Ba-Tex Textilpflege in Blankenhain/Thüringen Immer wieder optimieren

Nach der Wende wurde Friedrich Bauer beauftragt, die Blankenhainer Wäscherei abzuwickeln. Der frühere Produktionsleiter der Sondershausener Gesundheitswäscherei erwarb stattdessen den Betrieb und akquirierte neue Kunden. Heute steht das inhabergeführte Unternehmen auf einem stabilen ­Fundament, seit anderthalb Jahren leitet Sohn René Bauer die Wäscherei in vierter Generation.

René Bauer, Inhaber der Ba-Tex Textilpflege in Blankenhain: Wenn Not am Mann ist, steht er selbst an der Maschine. Foto: Wylegalla - © Wylegalla

3 Käme René Bauer noch einmal auf die Welt, wäre er wieder gern Textilreiniger. Der 37-Jährige ist „im Wäschekorb“ aufgewachsen und übernahm vor anderthalb Jahren die Leitung der ­Ba-Tex Textilpflege in Blankenhain bei Weimar. „Die Tradition unseres Familienbetriebs geht bis in die 1930er Jahre zurück“, erzählt der Inhaber. „Damals eröffnete meine Urgroßmutter Minna Baumann in Sondershausen am Kyffhäuser eine kleine Wäscherei.“ Nach der Einheirat seines Großvaters, des Textilreinigermeisters Walter Bauer, avancierte die Wäscherei zum Meisterbetrieb.

Familientradition fortgesetzt

Der Seniorchef der Ba-Tex Textilpflege, Friedrich Bauer, setzte
die Familientradition in dritter Generation fort. Er studierte in Forst/Lausitz und kehrte als Diplomingenieur (FH) für Textiltechnik zurück nach Thüringen. „Damals wurde für die Gesundheitswäscherei in Sondershausen ein Betriebsleiter und Verantwortlicher für die Aus- und Weiterbildung des Personals gesucht. Eine Herausforderung, die mein Vater gern annahm“, berichtet René Bauer.

Nach der Wende wurde Friedrich Bauer beauftragt, die Privatisierung des Dienstleistungsbetriebes zu begleiten. Nachdem die Umstrukturierung abgeschlossen war, schickte man den Ingenieur nach Blankenhain, um die Wäscherei „abzuwickeln“. Anders als in Sondershausen gab es dort jedoch keinen Investor. „Damit der Betrieb erhalten bleibt, erwarb ihn mein Vater nach kurzer Bedenkzeit und gründete am 1. Juli 1992 die Firma Ba-Tex Textilpflege“, berichtet René Bauer. Der Maschinenpark wurde auf den neusten Stand gebracht: „Bis auf die Hosenpressen haben wir damals die komplette Wäscherei mit neuer Technik ausgestattet“, so der Inhaber. Auch führte Friedrich Bauer sofort ein Qualitätsmanagement nach RAL-GZ 992/1, 992/2 und 992/3 ein. „Damit schuf mein Vater alle Voraus­setzungen, um Neukunden aus allen Branchen akquirieren zu können“, unterstreicht René Bauer. Der Seniorchef beschränkte sich auf hochwertige Wäsche­reileistungen. Garderobe, Lederartikel, Teppiche und andere Spezial­aufträge werden bis heute an qualifizierte und zuverlässige Kollegenbetriebe weiterge­geben. Nach der Neugründung wurden täglich 900 kg Wäsche gewaschen. Durch einen hohen Qualitätsstandard sowie prompte und flexible Bedienung gelang es Friedrich Bauer indessen, zwischen Erfurt und Weimar, Jena und Gotha und sogar in Leipzig und Dresden neue Kunden an das Unternehmen zu binden. Heute werden in dem mittelständischen Handwerksbetrieb täglich bis zu 3 t Wäsche gepflegt.

