Messe Heimtextil Objektmarkt gewinnt Bedeutung

Wie in jedem Jahr begann die Messesaison mit der Heimtextil in Frankfurt/Main. In der Zeit vom 13. bis 16. Januar 2010 zeigten knapp 2.500 Hersteller und Händler ihre Produkte und Neuentwicklungen für Bett, Bad und Boden, Tisch und Fenster. Immer mehr wird die Messe aber auch zur Informationsplattform für den Objektbereich.

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    Pichler hat seine bügelfreien Tischwäschequalitäten um ein grafisches Pikee erweitert.Foto: Pichler
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    Frottiertücher aus kontrolliert biologischem Anbau bedienen Nischenmärkte mit Wachstumsaussichten.Foto: Floringo
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    Die Mischung aus Baumwolle und Modal gibt dem industriell waschbaren Luxuszwirn einen weichen Griff.Foto: Framsohn
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    Fasermischungen aus Baumwolle und Leinen erzeugen einen Massageeffekt, der im Wellnessbereich von Hotels gefragt ist.Foto: Dyckhoff

Objektmarkt gewinnt Bedeutung

Die Frankfurter Heimtextil wandelte sich in den vergangenen Jahren von der reinen Produktpräsentation für den Handel auch zu einer Informationsplattform für den Objektbereich. Dazu holt die Messe Frankfurt Spezialisten aus den geeigneten Bereichen ins Boot. Zum Thema Objektwäsche sind die Hessen in diesem Jahr an den Deutschen Textilreinigungs Verband (DTV) herangetreten. Dieser hat gemeinsam mit dem Veranstalter verschiedene Aktionen - darunter eine Vortragsreihe und einen Messerundgang organisiert.

Knapp 2.500 Hersteller zeigten ihre Produkte und Neuentwicklungen. Damit ist die Zahl der Aussteller weiter gesunken - und zwar um knapp zehn Prozent. Um diesem rückläufigen Trend entgegenzuwirken, bemüht sich die Messe Frankfurt seit dem Jahr 2007, das Objektgeschäft mit allen Facetten der textilen Inneneinrichtung auf der Heimtextil zu etablieren. Neben einer speziellen Kennzeichnung der Stände sind im Rahmen der „Contract Creations“ ein eigener Messeführer und ein spezielles Internetportal sowie Vortragsreihen und Foren rund um das Objektgeschäft entstanden. In diesem Zusammenhang ist auch die diesjährige Kooperation der Messe Frankfurt mit dem DTV zu verstehen. Mit dem Ziel, die Heimtextil als Informationsplattform für Wäschereien, das Gesundheitswesen und das Gastgewerbe interessant zu machen, schaffte die Messegesellschaft eine Bühne für Vorträge und neue Aussteller von Objekttextilien. Ein zusätzlicher Rundgang in der Halle 8, in der sich seit jeher viele Hersteller und Händler von Objektwäsche versammeln, sollte Interessierten einen Überblick über die Vielfalt der Textilien für den Langzeitgebrauch geben. Dadurch erhoffte sich der DTV die Schaffung einer neuen Kommunikationsebene zwischen Textillieferanten, Wäschereien und deren Kunden. Um diesem Ziel nahezukommen, hatte der Verband zudem seine Mitgliedsbetriebe zu einem Besuch der Heimtextil eingeladen und zusätzlich weitere 1.750 Entscheider aus der Hotellerie und dem Gesundheitswesen angeschrieben. Dieses Engagement schien sich gelohnt zu haben: Nach Einschätzung verschiedener Aussteller von Objekttextilien waren in diesem Jahr mehr deutsche Wäschereien als üblich in Frankfurt/Main.

Doch trotz dieser als erfreulich gewerteten Entwicklung zeigte sich nicht jeder Objektaussteller von der Beteiligung des DTV begeistert. So sehen einige Unternehmen eine Gefahr darin, wenn große Hotels, Hotelketten oder Krankenhäuser die hinter den Objektausstattern oder Mietwäschereien stehenden Textilhersteller kennenlernen. Sie befürchten, dass es bei zukünftigen Ausschreibungen zu Direktanfragen beim Produzenten kommen kann. Die Objekteure, eine wichtige Kundengruppe vieler Textilfabriken, könnten dabei umgangen werden. Würden dann auch noch Herstellerpreise bekannt, entbrenne ein Preiskampf, der der Branche nicht gut tue. Außerdem befürchten manche Aussteller, dass Verbraucher Unverständnis zeigen, wenn sie sich über die Ware informieren, diese aber nicht direkt beim Hersteller kaufen können.

