Verbandszertifizierung des Deutschen textilreinigungs-Verbandes (DTV) Keine Angst vorm Audit

Immer mehr Unternehmen der Branche nutzen die Möglichkeit der DTV-Verbandszertifizierung gemäß DIN EN ISO 9001:2008. Den Abschluss eines intensiven Qualitäts-Optimierungsprozesses bildet das Audit. Im Interview sprechen Auditoren der DEKRA über diesen Prozess.

Die Auditoren sehen sich nicht in der Rolle eines Prüfers, der mit dem Rotstift durch das Unternehmen geht. Vielmehr sollen Prozesse hinterfragt werden, um Verbesserungen anzustreben.Foto: rwt

Keine Angst vorm Audit

Seit der Einführung der DTV-Verbandszertifizierung für die Mitgliedsbetriebe des Verbandes wurden inzwischen 23 Unternehmen erfolgreich gemäß DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert.

Das bedeutet: Die teilnehmenden Betriebe haben die internationale Norm für Qualitätsmanagement in ihre Betriebspraxis integriert und mit einem Audit durch die DEKRA Certification GmbH abgeschlossen. Sie können seitdem offiziell und offensiv mit ihrer Qualitätspolitik werben. Wir sprachen mit den beiden verantwortlichen Auditoren über diesen Prozess und das aktuelle Thema Arbeitssicherheit, das als neues Modul in das Konzept der Verbandszertifizierung integriert wird.

RWT: Herr Cornelsen, Frau Schobert, das Audit bildet den Abschluss eines intensiven Qualitäts-Optimierungsprozesses, dem sich die Mitglieder des Deutschen Textilreinigungs-Verbandes im Rahmen der Verbandszertifizierung stellen, um sich schließlich durch die DEKRA Certification GmbH zertifizieren zu lassen. Können Sie unseren Lesern diesen Prozess kurz und verständlich erklären?

Frank-Matthias Cornelsen und Daniela Schobert: Auditieren heißt grundsätzlich erst einmal Zuhören. Als Auditoren sind wir also nicht in der Rolle eines Prüfers, der mit dem Rotstift durch das Unternehmen geht. Wir hinterfragen die betrieblichen Prozesse, um Verbesserungen anzuregen. Damit wir uns auf das Unternehmen einstellen können, richten wir unsere ersten Fragen gezielt an die Geschäftsführung. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse überprüfen wir anschließend in der Praxis bzw. im Betrieb - auf der Basis der Normanforderungen.

Selbstverständlich gehen wir alle Fragen in gut verständlicher Alltagssprache mit den jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an ihren Arbeitsplätzen durch. Im Rahmen eines Abschlussgesprächs werden danach sowohl die positiven Aspekte als auch das Verbesserungspotenzial mit der Geschäftsführung und dem Qualitätsmanagementbeauftragten (QMB) besprochen. Falls es Abweichungen von den Normanforderungen im Unternehmen gibt, lassen sich die notwendigen Optimierungsmaßnahmen gemeinsam definieren.

RWT: Herr Cornelsen, Sie sind im Verfahren bzw. in der Zertifizierung der DTV-Betriebe Lead-Auditor. Gemeinsam mit Ihrer Kollegin Daniela Schobert führen Sie die Audits in den DTV-Betrieben durch. Was ist Ihre Aufgabe im Zusammenhang mit der Verbandszertifizierung? Wie können wir uns Ihre Tätigkeit bzw. das Tätigkeitsfeld eines Auditors vorstellen?

Frank-Matthias Cornelsen: Kennzeichnend für die Verbandszertifizierung ist eine gemeinsame Basis der QM-Dokumentation. Diese besteht unter anderem aus einem gemeinsamen Leitbild, sprich einer formulierten Qualitätspolitik - bis hin zu Verbesserungsansätzen. Der QM-Beauftragte begleitet in der Vorbereitungsphase die Betriebe dabei, die gemeinsamen Anforderungen normgerecht umzusetzen.

Die konkreten Maßnahmen zur Umsetzung in die Betriebspraxis, z.B. der Ablauf einer Warenannahme, werden im Rahmen der Audits begutachtet. Die Basis allen Tuns ist die international gültige Norm, die der Auditor in die Unternehmenssprache übersetzen muss.

RWT: „Wer zertifiziert ist, ist klar im Vorteil“, sagen die Verantwortlichen im DTV. Können Sie das bestätigen?

