Wäscherei Rein in Brotterode-Trusetal Sonnenstrom für die Textilpflege

Das Ehepaar Rein hat in seiner Wäscherei im Thüringer Wald Langzeiterfahrung mit Photovoltaik ­gesammelt und meint: Die Investition in erneuerbare Energien hat sich gelohnt. Weitere Kosten­senkungen im Energiebereich erreicht die Wäscherei Rein durch Nutzung eines Abgaswärme­tauschers und ­andere ressourcenschonende Maßnahmen.

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    An den SMA-Wechselrichtern kann Manfred Rein die erzeugte Strommenge ablesen.
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    Unter Nutzung der Abwärme trocknen hoch über der Mangel Arbeitsbekleidung und großformatige Teile. Foto: Manfred Rein
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    Gewerbliche Kunden nutzen gern den Schmutzfangmattenservice.
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    Manfred und Cornelia Rein entlasten seit 16 Jahren die Energiebilanz durch die Nutzung von Solarenergie. Fotos: Wylegalla

Es ist ein weiterer Beweis, dass in der Textilpflegebranche Tradition und Innovation Hand in Hand gehen können. Dieses Jahr begeht die Wäscherei Rein in Brotterode-Trusetal (Thüringer Wald) ihr 60. Jubiläum – und ist dank Photovoltaik, Wärmetauscher & Co. heute modern aufgestellt in Sachen Ökonomie und Ökologie.

1957 eröffneten Frieda Malsch und Ehemann Oskar eine Mangelstube, die später zur Wäscherei erweitert wurde. Die Unternehmer wehrten sich erfolgreich gegen die drohende Verstaatlichung. „Weil das Haus Eigentum meiner Schwiegermutter war, hatte der Staat keinen Zugriff“, berichtet Manfred Rein, der mit seiner Ehefrau Cornelia im Herbst 1989 zwei Wochen nach Öffnung der innerdeutschen Grenze die Wäscherei übernahm. Die Schwiegereltern hatten fünf Jahre zuvor den Betrieb aufgegeben, weil der Kessel marode war und damals kein Ersatz zu bekommen war.

Manfred Rein hatte in der Forstwirtschaft gearbeitet, Ehefrau Cornelia ist gelernte Buchhalterin. „Mit der Wende wurden die Arbeitsplätze unsicher. Von der Wiederaufnahme des Wäschereibetriebs erwarteten wir für uns eine Perspektive“, so das Ehepaar. Sie sollten recht behalten, zumal es in dem staatlich anerkannten Erholungsort keine Mitbewerber gab.

Zuerst wurde von der M-&-S-Wäschereitechnik im mittelhessischen Laubach ein neuer Kessel erworben. „Die Mangel aus der ‚Gründerzeit‘ ist heute noch funktionstüchtig. Den restlichen Maschinenpark haben wir Schritt für Schritt erneuert und erweitert. Die meisten Maschinen hat die Firma Electrolux geliefert“, erläutert Manfred Rein. Heute werden mit vier Waschschleudermaschinen mit Kapazitäten von 10 bis 20 kg Wäsche und drei Trocknern (1 x 20 kg, 2 x 12 kg) täglich 200 bis 300 kg Wäsche für Kunden aus einem Umkreis von 25 km gepflegt.

„Früher haben meine Eltern mit elf Mitarbeitern jeden Tag 600 bis 800 kg Wäsche bearbeitet“, blickt Cornelia Rein zurück. Der wichtigste Posten war damals die Haushaltswäsche. Dieses Segment schrumpfte aber nach der Wende auf ein Minimum. Mit dem wachsenden Zustrom von Urlaubern aus der alten Bundesrepublik und dem Ausland wurden in dem 2.750-Einwohner-Städtchen und in der Umgebung neue Hotels, Pensionen und Gaststätten eröffnet, die ihre Wäsche gern der Wäscherei Rein anvertrauen.

Darüber hinaus werden auf 100 m2 Produktionsfläche Berufsbekleidung in kleinen Posten, Federbetten, Decken, Hemden und andere Textilien professionell gewaschen und gefinisht. Alles, was nicht gemangelt werden kann, bügeln die Chefin oder ihre beiden Mitarbeiterinnen sorgfältig mit der Hand. Gewerbliche Kunden wissen den Schmutzfangmattenservice zu schätzen. Neuerdings bietet das Ehepaar Rein auch ein Komplettpaket für die Gardinenpflege inklusive Abnehmen und Aufhängen an.

Der Energieverteuerung Paroli geboten

Die Schonung natürlicher Ressourcen wurde für Manfred und Cornelia Rein nicht erst ein Anliegen, als sich nach der Wende Energie und Wasser zusehends verteuerten. „Wir hatten schon einige Jahre zuvor auf unserem Wohnhaus Plattenheizkörper installiert. Zumindest im Sommerhalbjahr konnten wir damit unseren gesamten Warmwasserbedarf decken“, erzählt Manfred Rein. 1992 wurden dann in Eigenleistung auf dem Dach Sonnenkollektoren für die Warmwasseraufbereitung montiert. Der Schwiegervater hatte auf dem Grundstück der Wäscherei einen Brunnen gegraben, der heute die Wasserbilanz spürbar entlastet.