Wesentlich optimistischer beurteilt eine andere Ausstellergruppe die Zusammenführung der drei Ebenen Verbraucher, Händler und Hersteller. Nach ihrer Auffassung gibt die Messe den Herstellern eine hervorragende Möglichkeit der Kundenberatung. Der Objektkunde kann sich in Ruhe das Rüstzeug für seine nächste Bestellung holen und sich eingehend informieren. Er erhält alle wichtigen Auskünfte für seine Entscheidungsfindung, wodurch der Handel von dieser Aufgabe entlastet wird. Gleichzeitig findet er neue Anregungen und Impulse bei den auf Objekttextilien spezialisierten und mit den Worten „Contract Creations“ gekennzeichneten Ausstellern.

Im Sinne einer weitergehenden Information über Objektwäsche war auch die Vortragsveranstaltung „Let’s talk about it“ zum Thema „Contract Business“ am 15. Januar gedacht. Verschiedene Präsentationen sollten Trends in Hotellerie und Gesundheitswesen und die damit einhergehenden Änderungen im Objektwäschegeschäft aufzeigen. Sie reichten von den Hygieneanforderungen über neue Zimmerkonzepte und innovative Lösungen für das Hotelbett. (Die Inhalte der Vorträge werden im Beitrag „Trotz Wirtschaftskrise Medical-Wellness-Markt boomt“ ab Seite13 thematisiert.)

Die Hersteller von Objekttextilien hatten verschiedene Neuheiten für die verschiedenen Abnehmermärkte im Gepäck. Allerdings lassen die Produktentwicklungen keinen klaren Trend erkennen. Vielmehr entstehen immer mehr Produkte und Wäschelösungen für Teilmärkte oder Nischen. Ökologische Objekttextilien sind ein Beispiel für einen kleinen, aber im Wachstum begriffenen Markt. In der Hotellerie haben sich verschiedene Häuser dem Trend zu Nachhaltigkeit verschrieben und sich zu Biohotels zusammengeschlossen (www.biohotels.info). Entsprechend der hinter dieser Idee stehenden Philosophie werden an die Hotelwäsche entsprechende Anforderungen gestellt. Diesen entspricht das Sortiment „Bio Line“ des Frottierwäschehersteller Floringo aus Obersöchering. Die Tücher werden aus kontrolliert biologisch angebauter (kba) Baumwolle produziert und unterliegen in allen Stufen von der Produktion bis zur Verpackung umweltschonenden Prozessen. Das belegt die Zertifizierung nach dem strengen Global Organic Textile Standard (G.O.T.S.), mit dem das in zwei Abmessungen und fünf Farben erhältliche Sortiment gekennzeichnet ist. Nachhaltigkeit und Umweltverantwortung drücken sich aber nicht nur in den Warenqualitäten aus. Der Frottierhersteller Dyckhoff in Rheine macht sie auch zur grundsätzlichen Einstellung im Herstellprozess und richtet sich langfristig auf eine nachhaltige Produktion aus. Das gilt für alle Produkte. Dabei liegt insbesondere die neue, 500 g/m² schwere Frottierlinie aus kba-Baumwolle und G.O.T.S.-Zertifizierung strengen ökologischen Vorgaben. Auch die neuen Saunatücher mit Doubleface-Charakter folgen der Philosophie und verbinden sie mit Design und Wohlfühlcharakter. Ihre Fasermischung aus Baumwolle und Leinen erzeugt einen Massageeffekt, der in Wellnessbereichen von Hotels gewünscht wird.

Und eine weitere Entwicklung unterstreicht die zunehmende Wichtigkeit von umweltverträglichen Textilien. Die Zertifizierungsstelle für den Öko-Tex Standard 100 bemerkt ein starkes Bedürfnis des Verbrauchers nach unbedenklichen Textilien. Bei einem Hotelaufenthalt wollen sie daher nicht auf die gewohnte Sicherheit verzichten. Für viele Wäscheproduzenten gehört die Zertifizierung ihrer Textilien mit dem Öko-Tex-Siegel daher zu einer grundsätzlichen Dienstleistung für den Objekteur und die Wäscherei.

Insbesondere in der Bettwäsche macht sich die Tendenz zu anspruchsvollen, edlen Qualitäten bemerkbar. Damino mit Sitz in Großschönau entspricht dieser Entwicklung mit neuen Brokatdamasten in reiner Baumwolle. Der auf Jacquardweberei spezialisierte Hersteller präsentiert seine neue Linie in vier floralen Designs und einem ansprechenden Streifendekor in Uni und schussbunt. Mit 135 g/m² ist die seidig glänzende Ware zwar leicht, aber dennoch leasingtauglich und funktionell, weil sie schnell trocknet.

