Innovationen für Einsatzkräfte Interschutz 2026: Dem Schutz beim Schützen gewidmet

In Hannover findet alle vier Jahre die Weltleitmesse für Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz, Interschutz, statt. Neben der „Hardware“ gehören textile Lösungen und Maschinen für deren Aufbereitung und Dekontamination nach einem Einsatz zu den Ausstellungsschwerpunkten. Wir waren vor Ort.

Segmentierte Reflexstreifen von Loxy verleihen Feuerwehrschutzkleidung ein modischeres Aussehen und mehr Be­wegungskomfort.
Segmentierte Reflexstreifen von Loxy verleihen Feuerwehrschutzkleidung ein modischeres Aussehen und mehr Be­wegungskomfort. - © Sabine Anton-Katzenbach

Für alle, deren Beruf mit Retten, Löschen und Bergen zu tun hat, ist die Messe Interschutz ein Muss. Alle vier Jahre zieht sie auf dem Hannoveraner Messegelände Fachbesucher aus aller Welt an. In diesem Jahr zählte der Veranstalter 140.000 Teilnehmer aus 144 Ländern. Sie informierten sich vom 1. bis 6. Juni 2026 in neun Hallen und auf dem weitläufigen Freigelände über die neuesten Geräte für Feuerwehr, Technisches Hilfswerk sowie Höhen- und Wasserrettung. In den Hallen 14, 15 und 16 konnten sich die Besucher außerdem über die aktuellen Trends im Bereich der persönlichen Schutzausrüstung (PSA), deren Aufbereitung und Dekontamination einen Überblick verschaffen.

Diese gewinnt deutlich an Bedeutung, seit Untersuchungen in Norwegen den „Giftcocktail“ offenbarten, den eine Feuerwehrschutzkleidung nach einem Innenangriff aufweist. Die Skandinavier entwickelten daraufhin ein Konzept für den Umgang mit kontaminierter PSA, das sich dank der Ende 2016 gegründeten Organisation FeuerKrebs allmählich auch in Deutschland etabliert. Darin thematisieren sie einerseits den Umgang mit kontaminierter PSA nach einem Einsatz, für den Uvex (Fürth) auf der Messe ein Fire Fighter Decon Kit zeigte.

Raus mit den Kontaminationen!

Die wichtigere Funktion kommt jedoch der Aufbereitung und der Dekontamination von Einsatzkleidung und Flammschutzhauben, Helmen, Handschuhen und Atemschutztechnik zu. Diese spiegelt sich in den angebotenen Maschinenlösungen wider. So zeigten Unternehmen wie Electrolux Professional (Tübingen), Miele (Lehrte), Bohnhoff Betriebstechnik (Bad Oldesloe) und Rescue Intellitech (Malmö, Schweden) Komplettausstattungen für Feuerwehrwäschereien und Atemschutzwerkstätten.

Anbieter wie Stahl Wäschereimaschinen (Sindelfingen) oder Wintersteiger Dry & Protect (Altach, Österreich) fokussieren sich hingegen auf Teilbereiche wie das Waschen bzw. das Trocknen von Trainingskleidung, PSA für Waldbrandbekämpfung oder die Inner Layer von Schutzanzügen für Wasserrettung. Je nach Anbieter werden Trockenschränke auch mit UV-Lampen oder einer Plasma-Zelle ausgestattet, die einen zusätzlichen keimabtötenden Effekt erzielen sollen. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Wie man inzwischen weiß, führen reaktive UV-Strahlen langfristig zur Schädigung von Schutzgeweben.

Wasser und Tenside entfernen viele Inhaltsstoffe aus einer Feuerwehrschutzkleidung. Sie scheitern jedoch an der Membrane mehrlagig aufgebauter Schutzanzüge. In dieser Barriereschicht einer PSA werden kleinmolekulare, gasförmige Partikel „aufgehalten“ und diffundieren in deren poröse Struktur hinein. Den vergleichsweise „großen“ Wassermolekülen ist dies nicht möglich, so dass gesundheitsgefährdende Reststoffe bei der Wäsche in der Membran zurückgehalten werden.

