Fast 25 Jahre lang war sie Frontfrau des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV). Seit 1. Januar 2015 ist Heike Fritsche Geschäftsführerin des Zentralverbands Raum und Ausstattung (ZVR) in Köln. Damit stellt sie sich einer neuen, verantwortungsvollen Aufgabe in einem deutschen Branchen-/Unternehmerverband und freut sich auf die Chance, neue Räume für erfolgreiche Verbandsarbeit zu erschließen.

3 Leicht fällt ihr der Abschied nicht. Seit dem 3. Oktober 1990, dem „Tag der Deutschen Einheit“, war Heike Fritsche für den DTV tätig, zunächst in der Informationsstelle des Verbandes in Leipzig, ab 1995 in der Zentrale in Bonn. Einen kurzen Abstecher machte sie von 2000 bis 2004 zum Industrieverband Textilservice (intex), Eschborn. Der DTV konnte sie 2005 für die Leitung der Informationsstelle für Unternehmensführung in Bonn zurückgewinnen.
Im November letzten Jahres nahm Heike Fritsche während der DTV-Jahresverbandstagung in Frankfurt die „RWin“-Auszeichnung für die erfolgreiche Gründung der „DTV-Verbandszertifizierung“ entgegen – stellvertretend für den DTV und nicht zuletzt aufgrund ihres persönlichen Verdienstes für das branchenspezifische Qualitätsmanagement im Verbund. Darauf ist sie stolz: Mehr als 40 Mitgliedsbetriebe im DTV-Verbund nutzen inzwischen die Möglichkeit, sich neben dem Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 im Bereich Hygiene-, Umwelt-,
Arbeitssicherheits- oder Energiemanagement zertifizieren zu lassen. Damit gehe eine wesentliche Erleichterung bei der Umsetzung von Kundenforderungen einher, in erster Linie durch die Vereinfachung der Einhaltung normativer und gesetzlicher Anforderungen und die enorme Kostenersparnis, erklärt die Expertin. Wirtschaftlichen Nutzen auf breiter Ebene zu schaffen, sei Sinn und Zweck jeder Verbandsaktivität.
Pionierarbeit geleistet
Sie selbst war gern und unermüdlich Motor. Wer die dynamische Wahlkölnerin kennt, weiß, dass sie sich schnell und beherzt in Neues einarbeitet, in komplexen Sachverhalten und Fachgebieten Fuß fasst und immer wieder denselben Elan aufbringt, wenn es darum geht, Dinge nach vorne zu bringen. Im DTV hat sie neben den klassischen Aufgaben der Geschäftsstellenführung in vielen Bereichen Pionierarbeit geleistet, stets im engen Dialog mit denen, die davon profitieren sollten: den Mitgliedern. Die Nähe zu den Unternehmern sei ihr wichtig, betont sie. „Wer etwas ändern will, muss zunächst einmal verstehen.“ Diese Haltung dürfen die Mitglieder des ZVR von ihr erwarten, die sie nun als Geschäftsführerin kennenlernen.
Dafür hat sie sich entschieden, nicht leichten Herzens, denn Verlässlichkeit, Kontinuität und Loyalität zählen zu ihren Leitmotiven. In allem, was der DTV in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und neu aufgebaut hat, steckt ihr Herzblut. So ein Abschied sei daher nicht nur eine Veränderung in der beruflichen Karriere, sondern ein entscheidender Wendepunkt in der persönlichen Biografie. Natürlich habe sie Wehmut im Gepäck, vor allem aber die Erinnerung an unzählige, wertvolle zwischenmenschliche und prägende Begegnungen sowie das Wissen, in einem starken Verband vieles erreicht zu haben. Unterm Strich habe sich der Einsatz in jedem Moment und an jeder Stelle gelohnt.
„Meilensteile werden gesetzt, damit sich auch andere daran orientieren können.“ So sieht sie es und wünscht dem Team in Bonn unter neuer Leitung viel Erfolg, vor allem aber Freude bei ihrem Tun. Den Austausch mit dem DTV wird Heike Fritsche zweifelsohne pflegen. Es gibt jede Menge thematische Verbindungen und Anknüpfungspunkte zwischen der Dienstleistungsbranche Textilpflege und dem Raumausstattergewerbe. Das Thema Heimtextilien und deren Pflege beispielsweise biete ein weites Feld für Kooperationen.
Sie ist längst wieder mittendrin. Ein neues Veranstaltungsformat auf der Heimtextil 2015 am 15. Januar 2015 war Heike Fritsches Debüt als Geschäftsführerin. Der Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR) hatte in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der vereidigten Sachverständigen für Raum und Ausstattung (BSR) zum „ZVR + BSR Forum Wissen“ eingeladen. Ziel des branchenübergreifenden Dialogs mit den Mitgliedsunternehmen war es, Know-how und Kompetenzen zu bündeln, zu kommunizieren und weiter auszubauen. Im Fokus stand unter anderem die Stärkung des Nachwuchses mit den Schwerpunkten Meisterausbildung und Branchenmarketing. Ein weiteres Anliegen war es, mit aktuellen Referaten zu den Themen Sonnenschutz und Kindersicherheit den Blick der Handwerksmeister auf aktuelle Trends zu lenken.
