Die professionelle Textilreinigung kann noch reichlich Potenzial nutzen - das war die Botschaft, die Teilnehmer des Texcare Forums mit nach Hause nehmen konnten. Mag. Josef Wanas stellte ein vielversprechendes Projekt vor, das derzeit in Österreich umgesetzt wird. Erstmals positioniert sich eine gesamte Innung neu. Auch Unternehmensberater Christian Grotebrune zeigte vielfältige Zukunftschancen auf.
Noch viel Potenzial zu nutzen
Es sind altbekannte Sorgen: Ein immer lichter werdendes Netz an Textilreinigungen, schwierige Kunden, die nur kommen, wenn sie ihr Bekleidungsstück selbst nicht mehr sauber bekommen, oder das schlechte Image der Branche. Doch es bringt bekanntlich nichts, nur die Probleme zu thematisieren. Die beiden Referenten Mag. Josef Wanas und Christian Grotebrune zeigten Lösungsmöglichkeiten auf und verrieten, mit welchen Strategien Textilpflegebetriebe ihre Zukunft sichern können.
Mag. Josef Wanas war aus Wien angereist, um die Teilnehmer des Texcare Forums über ein vielversprechendes Projekt zu informieren, das derzeit in Österreich umgesetzt wird. Wie in anderen Ländern auch ist dort die Zahl der Textilreinigungsbetriebe in den vergangenen Jahrzehnten stetig gesunken. Seit dem Jahr 2005 ist allerdings wieder eine leichte Zunahme zu beobachten. In Österreich verpflichtet das Gesetz die Betriebe zur Mitgliedschaft in der Wirtschaftskammer. Heute vereint die Bundesinnung 731 Betriebe der professionellen Textilpflege. Erstmals stecken nun all diese Betriebe mitten in einer strategischen Neupositionierung. Der Anfang dazu wurde bereits im vergangenen Jahr gemacht. Auf Initiative von Bundesinnungsmeister KommR. Walter Imp wurde zunächst in gemeinschaftlicher Arbeit mit Mag. Josef Wanas der Markt analysiert. Im nächsten Schritt hat das Kompetenzteam Konzepte entwickelt, die in diesem Jahr umgesetzt werden sollen. Die große Herausforderung der branchenweiten Strategie war, einen Vorteil für alle Mitgliedsbetriebe ohne finanziellen Mehraufwand zu erreichen. Im Rahmen einer Roadshow hat die Bundesinnung die Ergebnisse und Strategien im Herbst 2010 bereits in verschiedenen Bundesländern Österreichs vorgestellt. „Dabei wurde die Stimmung unter den Betrieben von Mal zu Mal positiver“, freute sich Wanas. „Eine große Rolle spielt dabei aber auch die Person von Walter Imp - ein Motivator, der die Branche mit seiner Begeisterung ansteckt“, erklärte er.
„Unsere Analyse zeigte, dass der Begriff chemische Putzerei, wie er in Österreich verwendet wird, nicht gerade imageträchtig ist“, sagte Wanas. „Verbraucher assozieren dabei oft umweltschägliches Verhalten.“ Die neue Kommunikationsstrategie der österreichischen Branche ziele nun darauf ab, dem Verbraucher zu verdeutlichen, dass die Aufbereitung im Textilpflegebetrieb wesentlich umwelt- und ressourcenschonender geschieht als in der heimischen Waschmaschine. Der Verbraucher erfährt, dass strenge umweltrechtliche Auflagen bestehen, die Branche mit Verantwortung arbeitet und dabei noch mehr tut, als das Gesetz vorschreibt. Zu dieser Kommunikationsstrategie passt auch das neue Logo der Betriebe, das in frischem Grün gehalten ist.
