Im September 2014 eröffnete die erste Reinraumwäscherei von CWS-boco in Deutschland am Standort Heidenheim. Dort können 15.000 bis 20.000 Teile in der Woche nach ISO Klasse 4 gereinigt werden. Das Unternehmen sieht im Fullservice-Reinraum ein großes Wachstumspotenzial.
3 Nach drei Schleusen ist man am Ziel. Regel Nummer eins: Bekleidung immer von oben nach unten anziehen, damit letzter Dreck noch abfallen kann. Es gelten strikte Regeln: Zuerst die Unterbekleidung, dann die Hände desinfizieren, danach kommen Schutzkleidung, Haube, Schutzbrille, Mundschutz und Handschuhe an die Reihe. Schmuck und Schminke sind verboten und bei jedem Gang nach draußen müssen sich die Mitarbeiter komplett neu einkleiden. Was klingt wie in einer Quarantänestation in einem Krankenhaus, sind die Anforderungen an die Mitarbeiter, die in der neuen Reinraumwäscherei in Heidenheim arbeiten.
CWS-boco bietet mit der Marke CWS bereits Waschraumhygienelösungen, boco macht Berufsbekleidung – beides im Mietservice. Anfang September erweiterte das Unternehmen nun sein Portfolio im Bereich Berufsbekleidung und eröffnete seine erste Fullservice-Reinraumwäscherei in Deutschland, um gemietete CWS-boco-Bekleidung auf höchster Reinheitsstufe zu säubern. Die Heidenheimer Firma hat dafür auch eine Reinraumkollektion entworfen: die „boco Cleanroom Line“. Damit richtet sich das Unternehmen an Branchen wie Pharmazie, Mikroelektronik, Raumfahrt oder Automobilindustrie. In Irland, China, Polen und Belgien bietet CWS-boco seinen Reinraum-Fullservice bereits an. Das Einzugsgebiet in Deutschland wird sich über das ganze Land erstrecken, großes Kundenpotenzial liege vor allem in Süddeutschland. „Vor der Eröffnung der Reinraumwäscherei haben sich die Kunden schon dafür interessiert,“ sagt Werner Münnich, Reinraumexperte bei CWS-boco.
Die Reinraumwäscherei ist in das 300 m2 große Gebäude in Heidenheim integriert und modular aufgebaut. Sie kann stetig erweitert und damit einer steigenden Auftragslage gerecht werden, erklärt Münnich. Dort können 15.000 bis 20.000 Teile in der Woche gereinigt werden. Die 40 m2 große Reinraumwäscherei bereitet die Bekleidung nach ISO Klasse 4 auf, eine der höchsten Reinheitsstufen. Für eine Reinraumwäsche sind einige Arbeitsschritte nötig. Bevor die Bekleidung in diesen sterilen Raum gelangt, wird sie eingangs mit einer Chargennummer erfasst, gewaschen, desinfiziert und ph-neutral gespült. Osmosewasser macht die Wäsche keimfrei. Die Luft im Reinraum wird gefiltert und 300-mal in der Stunde gewechselt. Der Trockner hat keine Zuluft von außen, um beispielsweise Pollen zu vermeiden. Wenn die Teile fertig gereinigt sind, kommen sie auf ein Fließband und der Verpackungsprozess beginnt. Besonders sterile Wäsche wird mit einer speziellen Folie verpackt und in einem Dampfkessel sterilisiert. „Der Aufwand ist enorm höher als bei normaler Arbeitsbekleidung“, sagt Münnich. Der Helmke-Drum-Test prüft die Partikelzahl in der Bekleidung, um festzustellen, ob die Wäsche auch wirklich die hohen Anforderungen erfüllt.
Die Reinraumwäscherei achtet auch auf ihre Energiebilanz. „Wir dosieren das Waschmittel genau und arbeiten so ressourcenschonend“, sagt Münnich. Auch wird heißer Dampf mehrfach verwendet. Jan Ulrich, Projectmanager Operations bei CWS-boco, fügt hinzu: „Wir nutzen LED-Beleuchtung und einen Umlufttrockner, der 30 Prozent der Luft noch einmal umwälzt und damit Energie einspart. Außerdem gibt es Ventilatoren in der Reinraumdecke und einen automatischen Wiegezähler in der Maschine“, so Ulrich. Detlef Kröpelin, Sprecher der Geschäftsführung von CWS-boco Deutschland, sieht großes Potenzial für einen stetigen Ausbau, und auch Max Teichner, Vorsitzender der Geschäftsführung der CWS-boco-Gruppe, spricht vom Reinraum als wesentliches Wachstumssegment und will damit in Deutschland die Marktführerschaft erreichen. Mit der Reinraumwäscherei in Heidenheim werde eine Versorgungslücke geschlossen.
