Sie bilden Sieger aus: Momme Kolz und Rainer Buchholz Nachahmung erwünscht

Gratulation an Paul Magnus Hartwig! Leider nicht persönlich. Der bundesbeste IHK-Azubi des Prüfungsjahrgangs 2014 macht gerade ein soziales Jahr in Südafrika, während wir uns mit seinen ehemaligen Ausbildern Rainer Buchholz und Momme Kolz treffen. Im Hause Servitex Nord in Lüdersdorf sprechen wir über ein Erfolgsmodell für die Berufsausbildung im Textilreinigerhandwerk.

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    Sie übernahmen den Bereich Textilreinigung in der Ausbildungskooperation (v.li.): Rainer Buchholz, Marica Lachs (Verwaltung) und Robert Riesenberg (Betriebsleiter). Foto: Buchholz
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    1 Freuen sich gemeinsam über die Ausbildungskooperation: Mitarbeiter und Geschäftsführung von Servitex Nord mit Rainer Buchholz (v.li.): Momme Kolz, Anja Godknecht, Rainer Buchholz, Katja Kollmorgen, Lars Iden, Annegret Golla, Stefanie Kolz.
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    3 Erfolgreiche Kooperationspartner und Ausbilder: Momme Kolz (li.) und Rainer Buchholz. Fotos: Servitex Nord
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    2 Die Geschäftsleitung von Servitex Nord in Lüdersdorf (v.li.): Momme Kolz, Anja Godnecht und Lars Iden.
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    Rechts Außenansicht der Servitex Nord in Lüdersdorf.

3 Der ausgezeichnete Berufsabschluss als Bundesbester ist für Paul Magnus Hartwig ein Sprungbrett in die Karriere im Wirtschaftsfeld Textilservice. So sehen es auch seine Eltern. Für Karin und Nils Hartwig ist der Gesellenbrief elementare Grundlage, damit ihr Sohn in das Familienunternehmen einsteigen kann. Vorher wird er noch ein BWL-Studium machen. Die Nachfolge der Harmonia Wäscherei Hartwig GmbH in Hamburg wäre damit gesichert. Direkt nach dem Abitur hatte Paul Magnus Hartwig die einmalige Chance genutzt. In einer verkürzten Lehrzeit von zwei Jahren absolvierte er seine Ausbildung in drei Lehrbetrieben: in der Buchholz Textilreinigung in Bad Oldesloe, der Großwäscherei Paul Duncker in Lübeck und bei Servitex Nord in Lüdersdorf. Offizieller Arbeitgeber war die Wäscherei Duncker. Den theoretischen Stoff erhielt er im Blockunterricht an der Theodor-Litt-Schule in Neumünster. Ihren guten Ruf verdiene die Landesberufsschule in Schleswig-Holstein zu Recht, unterstreichen alle Beteiligten.

Die enge Begleitung durch die Lehrherren und ihre qualifizierten Mitarbeiter machte die Intensivausbildung mit Bestauszeichnung möglich. Um Paul Magnus Hartwig adäquates Handwerkszeug mitzugeben und ein innovatives Ausbildungskonzept zu etablieren, hatten sich seine ehemaligen Chefs für das Kooperationsmodell entschieden. Einseitige Ausbildungslösungen, entweder in der Reinigung oder der Wäscherei, würden den Anforderungen im späteren Berufsleben nicht mehr gerecht.

Damit der Branchennachwuchs realistische Karrierechancen habe, müsse er sich in allen Marktsegmenten des Wirtschaftsfeldes Textilservice orientieren und auskennen. „Wir sind eine Großwäscherei mit industriellen Strukturen“, erklärt Momme Kolz. „Unsere Arbeit ist mit der einer Textilreinigung in keiner Weise zu vergleichen. Das klassische Handwerk eines Reinigers können wir nicht vermitteln. Dennoch brauchen auch wir Fachkräfte, die sich mit der Beschaffenheit von Textilien und der richtigen Pflege unterschiedlicher Warenarten auskennen.“ Dazu komme ein hoher Bedarf an Wissen über Waschtechnik und die Verfahrensabläufe in der modernen Wäscherei. Die Anforderungen an die Produktqualität seien extrem hoch. „Unsere Kunden in der Hotellerie und im Gesundheitswesen erwarten zertifizierte Qualitätsleistungen“, sagt Kolz. Im Hause Servitex Nord ist dafür unter anderem Anja Godknecht als QM-Beauftragte verantwortlich. Als Niederlassungsleiterin trägt auch sie an der Seite von Geschäftsführer Lars Iden den Ausbildungsauftrag des Unternehmens mit.

Gelungenes Pilotprojekt in Sachen Ausbildung

„Wer in der Dienstleistungsbranche Textilpflege Karriere machen will, braucht nach wir vor handwerkliches Basiswissen“, betont Branchenkenner Rainer Buchholz. Er hat bereits etliche Bundessieger ausgebildet und im Jahr 1981 die Auszeichnung von der Handwerkskammer selbst erhalten. Seit 2012 ist er Mitglied im Prüfungsausschuss. „Dass unser Ausbildungskonzept stimmig und zielführend ist, beweist die Auszeichnung von Magnus. Wir würden uns freuen, wenn es Nachahmer fände.“

Momme Kolz und Rainer Buchholz sind sich einig. Sie kennen sich gut und lange. Genauso gut und lange kennen sie ihre Branche. Zeitgleich und im selben DBL-Betrieb in Lüneburg lernten sie ihr Handwerk. 1978 schlossen sie die Ausbildung ab, damals noch als Färber und Chemischreiniger. Heute führt Rainer Buchholz die Buchholz Textilpflege mit Stammsitz in Bad Oldesloe in vierter  Generation. Momme Kolz ist Gesellschafter der Großwäscherei Paul Duncker GmbH, Lübeck, und der Servitex Nord GmbH, Lüdersdorf. Seit 1992 kooperieren sie als textile Dienstleister und nach ihrem nun gelungenen Pilotprojekt künftig als Kooperationspartner in der Ausbildung von Textilreinigern.