Kohlendioxid für Entfernung toxischer Partikel

Das belgische Unternehmen Decontex (Oostkamp) hat daher eine Reinigungsanlage entwickelt, die überkritisches Kohlendioxid (scCO2) für die vollständige Dekontamination von Schutzanzügen verwendet. Dabei nutzt das Unternehmen die einzigartigen Eigenschaften, die CO2 hat, wenn es über seinen kritischen Punkt bei 31 °C und 73,8 bar hinaus erhitzt und komprimiert wird. Das Mittel hat dann eine flüssigkeitsähnliche Dichte, was ihm eine hervorragende Lösungskapazität verleiht. Gleichzeitig hat es die Viskosität und Diffusionsrate eines Gases, was hohe Transportraten insbesondere von unpolaren Substanzen durch ein Material ermöglicht.

Das Lösungsmittel durchdringt die Membran und löst gebundene Partikel. Dadurch entfernen die Decontex-Anlagen nach Herstellerangaben sämtliche Kontaminationen aus dem Textil. Zum Nachweis führt das Unternehmen, das seine Anlagen plus Service vermietet und auch selbst einen Aufbereitungsservice anbietet, zu Zwecken der Qualitätssicherheit Analysen der abgegebenen und der behandelten Schutzausrüstungen durch. Da scCO2 außerdem keinen Einfluss auf die Ausrüstung eines Textils hat, empfiehlt das Unternehmen seine Anlagen auch für die Pflege von schusssicheren Westen oder militärischer Kleidung.

Rescue Evo von Kübler unterstützt den Komfortanspruch von Rettungsdiensten durch Stretchmaterialien, Dehn- und Belüftungselemente.
Rescue Evo von Kübler unterstützt den Komfortanspruch von Rettungsdiensten durch Stretchmaterialien, Dehn- und
Belüftungselemente. - © Sabine Anton-Katzenbach

Eine weitere Möglichkeit, die in der Membran gebundenen Gefahrstoffe zu entfernen, bietet eine Aufbereitung in flüssigem CO2 (LCO2). Ursprünglich für die Aufbereitung von Astronautenausrüstung nach Einsätzen im Weltall entwickelt, hat das Verfahren seinen Weg in die Pflege von Feuerwehrkleidung gefunden. Für den Prozess wird Kohlendioxid unter Druck (circa 50 bis 70 bar) und bei bestimmten Temperaturen verflüssigt. In diesem Zustand wirkt CO2 als Lösungsmittel, das viele organische Verunreinigungen sowie Fette und Öle von einer textilen Oberfläche entfernen kann. Der österreichische Schutzkleidungshersteller Texport (Salzburg) ist von diesem Konzept überzeugt. Daher bietet das Unternehmen seinen Kunden neben dem bereits etablierten Reparaturservice nun auch eine Dekontaminationsdienstleistung an: Feuerwehren können ihre bereits gewaschene Schutzkleidung für eine abschließende Behandlung in LCO2 einschicken. Die Aufbereitung wird von Partnerunternehmen mit entsprechenden Anlagen durchgeführt.

Outfits für Retter unterliegen Trends

Neben den technischen Neuerungen galt das Interesse vieler Besucher den neusten Kollektionen für die unterschiedlichen Einsatzzwecke einer Feuerwehr. Bei einem Gang durch die Hallen fiel eine stärkere modische Komponente in den Sortimenten auf. Die Farbpalette wird breiter: Neben dem PBI-Gelb und Marineblau ziehen mehr Rot sowie ein webtechnisch mit dunkelblauen Garnen erzielter Anthrazit-Ton in die Kollektionen ein.

