Fahrradbekleidung und Kochschürzen: Dass Wäschereien für den Tourismus ebenso wichtig sind wie Hotels, beweist die Mitteldeutsche Wäscherei. Obwohl der Anteil an Aufträgen von Pensionen und Restaurants zuletzt enorm gestiegen ist, bietet die Branche noch ein großes Wachstumspotenzial.
3 In der Altmark ist der Tourismus im Kommen. Die an Sehenswürdigkeiten reiche Kulturlandschaft zwischen der Magdeburger Börde und dem Wendland ist insbesondere bei Wanderern, Fahrradtouristen und Reitern beliebt. „Für uns ein Glückstreffer, denn mit der Zunahme an Übernachtungsgästen wächst auch unsere Auftragsdecke stetig“, sagt Mirko Stoik, Geschäftsführer der Mitteldeutschen Wäscherei GmbH in Schönebeck südlich von Magdeburg.
Stabile Auftragslage
Der Betrieb mit einer Verarbeitungskapazität von 4,5 t täglich ist erst vor anderthalb Jahren im verkehrsgünstig gelegenen Gewerbegebiet Schönebeck West eröffnet worden. Der Anteil an Aufträgen aus der Hotellerie und der Gastronomie beträgt mittlerweile 35 Prozent. „Direkt vor unserer Haustür liegt der Luftkurort Bad Salzelmen“, so der Geschäftsführer. „Neben der Altmark und der Umgebung von
Magdeburg gibt es aber auch im Harz noch Potenzial für uns.“
Leasingwäsche ist für Stoik allerdings vorerst noch kein Thema, weil die Investition den jungen Betrieb zu sehr belasten würde. Es sind vielmehr die kleinen Familienbetriebe und Pensionen, die ihre eigenen Wäschebestände gern der Wäscherei vor den Toren der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt anvertrauen. „Wir waschen ausschließlich postenweise und können daher jeden Auftraggeber sehr individuell bedienen“, erzählt der Geschäftsführer.
Anders als in den deutschen Küsten- und Wintersportgebieten ist der Tourismus im Norden von Sachsen-Anhalt kaum saisonabhängig. Daher ist auch die Auftragsdecke aus der Hotellerie und Gastronomie relativ stabil. „Natürlich gibt es leichte Schwankungen, aber sie beeinträchtigen unsere Produktionsplanung nicht wesentlich“, erläutert Stoik.
In der Wäscherei stehen sechs Hightech-Durchladewaschschleudermaschinen von Miele mit Kapazitäten von 16 kg bis 32 kg sowie eine Taktstraße mit zehn 25-kg-Kammern von Jensen zur Verfügung, in denen je nach Auftragsvolumen Bettwäsche, Frotteeteile von Handtüchern bis zu Bademänteln sowie Tischwäsche in Posten mit Waschchemie von Kiehl nach dem RAL-Gütezeichen 992/1 gewaschen werden.
Der Geschäftsführer weiß, dass sich die Verfleckungsursachen von Haus zu Haus unterscheiden: „In einem Objekt, in dem vorwiegend nachmittags Busreisegesellschaften bewirtet werden, überwiegen Kaffeeflecken. Im Gourmetrestaurant mit Abendgeschäft kommt es hingegen mitunter vor, dass Rotwein auf ein weißes Tischtuch verschüttet wird.“ Aus diesem Grund wird für jeden Kunden ein individuelles, gezielt auf das Profil des Hauses ausgerichtetes Waschprogramm hinterlegt.
Bettwäsche aus Hotels wird nach seiner Erfahrung aufgrund der meist kurzen Nutzungsdauer erheblich geringer verschmutzt als Bezüge und Laken aus Seniorenheimen. Daher erreicht er in diesem Segment mit einem Standardprogramm zufriedenstellende Ergebnisse. Bei mittleren Posten um 25 kg stellt sich die Frage, ob sie in einer Waschschleudermaschine oder in der Taktstraße gewaschen werden sollen. „An Effizienz ist die Taktanlage kaum zu überbieten“, erklärt Stoik. Sinnvoll sei ihr Einsatz jedoch nur, wenn alle Kapazitäten ausgelastet sind.