Im Zuge der Marktentwicklung hatten sich beide Unternehmer spezialisiert. Rainer Buchholz konzentriert sich auf Premiumleistungen in der klassischen Textilreinigung, zu 97 Prozent im gewerblichen Bereich. Momme Kolz versorgt anspruchsvolle Großkunden in der Hotellerie, der Gastronomie und im Gesundheitswesen mit sauberer Mietwäsche. Mit der Gründung der bundesweit arbeitenden Servitex-Gruppe im Jahr 2002 legte er einen Meilenstein für die Expansion seines Unternehmens und den Erfolg seiner Geschäftspartner im Verbund textiler Dienstleister.

Seine Frau Stefanie Kolz war von Anfang an dabei: überzeugt, unermüdlich und einfühlsam im Umgang mit den Mitarbeitern. Gutes Personal zu finden und zu binden, sei für die Branche überlebensnotwendig, betont sie bei unserem Besuch im Hause Servitex Nord, einer hochmodernen, lichtdurchfluteten Großwäscherei in der Gertrud-Kolz-Straße in Lüdersdorf.

Textilpflege spannend machen

Darum geht es. Rainer Buchholz, Momme und Stefanie Kolz haben vieles gemeinsam, vor allem die Vision, die Qualität textiler Dienstleistungen auf dem deutschen Markt langfristig zu sichern. Das gelinge nur mithilfe qualifizierter Textilreiniger. Da gebe es keine zwei Meinungen. Der Mangel an ausgebildeten Textilreinigern sei ein akutes Problem aller Betriebe, die Situation mehr als kritisch. Zudem sei es dringend an der Zeit, gemeinsam – mit den Kollegen und in den Verbänden – über Erneuerungen der Ausbildungsinhalte zu diskutieren. Lange genug habe die Branche die Dringlichkeit ignoriert. „Es geht längst nicht mehr darum, ob unsere Betriebe ausbilden wollen oder nicht. Sie finden einfach keinen Nachwuchs, der in der Textilpflege arbeiten will und das erforderliche Maß an Schulbildung und Interesse am Handwerk mitbringt“, sagt Rainer Buchholz. „Allerdings können wir das Ausbildungsniveau auch nicht herunterschrauben, wenn wir unseren Qualitätsanspruch halten wollen.“

Herunterschrauben nicht, aber anpassen. Die traditionelle Form der Ausbildung entspreche nicht mehr den Marktanforderungen. Momme Kolz erläutert: „Ob in Lübeck oder in Lüdersdorf, wir führen Großbetriebe mit hochtechnisierten Betriebsabläufen und industriellen Strukturen. Jemand, der ausschließlich in der Textilreinigung gelernt hat, kann unseren Ansprüchen gar nicht gerecht werden.“ Umgekehrt sei es ähnlich, sagt Rainer Buchholz. Fachkräften, die schwerpunktmäßig in einer Wäscherei tätig waren, mangele es in der Regel an handwerklichem Können. Zudem seien die Vorstellungen von der Arbeit in der Textilreinigung vielfach antiquiert. Nahezu alle Azubis seien vom hohen Technikstandard in der Textilreinigung überrascht. Sie wüssten selten, was sie erwartet. „Daher machen sie bei uns vorab ein Praktikum. Ich erkenne schnell, ob sie intellektuell in der Lage sind, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Dafür bin ich als Unternehmer verantwortlich“, sagt Buchholz. In der modernen Textilreinigung seien Fachwissen, handwerkliches Geschick und ein sicherer Umgang mit Hochleistungstechnik gefordert. Das will er vermitteln. Und darüber hinaus ein zeitgemäßes Image des Berufsstandes.

Vom kleinen Feinen zum großen Ganzen

Eine realistische Betrachtung der Ausbildungssituation in Deutschland und die Bereitschaft zur notwendigen Veränderung wünscht sich auch Momme Kolz. Für sein herausragendes Engagement wurde der Geschäftsführer der Servitex Nord GmbH vom Landkreis Nordwestmecklenburg als Unternehmer des Jahres 2006 ausgezeichnet. Mit 40 Mitarbeitern hatte Servitex Nord 2005 in Lüdersdorf angefangen, inzwischen wurden mehr als 120 Arbeitsplätze für die Region geschaffen. „Trotz der Spezialisierung profilieren wir uns mit Dienstleistungen aus einer Hand“, erklärt der Inhaber. „Durch die Kooperation mit der Textilpflege Buchholz decken wir den Bedarf in der Textilreinigung ab. Rainer Buchholz ist der Spezialist für alles Kleine und Feine, beispielsweise für Wohntextilien oder Bewohnergarderobe, einfach für alle Textilien, die wir in der industriellen Wäscherei nicht bearbeiten können.“

Die Kooperation bewährte sich auch im Rahmen der Ausbildung. An allen Standorten habe sich Magnus wohl und gut aufgehoben gefühlt, resümiert Stefanie Kolz, die stets ein offenes Ohr für die persönlichen Anliegen ihres Azubis hatte. Wenn sich Dienstleistung Textilpflege so darstellt, kommt sie sicher gut an.