Udo Nagelschmidt hat das Textilreiniger Bildungszentrum Münsterland e. V. (TBZ) in Rheine mitgegründet, leitet den Ausschuss Aus- und Weiterbildung im Deutschen Textilreinigungs-Verband und bildet Textilreiniger im eigenen Familienbetrieb aus. RWTextilservice hat mit dem Mann gesprochen, dessen Name fast schon ein Synonym für Ausbildungsförderung in der Branche ist.

Mit Profession und Herzensbildung
Er ist ein neugieriger Mensch, bildet sich selbst gerne weiter und saugt Informationen auf. Die Aus- und Weiterbildung ist seit jeher eines seiner Steckenpferde - ein ehrenamtliches übrigens. Direkt nach der Meisterprüfung wurde Udo Nagelschmidt aktiv, zunächst viele Jahre lang als Fachlehrer in der Textilreiniger-Berufsschulklasse in Münster und Rheine. Im Dezember 1988 hat er das Textilreiniger Bildungszentrum in Rheine mitgegründet; Schulungsstart war im Jahr 1989. Hier ist er immer noch Dozent und bildet im eigenen Betrieb Nachwuchs für die Branche aus.
RWTextilservice: Herr Nagelschmidt, Ihr Name wird in der Dienstleistungsbranche Textilpflege mit dem Thema Ausbildung und dem TBZ Rheine assoziiert. Ihre persönliche und fachliche Kompetenz werden hoch geschätzt. Abgesehen davon, dass Sie im eigenen Betrieb, der Elite-Textilreinigung in Rheine, ausbilden, engagieren Sie sich im umfangreichen Rahmen ehrenamtlich. Was treibt Sie an?
Udo Nagelschmidt: Zum einen bin ich natürlich familiär und historisch mit der Branche verwachsen. Zum anderen schätze ich die Kollegialität, die ich insbesondere in der Innung und im TBZ erfahre. Vor allem aber ist es die Möglichkeit, meine ständige Neugier, die ich mit meiner Frau Christine teile, bedienen zu können. Wir beide freuen uns darüber, die Früchte der Aus- und Weiterbildungsaktivität wachsen zu sehen und zu erleben, dass unsere Branchen- und Bildungsneugier die Schulungsteilnehmer ansteckt, wenn wir vermitteln können: Neugierde und Lernen machen Spaß.
RWTextilservice: Wie setzen Sie Ihre Visionen konkret um, als Unternehmer, als Leiter des TBZ und im Rahmen der Verbandsarbeit?
Udo Nagelschmidt: Das kann ich nur in einem positiven Umfeld. Ich tanke meine Energie in der konstruktiven Zusammenarbeit in der Gemeinschaft auf. Im Unternehmen brauche ich eine motivierte, funktionierende Mitarbeiterschaft. Im TBZ stärken mich das Team und die Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer, im Verbandsausschuss ist es die ideenreiche und zielgerichtete Zusammenarbeit. Was mir wichtig ist, sind junge, kreative Denkansätzen gepaart mit gelebten Erfahrungen. Daraus entstehen eine besondere Dynamik und die Möglichkeit der Weiterentwicklung. Und die brauchen wir in allen Bereichen, um die Zukunft unserer Branche aktiv zu gestalten.
RWTextilservice: Bei aller Unterstützung und Hilfestellung bleiben immer noch viele Aufgaben für Sie. Wie bekommen Sie all Ihre Verantwortlichkeiten unter einen Hut?
Udo Nagelschmidt: Das ist natürlich nicht immer ganz einfach. Ohne den Rückhalt meiner Familie, insbesondere meiner Frau, wäre das nicht möglich. Weil auch sie ein sehr aktiver Mensch ist und Freude an der Aus- und Weiterbildung hat, unterstützt sie mich und hält mir sowohl im Betrieb als auch bei meinem ehrenamtlichen Engagement den Rücken frei.
RWTextilservice: Das Thema Ausbildung ist nicht erst jetzt für die Dienstleistungsbranche Textilpflege wichtig. Ihre langjährige Tätigkeit bestätigt das. Dennoch ist die Situation gerade akut. Nachwuchs wird dringend gesucht! Wie lautet Ihr Appell an die Kollegen?
