senior-tex, Lübben Saubere Wäsche für Bewohner

Für kleinere Wäschereien ist es nicht leicht, sich auf dem Markt für Bewohnerwäsche zu behaupten. ­Neben strukturellen Herausforderungen hat die Branche aber auch einiges zu bieten. Der Geschäftsführer von senior-tex erklärt RWTextilservice, warum er gerne Bewohnerwäsche bearbeitet.

Seit 2008 ist Thomas Weidemanns Geschäftsführer bei senior-Tex. Foto: senior-tex - © Senior-tex

3 Bei der Behandlung von Bewohnerwäsche von Pflegeeinrichtungen muss neben den gesetzlichen und hygienischen Vorgaben einiges beachtet werden. Kunden legen viel Wert auf Qualität und Zuverlässigkeit. Die Wäscherei muss dafür Sorge tragen, dass die Wäsche wieder vollständig bei dem richtigen Bewohner ankommt. Der Geschäftsführer der senior-tex GmbH, Thomas Weidemanns, hatte mit alledem erstmal nichts am Hut – auch nicht mit der Wäscherei im Allgemeinen. Er ist ein Quereinsteiger, viel in der Welt rumgekommen und hat sich beruflich anderen Dinge gewidmet. Weidemanns ist politisch engagiert und setzt sich für bürgerliches Engagement ein. Seit 2004 ist er bei senior-tex tätig, seit 2008 als Geschäftsführer. Wie es dazu kam, warum sich die Wäscherei auf Bewohnerwäsche fokussiert und welches die Herausforderungen, aber auch die Vorteile sind, das erzählt er im Interview mit RWTextilservice.

RWTextilservice: Herr Weidemanns, wie ist es dazu gekommen, dass sich Ihr Unternehmen auf Bewohnerwäsche spezialisiert hat?

Thomas Weidemanns: Das ergibt sich aus der Geschichte unseres Unternehmens. Meine Mutter hat damals Textilingenieurwesen studiert, mit Diplom abgeschlossen und 1980 in einer VEB-Wäscherei als Produktionsleiterin angefangen. Nach der Wende wurde sie bei der Zentralwäscherei Lübben Geschäftsführerin und kaufte das Unternehmen schließlich. In der Wäscherei wurde OP-Wäsche sterilisiert und im Jahr 2002 kamen Pflegeheime als Kunden dazu. Die Wäscherei ist ständig gewachsen, deshalb zog der Betrieb 1998 ins Gewerbegebiet um.

RWT: Wurde also aus der Zentralwäscherei Lübben später die ­senior-tex?

Weidemanns: Nein, die Zentralwäscherei Lübben benannte meine Mutter in „Laola Zentralwäscherei Lübben“ um. Dadurch, dass 2002 mit den Pflegeheimen Bewohnerwäsche hinzukam, wurde die Wäscherei am alten Standort reaktiviert, also an dem Ort, von dem die Wäscherei einst in das Gewerbegebiet gezogen ist. Dort wurde die Bewohnerwäsche bearbeitet. Das war dann die senior-tex.

RWT: Ist senior-tex denn ein eigenständiges Unternehmen?

Weidemanns: Ja, im November 2008 wurde die senior-tex eine GmbH und mein Bruder Robert und ich wurden gleichzeitig deren Gesellschafter und Geschäftsführer. Unser Betrieb ist auch ein Subunternehmen eines Textilserviceunternehmens, das vorrangig im mittel-, norddeutschen und Berliner Raum tätig ist. Dieses hat die Laola Zentralwäscherei übernommen und meine Mutter als verantwortliche Niederlassungsleiterin berufen. Durch den Status des Subunternehmers wurde die senior-tex fester Bestandteil der Unternehmensgruppe.

Mittlerweile bearbeiten wir die Bewohnerwäsche von neun Pflegeeinrichtungen für diesen Betrieb. Dabei handelt es sich um Wäsche von ca. 1.000 Bewohnern. Parallel betreuen wir selbst sechs große Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 800 Bewohnern. Wir beschäftigen derzeit innerhalb einer Stammbesetzung sieben Mitarbeiter.

