Im Gespräch mit Lars Lindig, Inhaber „Lange – die feine Reinigung“ im „Milaneo“ in Stuttgart Quereinstieg perfekt ­gemanagt

Sein Ansatz ist vor allem pragmatisch. Lars Lindig schaute sich die Branche genau an, bevor er im Dezember 2016 eine klassische Textilreinigung in Süddeutschlands größtem Shopping-Center übernahm. Entscheidend waren für ihn der Standort und die konkrete Hilfestellung seines Paten.

Lars Lindig betreibt eine Reinigung im „Milaneo“ in Stuttgart. Foto: Thomas Franz - © Thomas Franz

Sieben Mal gibt es „Lange – die feine Reinigung“ in und um Stuttgart als eigenständige, inhabergeführte Betriebe. Der Name ist Programm, Synonym für eine branchenweit bekannte Philosophie und Bürge für Qualität, sagt Lars Lindig. Der ehemalige Manager eines internationalen Lebensmittelkonzerns ist seit Ende 2016 Inhaber der 2014 eröffneten Filiale im „Milaneo“ in Stuttgart. Das von Horst Lange erfolgreich im Markt etablierte Dienstleistungskonzept hat ihn sofort überzeugt. Zudem habe er die gesamte Branche gründlich sondiert, um so entscheidungsfähig wie möglich zu sein, betont er im Gespräch mit R+WTextilservice. Ein Restrisiko bleibe bei einer derartigen Investition immer, jede unternehmerische Aktivität erfordere Mut. Allerdings habe ihn nicht zuletzt der Standort zum Quereinstieg in ein völlig neues Wirtschaftsfeld motiviert.

Bequemlichkeit zum ­Vorzugspreis

Das „Milaneo“ in zentraler Lage in Stuttgart bietet auf zirka 43.000 m2 und drei Ebenen eine große Auswahl an Shopping-, Dienstleistungs- und Gastronomieangeboten. Es ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell zu erreichen und verfügt im eigenen Parkhaus über 1.700 Parkplätze. Mehr als 30.000 Besucher genießen hier täglich die Vielfalt an Lifestyleprodukten oder Convenienceleistungen. Mit jedem Tag werden es mehr, die bereit sind, in saubere Bequemlichkeit zu investieren und ihre Textilien in die „feine Reinigung“ ihres Vertrauens zu bringen. Das sind vornehmlich berufstätige Menschen und Businesskunden, erklärt Lindig. Der ambitionierte Unternehmer setzt zudem auf kreatives Marketing. So lockt er u.a. mit seinem „Frühtau“-Special zunehmend mehr Kunden, die ihre Textilien vor der Arbeit bringen und noch am selben Tag abholen können. Und das sogar zu einem günstigeren Preis. Damit lässt sich punkten, weiß der ehemalige Konzernmanager.

Lindig bringt frischen Wind ins Geschäft, hat Respekt vor den Erfahrungen seiner Branchenkollegen und schätzt einen offenen, fairen Austausch unter Mitbewerbern.

R+WTextilservice: Herr Lindig, war Ihr Quereinstieg ein mutiger Sprung ins kalte Wasser?

Lars Lindig: Ja, durchaus. Allerdings kein unüberlegter oder unkalkulierbarer. Ich war die letzten 20 Jahre im Management eines bekannten Lebensmittelkonzerns tätig und bringe Erfahrung in der Unternehmensführung mit. Natürlich ist es etwas anderes, eine Textilreinigung zu führen. Mit unserem „warmen“ Laden decken wir das komplette Programm einer klassischen Textilreinigung ab. In Kooperation mit erfahrenen Marktpartnern den Bereich Wäscherei oder Spezialleistungen wie Teppichpflege. Zusätzlich betreiben wir eine eigene Änderungsschneiderei und bieten einen Hermes-Paketservice an.

Ich habe das System von Horst Lange übernommen und darauf aufgebaut; so musste ich das Rad nicht neu erfinden. Spannend war für mich vor allem der Wechsel vom Management zur eigenen unternehmerischen Existenz.

Dass ich in der Textilpflege gelandet bin, verdanke ich der Begegnung mit Horst Lange. Er und sein Geschäftsmodell haben mich überzeugt, vor allem der Standort, den er mir anbieten konnte. Mir war klar: Hier lässt sich mit soliden Dienstleistungen Geld verdienen. Das hat sich bereits bestätigt, wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz bereits um 30 Prozent gesteigert.

Kompliment! Wie haben Sie das geschafft?

In erster Linie durch ständige Prozess­optimierung, sprich die ganzheitliche Betrachtung und Optimierung aller Faktoren im Prozessmanagement und in der Betriebsführung. Mein Vorgänger hat die Möglichkeiten, die sowohl Standort, Technik als auch das Personal bieten, nicht adäquat genutzt. Wobei ich unseren Erfolg in erster Linie perspektivisch betrachte und mein Geschäft weiter ausbauen möchte. Das „Milaneo“ befindet sich nach wie vor auf Expansionskurs; wir können pro Jahr mit weiteren, rund 3.000 Arbeitsplätzen im Zentrum und mit steigenden Besucherzahlen rechnen. Das bedeutet für uns: jede Menge neue, potenzielle Kunden. Zudem kann ich mich auf mein bestens ausgebildetes Personal verlassen. Ich habe ein fachlich versiertes Team übernommen und werde auch weiterhin deren Qualifikation fördern. Für mich ist es momentan wichtiger, in alle Bereiche zu investieren, statt schnellen Ertrag aus dem Unternehmen zu ziehen.

