sagt Farnbacher.

Etliche Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten - das sind mitunter die häufigsten Gründe dafür, dass Lehrlinge sich bei Azuro Unterstützung holen. In manchen Fällen begleiten Farnbacher und ihre Kollegen die Azubis über Monate hinweg. Mehrere 100 Fälle hat das Team im vergangenen Jahr betreut. Das Ergebnis: Etwa 120 Azubis wechselten ihren Ausbildungsplatz in denselben Beruf, etwa 50 Lehrlinge haben sich gleich für einen anderen Beruf entschieden. Weitere 150 junge Menschen konnten ihre Probleme lösen und blieben im Betrieb.

„Azubis kennen ihre Rechte oft gar nicht“, sagt Leonie Farnbacher. Zum Beispiel, dass sie einer Kündigung auch widersprechen können. Oder dass es in Ausbildungsberufen wie dem Textilreinigerberuf gar keine betriebsbedingte Kündigung geben darf.

Ebenfalls Konfliktpotenzial gibt es beim Thema Umgangsformen. Vielen Auszubildenden ist es unangenehm, Vorgesetzte oder Kollegen auf einen ruppigen Tonfall anzusprechen. Dabei ist es laut Farnbacher wichtig, „sich gegenseitig mit Respekt zu begegnen“. Bei solchen Problemen empfiehlt die Beraterin, ein Krisentagebuch zu führen. Darin können Azubis dokumentieren, was wann passiert ist. So können sie später besser argumentieren.

Neben Beratungsstellen wie Azuro gibt es weitere Stellen, an die sich Lehrlinge in brenzligen Situationen wenden können. In den meisten Berufsschulen gibt es Beratungslehrer und Berufsschulsozialarbeiter. Ihre Aufgabe ist es, den Azubis weiterzuhelfen bei Problemen in der Schule oder am Ausbildungsplatz. Viele größere Betriebe haben einen Betriebs- bzw. Personalrat als Arbeitnehmervertretung. Die zuständige Stelle (z.B. Kammer) ist gesetzlich verpflichtet, die Berufsausbildung durch Beratung zu fördern. Sie muss unter anderem Ausbildungsberater bestellen. Diese unterstützen bei Fragen rund um den Ausbildungsplatz. Da sie aber auch der Arbeitgeberseite nahestehen, eignen sie sich auch als Vermittler in strittigen Fragen zwischen Azubi und Ausbilder. In den Kammern werden auch Schlichtungsverfahren durchgeführt, um Rechtsstreitigkeiten beizulegen.

In jedem Fall sollte sich unser Textilreiniger-Azubi Kai Hilfe holen - wie auch jeder andere Azubi, der Probleme im Betrieb hat. Denn von lustlosen oder gar deprimierten Lehrlingen hat auch der jeweilige Betrieb nichts. So wird auf beiden Seiten Interesse bestehen, eine Krisensituation bestmöglich zu lösen. Viele weitere Tipps und Informationen rund um Ausbildung gibt es bei Azuro auch online.

Hanni Kinadeter, Elena Schönhaar

Infos: www.azuro.de