Cool Bleiben Mit Ärger klarkommen

Wer sich ärgert, ist ganz mit der Ursache der Verärgerung beschäftigt und kann sich kaum mehr auf die Arbeit konzentrieren. Um dem Ärger nicht ausgeliefert zu sein, ist es nötig, möglichst früh den Beginn des Ärgers zu erkennen. Dann hat der Verstand noch die Chance, das ärgerliche Gefühl zu beeinflussen.

Es ist wichtig, sich nicht vom Ärger beherrschen zu lassen. Foto: slasny, Fotolia.com - © slasnyi, Fotolia.com

3 Die Gewohnheit, negative Gefühle herunterzuschlucken, kann zu psychosomatischen Beschwerden führen. Die im Körper nachwirkenden Ärgersubstanzen führen zu Gereiztheit und reduzieren die Leistung, die man unter anderen Umständen erbringen würde. Zwischen dem freien Ausleben des Ärgers und dem Herunterschlucken und Verdrängen gibt es aber auch eine Alternative: Den Ärger wahrnehmen und ihn durch das „Chairperson-Prinzip“ regulieren. Das bedeutet, sich selbst eine Anweisung zu geben: „Stopp! Ich bestimme, wie viel Ärger ich hereinlasse. Ich lasse es nicht zu, dass ein anderer über meine Gefühle bestimmen darf.“ Dadurch bleibst du eigenmächtig und lässt nicht zu, dass ein anderer deine Gefühle beeinflusst. Du kannst dich genauso gut entscheiden, dich nicht zu ärgern. Es ist besser, die Gefühle durch Selbstgespräche zu steuern.

Verwende die Energie, die im Ärger steckt, konstruktiv für deine Tätigkeiten. Denn wer sich ärgert und aufregt, entwickelt immer viel Energie, die nicht konstruktiv genutzt wird. Sich länger zu ärgern ist Gift, und es dauert eine Weile, bis die Ärgersubstanzen nachlassen. In dieser Zeit ist man nicht voll leistungsfähig.

Ärger ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes, sondern ein Hinweis, dass etwas für dich nicht in Ordnung ist. Das kannst du auch positiv aufnehmen und überlegen, wie du zukünftig den Ärger vermeidest, anstatt sich der Dynamik des Ärgers auszuliefern. Das Denken verläuft langsamer als die Dynamik der Gefühle und daher musst du für eine „Entschleunigung“ sorgen. Du kannst nur in einem frühen Stadium des Ärgers entscheiden, wie du damit umgehst. Wenn du den Beginn von Ärger feststellst, aktiviere deinen Verstand mit dem Auftrag, die Situation kurz zu checken. Damit läufst du dem Ärger nicht in die Falle. Denke z.B.: „Aha, das ist jetzt gerade Ärger, was sagt mein Verstand dazu?“ Die gedankliche Verarbeitung des Reizes, der den Ärger ausgelöst hat, ist entscheidend für die weitere Entwicklung deines Gefühls.

Gefühle mitteilen können

Damit der Ärger, den z.B. ein Kollege bei dir verursacht hat, sich nicht wiederholt, sage dem „Täter“, was er angerichtet hat. Viele sind sich nicht bewusst, dass sie jemanden provozieren. Wenn man die Betreffenden anspricht, werden sie nachdenklich, eine Wiederholung der Provokation wird es nicht mehr so schnell geben. Gefühle mitteilen heißt, dass du dich öffnest, den Mut hast, jemandem zu sagen, dass er dich ­verletzt hat. Denn ein „Pokerface“ und so tun, als wäre nichts passiert, ist kontra­produktiv.
Dabei ist die Ich-Botschaft von Vorteil: „Ich fühle mich verletzt“ hört sich anders an als „Sie haben mich verletzt“. Oder: „Ich finde das unverschämt, was Sie mir sagen“ und „Sie sind unverschämt“. Die Sie-Botschaft ist sofort angreifbar, der Gesprächspartner setzt sich zur Wehr. Die Ich-Botschaft bezieht sich nur auf dein Gefühl und deine Meinung und führt eher zur Nachdenklichkeit des „Täters“. Das macht ein totales Umdenken erforderlich, sind wir es doch gewöhnt, uns in der Sie-Botschaft zu wehren.

Bei Provokationen von anderen hilft auch die „positive Unterstellung“. Dabei wehrst du nicht ab, sondern unterstellst dem „Täter“ etwas Positives: „So, wie ich Sie einschätze, haben Sie nichts gegen mich persönlich, sondern sind nur in der Sache völlig anderer Meinung.“ Meist löst das Zustimmung beim „Täter“ aus und wirkt wie ein Freispruch. Du hast ihn veranlasst, Persönliches und Sachliches voneinander zu trennen. 7Rolf Leicher