Abgesehen davon hatte ich in Horst Lange von Anfang an einen erfahrenen Paten und Unternehmer an meiner Seite, der mich umfassend eingearbeitet hat. Ich konnte jeden Arbeitsschritt in unserem Betrieb von der Pike auf lernen und kann heute an jeder Stelle einspringen, an der Reinigungsmaschine, am Bügeltisch oder an der Ladentheke.

Das heißt, Sie sind ein Mensch mit einem langen Atem?

Das dürfen Sie so sagen. Meine Haltung beruht jedoch eher auf meiner Erfahrung und dem kaufmännischen Wissen, dass es seine Zeit braucht, um einen neuen Betrieb in die Gewinnzone zu bringen. Das Geschäft muss sich im Cashflow und Betriebsergebnis entwickeln, diese Zeit gebe ich mir und meinem Team. Grundsätzlich bin ich eher ein proaktiver Typ, der die Dinge vorantreibt. Ich weiß, wie schnell man wirtschaftlich in die Schieflage gerät, wenn man forcieren will, was sich nicht erzwingen lässt.

Natürlich ist mir bewusst, dass unsere Branche nach wie vor schrumpft und es eine weitere Marktkonzentration geben wird. Daher verlasse ich mich nicht allein auf ideale Rahmenbedingungen, sondern agiere vorausschauend und orientiere mich an den Bedürfnissen unserer Zielkunden. Die Preispolitik spielt dabei eine entscheidende Rolle. Unsere Kunden erwarten Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und kontinuierliche Qualität – und alles zu einem angemessenen Preis. Für unsere Dienstleistung, die nach wie vor einen hohen Anteil an Handarbeit beinhaltet, ist das eine Herausforderung. Als Inhaber konzentriere ich mich daher auf unsere Produktivität und Wirtschaftlichkeit, während ich die Handwerksleistungen meinen Fachkräften überlasse.

Ich bin optimistisch, dass unsere Dienstleistung trotz fortschreitender Digitalisierung auch in den nächsten Jahrzehnten noch gefragt ist.

Das klingt, als würden Sie sich mit der Branche inzwischen voll und ganz identifizieren.

Sicherlich habe ich nicht den Bezug dazu wie meine Kollegen, die buchstäblich hineingeboren wurden. Ich bin distanzierter, aber vielleicht hilft mir genau das. Ich versteife mich nicht auf Details, sondern sehe stets das große Ganze. Jede Branche muss Bestleistungen erbringen, wenn sie Kunden gewinnen, überzeugen und halten will. Es geht darum, die Bedürfnisse der Zielgruppen und Kunden zu erkennen und zu erfüllen. Für die Textilreinigung bedeutet dies ein wirtschaftlich funktionierendes Zusammenspiel von größtmöglichem Service und bestmöglicher Reinigungsqualität. Auch ich erkenne mittlerweile, wie gut oder schlecht ein Teil bearbeitet wurde. Und kann einschätzen, welcher Aufwand erforderlich und wirtschaftlich sinnvoll ist, um Qualitätsleistungen zu einem akzeptablen Preis zu erzielen.

Darüber diskutiere ich immer wieder gern mit meinen Marktpartnern in Stuttgart, auch mit denen, die im hochpreisigen Segment durchaus erfolgreich sind. Das begeistert mich übrigens wirklich: Der Zusammenhalt und der kollegiale Austausch der Reiniger in Stuttgart sind fantastisch. In dieser Hinsicht ist die Branche definitiv außergewöhnlich.

Haben Sie einen kollegialen Rat für andere potenzielle Quereinsteiger?

Analysieren Sie den Standort! Abgesehen von der technischen Ausstattung und den vorhandenen, personellen Ressourcen. Aus meiner früheren Tätigkeit weiß ich, wie entscheidend der Standort für den unternehmerischen Erfolg ist. Darüber hinaus rate ich in jedem Fall dazu, sich mit der Branche intensiv zu beschäftigen und abzuwägen, ob ich bereit bin, mich auf deren Besonderheiten einzulassen. Ich muss nicht nur als Unternehmer überzeugend agieren, sondern auch meine Mitarbeiter mitnehmen und motivieren. Das Know-how und die praktischen Kenntnisse meines achtköpfigen Teams sind für unseren Erfolg unerlässlich, insbesondere das Fachwissen unseres Meisters und unseres Gesellen. Daher ist wichtig, dass ich deren Erfahrungsschatz nicht nur nutze, sondern anerkenne und bereit bin, von allen zu lernen. Das tue ich nach wie vor täglich, ob in der Detachur oder am Bügeltisch.

Vor der Übernahme des Betriebes habe ich zwei Monate lang mitgearbeitet, das kann ich nur wärmstens empfehlen. Nur so konnte ich eine realistische Vorstellung davon bekommen, wie in der Textilreinigung gearbeitet wird und was auf mich zukommt. Denn ich bin zwar risikofreudig, habe als Ehemann und Vater von zwei Töchtern jedoch auch eine familiäre Verantwortung und lege Wert auf Ausgewogenheit zwischen Familienleben und Arbeitswelt.

Gabriele Rejschek-Wehmeyer

www.lange-diefeinereinigung.de

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