Sechs Jahre später beschloss das Ehepaar, auch im Betrieb Solarenergie zu nutzen, hier allerdings für die Stromerzeugung. „Die Bedingungen waren damals sehr günstig, weil Anlagen mit einer Kapazität bis zu 2 kWp gefördert wurden“, so die Unternehmer. In zwei Etappen wurden auf einer Fläche von 40 m2 insgesamt 54 Module vom PV-Typ Isofoton+106/12 sowie unter dem Dach zwei SMA-Wechselrichter Sunny Boy 1500 installiert. Die erste Anlage ging Ende Oktober 1999, die zweite Anfang Mai 2000 in Betrieb. Bei besten Einstrahlungen kann eine Leistung von 3,9 kW erzielt werden. Betreiber können auf der Webseite des Herstellers ihre eigene Anlage auswerten lassen. Die Webseiten www.sonnenertrag.eu und www.renewable-energy-concepts.com ermöglichen einen Vergleich mit anderen Anlagen bzw. eine Übersicht über die Einstrahlungswerte in ganz Deutschland.

Solide Technik bewährt sich

Nach Inbetriebnahme der Anlage wurde der produzierte Strom direkt für den eigenen Bedarf genutzt, Überkapazitäten wurden in das Netz eingespeist. Seitdem die Förderbedingungen geändert wurden, wird die gesamte Stromproduktion für das öffentliche Netz bereitgestellt. „Dafür erhalten wir monatlich eine Vergütung von 140 Euro“, so Manfred Rein. Die betriebsbedingten Stromkosten betragen im Monat 140 Euro für Nachtstrom plus 215 Euro für Tagesstrom. „Durch die Nutzung der Solarenergie sparen wir 25 Prozent“, unterstreicht der Unternehmer. Nach Auslaufen der derzeitig geltenden Förderbedingungen in drei Jahren möchte er die Wäscherei wieder vorrangig mit selbst erzeugtem Strom betreiben und nur noch Überkapazitäten in das öffentliche Netz einspeisen.

Aufgrund der hohen Niederschlagsmenge am Fuß des Großen Inselsbergs mussten die Sonnenkollektoren bisher nicht gereinigt werden. Auch habe es weder Hagelschäden gegeben noch seien Wartungsarbeiten notwendig geworden, unterstreicht der Inhaber. Die monokristallinen Zellen sind zwar auf einen Einstrahlwert von 1.000 W pro Quadratmeter ausgelegt, aufgrund der geographischen Lage und aus klimatischen Gründen beträgt er aber im Thüringer Wald nur maximal 700 W. „Allenfalls in München werden deutschlandweit Spitzenwerte erreicht“, räumt Manfred Rein ein.

Dennoch habe sich die Investition gerechnet: „Die Anlage ist abgeschrieben. Obwohl es mittlerweile modernere Typen gibt, können wir mit unserer Anlage noch einige Jahre günstigen Strom gewinnen“, ist der Unternehmer überzeugt. Damit sieht er seine Auffassung, dass solide Technik Innovationen um jeden Preis vorzuziehen ist, bestätigt. „In Schweden ist man diesbezüglich fortschrittlicher. Dort plant die Regierung, Unternehmer, die Anlagen reparieren lassen anstatt sie zu entsorgen, durch Steuervergünstigungen zu honorieren“, erzählt Manfred Rein.

Mangelabwärme pfiffig nutzen

Bevor sich das Ehepaar Rein für ein bestimmtes Produkt entschied, hatte es sich vom Bund der Energieverbraucher kompetent und objektiv beraten lassen. Um sich gegen eventuelle Schadensfälle abzusichern, wurde die Anlage in den Gebäudeversicherungsvertrag aufgenommen. Auch musste die Feuerwehr informiert werden. Vor der Inbetriebnahme erfolgte eine Leistungs- und Systemprüfung durch den Stromabnehmer.

Die Inhaber nutzen indessen nicht allein die Sonneneinstrahlung als Energiequelle: „Seit 16 Jahren leiten wir das Abgas des Dampfkessels in einen Bornat-Keramikwärmetauscher und eine Wärmepumpe ist auch integriert“, berichten die Unternehmer. Durch die Abgaswärmerückgewinnung werden 6.500 l Brunnenwasser mit einer Durchschnittstemperatur von 25 °C auf bis zu 70 °C erhitzt.

Von der „Energiezentrale“ aus wird Warmwasser für die Waschprozesse gewonnen und im Winter kann damit sogar die Heizung betrieben werden. Der Mangelraum ist geradezu ein „Glückstreffer“: „Dieser Bereich ist hoch genug, um Bettdecken, Berufsbekleidung und Schmutzfangmatten mit der Abwärme der Mangel zu trocknen“, erklärt Manfred Rein.

Der Maschineneinsatz und der Energiebedarf sind durch ein geschicktes Management gut planbar. Die Waschprozesse werden manuell programmiert und durch „Waschen auf Sicht“ wird der Chemieverbrauch kontrolliert. „Wir nehmen nur an zwei Wochentagen Wäsche an. Ausnahmen machen wir selbstverständlich für das Gastgewerbe und andere Kunden, die auf eine zeitnahe Auslieferung angewiesen sind“, unterstreicht Cornelia Rein. Bei der Tourenplanung stimmt ihr Ehemann die Kunden so geschickt aufeinander ab, dass kein Kraftstoff vergeudet wird. Natürlich hat Manfred Rein auch schon über den Einsatz von E-Fahrzeugen nachgedacht, aber: „Ich bin skeptisch, ob diese Antriebstechnik beim derzeitigen Stand schon für das Mittelgebirge tauglich ist.“

Infos: www.waescherei-rein.de

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