Im Gespräch mit Nadine Schlegel, Textilreinigergesellin Jung, neugierig, Textilreinigerin

Nadine Schlegel hat ihre Gesellenprüfung zur Textilreinigerin mit Bestnoten abgeschlossen. Ausgebildet wurde sie im Familienbetrieb: Das Unternehmen Weber GmbH in Friedrichshafen führen der Großvater Albert Weber und sein Bruder Werner Weber; die Mutter Sandra Schlegel ist kaufmännische Leiterin. Nun tritt auch Nadine Schlegel in die familiären Fußstapfen und macht sich auf den Weg zur Meisterin.

Nadine Schlegel hat bei Gesellenprüfung und Bundesleistungswettbewerb tolle Leistungen erbracht. Foto: Rejschek-Wehmeyer - © Rejschek-Wehmeyer

Jung, neugierig, Textilreinigerin

Zuerst hat Nadine Schlegel bei den Gesellenprüfungen für Textilreiniger mit herausragenden Leistungen den 1.Platz der Handwerkskammer Ulm und den 2. Platz als Landessiegerin von Baden-Württemberg belegt. Dann hat die hochmotivierte Textilreinigerin beim vom Deutschen Textilreinigungs-Verband (DTV) organisierten Bundesleistungswettbewerb am 8.und 9. November 2013 in Rheine noch einmal unter Beweis gestellt, dass sie mit ihrer Berufswahl definitiv alles richtig gemacht hat: Sie hat den dritten Platz gewonnen. RWTextilservice wollte von ihr wissen, was sie an ihrem Beruf besonders spannend findet.


RWTextilservice: Frau Schlegel, Sie sind 21 Jahre alt und haben mit Ihren starken Leistungen während der Ausbildung, bei der Gesellenprüfung und dann beim Bundesleistungswettbewerb den Grundstein für eine Karriere als Textilreinigerin gelegt. Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch und ein großes Kompliment. Ihr Engagement zeigt: Sie sind eine der Besten Ihres Handwerks. War es von jeher Ihr Herzenswunsch, Textilreinigerin zu werden?

Nadine Schlegel: Überhaupt nicht. Meine Mutter hatte mich sogar gewarnt, dass der Beruf sehr stressig sei. Natürlich wusste ich, was sie meint. Denn ich bin ja schon als Kind im Betrieb herumgerannt und durfte aushelfen. Nach der Schule wollte ich erst einmal etwas anderes lernen. Ich habe eine Ausbildung zur Arzthelferin begonnen, aber sehr schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Erwin Mayer, ein erfahrener Textilreinigermeister und der technische Betriebsleiter in unserem Unternehmen, gab schließlich den entscheidenden Impuls. Er sagte: „Wir machen eine Textilreinigerin aus dir.“ Darauf habe ich mich eingelassen und im September 2010 die Ausbildung in unserem Betrieb angefangen.

RWTextilservice: Es war also nicht die Familientradition, die Sie angetrieben hat?

Nadine Schlegel: Nein, es waren eher meine eigenen Erfahrungen. In den Ferien habe ich zum Beispiel bei der Liebenau Service GmbH in Meckenbeuren gejobbt, einem Dienstleistungsunternehmen mit einem integrativen Konzept. Mein Vater ist technischer Leiter dieses Textilpflegebetriebs. Die Zusammenarbeit mit Menschen, die ein Handicap haben, war eine sehr interessante Erfahrung. Dennoch wollte ich zunächst in einen anderen Beruf. Heute bin ich aber glücklich, dass ich mich doch für unsere Branche entschieden habe.

RWTextilservice: Der Bundesleistungswettbewerb ist sicher nicht nur eine Herausforderung, sondern auch Ansporn gewesen, oder?

Nadine Schlegel: Ja, genau. Für mich ist er die Bestätigung, dass ich bis hierher alles richtig gemacht habe.

RWTextilservice: Und genau richtig war es auch, Ihre Ausbildung im eigenen Familienbetrieb zu absolvieren?

Nadine Schlegel: Auf jeden Fall. Herr Mayer ist seit mehr als elf Jahren in unserem Unternehmen tätig. Er hat alle technischen Innovationen und Investitionen vorangetrieben, begleitet und dazu beigetragen, dass unser Unternehmen ein hochmoderner Dienstleistungsbetrieb ist. Er hat mich nicht nur immer wieder motiviert, sondern auch hervorragend ausgebildet – zusammen mit meiner Mutter, die für den gesamten kaufmännischen Unternehmensbereich verantwortlich ist.

