Stefan Pitsch hat eine Vision: Der Inhaber des Textilpflegebetriebs clean4you in Wittlich möchte, dass sich seine Kunden nicht mehr selbst um die Pflege ihrer Garderobe kümmern müssen. Zu seinem Service gehören u.a. die 24-Stunden-Abholung und bargeldlose Bezahlung.
3 Das im Bürgerlichen Gesetzbuch verankerte sogenannte Eherecht schrieb es vor: Mit der Eheschließung war die Frau gesetzlich zur Führung des Haushaltes verpflichtet. Waschen, Putzen, Kochen, Kindererziehung etc. waren alleinig ihre Aufgaben. Wollte eine Frau darüber hinaus erwerbstätig sein, war sie dazu nur berechtigt, „soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie“ zu vereinbaren war. Sie brauchte dazu die Erlaubnis ihres Ehemannes. Erst im Jahre 1977 wurde das Gesetz geändert. Heute sind berufstätige Frauen keine Seltenheit mehr: Mehr als 70 Prozent der Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren arbeiten. Für die Hausarbeit blieb somit immer weniger Zeit. Neben der Gleichberechtigung der Ehepartner bzw. von Mann und Frau im Allgemeinen gibt es eine weitere gesellschaftliche Veränderung: Der Anteil der Singlehaushalte steigt. In mehr als einem Drittel der Haushalte in Deutschland lebt nur eine Person; eine Person, die sich um Waschen, Putzen, Kochen alleine kümmern muss – vielfach trotz zeitintensiven Jobs. Diese Entwicklungen bieten Chancen für den Dienstleistungssektor. Was nicht mehr selber erledigt werden muss, schafft Freizeit.
Entschleunigung des Lebens
Diesen Gedanken verfolgt Stefan Pitsch mit seinem Unternehmen clean4you in Wittlich in der Eifel. Im September 2016 wurde einjähriges Bestehen gefeiert. Selbst stark eingebunden in seinen Job als Maschinenbauingenieur brachte er zuvor seine Textilien immer in eine Reinigung, die sich auf dem Weg zur Arbeitsstätte in Luxemburg befindet. Von ihr bekam er dann eine E-Mail, sobald seine Ware fertig war. Ein 24-Stunden-Service ermöglichte ihm, sie zeitlich unabhängig wieder entgegenzunehmen. Ein Konzept, das viel Flexibilität beschert und zur „Entschleunigung des Lebens führt“, sagt Pitsch. Er griff die Idee auf und nahm sich vor, das Konzept in seinem Heimatort, in dem bis es dato nur eine Textilreinigung gab, umzusetzen. Hilfestellung beim Aufbau bekam er vom Ideengeber Klaus Theissen von der Textilreinigung Edelweiss im luxemburgischen Wemperhardt (RWTextilservice berichtete in Ausgabe 11/2013). Auch Theissen versteht die Textilpflege in erster Linie als Dienstleistung, um es dem Kunden im Leben so einfach wie möglich zu machen.
In Wittlich sieht Stefan Pitsch einen geeigneten Standort mit ausreichend Klientel. Der Ort hat etwa 16.000 Einwohnern, ein Einzugsgebiet von 56 Gemeinden im Eifel- und Moselraum mit rund 64.000 Einwohnern und durch eine geringe Arbeitslosigkeit sowie verhältnismäßig hohe Einkommensstruktur auch eine vergleichsweise hohe Wirtschaftskraft. Bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten stieß er auf einen Neubau in Wittlicher 1-a-Lage: gegenüber das Wittlicher Einkaufszentrum, vor der Tür ausreichend Parkplätze. Die Fläche von 160 m2 ist im Industriecharakter gehalten. Der Kunde sieht von der Theke aus, was mit seinen Textilien passiert. „In unserem Betrieb wird gewaschen bzw. nassgereinigt“, sagt der 46-jährige Unternehmer Pitsch, der den Textilpflegebetrieb „nebenberuflich“ betreibt. Die klassische Reinigung im Lösungsmittel sieht er als Nebengeschäft an. 95 Prozent der bei ihm abgegebenen Teile sind im wässrigen Medium pflegbar. Dies bietet ihm auch die Möglichkeit, seine Dienstleistung in Wittlich mit dem „Blauen Engel“ auszeichnen zu lassen. Der Antrag ist gestellt, die Stattgebung wird täglich erwartet. Ist jedoch eine Textilpflege im organischen Lösungsmittel erforderlich, liefert er die Ware weiterhin auf dem Arbeitsweg bei der Textilreinigung Edelweiss ab.
Ein Drittel der zu bearbeitenden Artikel sind Obergarderobe und zwei Drittel Hemden. Täglich kommen derzeit gut 200 Teile zusammen – Tendenz steigend, Kapazität vorhanden. Das installierte Fördersystem hat ein Fassungsvermögen von 2.800 Posten. Um diese Kapazitäten nach und nach aufzufüllen, macht Pitsch viel Werbung. Werbung, in der innovative Ideen gepaart sind mit dem Gedanken, die Zeit für die Textilpflege besser anderweitig zu verbringen. So kooperiert er beispielsweise mit dem ortsansässigen Reisebüro ebenso wie mit dem Café um die Ecke. Das Reisebüro Henrike Kammerer GmbH spendiert einen Gutschein für die Reinigung der Urlaubsgarderobe, so dass die Urlaubsstimmung auch nach der Reise noch erhalten bleibt. Andersherum gibt clean4you seinen Kunden ein Heißgetränk im Café mit Freunden aus.
Klares Ziel vor Augen
Pitsch hat ein klares Ziel vor Augen: Seine Kunden sollen sich mittelfristig gar nicht mehr selbst um die Pflege der Garderobe kümmern müssen. Sein Dienstleistungsangebot will er so ausweiten, dass quasi für die Waschmaschine zu Hause nichts mehr übrigbleibt. Mit den Slogans „Selber waschen war gestern!“ und „Waschen und bügeln Sie noch selbst?“ machte er z.B. auf der Wirtschaftswoche in Wittlich auf sich aufmerksam. Sein Vorhaben geht mit einer gewissen Preisaggressivität einher: „Die Dienstleistung muss günstig sein, um ausreichend attraktiv zu werden“, so Pitsch. Dies wiederum setzt einen hohen Grad an Automatisierung voraus – ein Thema, mit dem sich der Maschinenbauingenieur bestens auskennt. Seine Expertise bringt er bei den Entscheidungen hinsichtlich des geeigneten Maschinenpark mit ein. Automatisierung spielt auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel eine wichtige Rolle. Auch wenn er das Glück hatte, zwei Fachkräfte mit langer Berufserfahrung und weitere bereits gut angelernte Mitarbeiter für seine Idee gewinnen zu können. Das ist für sein Unternehmen besonders wertvoll, da er zu den Öffnungszeiten üblicherweise meist nicht im Betrieb ist, sondern in Luxemburg am Schreibtisch sitzt. Für ihn ist es wichtig, die Arbeiten an eigenverantwortlich tätige, vertrauensvolle Mitarbeiter delegieren zu können.
Mut und Ideen zeichnen sich aus. Der Betrieb hatte eine gute Startphase und entwickelt sich nach den Vorstellungen des Unternehmers. So plant Pitsch bereits zu expandieren. Er möchte weitere Betriebe in exponierter Lage wie in Einkaufszentren und Supermärkten eröffnen. Die Kunden sollen mit der Reinigung ihrer Textilien so flexibel wie möglich sein. Die Pflege der Garderobe soll nebenbei erledigt werden und auf den täglichen Wegen einfach – so wie man in der Eifel sagt – „mitgeholt“ werden können: zu jeder Zeit, nachdem nach maximal drei Tagen Bearbeitungszeit der Kunde die digital übermittelte Info über die Fertigstellung erhalten hat. Bezahlt werden kann bei clean4you bargeldlos: über das Guthaben auf der 24-Stunden-Abholkarte, der persönlichen Clean-Card, die auch über Paypal zu laden ist, oder über eine weitere Bezahlfunktion im Internet.
Infos: www.clean4you.de