Zudem ändern sich die Schnittformen: Leichtere Einsatzkleidung hat inzwischen eine schlankere Silhouette, die u. a. dank Cross-Tech-Pyrad-Stretch-Technologie von Gore (Putzbrunn) möglich geworden ist. Diese sorgt auch bei einer körpernäheren Schnittführung für eine hohe Bewegungsfreiheit und Atmungsaktivität, schützt vor Flammen, Hitze und Chemikalien sowie vor durch Blut übertragbaren Krankheitserregern. Sie ist zudem dauerhaft wasserdicht und lässt sich in einem desinfizierenden Waschverfahren dekontaminieren.

Die vielen Vorteile der Technologie hat S-Gard (Heinsberg) in seine Einsatzkleidung „Corsair“ einfließen lassen. Eine weitere Stellschraube für mehr Komfort bietet die Gewichtsverringerung einer Schutzkleidung. Diese hat das Unternehmen in der „Horizon“-Jacke umgesetzt: Sie kombiniert eine flammhemmende Außenjacke mit einem einzippbaren wasserdichten Membransystem. So können Feuerwehrleute die Jacke an die aktuelle Gefahrensituation ­anpassen – sei es für technische Hilfestellung, Ve­getations- und Waldbrände oder leichte Brandbekämpfung. Diesem Prinzip folgen auch Overalls für die Wasserrettung, die beispielsweise von Viking (Esbjerg, DK) hergestellt werden. Ein einzippbarer Liner entscheidet über die Einsatzdauer in kalter Umgebung; ohne Liner liegt sie bei einer Stunde, mit Liner bei sechs Stunden. Durch die Trennbarkeit von Liner und Overall ist die hygienische Aufbereitung vergleichsweise einfach. Wie ein Berufsfeuerwehrmann aus dem Berliner Umland erklärte, wandert üblicherweise nur der Liner in die Wäsche.

Die Corsair-Kollektion von S-Gard schützt vor Wasser, Flammen und Hitze, Chemikalien und durch Blut übertrag­baren Krankheitserregern.
Die Corsair-Kollektion von S-Gard schützt vor Wasser, Flammen und Hitze, Chemikalien und durch Blut übertrag­baren Krankheitserregern. - © Sabine Anton-Katzenbach

Stretch und clevere Features verbessern den Komfort

Den Gedanken der Anstrengungsvermeidung hat Novotex-Isomat Schutzbekleidung (Marsberg) auf etwas andere Weise umgesetzt. Da Feuerwehren regelmäßig auch Höhenrettungen durchführen, integriert das Unternehmen in die Schutzjacke NTi Modell 2 einen Haltegurt. Einsatzkräfte können ihn bei Bedarf unmittelbar aus der Verschlusslösung entnehmen und zur Sicherung nutzen.

Tragekomfort ist nicht nur in der Feuerwehr, sondern auch im Rettungsdienst wesentlich. Dementsprechend verarbeitet das Unternehmen Geilenkothen Fabrik für Schutzkleidung (Gerolstein-Müllenborn) in seinen neuen Nexus-Rettungsdiensthosen ein Stretch-Gewebe, das Be­weglichkeit mit Haltbarkeit verbindet. Die dazu passenden, dehnbaren, in X-Style geschnittenen Softshell-Jacken sind zudem mit ergonomisch geformten Ärmeln gearbeitet, um die Arbeit bei der Rettung zu erleichtern. Auch Kübler (Plüderhausen) hat den Komfortgedanken in seiner Kollektion Rescue Evo auf der Interschutz thematisiert. So sind die Hosen vom Hosenbund bis zu den Knien aus einem 4-Wege-Stretch-Gewebe gearbeitet, oberhalb des Knies sind zusätz­liche Stretch-Elemente eingearbeitet. Eine Besonderheit stellen die wiederbeschreibbaren, auf dem rechten Hosenbein aufgebrachten Pads dar. Sie sind für schnelle Notizen im Rettungseinsatz gedacht und lassen sich anschließend einfach mit Desinfektionsmittel reinigen.

