Wäscherei der Berliner Justizvollzugsanstalt „Plötzensee“ „Mit Herz, Humor und Schnauze“

Im Strafvollzug ist Beschäftigung ein wichtiges Element in der Resozialisierung der Inhaftierten, so auch in der Wäscherei der Berliner JVA „Plötzensee“. Besonders ist die Produktionsleitung gefordert, wenn es darum geht, die Leistungsbereitschaft der Beschäftigten zu erwecken und zu fördern. Dessen ungeachtet muss die Qualität stets dem marktüblichen Standard entsprechen.

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    Die Eingabemaschine in der Wäscherei der JVA „Plötzensee“ ver­bessert nicht nur die Ergonomie; sie gewährleistet auch optimale Mangel­ergebnisse.  Fotos: Wylegalla
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    Verantwortungsvolle Handarbeit: Kleine Teile werden nach dem Mangeln manuell zusammengelegt.
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    Kleinere Wäscheposten kommen nicht in die Taktwaschanlage, ­sondern werden in Durchlademaschinen gewaschen.
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    Annerose Albert arbeitet seit elf Jahren im Vollzugsdienst, davon acht Jahre als stellvertretende und seit drei Jahren als verantwortliche ­Wäschereileiterin.

3 Die Maschinen in der Wäscherei der Berliner Justizvollzugsanstalt „Plötzensee“ stehen permanent „unter Dampf“. „Wir pflegen den kompletten Wäschebestand aller sieben Berliner Haftanstalten sowie die Flachwäsche des Haftkrankenhauses“, berichtet Wäschereileiterin Annerose Albert. In der Bundeshauptstadt stehen insgesamt 4.611 Haftplätze zur Verfügung, laut Statistik befinden sich hier jedes Jahr rund 10.000 Menschen in Gefangenschaft oder Verwahrung. Der monatliche Wäschebedarf beträgt 42 t. Außerdem werden in der JVA „Plötzensee“ jeden Monat 22 t Wäsche von externen Kunden aus ganz Berlin gewaschen. „Wir bedienen sowohl Seniorenheime, Kindergärten und das Gastgewerbe als auch die Polizei und die Technische Universität Berlin“, erklärt die Wäschereileiterin. Ein breites Leistungsspektrum also, das viel Flexibilität und einen hohen technischen Standard erfordert.

Kundenspezifische Programme

Vor drei Jahren wurde in der Wäscherei eine neue Jensen-Senking-Taktwaschanlage Universal P 36 mit zwölf Kammern und Wasser- und Wärmerückgewinnung installiert. Dank der computergesteuerten Postenzuführung ist keine Kennzeichnung der ­Wäsche erforderlich: „Am Display werden die Daten des Kunden eingegeben. Daraufhin ordnet die Verbundsteuerung jedem einzelnen Posten das kundenspezifische Waschprogramm zu. Sämtliche Informationen werden über ein Netzwerk bis zum Press- und Trockenprozess weitergeleitet“, erläutert Annerose Albert.

Die Pflege kleinerer Wäschemengen erfolgt in zwei Durchlademaschinen von Lavatec bzw. Kannegiesser. Für die Wäsche von Kleinstposten stehen 10-kg-Waschschleudermaschinen von Primus zur Verfügung. Sämtliche Teile werden desinfizierend nach RAL-GZ 992/2 bzw. RAL-GZ 992/3 gewaschen. Über eine Dosieranlage von Christeyns zugeführte Flüssigchemie gewährleistet einen gleichbleibend hohen Qualitätsstandard. Nach dem Pressen bzw. Schleudern schlagen Inhaftierte die Ware auf, damit sie postenweise in Jensen-Senking-Trocknern nach vorgegebenen Programmen getrocknet werden kann. „In den Anstalten wird die Wäsche vorsortiert, was unsere innerbetriebliche Logistik erheblich entlastet“, unterstreicht Annerose Albert. Die Ware aus den Seniorenheimen und von anderen Kunden wird hingegen unsortiert in Säcken abgegeben und erst nach dem Trocknen durch Inhaftierte für die Weiterbearbeitung sortiert.

Den größten Teil des Produktionsvolumens bildet Flachwäsche, für die eine Zwei- sowie eine Drei-Roller-Mangel von Jensen-Senking zur Verfügung stehen. Durch den Einsatz einer Eingabemaschine vom Typ Jensen Variant sowie einer Jensen-Universal-Faltmaschine werden laut Wäschereileitung optimale Mangel- und Faltergebnisse sowie ein effektiver Produktionsprozess erreicht. Hosen, Kittel, Hemden und andere Bekleidungsstücke werden auf einer Hosenpresse oder im Presskabinett von Kannegiesser perfekt gefinisht.

Einsatz je nach Fähigkeiten

Technik kann vieles, aber nicht alles: „Ein ganz wichtiges Thema ist die Motivation der Inhaftierten“, so Annerose Albert. Anders als in gewerblichen Betrieben gibt es hier keine „Stammbelegschaft“, sondern die Mannschaft ist sehr heterogen. „In der Wäscherei arbeiten 64 Männer in zwei Schichten. Es gibt sowohl Langzeitinhaftierte als auch Gefangene, die anstelle einer Geldstrafe eine kurze Haftstrafe absitzen“, sagt die Wäschereileiterin. Dementsprechend häufig müssen Arbeitsplätze neu besetzt werden. „Wie jede gewerbliche Wäscherei auch müssen wir aber einen gleichbleibenden Qualitätsstandard einhalten. Der Betrieb wird in absehbarer Zeit zertifiziert“, so Annerose Albert weiter. Daher sind sie, ihre Stellvertreterin Sabine Krüger sowie die Funktionsmeister Michael Golz und Robert Meister permanent gefordert, die Fähigkeiten jedes einzelnen Inhaftierten zu eruieren und ihn optimal im Produktionsprozess einzusetzen. „Newcomer arbeiten zuerst an den Trocknern oder schlagen nasse Wäsche aus. Denjenigen, die besondere Einsatzfreude, Zuverlässigkeit und möglicherweise sogar Verantwortungsbereitschaft zeigen, bieten wir nach der Einarbeitung einen Arbeitsplatz an der Mangel oder in einer anderen Abteilung an, die selbstständiges und umsichtiges Arbeiten erfordert“, sagt die Wäschereileiterin.

Das Führungsteam weiß, wie die Männer ticken: „Es gibt Inhaftierte, die nie zuvor im Leben gearbeitet haben. Anderen fällt
es schwer, den Tag zu strukturieren, und wieder andere müssen lernen, sich in eine Gemeinschaft einzuordnen und Qualitäts­bewusstsein zu entwickeln“, räumt Annerose Albert ein. Mit „Herz, Humor und Schnauze“ gelingt es ihr und ihren Kollegen indessen, Neuankömmlinge Schritt für Schritt zu motivieren.
„Wir gehen freundlich und mit Respekt miteinander um, aber ­niemand wird begünstigt“, erläutert sie. Gelegentliche Streitig­keiten werden mit Konsequenz geschlichtet. Durch die Arbeit
in der Wäscherei entwickeln sich jedoch die meisten Inhaftierten positiv. Deshalb sind sich Annerose Albert und ihre Kollegen ziemlich sicher, dass der eine oder andere Vorbestrafte später durchaus gute Chancen auf eine Einstellung in einer Wäscherei hat.