Vor mehr als 20 Jahren gab Textilreinigermeister Gustav Dinger die chemische Reinigung auf, konzentrierte sich auf Spezialbereiche und setzte seit der Jahrtausendwende sukzessive auf Maßnahmen zur Energieeinsparung. Heute gehört sein Betrieb zu den nachhaltigsten Firmen der Region Donau-Ries.
3 Es riecht nach Holz. Aus dem Schornstein zwischen Anbau und Garage dampft es. Gustav Dinger hat sich seine Arbeitshandschuhe angezogen. In den Händen hält er ein etwa ein Meter langes Stück Schnittholz, das er gerade von einem Stapel an der Hauswand geholt hat. „Das hat die optimale Länge für den Holzvergaser“, sagt der Textilreinigermeister zufrieden. Seit 2009 erzeugt der Betriebsinhaber der Textilpflege Dinger im bayerischen Donauwörth seine Energie für Warmwasser und Heizung in erster Linie selbst. Ein Carbonwärmetauscher holt zudem seit 2011 aus dem Abfallprodukt Rauchgas der Holzvergasung genug Wärme, um damit einen Trockenraum zu betreiben.
Beide Installationen sind vorläufig das Ende einer langen Liste von Maßnahmen zur Energieeinsparung, durch die Gustav Dinger seine Energiekosten in zehn Jahren um ein Drittel senken konnte. Zusätzlich ist der kleine Betrieb nahezu autark: „Wir produzieren 95 Prozent der benötigten Wärmeenergie selbst, durch meine Solaranlagen auf dem Betriebsdach sogar auch 55 Prozent des Stroms“, betont der 54-Jährige. „Im Schnitt amortisieren sich diese Investitionen nach etwa vier Jahren.“
78 Prozent mehr Umsatz
Seit 1999 installierte Dinger eine Photovoltaik- sowie Solarthermieanlage, den Holzvergaser, den Rauchgaswärmetauscher, eine Vollwärmeschutzdämmung und eine feuchtigkeitsabhängige Trocknung, die sich nach Erreichen des gewünschten Feuchtigkeitslevels im Trockenraum automatisch selbst ausschaltet.
„Ich bin so erzogen worden. Seit meiner Kindheit interessiere ich mich schon für Umweltschutz“, begründet der Chef von neun Mitarbeitern seinen Einsatz für Nachhaltigkeit. „Man muss erstmal viel investieren – Zeit und Geld. Aber man spürt den Aufwand auch positiv im Geldbeutel: Seit Beginn der Maßnahmen stieg der inflationsbereinigte Umsatz um knapp 78 Prozent.“
Von chemischer Reinigung zu Spezialsegmenten
Für diesen enormen Anstieg verantwortlich sind aber nicht alleine die Energieeinsparungen, sondern auch eine grundlegende Umstrukturierung: 1993 gab der Betrieb die chemische Reinigung auf und konzentrierte sich fortan auf Spezialsegmente wie Teppiche, Bettwäsche, Matratzen und Sauberlaufmatten. Wenn Kunden mit Hemden, Anzügen, Flach- oder Mangelwäsche vorbeikommen, gibt Gustav Dinger diese Aufträge an Kollegen ab. „Die Kooperation mit den insgesamt vier Kollegen läuft gut, einer kommt beispielsweise drei Mal in der Woche und holt Flachwäsche ab“, erklärt der Leiter des Familienbetriebs in der dritten Generation. „Wir ergänzen uns dabei hervorragend – er bringt dafür beispielsweise Teppiche, Bettwäsche und Matratzen zu mir.“ Hauptzielgruppe des Donauwörther Textilpflegebetriebs sind Privatkunden, aber auch kleinere Firmen und die wenigen Großunternehmen der Region.
Wichtig ist Dinger dabei aber immer die Fokussierung auf eine unbesetzte Nische: „Wir reinigen beispielsweise in den großen Firmen jeweils nur spezielle Textilien wie die Einsatzbekleidung der Betriebsfeuerwehr, Warnwesten mit Leuchtstreifen oder organisch verunreinigte Wischmopps. Auch bei Privatkunden haben wir uns neben Matten, Teppichen und Bettwäsche die Nische der Zeltreinigung gesucht – gerade nach der Saison im Herbst kommen dann viele Aufträge“, sagt Dinger. „Insgesamt ist das aber alles eine Frage der richtigen Organisation. Im Herbst kommen Zelte, im Winter Matten und im Sommer Teppiche. Dazu die Ergänzungen mit den Kollegen – da darf man gerade bei der Logistik nicht den Überblick verlieren.“
Bei der Logistik zeigt sich schließlich wieder das Umweltbewusstsein Dingers, der mit seiner Familie über der Textilreinigung wohnt: Alle Fahrzeuge des Fuhrparks werden mit Autogas angetrieben. „Meine Kinder waren noch klein und bekamen beim Spielen auf dem Hof ständig die Dieselabgase der Betriebsfahrzeuge ab, deshalb ließ ich auf Autogas umrüsten. Die Tankstellen sind jedenfalls vorhanden – und es rechnet sich auch“, betont der zweifache Familienvater. „So schließt sich übrigens der Kreis: Ich fahre mit meinem Autogasfahrzeug in mein kleines Waldstück, schlage Holz und verfeuere es im Holzvergaser – ich versuche, in meiner Nische so nachhaltig wie möglich zu sein.“
Infos: www.textilpflege-dinger.de