Frank-Matthias Cornelsen: Es gibt bei einer Zertifizierung immer einen internen und einen externen Nutzen. Extern führt ein Zertifikat in der Regel zu einem Wettbewerbsvorteil gegenüber den Mitwettbewerbern. Je nach Branche ist z.B. mit einem zertifizierten Qualitätsmanagementsystem die Teilnahme an vereinfachten Ausschreibungsverfahren möglich.

Als interner Nutzen stehen sicherlich die Dokumentation des Firmen-Know-hows und somit die Unterstützung eines Gleichklangs der Prozessabwicklung im Vordergrund. Die QM-Dokumentation, bestehend aus Arbeitsanweisungen, Prozessbeschreibungen etc., enthält bzw. beschreibt die notwendigen und festgelegten Arbeiten. Somit ist das Ergebnis eines Prozesses bzw. die Qualität der Arbeit übrigens nicht personenabhängig.

RWT: Worin sehen Sie als Auditor die Vorteile der Verbandszertifizierung?

Frank-Matthias Cornelsen: Die Arbeitslast, insbesondere auch der finanzielle Aufwand für eine QM-Systementwicklung werden auf breitere Schultern gestellt. Außerdem ergeben sich durch eine Verbandszertifizierung zahlreiche positive Nutzeneffekte, wie beispielsweise die Möglichkeit, ein verbandsinternes Benchmarking aufzubauen, aber auch ganz einfach voneinander zu lernen. Das ist im Rahmen einer Einzelzertifizierung nicht möglich.

RWT: Ohne Audit keine Zertifizierung. Ist dies nun für die Betriebe so etwas wie eine letzte Hürde oder eher der krönende Abschluss, sprich die offizielle Bestätigung aller Bemühungen um ein anerkanntes Qualitätsmanagementsystem?

Daniela Schobert: Das Audit sollte keinen Abschluss darstellen, sondern vielmehr eine Zwischenstation. Getreu dem Motto: „Wer rastet, der rostet!“ gibt ein QM-System die ständige Verbesserung systematisch vor. Audits bzw. das QM-System sind daher nicht als einmalige Aufgabenstellung zu sehen. Sie müssen in die eigene Arbeitswelt integriert werden. Nur so kommt es wirklich zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess und einer Verankerung in die Unternehmenskultur.

RWT: Es gehört zum Auftrag der Beratungsgesellschaft, in diesem Fall der Firma Intrasys als Partner des DTV, das Konzept der Verbandszertifizierung auf der Basis der bisherigen Erfahrungen zu optimieren. Gemeinsam mit dem Verband wurde nun das Modul Arbeitssicherheit entwickelt. Es soll den teilnehmenden Betrieben eine gewisse Rechtssicherheit bezüglich der Anforderungen der betrieblichen Arbeitssicherheit geben und sie bei der praxisnahen Umsetzung unterstützen.

Frau Schobert, Sie sind neben Ihrer Tätigkeit als Auditorin als Fachkraft für Arbeitssicherheit ausgebildet. Welche besonderen Gesichtspunkte lassen Sie hierbei in die Audits einfließen?

Daniela Schobert: Im Fokus der gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitssicherheit steht der sichere Arbeitsplatz für die Arbeitnehmer. Die gesetzlichen Aspekte bzw. Anforderungen werden in ein Audit integriert.

So sind in einer Wäscherei bzw. Textilreinigung unter anderem die Beeinträchtigung durch Lärm, der Umgang mit Gefahrstoffen, die Ersthelferausbildung, aber auch die Wartungen und Maschinensicherheit auf der Basis aktueller Gefährdungsbeurteilungen zu beachten. Diese stehen zwar nicht im Fokus des Qualitätsmanagements, tragen jedoch in gewissem Maße zum Umfeld und somit zur möglichen Dienstleistungsqualität bei.

RWT: Wie bewerten Sie die Integration der Arbeitssicherheit in das Konzept der Verbandszertifizierung? Ist dies eine sinnvolle Erweiterung?

Daniela Schobert: Die Ergänzung eines QM-Systems durch den Aspekt Arbeitssicherheit ist immer sinnvoll, da hierbei ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter gelegt wird. Nicht zuletzt ist das Thema Rechtssicherheit für den Unternehmer wichtig.

RWT Frau Schobert, Herr Cornelsen, vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Infos: www.dtv-bonn.de