Der Verbandstag des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV) stand in diesem Jahr unter dem Motto:„Gemeinsam.nachhaltig.fortschreiten.“ Am 19. und 20. Oktober 2012 trafen sich die Mitglieder in Straßburg und diskutierten aktuelle Verbands- und Branchenthemen.
Nicht ausbremsen lassen
In diesem Jahr lud der Deutsche Textilreinigungs-Verband (DTV) seine Mitglieder ins französische Straßburg ein. Mit der Verlagerung des Verbandstags in das europäische Ausland wollte man die Gelegenheit bieten, die französisch-deutsche Wäschereitagung der beiden Verbände FWL (Fachverband für Wäscherei, Textil- Versorgungsmangement e.V.) und URBH (Union des Responsables de Blanchisserie Hospitalière) zu besuchen, die vom 17. bis 19. Oktober in Bischoffsheim stattfand.
Der Verbandstag des DTV begann am 19. Oktober in Straßburg. DTV-Präsident Friedrich Eberhard begrüßte die Tagungsteilnehmer im Hilton Hotel Strasbourg und äußerte sich positiv zur Branchensituation: „Wir arbeiten in einer spannenden Branche, die zukunftsgerichtet ist und ein erfolgreicher Wirtschaftszweig - und das alles vor dem Hintergrund großer Verunsicherung.“ Man dürfe sich von verhaltenen oder negativen Konjunkturprognosen nur wenig beeindrucken lassen und vor allem nicht ausbremsen.
Um die Stimmung zu heben und optimistisch in den Verbandstag zu starten, begann das Programm am Samstag mit einem unterhaltsamen Höhepunkt. Kabarettist und Stimmenimitator Jörg Hammerschmidt lieferte einen Lacher nach dem anderen - sei es als Angela Merkel, Horst Schlämmer, Franz Beckenbauer oder Karl Lagerfeld. Am Ende sang er auf Wunsch von Dr. Volker Schmid als Udo Lindenberg das Lied „Hinterm Horizont geht’s weiter“. Für den DTV-Geschäftsführer Dr. Schmid hatte diese Zeile eine besondere Bedeutung, denn er wurde auf dem Verbandstag offiziell verabschiedet.
Friedrich Eberhard bedankte sich herzlich bei Dr. Schmid mit den Worten: „Es ist außerordentlich, was du für den DTV getan hast.“ Dr. Schmid wird noch bis Ende des Jahres als Geschäftsführer des DTV tätig sein. Einen Nachfolger gibt es laut Verband noch nicht.
Gesamtverband und Mindestlohn
Vor seinem offiziellen Abschied trug Dr. Schmid noch einmal den Geschäftsbericht des DTV vor. Dabei ging es zunächst um den aktuellen Stand der geplanten Fusion von DTV und dem Industrieverband Textil Service (intex) zu einem Gesamtverband. „Es gibt Stockungen im Fusionsbestreben von DTV und intex, die bisher nicht überwunden werden konnten“, sagte Dr. Schmid. Man halte eine Fusion der Verbände immer noch für sinnvoll, sei sich aber nicht sicher, wann es so weit sei. Das Thema Mindestlohn stand ebenfalls wieder auf der Agenda. Dr. Schmid beurteilte die politische Entwicklung so, „dass es bald keine Branche mehr ohne gesetzlichen Mindestlohn geben wird“. Wäschereien, die einen Umsatz von mehr als 80 Prozent im Objektgeschäft erzielen, sind bereits seit 2009 zur Zahlung des Mindestlohns verpflichtet. Hier bewerte der Verband bisher den Nutzen höher als den Schaden. Im Westen liegt der Mindestlohn seit 1. April 2012 bei acht Euro, im Osten bei sieben Euro. Der DTV-Geschäftsführer versprach: „Wir werden die Höhe des Mindestlohns mit Augenmaß weiterentwickeln, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Dr. Schmid wies außerdem auf Tariftreuegesetze der Länder hin. In einigen deutschen Bundesländern schreiben diese vor, dass Ausschreibungsaufträge nur noch an Betriebe mit einem bestimmten Mindestlohn gehen können. Seit 1. Mai 2012 ist beispielsweise das Tariftreue- und Vergabegesetz Nordrhein-Westfalen (TVgG-NRW) in Kraft. Danach haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein Mindestentgelt in Höhe von 8,62 Euro, wenn ihr Arbeitgeber einen öffentlichen Auftrag ab 20.000 Euro erhalten hat.