RWT: Was haben Sie als Geschäftsführer für Aufgaben bei senior-tex?

Weidemanns: Ich bin der Chef, aber auch der Techniker, der Außendienstler, der Vertriebler und der Servicefahrer. Denn ich bringe meinen Kunden die Wäsche und hole sie auch ab. Darüber hinaus schule ich die Mitarbeiter der Pflegeheime. Dabei erkläre ich ihnen genau, was mit der Wäsche bei uns passiert und wie die bewohnerspezifischen Abwurfkriterien erfüllt sein müssen.

RWT: Was unterscheidet eine herkömmliche Wäscherei von einer, die sich um Bewohnerwäsche kümmert?

Weidemanns: Wir bei senior-tex waschen mit Einzelwaschmaschinen und nicht mit Taktmaschinen. Durch den Fokus auf Bewoh­nerwäsche sind wie näher am Kunden. Ich nehme persönlich auch gerne an sogenannten Angehörigenabenden teil, um diesem Personenkreis den Ablauf, das Unternehmen und mich selbst vorzustellen. Das sind häufig lebhafte Gespräche, aber sobald sich die Angehörigen hinsichtlich unseres Umgangs mit den persönlichen Wäschestücken ihrer Angehörigen informiert fühlen, spüre ich, dass sie mir und meiner Arbeit Vertrauen entgegenbringen. Mit einer Bewohnerin habe ich zum Beispiel auch schon persönlich gesprochen, da sie Sorge um ihren Morgenmantel hatte. Ich konnte ihr die Angst nehmen, indem ich ihr erklärt habe, wie es bei uns funktioniert.

RWT: Und wie funktioniert es bei Ihnen?

Weidemanns: Bei senior-tex kommt das EDV-Programm Pro Persona zum Einsatz. Die Wäsche wird für jeden einzelnen Bewohner aufbereitet. Es gibt bewohnerbezogene Wäschesäcke, die mit einem Barcode versehen sind. Dadurch gibt es eine transparente  Teileverfolgungs- und Reklamationskette. Da wir jedes eingehende Wäschestück händisch auf seinen Zustand überprüfen, bemerken wir vor der Wäsche, ob ein Bekleidungsstück verschlissen oder beschädigt ist, und liefern dieses Teil unbearbeitet an den Bewohner zurück. Auf diese Sorgfalt und Verantwortung legen wir großen Wert. Der Eigentümer des Bekleidungsstücks entscheidet selbst, ob es unter Ausschluss von Schadensgewährung von uns bearbeitet werden soll. Täglich werden bei senior-tex 5.500 Einzelteile gewaschen. Wir arbeiten mit einer Pauschale pro Bewohner.

RWT: Auf Ihrer Internetseite steht, der Mensch stehe bei Ihnen im Vordergrund. Wie wirkt sich dieser Grundsatz auf Ihre tägliche Arbeit aus?

Weidemanns: Wir bearbeiten fast ausschließlich private Wäsche. Die saubere Wäsche ist ein Highlight und persönliches Eigentum eines jeden Bewohners. Wir wollen deren Wünsche bestmöglich erfüllen. Für mich ist es wichtig, dass uns die Bewohner als Kunden auch persönlich ansprechen können. Das hebt uns von den großen Wäschereien ab. Ich mache gerne Bewohnerwäsche.

RWT: Wie sehen Sie die Entwicklung am Markt?

Weidemanns: Hinsichtlich Pflegeeinrichtungen geht der Trend weiter zur Zentralisierung. Private Pflegeketten wachsen, bundesweit aufgestellt, dynamisch und dadurch werden kleine Wäschereien gefährdet, da sie es sich nicht leisten können, deutschlandweit Kunden zu bedienen. Das kann man beispielhaft an der Entwicklung der Laola Zentralwäscherei sehen. Die Sana-Kliniken AG, ein Kunde der Wäscherei, wollte, dass Kliniken der Betreibergesellschaft in ganz Deutschland betreut werden. Das konnte die Wäscherei als regionaler Anbieter nicht erbringen.