Was die Bereiche Meisterausbildung und Branchenmarketing betrifft, bewegt sich Heike Fritsche auf vertrautem Boden. Im Bereich Aus- und Weiterbildung war sie beim DTV in die Bearbeitung und Erstellung der Meisterprüfungsverordnung eingebunden. Aufgrund ihrer Initiative wurden das Berufsschullehrerforum installiert und die jährlichen Treffen der Berufschullehrer organisiert. Darüber hinaus hatte sie sich für die Gründung des Sachverständigengremiums im DTV eingesetzt, um sowohl angehende Sachverständige als auch das Sachverständigenwesen der Branche insgesamt zu fördern.
Mit starker Kraft von innen
Dass alle Weiterentwicklung, ob intern oder extern, gezielte
Öffentlichkeitsarbeit braucht, war für Heike Fritsche niemals eine Frage. Mit Hilfe des Ausschusses Marketing und PR setzte sie sich bereits 2005 für die Realisierung der DTV-Branchenkampagne ein, die heute von renommierten Unternehmen aus der Textilwirtschaft durch die Bereitstellung von Kampagnenmotiven begleitet wird. Zu den von ihr forcierten Maßnahmen zur Imagewerbung für die Branche gehört die Entwicklung von Werbemitteln für die Aus- und Weiterbildung im Wirtschaftsfeld Textilpflege. Unter dem Motto „Trommeln für Deutschlands Energiewende“ initiierte sie die Bündelung von Initiativen und Aktivität von Mitgliedsfirmen, inklusive Benchmarking und Technikforum.
Der Erfolg eines Verbands kennzeichne sich jedoch nicht vorrangig durch die Erfolge nach außen, sagt Heike Fritsche. In erster Linie gehe es darum, den Zusammenhalt nach innen zu stärken, die interne Bindung zu festigen. Eine echte Herausforderung sei es Ende der 90er Jahre gewesen, nach dem Austritt der großen Betriebe aus dem DTV das Image des Verbandes branchenintern zu verbessern. Das sei insbesondere in den letzten zehn Jahren gelungen. „Wir konnten viele Großbetriebe vom Nutzen einer Zugehörigkeit zum DTV überzeugen und zurückgewinnen, und zwar durch Leistung“, erklärt Fritsche. Das sei zum einen der guten
Tarifpolitik der TATEX geschuldet, zum anderen der Neuausrichtung des DTV als Dienstleister und Branchenvertretung.
Teamgeist auf breiter Basis
„Schön ist, dass alle Projekte und Kampagnen innerhalb der DTV-Arbeitsgremien diskutiert und aus der Taufe gehoben wurden“, betont sie. Zur rechten Zeit habe man auch auf dem Gebiet „Technik und Energieeinsparung“ die Weichen für eine bedarfsgerechte Unterstützung der Betriebe gestellt. Daraus seien bahnbrechende Forschungsprojekte mit der DBU und diversen Forschungsinstituten entstanden, beispielsweise mit der wfk Krefeld sowie der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Repräsentativ nennt Heike Fritsche die „Ganzheitliche energetische Betrachtung von Wäschereien“: ein 800.000-Euro-Projekt unter der Leitung des DTV mit fünf Pilotwäschereien, acht Zulieferunternehmen und zwei großen Forschungseinrichtungen. Existenziell und wirtschaftlich interessant seien die daraus entstandenen Praxisseminare für DTV-Mitglieder, die konkrete und bewährte Lösungen zur Energieoptimierung im eigenen Betrieb an die Hand geben.
Im Rahmen der technischen Arbeitsgremien habe auch der Arbeitskreis Schmutzfangmatten herausragende Ergebnisse erzielt. Ihm sei es gelungen, DTV- und intex-Mitglieder (heute WIRTEX-Unternehmen) an einen Tisch zu bringen, um die Finanzierung und Realisierung umfangreicher Untersuchungen möglich zu
machen. Das alles seien einfach herausragende Teamleistungen.
Für Wertepflege sorgen
Teamgeist, der auf einer breiten Basis ruht. So definiert Heike Fritsche erfolgreiches Zusammenwirken von Mitgliedern und Mitarbeitern in einem Verband überhaupt. Und so wünscht sie es sich für ihre Zukunft im ZVR. Das Branchen- und Berufsfeld Raumausstatter und Sattler sei ebenso spannend wie vielfältig und für sie eine Chance, buchstäblich neue Räume für erfolgreiche Verbandsarbeit zu entdecken und mit Leben zu füllen. Ihre Leidenschaft für Kommunikation dürfte helfen, ihre Bereitschaft zum Diskurs ebenfalls. „Es recht zu machen jedermann, ist eine Kunst, die keiner kann.“ Dieses Sprichwort habe sich in ihrer Erfahrung zwar vielmals bewahrheitet. Dennoch sei es im Verbandsgeschehen wichtig, die Mitglieder bestmöglich zu informieren, um sie ins Boot zu holen, mitzunehmen und in alle Prozesse aktiv und konstruktiv einzubeziehen. Energieeffizient zu arbeiten, sei eben nicht nur unternehmerisch notwendig, sondern im Hinblick auf menschliche Ressourcen vor allem eine Wertefrage.