Hinzu komme, dass der Besuch einer Textilreinigung oft als lästige Pflicht wahrgenommen wird. „Die Reinigung löst beim Kunden keine emotionale Begeisterung aus, wie das z.B. eine Vinothek tut. Wenn dann sind wir eher ein Problemlöser.“ Dennoch steckt, wie Wanas versichert, großes Kundenpotenzial in der Branche: „Serviceorientierte Kunden, Menschen, die ein Zeitproblem haben, und Verbraucher, die unsere Betriebe im Moment nicht mehr finden - das sind vielversprechende Kundengruppen.“
Potenzial böten daher auch neue Serviceleistungen, wie z.B. die Zusammenarbeit mit Arbeitgebern und Hol- und Bringdienste. Großes Gewicht legt die Bundesinnung auch auf die neuen Medien. Die überarbeitete Plattform der Innung geht im Frühjahr online und soll Verbraucher besser ansprechen, indem alle Betriebe schnell gefunden werden können und nutzwertige Informationen vorgehalten werden. Dabei spielt auch die Präsenz in sozialenMedien eine Rolle. „Immer mehr Menschen kommunizieren über Plattformen wie Facebook und Co. - da dürfen wir nicht fehlen“, erklärte Wanas. Ebenso stecke noch Potenzial in der Suchmaschinenoptimierung. Nach den ersten Schritten im Frühjahr 2011 startet im Herbst 2011 das Modul II. Über die Plattform im Internet wird dann auch die individuelle Kundenbetreuung möglich. Der einzelne Betrieb wird Angebote und Newsletter versenden können. Auch Direktmailingaktionen werden möglich, dies ist allerdings dann kostenpflichtig. „Erstmals positioniert sich eine gesamte Innung unter dem Mantel der WKÖ neu. Viel harte Arbeit steckt dahinter, doch mit Überzeugung, Beharrlichkeit und unserem Bundesinnungsmeister Walter Imp schaffen wir das“, ist Mag. Josef Wanas sicher.
Auch der nächste Referent lieferte Anregungen und Lösungsmöglichkeiten. Unternehmensberater Christian Grotebrune von der Unity AG benannte zu Beginn seines Vortrags das Ziel, in der Textilpflegebranche einen „Strategieprozess zu initiieren, um die Zukunft bewältigen zu können“. Als ehemaliger Leiter eines Textilreinigungsbetriebs kennt Grotebrune die Branche gut und verdeutlichte der Zuhörerschaft die Zukunftschancen, die die Betriebe für sich nutzen können. Der Markt für Textilpflegeservices, so erklärte der Berater, sei dabei mit einem Produktzyklus zu vergleichen: Während im Jahr 1960 nur ein kleiner Teil der Haushalte über eigene Waschgeräte verfügte und damit die Nachfrage nach Textilpflegeservices sehr hoch war, habe sich bis zum Jahr 1985 eine Marktsättigung eingestellt. Momentan sei eine Degeneration der Märkte durch eine rückläufige Nachfrage zu beobachten - obwohl das Wäschevolumen bei den Privatleuten deutlich gestiegen ist. „Die Frage, für die eine Antwort gefunden werden muss“, so erläuterte der Vortragende, „ist, inwiefern die Nachfrage für Textilreinigungsservices wieder belebt werden kann.“ Hierfür, so erklärte der Berater, sei es notwendig, die Vervielfachung der Faktoren, die auf die Branche einwirken, einzubeziehen: So hätten sich die Qualitätsansprüche der Kunden verschärft - insbesondere, was die Garderobe von Geschäftskunden angeht. Durch Investitionsstaus in vielen Betrieben hätte sich das Image der Branche zum Negativen entwickelt, ebenso seien neue Auflagen wie Umweltstandards sowie steigende Energiepreise hinzugekommen. Auf der anderen Seite nannte Grotebrune zahlreiche positive Faktoren, die die Branche beeinflussen: So sei ein Trend zur verstärkten Nutzung von Corporate Wear zu beobachten. Die demografische Entwicklung führe darüber hinaus dazu, dass es zukünftig mehr Menschen gibt, die sich nicht selbst um ihre Wäsche kümmern können. Außerdem müsse einer steigenden Mobilität der arbeitenden Gesellschaft Rechnung getragen werden. Der Unternehmensberater regte daher an, mit Blick auf die Zukunft die verschiedenen Bedürfnisse der Kundengruppen zu erforschen und das Geschäftsangebot darauf abzustimmen. So könnten durch Hol- und Bringedienste, Zusatzservices wie Schneiderarbeiten sowie eine Verfügbarkeit der Services außerhalb der Bürozeiten neue Anreize zur Nutzung von Textilpflegeservices geschaffen werden, erklärte Grotebrune. Auch seien zeitgemäße Methoden der Kundenkommunikation wie z.B. eine Benachrichtigung per SMS oder eine Rückverfolgbarkeit des Auftrags per Internet Neuerungen im Service, von denen sich viele Kunden angesprochen fühlen dürften. „Jede Krise bedeutet gleichzeitig auch immer neue Chancen“, so erklärte Grotebrune den Teilnehmern. Wichtig sei es, diese auch zu erkennen und für sich zu nutzen.
Vanessa Ebert/Markus Schulze Wehninck