FWL-Bundestagung 2016 in Aachen Persönliches Miteinander

Die Bundestagung des FWL fand vom 27. bis 29. Oktober 2016 in Aachen statt. Auf dem Programm standen Vorträge zu branchenaktuellen Themen, Networking und die Mitgliederversammlung. Im kommenden Jahr will der FWL zusammen mit der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege tagen.

  • Bild 1 von 5
    © Jussen
    Das Team des dänischen Flachwäscheanbieters Beirholms Væverier A/S stellte die Beirtex-Produkte vor.  Fotos: Jussen
  • Bild 2 von 5
    © Jussen
    Networking stand bei der FWL-Bundestagung im Oktober 2016 in Aachen auf dem Programm.
  • Bild 3 von 5
    © Jussen
    Harald Vomm (re.) und Boris Heck von ThermoTex gaben einen Überblick über ihr Produktportfolio im Textilkennzeichnungsbereich.
  • Bild 4 von 5
    © Jussen
    In den Pausen konnten sich die Teilnehmer bei den Fördermitgliedern über Produkte und Services informieren.
  • Bild 5 von 5
    © Jussen
    Christian Schmidt und Claudia Hauch von Sianka by S&Z Verpackungen präsentierten u.a. ihre neue leichte Microfaser-Decke.

3 Zur 46. Bundestagung des Fachverbands für Wäscherei-, Textil- und Versorgungsmanagement e.V., kurz FWL, kamen gut 60 Mitglieder, Fördermitglieder, Kooperationspartner sowie Vertreter des französischen Partnerverbandes „Groupement d‘Intérêt Public – Blanchisserie Interhospitalière Alsace Nord“ nach Aachen. Die drei Schlagworte Nachhaltigkeit, Ganzheitlichkeit und Wirtschaftlichkeit bestimmten die Tagung vom 27. bis 29. Oktober 2016. Als erster Referent brachte Peter Beirholm sie direkt in seinem Vortragstitel unter. Der Geschäftsführer des dänischen Flachwäscheherstellers im Leasingbereich, Beirholms Væverier A/S, berichtete über die steigenden Anforderungen des Markts an Design, Qualität und Funktionalität. Damit nahm er direkt den Tenor der Begrüßungsrede des 1. FWL-Vorsitzenden, Hans-Ulrich Steinkopf, auf. Steinkopf merkte an, dass der Markt im ständigen Wandel und darauf entsprechend zu reagieren sei: „Wir müssen die Zeichen der Zeit berücksichtigen.“ Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind in Einklang zu bringen, um zukunftsfähig zu sein, so Beirholm. Dies wiederum setze partnerschaftliches Zusammenarbeiten in der gesamten Wirtschaftskette voraus: Hersteller, Wäscherei und Kunde bilden eine Einheit und generieren durch das gleiche Werteverständnis eine optimale Lösung. Beirholm erläuterte: „Wir aktivieren das volle Potenzial des Wertenetzwerkes, um die profitabelsten Textillösungen auf dem Markt zu liefern – an Leasingwäschereien, die Kunden der Leasingwäschereien und deren Kunden.“ Als Textillösung der Zukunft beschrieb er z.B. Gewebe aus einer Mischung der Faserstoffe Baumwolle und Polyester. Die Vorteile gegenüber Artikeln aus reiner Baumwolle: Sie haben eine höhere Haltbarkeit und trocknen schneller, wodurch der Ressourcenaufwand verringert wird. Zur unternehmerischen Verantwortung gehört im Unternehmen Beirholm jedoch nicht nur das nachhaltige Produkt, sondern auch der Mensch in der Prozesskette. „Die Produktionsbedingungen müssen ebenso dem Nachhaltigkeitsgedanken entsprechen und verträglich für Mensch und Umwelt sein“, so Beirholm.