Eine hochwertige Bettwäsche kommt auch von Brennet aus Säckingen. Die Weberei bedient mit der funktionellen Outlast- und mit „Silver-protect“-Bettwäsche Hotels mit gehobenen Ansprüchen. Outlast-Textilien sind in der Lage, Wärme zu speichern und auch wieder abzugeben und so für ein ausgeglichenes Temperaturverhältnis zu sorgen. Bei Brennet ist die Technologie der so genannten Phase Change Materials (PCM) in Viskosefasern eingearbeitet und garnseitig eingewebt (57 Prozent Baumwolle, 32 Prozent Viskose mit PCM, elf Prozent Polyester). Die Wirkung ist deshalb zu spüren, nicht aber zu sehen. Die in modernen und natürlichen Farbstellungen gehaltene Wäsche in Karo- und Streifendessins ist bis 60 °C waschbar. „Silver protect“ hingegen ist eine Bettwäsche mit antimikrobieller Wirkung. Die auf der Wirkung von Silberionen basierende Spezialausrüstung garantiert einem Hotelier einwandfrei hygienische Bettwäsche.

Im Frottierbereich wiederum hat der im österreichischen Heidenreichstein ansässige Hersteller Framsohn eine neue hochwertige Linie erschaffen. Der Luxusfeinzwirn ist für die gehobene Hotellerie entwickelt und besteht aus einer 500 g/m² schweren Baumwoll-Modal-Intimmischung (65/35 Baumwolle/Modal). Sie zeichnet sich durch ein gleichmäßiges Warenbild, einen sehr weichen Griff, eine hohe Saugfähigkeit und Langlebigkeit aus. Die Bordüre ist kochwaschbeständig, so dass die Frottiertücher maßstabil sind. Derzeit sind sie ausschließlich in Weiß erhältlich, werden auf Wunsch jedoch auch farbig produziert.

Van Clewe VitaTex aus Hamminkeln stellte auf der Heimtextil ein leasingtaugliches Bettwarensystem für das Gesundheitswesen vor, das hohen hygienischen Ansprüchen genügt. Einer Entwicklung aus den Niederlanden folgend hat das Unternehmen eine voll waschbare Bettdecke entwickelt, indem die Bettwäsche mit der Einziehdecke versteppt wird. Während die der Haut zugekehrte Seite ein Baumwoll-Polyester-Mischgewebe ist, besteht das innen liegende Vlies aus „Trevira bioactiv“, einer waschbeständigen antimikrobiellen Faser, die einer Besiedlung mit Mikroorganismen entgegenwirkt. Für Krankenhäuser und Altenheim in der Schweiz wird die Decke, die mit einer Unterschlaghilfe für die Matratze ausgestattet ist, auch in einer schwerentflammbaren Version produziert. Die Decken sind vornehmlich in Streifendesigns gehalten, aber auch mit Tulpenmotiv erhältlich.

Pichler mit Sitz in Laichingen hat sein Programm der bügelfreien Tischwäsche weiter ausgebaut. Auf der Heimtextil präsentierte das Unternehmen ein neues Motiv seiner erfolgreichen Serie, die ihre Bügelfreiheit ausschließlich durch die spezielle Webstruktur, nicht aber durch eine zusätzliche Ausrüstung erhält. Damit erfüllt die Objektwäsche die Anforderungen der Hoteliers an einen hohen optischen Anspruch der Tischwäsche und einen niedrigen Handhabungsaufwand. Das neue grafische Pikee in klassischen und aktuellen Tönen wie Schoko, Grau oder Limone erweitert das Angebot nun um ein weiteres Dessin. Und auch im Bereich der im Markt vor vielen Jahren eingeführten Quadroserie gibt es ein neues Motiv. Kleine Rechtecke zieren die aus 60 Prozent Baumwolle und 40 Prozent Polyester bestehenden Linie, die mit einer speziellen Fleckschutzausrüstung versehen ist. Diese schützt sehr gut gegen die typischen Gebrauchsspuren und garantiert zugleich eine gute Auswaschbarkeit des Schmutzes.

Einem hohen Gebrauchsnutzen hat sich auch Dibella aus Bocholt verschrieben. Da der Hotelgast eine Bettwäsche mit Baumwollcharakter befürwortet, baut das Unternehmen seine Linie mit Mischgeweben aus 80 Prozent Baumwolle und 20 Prozent Polyester weiter aus. Diese Mischung gibt der Ware einen hohen Komfort und angenehmen Griff, der auch nach vielen Industriewäschen erhalten bleibt. Auch in Krankenhäusern und Altenheimen wird die kochwaschbare und chlorechte Mischung vermehrt eingesetzt. Dazu hat Dibella neue Jacquardmuster in floralen Designs und Karomotiven in modernen Trendfarben vorgestellt.

Die Heimtextil 2010 hat einmal mehr gezeigt, dass sich ein Besuch lohnt. Auch wenn sich in diesem Jahr bei den Produkten für den Handel kein deutlicher Trend erkennen ließ, zeigten die Objektaussteller einen klaren Fokus auf die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe. Es bleibt daher zu wünschen, dass die Zahl der Fachbesucher im Objektgeschäft weiter steigt.Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach