Bei der Vorsorgeplanung der eigenen Altersbezüge ist es ratsam, sorgfältig vorzugehen. Wichtig ist es, ein genaues Bild über die eigene finanzielle Lage zu haben. Die Aufgabe sollte man nicht an Banken und Rechtsanwälte abdrücken. Das zeigt der Fall von Rüdiger L., einem Unternehmer aus Berlin.
3 Die Versuche von Rüdiger L., für seine finanzielle Altersabsicherung eine Bestandsaufnahme selbst durchzuführen, lassen sich als „im Ergebnis frustrierend“ beschreiben. In rund acht Jahren wird er aus dem Berufsleben ausscheiden – bis dahin sollte alles in den sprichwörtlich „trockenen Tüchern“ sein. Da sich L. wegen seiner beruflichen Arbeitsbelastung jedoch so gut wie nie mit seinen privaten Finanzen auseinandersetzt, erwies sich das Vorhaben als äußerst schwierig. So wurden etwa aktuelle Informationen über die finanzielle Entwicklung seiner Lebensversicherungen ebenso ungeprüft abgeheftet wie die Belege über die Entwicklungen seines Wertpapiervermögens. Die Darlehensstände seines Einfamilienhauses und von zwei Eigentumswohnungen konnte er zwar relativ schnell ermitteln. Dennoch hatte er nach wie vor keine Vorstellung davon, ob und in welcher Höhe diese Kredite ihn im Rentenalter finanziell noch belasten werden.
Nach dem wenig erfolgreichen Versuch, diese Dinge selbst zu ordnen, zog L. vor einigen Monaten die Notbremse und bat den Anlageberater seiner Hausbank um Hilfe. Zu Beginn seiner Bemühungen zeigte dieser auch noch großes Engagement, das in der Folge aber kontinuierlich nachließ. So wurden die Zeiträume, in denen bankseitig jeweils Zwischeninformationen erfolgen sollten, immer größer. Da L. mittlerweile mehr als zwei Monate nichts mehr von seinem Gesprächspartner gehört hat, setzt er sich jetzt endlich selbst ernsthaft mit seinem Problem auseinander.
Eigeninitiative ist gefragt
Dabei ist L. deutlich geworden, dass die Bank seinen hohen Erwartungen, vor allem durch sein eigenes Verhalten, nicht gerecht werden konnte. So erhielt der Bankmitarbeiter von L. in mehr oder weniger unregelmäßigen Abständen gerade einmal nur jene Unterlagen, die er jeweils anforderte. Eine Eigeninitiative war, das räumt L. durchaus selbstkritisch ein, kaum erkennbar. Während des gesamten Bearbeitungszeitraumes von fast einem halben Jahr fand nicht ein einziges ausführliches Gespräch statt. Kontakte gab es fast ausschließlich per Telefon, wenn sie denn überhaupt zustandekamen. Vor diesem Hintergrund erschien es also nur logisch, dass die Motivation des Bankmitarbeiters ab einem bestimmten Punkt nachlassen würde. Interessant ist bei der Betrachtung dieses Zusammenhangs, dass eine derartige Nachlässigkeit nicht im Geringsten zu L. passt. In seiner Tätigkeit als Unternehmer gilt er nicht nur als sorgfältig, sondern auch als zielbewusst und ergebnisorientiert.
L. hat sich nun entschieden, den Gesprächsfaden zu seiner Bank erst wieder aufzunehmen, wenn er selbst seine finanziellen Hausaufgaben erledigt hat. Dazu gehören die Bestandsaufnahme seiner Vermögenssituation, eine klare Formulierung der angestrebten Höhe seiner späteren Altersbezüge und eine klare Gliederung von strategischen Schritten, um dieses Ziel in zehn Jahren zu erreichen. L. ist nun klar, dass er nur erfolgreich sein kann, wenn er neben seiner Bank auch seinen langjährigen Steuerberater einbindet. Darüber hinaus ist für L. wichtig, sich von finanziellem Ballast wie etwa den vermieteten Eigentumswohnungen zu trennen. Zumindest dann, wenn zu erwarten ist, dass sie seinen Renditeerwartungen zukünftig nicht mehr entsprechen.
L. weiß, dass noch eine Menge Arbeit auf ihn wartet. Das zeigt der folgende Sachverhalt: Aufgrund der Berechnung der Bank wird er, wenn er nichts unternimmt, in zehn Jahren noch mit Darlehensschulden von rund 70.000 Euro rechnen müssen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass er die Kreditrückzahlungen vor Jahren durch eine vorübergehende Aussetzung seiner Tilgungsraten unterbrechen musste. Seine damalige Liquiditätslage machte das erforderlich. Diesen Zahlungsausfall, den L. offensichtlich unterschätzte, hat er bis heute nicht kompensiert. Michael Vetter