An großen, meist bundesweiten Ausschreibungen können sich kleine Wäschereien geographisch bedingt kaum beteiligen. Als kleiner, regionaler Betrieb ist somit die Kundenakquise problembehaftet. Die namhaften Textilanbieter verfügen über eine entsprechende Marktpräsenz und können durch Massenproduktion Preise anbieten, die für mein Unternehmen schwer auskömmlich sind. Ich sehe die Tendenz am Markt momentan nicht sehr
positiv.

RWT: Wie lösen Sie das Problem?

Weidemanns: Ich suche Pflegeheime ohne große Trägerorganisation. Viele Einrichtungen schätzen mittlerweile wieder die Regionalität. Das können kleine Wäschereien leisten, da man dort einen oder wenige Ansprechpartner hat, die den Kunden häufig gut kennen. Bei den Unternehmensgruppen unserer Branche ist die Anonymität größer. Es ist aber nicht nur wichtig, sich von ihnen abzuheben. Für die kleineren Unternehmen ist eine Kooperation mit den großen Dienstleistungsunternehmen wesentlich für das Überleben.

RWT: Suchen Sie potenzielle Neukunden ausschließlich im Pflegesektor? Und wie gehen Sie bei Ihrer Suche vor?

Weidemanns: Meine Kunden müssen nicht unbedingt Pflegeeinrichtungen sein. Wir betreuen auch andere Sektoren, wie zum Beispiel Pensionen und Kindergärten, und haben Kunden aus dem Straßenwesen. Für Privatpersonen bieten wir auch einen Hemdenservice an. Das zeigt, dass wir bei dem, was wir anbieten, breit gefächert sind. Mietwäsche bieten wir derzeit noch nicht an. In diesem Segment arbeiten wir mit entsprechenden Partnerwäschereien zusammen. Bei der Suche nach Kunden verschaffe ich mir anhand von Recherchen zunächst einen Überblick. Der erste Schritt ist nach einer gelungenen Recherche stets ein Telefonat mit einem Verantwortlichen des Unternehmens oder der Einrichtung. Wird am Telefon deutlich, dass auf beiden Seiten Interesse an einer Zusammenarbeit besteht, besuche ich den potenziellen Kunden persönlich. Ein Erfolgsfaktor für mein Unternehmen ist auch die Mundpropaganda durch zufriedene Kunden. Hierdurch sind bereits einige Interessenten auf mich zugekommen, weil sie gehört haben, dass mein Service insgesamt so gut ist.

RWT: Was ist Ihren Kunden besonders wichtig?

Weidemanns: Meine Kunden legen insbesondere Wert auf Qualität und Zuverlässigkeit. Die Ver- und Entsorgung der Wäsche verläuft bei senior-tex stets termingerecht. Auch hierbei lege ich großen Wert auf Verlässlichkeit und Kontinuität.

Um die Aufbereitungskette stetig auf einem entsprechend hohen Niveau zu halten und Abweichungen möglichst frühzeitig zu erkennen und zu beheben, sind wir auf Feedback von den Bewohnern angewiesen. Bezogen auf die Gesamtproduktion aller Kunden beläuft sich unsere Reklamationsquote im niedrigen Prozentbereich.

RWT: Wie kann so ein Feedback aussehen?

Weidemanns: Vereinzelt äußern sich Angehörige, dass Beklei-dung fehlt, die sich zu den Besuchszeiten aber häufig im Wäsche­umlauf befindet. Meine Mitarbeiter und ich freuen uns, wenn wir von versorgten Bewohnern in Briefform für unsere zuverlässige und qualitätiv hochwerte Bearbeitung der Wäsche gelobt werden. Dies bestärkt uns darin, diese Aufgabe jeden Tag neu zu erbringen.

RWT: Was planen Sie für die Zukunft?

Weidemanns: Für mich steht gerade die Modernisierung meines Betriebes an. Im Februar bekommen wir neue Waschmaschinen. Diese laufen dann wirtschaftlicher. Ich möchte auch Arbeitsplätze sichern und unseren Betrieb vergrößern. Momentan beträgt die Produktionsfläche 300 m2.

RWT: Das hört sich nach einer spannenden Zeit für den Betrieb an. Herr Weidemanns, viel Erfolg und danke für das Gespräch.

www.senior-tex.de

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