Frage der Technik
Werden mit beiden Verfahren sehr gute Waschergebnisse erreicht, so gibt es doch Unterschiede in der Belastung der Ware: „In der Taktanlage und in der Entwässerungspresse ist die mechanische Belastung zwar geringer. Aufgrund der höheren Dosierung kann die Chemie aber einen höheren Verschleiß der Farben bewirken“, gibt der Geschäftsführer zu bedenken. In der Waschschleudermaschine würden die Teile insbesondere durch das Schleudern mechanisch stärker belastet, was sich unter Umständen auf die Faser negativ auswirken kann. Grund genug, bei der Entscheidung für das geeignete Waschverfahren auch den Zustand der angelieferten Ware mit zu berücksichtigen.
Zusatzaufträge generieren
Nach dem Schleudern bzw. Pressen werden die Teile in einem von insgesamt acht Miele-Trocknern mit Kapazitäten von 10 kg bis 30 kg getrocknet. Die Restfeuchte beträgt je nach Weiterverarbeitung 30 Prozent bzw. 40 bis 50 Prozent. Vor allem die Tischwäsche wird auf einer Miele-Einroller-Mangel ohne Bänder abdruckfrei gemangelt. Insbesondere für Bettwäsche steht eine Zweiroller-Mangel von Kannegiesser mit Längs- und Querfaltung zur Verfügung. Weil jeder Posten separat bearbeitet wird, sind Vorkennzeichnungen überflüssig und Verwechslungen so gut wie ausgeschlossen.
Die Wäsche von Berufsbekleidung und Handtüchern aus der Küche sei eine Herausforderung für Waschtechnik und Chemie, unterstreicht Stoik. Stark verfettete Teile werden vor der Wäsche in der BÖWE-Per-Textilreinigungsmaschine gereinigt. Diese Sonderleistung stellt der Geschäftsführer den Kunden nicht in Rechnung, weil sie im eigenen Interesse als brandvorbeugende Maßnahme durchgeführt wird. Nach dem Waschprozess in der Waschschleudermaschine oder der Taktstraße werden die Teile manuell gebügelt, gegebenenfalls auch auf einer Kannegiesser-Rumpfpresse gefinisht. „Auf Wunsch stärken wir die Kochjacken. So wirken sie nicht nur repräsentativ, sondern die Stärke verhindert auch das Anschmoren am Herd“, so der Geschäftsführer.
Berufsbekleidung von Restaurant- oder Hotelfachleuten und Rezeptionisten wird in der Regel in der Per-Maschine chemisch gereinigt. Gelegentlich beauftragen die Gastronomen und Hoteliers der Region das Unternehmen auch mit der Pflege ihrer Dekorationstextilien. „Erst neulich haben wir für ein Magdeburger Hotel die Vorhänge aus den Raucherzimmern gewaschen“, berichtet Stoik. Auch Aufträge dieser Art können sehr individuell ausgeführt werden, weil in den Waschschleuderautomaten ein angepasstes Gardinenprogramm hinterlegt worden ist.
Werden Gardinen und Vorhänge meistens durch Mitarbeiter der Kunden abgenommen und wieder aufgehängt, so kommt es zuweilen vor, dass Beschäftigte der Mitteldeutschen Wäscherei oder aber ein Koopera-
tionspartner diese Leistung vor Ort übernehmen. Im Rahmen des Rundumservices werden mitunter auch Kissenbezüge, Gobelins oder Bettumrandungen eingeliefert, deren Verfleckungen professionell detachiert und gereinigt werden. Es gibt sogar Hoteliers, die ihre Reinigungstextilien in Schönebeck waschen lassen.