Schnell entscheidungsfähig sein
Ein weiterer Punkt bei der Mitglieder- und Delegiertenversammlung des Verbands war eine Satzungsänderung. Dr. Schmid stellte aus der 18 Seiten umfassenden Satzung nur die „Knackpunkte“ vor. Dazu gehörte, dass eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit einer Mitteilungsfrist von zwei Wochen einberufen werden kann. So wolle man sicherstellen, schnell entscheidungsfähig zu sein. Außerdem soll es eine Änderung im Wahl- und Stimmrecht geben. Neben einer Stimme für jedes ordentliche Mitgliedsunternehmen sieht die neue Satzung eine Zusatzstimme für jedes Mitglied ab einem von ihm bezahlten Mitgliedsbeitrag von 1.000 Euro im Jahr für jeden weiteren 1.000-Euro-Mitgliedsbeitrag vor. Die Stimmrechte der Direktmitglieder sollen dabei beschränkt auf maximal 30 Stimmen pro Mitglied sein. Dr. Schmid betonte, dass man bei der Satzungsänderung unbedingt „alle Mitglieder mitnehmen“ wolle und deshalb die Änderungen in Straßburg nur diskutierte. Eine Entscheidung darüber soll in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Frühjahr 2013 fallen.
Zahlreiche zertifizierte Betriebe
Es folgten Berichte aus den verschiedenen DTV-Ausschüssen und Arbeitsgremien. Heike Fritsche freute sich über zahlreiche Verbandszertifizierungen im vergangenen Jahr. Mehr als 30 Betriebe seien aktuell in der Matrix und nutzen die Vorteile eines zertifizierten Qualitäts- bzw. Umweltmanagements.
Jochen Krause berichtete für den Ausschuss Technik und Umweltschutz. Ein Hauptthema sind hier Workshops und Seminare rund um Medieneinsparung. Der Ausschuss initiiert und begleitet aktiv Forschungsvorhaben, z.B. zusammen mit dem wfk in Krefeld. Auch Öffentlichkeitsarbeit gehört zur Arbeit des Ausschusses. „Wir wollen imagemäßig endlich die Schmuddelecke verlassen“, sagte Krause und berichtete weiter vom Arbeitskreis Brandschutz. Dieser arbeite mit der Versteegen Assekuranz zusammen und habe z.B. Checklisten für Brandschutzmaßnahmen in Wäschereien erarbeitet.
Um das wichtige Thema Aus- und Weiterbildung ging es bei Udo Nagelschmidt. Der Ausschuss beschäftigt sich aktuell mit der Fachkräftegewinnung. Das Problem: „Der Beruf an sich ist nicht bekannt - teilweise nicht einmal bei den Arbeitsagenturen“, erläuterte Nagelschmidt. Zur Imagepflege und Bekanntmachung arbeitet der Ausschuss an mehreren Projekten. Aktuell gibt es vom DTVeinen neuen Ausbildungsflyer (siehe Nachricht in dieser Ausgabe auf Seite 8). Geplant ist eine Website mit einer Berufsvorstellung sowie eine Aktualisierung eines bestehenden Werbefilms. Zudem soll der Beruf des Textilreinigers mit dem Konzept „Schulstunde“ aktiv in Schulen vorgestellt werden. Bei der Gesellenausbildung verfolgt der Ausschuss das Ziel einer bundesweiten Harmonisierung von Ausbildung und Prüfung. In Sachen Meisterprüfungsordnung arbeite man wegen einer Neuordnung mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) zusammen.
Der Ausschuss PR und Marketing wünscht sich mehr Beteiligung der Mitglieder. Lothar Amm rief die Anwesenden zum Mitmachen auf. Aktuelle Projekte sind die Fortführung der Branchenkampagne sowie ein Relaunch der Aktion „Waschtag für Kuscheltiere“. Auch ganz neue Kommunikationswege will man gehen. Laut Amm ist eine DTV-App angedacht, also eine Applikation für Smartphones und Tablets. Sie soll zeitgemäßen Kundenservice signalisieren und die schnelle Erreichbarkeit der Dienstleistung Textilpflege erhöhen. Denkbar wären auch Ideen wie ein sogenannter „QR-Code“ auf dem Pflegeetikett. Diesen Code kann man mittels Smartphones einscannen und könnte dann beispielsweise angezeigt bekommen, welche Pflege das Bekleidungsstück benötigt und welcher Betrieb in der Nähe diese ausführen kann.
In den Pausen gab es Gelegenheit, sich über diese und weitere Ideen auszutauschen und zu netzwerken. Einen feierlichen Ausklang fand der Tag im historischen Restaurant „Maison Kammerzell“. Neben der Übergabe der Urkunden für die DTV-Verbandszertifizierung war auch die Verleihung des Branchenawards „RWin 2012“ ein weiterer Höhepunkt. Zum diesjährigen „RWin“ und dessen Gewinnern lesen Sie den Artikel ab Seite 16 in dieser Ausgabe.
Der nächste DTV-Verbandstag soll in der dritten Septemberwoche 2013 in Köln stattfinden. Elena Schönhaar