Neue Gewebe für anspruchsvolle Einsätze

Der Komfort-Trend wird durch die Gewebehersteller unterstützt. Hainsworth im britischen Pudsey präsentierte beispielsweise sein Textil Eco-Dry, das für einlagige Schutzkleidung zur Bekämpfung von Waldbränden gedacht ist. Das dehnbare Mischgewebe aus Wolle, meta- und para-Aramid wird inzwischen in über 70 Prozent der australischen Wildfire-Schutzuniformen verwendet, da es einen dauerhaften Flammschutz mit ­einem kühlen Hautgefühl verbindet.

Von der Sportswear zur Schutzkleidung – so lässt sich das Debut des im italienischen Asola ansässigen Trerè Innovation am besten beschreiben. Das Unternehmen hat sich Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen verschrieben. Auf der Interschutz war auf dem Stand eine nach ISO 11612 zertifizierte Unterwäsche ausgestellt, die aus biobasiertem Polyester, Viscose FR, Wolle und Kapok-Fasern besteht. Eine wabenartige Textilstruktur und eine nahtlose Verarbeitung sollen für ein optimales Feuchtigkeitsmanagement und einen guten Schutz gegen Hitze und Flammen sorgen.

Trans-Textil (Freilassing) fokussierte sich auf der Interschutz wiederum auf einen multifunktionellen Partikelschutz, der in erster Linie für Feuerschutzhauben, aber auch für weitere Komponenten von Behörden-, Feuerwehr- und Hitzeschutzkleidung gedacht ist. Das elastische Material bietet Unternehmensangaben zufolge Dichtigkeit gegenüber toxischen Partikeln, Flüssigkeiten und heißem Dampf, ist dank mikroporöser Membrantechnologie luftdurchlässig, hat einen sehr guten Wärmedurchgangswiderstand und ist langlebig in der industriellen Wiederaufbereitung.

Trerè Innovation war ursprünglich auf Sportswear spezialisiert und verarbeitet für seine flammhemmende Unterwäsche eine biobasierte Fasermischung.
Trerè Innovation war ursprünglich auf Sportswear spezialisiert und verarbeitet für seine flammhemmende Unterwäsche eine biobasierte Fasermischung. - © Sabine Anton-Katzenbach

Segmentierte Reflexstreifen auf der Schutzkleidung

Neben den Textilien unterliegen auch die Reflexstreifen, die auf keiner Schutzkleidung für Feuerwehren und Rettungsdienste fehlen dürfen, den steigenden Komfort- und Designanforderungen. Kaum eine Kollektion kommt mehr ­ohne segmentierte Reflexstreifen daher. Diesen Trend bestätigt auch der norwegische Tape- und Reflexstreifenanbieter Loxy. Das Unternehmen zeigte verschiedene schwer entflammbare, segmentierte Reflexlösungen, die die Hi-Vis-Farben Gelb und Orange auf verschiedene Arten mit Silber kombinieren.

Mit unterschiedlichen flammhemmenden und hoch sichtbaren Emblemsystemen und stark haftenden UHF-Transpondern für die Kennzeichnung und Zuordnung von Feuerwehr-Schutzkleidung präsentierte sich Thermotex Nagel (Schutterwald). Außerdem zeigte das Unternehmen auf seinem Messestand ein Ausgabesystem für die textile Ausstattung von Feuerwehren, Rettungsdiensten etc. Die in einem Schrank verbaute RFID-Technologie übernimmt das Bekleidungsmanagement für die Beschäftigten durch Ausgabe und Rücknahme der ihnen zugewiesenen Teile.

Eine Messe, die wie die Interschutz nur alle vier Jahre stattfindet, bietet viele Innovationen. Ein parallel stattfindender Kongress sowie Vorträge, Events und Wettbewerbe geben zusätzliche Einblicke in die Herausforderungen, mit denen Lebensretter konfrontiert sind.

Die nächste Interschutz findet vom 20. bis 25. Mai 2030 in Hannover statt.

Lesetipp: In der Ausgabe 9/2026 von R+WTextilservice lesen Sie einen weiteren Teil des Nachberichts zur Interschutz 2026. Dabei liegt der Fokus auf Schutzkleidung für Frauen.