Auftraggeber nicht nur „eine Nummer“

„Bei uns sind die Auftraggeber keine Nummern, sondern sie werden mit Namen angesprochen. Mit vielen Kunden sind wir sogar per Du“, verrät René Bauer. Die Auftragsdecke reicht von Haushaltswäsche über Hygienewäsche für Seniorenheime bis zur Wäschepflege für die Gastronomie und Hotellerie, Industrie, Handwerk und Gewerbe. Hinzu kommt ein Schmutzfangmattenservice. Darüber hinaus werden Wischbezüge gewaschen. Zahlreiche Hoteliers wissen die Vorteile von Mietwäsche zu schätzen. Sind aufgrund der demographischen Entwicklung Aufträge für Haushaltswäsche rückläufig, so sieht René Bauer insbesondere in der Altenpflege für die Zukunft ein sicheres Auftragspotenzial. „Aufgrund des Preisdumpings in dieser Branche halten wir uns allerdings mit Mietangeboten zurück“, räumt er ein.

Als René Bauer den Betrieb übernahm, hatte er schon viele Jahre Erfahrungen an der Seite seines Vaters gesammelt. Nach der handwerklichen Ausbildung im Familienbetrieb qualifizierte er sich auf der Fachoberschule zur Hochschulreife. Im Juli 2000 erwarb er nach einer Vollzeitausbildung in Forst/Lausitz den Meisterbrief. „Ich war damals erst 21 Jahre alt und somit der jüngste Meister in ganz Deutschland“, erinnert sich René Bauer nicht ohne Stolz.

Nach ihm wurden in der Wäscherei noch zwei junge Mädchen ausgebildet, die heute „zum Inventar“ gehören. Darüber hinaus versuchte der Meister mehrfach, überbetrieblichen Lehrlingen den Weg ins Berufsleben zu ebnen. Er selbst ist bis heute Praktiker geblieben und arbeitet selbst mit, wenn in der Produktion einmal Not am Mann oder an der Frau ist. „Im vergangenen Sommer habe ich sogar während der 50.000sten Betriebsstunde an unserer Lavatec T 25-Waschstraße gearbeitet“, sagt er schmunzelnd.

Ehrenamtliches Engagement im Verband

Schon der Senior hatte in den vergangenen Jahren mehrfach in neue Technik investiert, um die Produktionsprozesse immer wieder zu optimieren. Allerdings stets mit Augenmaß: „Es geht uns nicht um neueste Hightech, sondern die Maschinen müssen in unser Betriebsprofil passen“, gibt René Bauer zu bedenken. So wurde 2007 der Kessel gegen einen wartungsfreundlicheren Schnelldampferzeuger ausgetauscht. Seit 2011 gewährleistet eine Jensen-2-Roller-Muldenmangel mit Eingabe- und Falttechnik optimale Mangelergebnisse und erleichtert den Mitarbeitern die Arbeit. Gern würde der Unternehmer den Betrieb von Dampf auf Gas umstellen, was aber mangels Infrastruktur derzeit nicht möglich ist. Dank firmeneigener Dosieranlage ist René Bauer in puncto Waschchemie autark. Was jedoch nicht bedeutet, dass er häufig die Lieferanten wechseln würde: „Wir arbeiten seit vielen Jahren mit der Firma Christeyns sehr gut zusammen.“ Die 33-kg-Durchlademaschine von IPSO soll in absehbarer Zeit ausgetauscht werden, um die Kapazitäten zu erweitern. Weil größere Wäschemengen postenweise gewaschen werden, sieht René Bauer keinen Bedarf für eine elektronische Wäschekennzeichnung: „Kleinere Mengen kennzeichnen wir mit dem ‚Thermotex thermo-ident‘ und notfalls können wir auch noch auf zwei ‚Syntex‘-Kennzeichner zurückgreifen.“

Um die Interessen des Berufsstands gegenüber der Öffentlichkeit zu vertreten, engagiert sich der junge Unternehmer seit 2011 als 2. Vorsitzender im Ostdeutschen Textilreinigungs-Verband (OTV). Ein brandaktuelles Thema, das ihn und seine Kollegen zurzeit bewegt, ist der Mindestlohn. „Damit sind auf uns höhere Kosten zugekommen, die wir nur bedingt an die Kunden weitergeben konnten“, berichtet der Unternehmer. Entlassungen konnte er allerdings durch eine bessere Organisation des betrieblichen Ablaufs vermeiden: „Ich habe gemeinsam mit meinen zwölf Mitarbeitern in der Wäscherei überlegt, wie wir Ressourcen besser produktiv einsetzen können, ohne das Team zu überfordern.“

Infos: www.ba-tex-blankenhain.de