Für Mensch und Umwelt

Auf die drei Schlagworte der Tagung ging auch das Unternehmen Hänel Büro- und Lagersysteme ein. Dieter Schoch berichtete in seinem Vortrag über die Entwicklungen moderner Lagersysteme in Textilpflegebetrieben. „Wir haben dabei u.a. die ergonomische Bedienung im Fokus“, betonte Schoch. Durchdachte Systeme sollen die körperliche Belastung der Mitarbeit minimieren. Schoch berichtete, dass Erkrankungen der Bewegungssysteme z.B. durch Einsatz des Hänel-Lagerliftes Rotomat um ein Vielfaches gesenkt werden können. Der Rotomat beruht auf eine Umlaufregaltechnik, die es ermöglichen soll, immer auf der optimalen Höhe auf die Ware zugreifen zu können. Bücken, Strecken oder das Steigen auf Leitern zur Entnahme des Lagerguts seien nicht mehr erforderlich. Durch das Umlaufförderprinzip könne darüber hinaus auf engstem Raum eine hohe Ablagekapazität geschaffen werden. Weiter sei das Lagersystem konstruktionsbedingt sehr energieeffizient. Schoch stellte zudem das System Lean-Lift vor: ein automatisiertes „Hochregallager im Schrank“. Das geschlossene, verdichtete System soll einen Schutz des Lagergutes bieten bei gleichzeitig schnellen Zugriffszeiten. Schoch betonte: „Auch dabei erfolgt die Bedienung bequem in ergonomisch richtiger Höhe im Entnahmebereich.“

Nicht nur im Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen, sondern auch in Bezug auf Mitarbeiterführung spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. Den Faktor Mensch im Zahnrad der Prozesskette beleuchtete Wirtschaftswissenschaftlerin und Managementberaterin Barbara Liebermeister in ihrem Vortrag näher. Insbesondere bezog sie sich auf veränderte Anforderungen an Führungskräfte in Bezug auf Personalmanagement im digitalen Zeitalter. „Ellbogen raus war gestern“, sagte sie. Heute gewinnen erfolgreiche Führungskräfte nur durch eine Kombination der sogenannten Soft Skills, so Liebermeister. Gerade aufgrund der vielen Möglichkeiten in Bezug auf die digitalen Medien gerate das persönliche Miteinander der Menschen immer mehr aus der Mode. „Aber das Geheimnis erfolgreicher Menschen ist nicht die Quantität der Beziehungsnetze, sondern die Qualität der persönlichen Beziehung geprägt durch Wertschätzung, Augenhöhe und Empathie“, wie sie den Teilnehmern der FWL-Tagung vermittelte.

Miteinander in der Branche

Der hohe Stellenwert eines guten persönlichen Miteinanders wurde bereits durch den Vortrag von Barbara Liebermeister deutlich. Die intensiven Gespräche der Tagungsteilnehmer bestätigten dies noch mal. Es fand reger Austausch beim geselligen Zusammensein an den zwei Abenden, tagsüber in der vortragsfreien Zeit an der Kaffeebar und an den Ständen der Fördermitglieder statt. Die folgenden Vorträge zeigten des Weiteren auf, dass es wichtig ist, in der Branche ein gutes Miteinander zu leben. Marco Seifen als Vertreter des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV) erklärte, dass das Thema Aus- und Weiterbildung den DTV in diesem Jahr am meisten in Anspruch genommen habe. Nicht zuletzt durch die Situation, dass immer mehr Berufsschulen geschlossen werden – aktuell Dresden und Nürnberg – sei es erforderlich, neue Wege in Bezug auf die Werbung Auszubildender in der Textilpflegebranche zu gehen. Er stellt u.a. Schulmarketingaktionen und Workshops für Berufsberater vor. Obwohl mehr und mehr hauseigene Wäschereien in Krankenhäusern, Seniorenpflegeeinrichtungen, Justizvollzugsanstalten und anderen Einrichtungen geschlossen werden, wie Hans-Ulrich Steinkopf bereits bei der Eröffnung der Tagung anmerkte, mache die Problematik des Fachkräftemangels auch vor den Mitgliedsbetrieben des FWL nicht Halt. Die Maßnahmen des DTV seien also zukunftsweisend für die ganze Branche. Ebenso wie die Aktivitäten der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege e.V., über die Ludger von Schoenebeck, Geschäftsführer des Verbands, referierte. Er gab u.a. einen Überblick über die RAL-Gütezeichen 992 und die Dienstleistungen der Hohenstein Institute für die Gütegemeinschaft. Die ähnliche Interessenlage der Mitglieder der Gütegemeinschaft und des FWL führte in der Mitgliederversammlung so weit, dass Überlegungen angestellt wurden, die Synergien auch in Bezug auf die Tagungen zu nutzen. So will man die Fachveranstaltungen der beiden Verbünde im nächsten Jahr zusammenlegen.  

Infos: www.fwl-ev.de