Udo Nagelschmidt: Richtig, es zeichnet sich schon jetzt ein eklatanter Fachkräftemangel ab. Eine Dienstleistungsbranche wie
unsere kann nur mit Hilfe guten Personals überleben. Es wird für alle Branchen immer schwerer, geeignete Mitarbeiter zu finden und zu binden. Die Textilreinigungsbranche, und damit meine ich nicht nur die Verbände, sondern jeden einzelnen Betrieb, muss ihre Anstrengungen drastisch erhöhen. Nur so können wir dieser Entwicklung entgegenwirken.
RWTextilservice: Wie kann das konkret aussehen?
Udo Nagelschmidt: Wir müssen die Außenwirkung unserer Branche und somit die Attraktivität stärken. Das erreichen wir durch eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen. Ein Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Aus- und Weiterbildung. Je mehr wir unser Personal professionalisieren, umso mehr binden wir es an unsere Betriebe. Es macht Spaß, erfolgreich zu sein und zu arbeiten. Auch unsere Mitarbeiter müssen diese Erfahrung machen. Wir alle brauchen Erfolgserlebnisse im Arbeitsleben. Gleichzeitig müssen wir aktiv um Nachwuchs werben. Der DTV unterstützt seine Mitglieder seit vielen Jahren durch kompetente Beratung, Informations- und Werbepakete sowie Ausbildungsratgeber, die auch mit Hilfe der Ausschüsse ständig weiterentwickelt werden. Viele Mitgliedsbetriebe nutzen diesen Pool. Ich wünsche mir allerdings, dass weitaus mehr Kolleginnen und Kollegen aktiver werden und die Angebote des Verbandes annehmen.
RWTextilservice: Sie sind selbst in erster Linie Textilreinigungsmeister und Unternehmer und führen den Betrieb Ihres Vaters Thomas Nagelschmidt weiter. Was hat Sie dazu bewegt?
Udo Nagelschmidt: Da gibt es mehrere Gründe. Ich bin im elterlichen Betrieb groß geworden, habe viele Facetten der Branche kennengelernt und wesentliche Entwicklungen miterlebt. Dennoch haben mir meine Eltern immer die Möglichkeit gegeben, über den Textilreiniger-Tellerrand hinauszusehen. So habe ich neben meiner klassischen Textilreinigerausbildung ein BWL-Studium absolviert, in die EDV-Branche hineingeschnuppert und mich im technischen Bereich fortbilden können. Ich liebe die Vielfältigkeit der Textilreinigungsbranche. Ich mag keine stupiden Arbeiten, sondern muss die Möglichkeit haben, mich breit zu entfalten. Das bietet mir die Branche. Wie bereits erwähnt, hat die Kollegialität, die ich nicht nur innerbetrieblich erlebe, mich zu diesem unternehmerischen Schritt ermutigt.
RWTextilservice: Wird sich diese Familientradition fortsetzen? Werden Ihre Kinder in Ihre Fußstapfen treten?
Udo Nagelschmidt: Natürlich haben auch unsere beiden Kinder Benjamin und Johanna unser Geschäft von Kindesbeinen an miterlebt. Momentan gehen sie allerdings andere Wege. Beide haben erfolgreich ihr Studium absolviert und möchten nun ihre eigenen Erfahrungen in der Berufswelt sammeln. Das unterstützen und begleiten meine Frau und ich sehr gern und aktiv. Auch sie müssen den Platz finden, an dem sie engagiert, glücklich und erfolgreich ihre Zukunft aufbauen.
RWTextilservice: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der
Branche?
Udo Nagelschmidt: Über die Zukunft der Branche mache ich mir keine Sorgen. Deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass jeder, der sich für eine Ausbildung zum Textilreiniger entscheidet, sehr gute Möglichkeiten für eine sichere berufliche Zukunft hat. Ich wünsche mir allerdings, dass es uns gelingt, das Qualitätsniveau unserer Dienstleistungen und damit die Akzeptanz auf dem Markt positiv weiterzuentwickeln. Insbesondere im handwerklichen Bereich, der überwiegend den Privatkunden anspricht, wird dies überlebenswichtig.
RWTextilservice: Was ist Ihnen persönlich wichtig?
Udo Nagelschmidt: Freude an der Arbeit, weiterhin eine gesunde Neugier, vor allem aber Toleranz, Fairness und Kollegialität im Umgang miteinander.
RWTextilservice: Herr Nagelschmidt, vielen Dank für das Gespräch.Gabriele Rejschek-Wehmeyer