RWTextilservice: Ihr Unternehmen deckt ja auch sämtliche Bereiche ab, die Sie für die Ausbildung gebraucht haben.

Nadine Schlegel: Das ist richtig. Bei uns wird nicht nur hygienisch gewaschen; wir haben auch eine Textilreinigung und sind unter anderem auf die Bearbeitung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) spezialisiert. Das einzige, was ich bei uns nicht lernen konnte, war die Färberei.

RWTextilservice: Dieser Bereich gehört aber nach wie vor zum Ausbildungsprofil des Berufs Textilreiniger?

Nadine Schlegel: Ja, so ist es. Und ich finde die Färberei wahnsinnig interessant, obwohl wir in unserem Betrieb nicht färben. Das Wissen darüber ist für unseren Beruf wichtig. In der Berufsschule in Stuttgart haben wir diesen Handwerksbereich in Theorie und Praxis umfassend erlernt. Während unserer Praktikumstage konnten wir ausgiebig färben.

RWTextilservice: Welche Tätigkeiten in der Praxis machen Ihnen heute am meisten Spaß?

Nadine Schlegel: Was mich immer wieder fasziniert, ist die Frage, wie ich einen Fleck entfernen kann. Dabei müssen wir so viele Aspekte beachten, die Materialien kennen und die „Kunst der Detachur“ beherrschen. Hier zeigt sich einfach, wie wichtig unser Fachwissen ist und wie gut wir damit umgehen können. Kein Fleck ist wie der andere; jedes Textil und jeder Auftrag erfordern Aufmerksamkeit. Es macht mir Spaß, dass ich jeden Tag vor einer neuen Herausforderung stehe und mich immer wieder darauf einlassen muss. Ich denke so oft: „Solch einen Fleck hast du im Leben noch nicht gesehen.“ Und beim nächsten Fleck denke ich es wieder.

RWTextilservice: Warum würden Sie anderen jungen Menschen eine Ausbildung zum Textilreiniger empfehlen?

Nadine Schlegel: Weil es nie langweilig wird und man mit dem Kopf und den Händen arbeiten kann. Das Themenspektrum in der gesamten Textilpflegebranche ist sehr breit. Es gibt so viele Bereiche, in denen wir arbeiten können: ob nun in der Wäscherei oder der klassischen Textilreinigung. Jeder einzelne Dienstleistungsbetrieb ist unterschiedlich und bietet interessante Arbeitsfelder.

RWTextilservice: Wie beurteilen Sie heute die Skepsis Ihrer Mutter? Hatte Sie Recht?

Nadine Schlegel: Ja, natürlich. Aber das wusste ich ja vorher. Unser Beruf ist nicht leicht, für mich aber wahnsinnig spannend. Und gerade in unserem Betrieb genieße ich die Vielfalt der Aufgaben. Ich bin inzwischen Wäschereileiterin und trage damit bereits eine große Verantwortung. Genau das spornt mich immer wieder an.

RWTextilservice: Sie sind noch jung und wir fragen nicht, ob Sie schon an eine Geschäftsübernahme denken. Sondern: Bleiben Sie in der Branche?

Nadine Schlegel: Gar keine Frage – selbstverständlich bleibe ich in der Branche! Ob ich unser Familienunternehmen einmal übernehme? Vorstellen kann ich mir das schon, aber darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Jetzt will ich erst einmal Meisterin werden. Die Teile III und IV der Meisterkurse zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung habe ich bereits abgeschlossen. Es hilft mir, dass ich noch im Lernrhythmus bin. Im Jahr 2015 möchte ich die Teile I und II machen. Bis dahin werde ich die Zeit nutzen, um Berufserfahrungen zu sammeln.

RWTextilservice: Das klingt sehr zielstrebig. Bleibt da noch Zeit für andere schöne Dinge? Was machen Sie in der Freizeit?

Nadine Schlegel: Ja, die Zeit zum Ausgehen mit Freunden oder zum Skifahren im Winter bleibt. Außerdem mag ich die Fasnet. Friedrichshafen ist für seine Narrenzunft bekannt: die „Seegockel“. Schon als Kind wollte ich dazugehören; seit fünf Jahren bin ich dabei. Mein Lieblingsspruch heißt: „Lebe dein Leben und genieße jeden Tag.“ Er passt dazu, was ich im Beruf und in der Freizeit tue: Ich bin happy mit meinem Job und bereue meine Entscheidung keine Sekunde.

RWTextilservice: Vielen Dank für das Gespräch.

Gabriele Rejschek-Wehmeyer