TextilpflegeBern, Bern (Schweiz) Tango zwischen Textil und Tumbler

Hochwertiges Eichenparkett in einer Textilreinigung? Für Beat Haldimann, Inhaber der FashionCare Haldimann AG, TextilpflegeBern, kam trotz hoher Empfindlichkeit kein anderer Bodenbelag in Frage. Das liegt vor allem an seiner Tango-Leidenschaft. Wie eine Reinigung zum Tanzsaal wird.

  • Bild 1 von 5
    © Jussen
    1 Die Textilreinigung außerhalb der „Tanzzeiten“.
  • Bild 2 von 5
    © Jussen
    2 Stärkung für die Tango­tänzer: Auf der Speisekarte stand Fleckensuppe.
  • Bild 3 von 5
    © Jussen
    Tango in der TextilpflegeBern: Schwingendes Tanzbein in ungewöhnlicher Umgebung zwischen Textilien und Reinigungstechnik. Fotos: Jussen
  • Bild 4 von 5
    © Jussen
    Schwingendes Tanzbein in ungewöhnlicher Umgebung zwischen sauberen Textilien und Reinigungstechnik2.
  • Bild 5 von 5
    © Jussen
    3 Das Team der Textil­pflegeBern vor dem Betrieb.

3 Aufgrund seiner natürlichen Beschaffenheit hat der Holzboden eine gelenkschonende Eigenschaft. Dies schafft für die Mitarbeiter, die in der Textilreinigung meist im Stehen arbeiten, hervorragende Arbeitsbedingungen. Der eigentliche Grund für diesen in Textilreinigungen ungewöhnlichen Bodenbelag in Haldimanns Betrieb liegt jedoch an anderer Stelle. Hinweise hierauf geben weitere, für die Branche untypische Einrichtungsgegenstände im Textilpflegebetrieb im Berner Libellenweg. Neben den reinigungstypischen Einrichtungen befindet sich dort eine kleine Bar, rote Samtvorhänge, eine gemütliche Sitzecke im Eingangsbereich und viel Kunst an den Wänden. Eine Säule in der Mitte des Betriebs ist mit Leuchten versehen, die nichts mit Arbeitslicht zu tun haben.

Arbeit ist nicht alles im Leben

Was bewegt den Betreiber der im Jahr 1999 gegründeten Reinigung zu dieser außergewöhnlichen Einrichtung? In neudeutsch könnte das, was Haldimann sich durch diesen Betrieb geschaffen hat, mit der für ihn perfekten „Work-Life-Balance“ beschrieben werden: Eine intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben. Seinen Unterhalt verdient er sich mit der Pflege von Textilien, privat liebt er den argentinischen Tango.

So entstand die Idee, Berufliches und Privates buchstäblich unter einem Dach zu vereinen. Haldimann richtete seinen Reinigungsbetrieb derart ein, dass sich die Räumlichkeiten innerhalb kurzer Zeit in einen Tanzsaal verwandeln lassen. Durch die Anordnung der Reinigungsmaschinen und Bügelanlagen entstand eine großzügige Freifläche. Die Wege der Mitarbeiter wurden hierdurch aber nicht verlängert. Sämtliche Arbeitstische und Kleiderstangen sind mobil und können zusammengeschoben hinter dem Vorhang verschwinden. Die Sitzecke kann verschoben, der Barbetrieb aufgenommen, die Partybeleuchtung eingeschaltet, die Musik aufgedreht und das Tanzbein geschwungen werden. Ein bis zweimal im Monat findet die Verwandlung statt und der Saal wird für Tango-Begeisterte zur öffentlichen Tanzveranstaltung „Milonga de las Flores“ geöffnet.

Im Rahmen des jährlich von der Europäischen Forschungsvereinigung innovative Textilpflege e. V. (EFIT) veranstalteten Fleckentags lud Haldimann am 29. November 2014 zum Tag der offenen Tür. In der Reinigung wurde argentinischer Tango getanzt und talentierte Tänzer bei deren Auftritt bestaunt. Durch fachkundige Führungen bot sich ein Blick hinter die Kulissen des Betriebs, in Workshops wurde um die Wette gebügelt und Flecken entfernt. Für das leibliche Wohl sorgte die Reinigung unter anderem mit Kürbis-Fleckensuppe. Außerdem erhielten Besucher 50 Prozent Rabatt auf Reinigungsaufträge, die am Fleckentag eingingen.

Für Haldimann war das Event ein voller Erfolg. Gemeinsam mit seinem Team erklärte er Kunden und Interessenten, wie ihre Textilien im Betrieb bearbeitet werden. Um die 100 Besucher kamen an dem Tag in die Reinigung.

Die tägliche Arbeit der TextilpflegeBern

Normalerweise kommen nicht viele Kunden in den Betrieb. Bei dem Standort handelt es sich um einen Zentralbetrieb mit nur
wenig Laufkundschaft. Die TextilpflegeBern arbeitet mit etwa
100 Annahmestellen zusammen. Haldimanns Betrieb ist einer von sieben Partnern der Coop-Oecoplan-Textilreinigung, die mit über 170 Annahmestellen die größte in der Schweiz ist. Die Annahmestellen sind in Coop-Märkten ansässig, so dass der Einkauf direkt mit dem Gang zur Textilreinigung verbunden werden kann. Der Reinigungsbetrieb bietet auch einen Office-Service an. Durch entsprechende Depots in Unternehmen kümmert sich die TextilpflegeBern um die zu reinigenden Textilien der jeweiligen Mitarbeiter. Diese können ihre Garderobe in einen dafür vorgesehenen Raum geben und wenige Tage später wieder abholen. Ebenso bearbeitet die TextilpflegeBern regelmäßig Gästewäsche und die Personalbekleidung von verschiedenen Vier-Sterne- und einem Fünf-Sterne-Hotel in Bern.

Der Großteil der im Libellenweg bearbeiteten Textilien wird geliefert und abgeholt. Insgesamt fünf Fahrer, davon zwei Ersatzfahrer, kümmern sich um die Logistik. Im Jahr 2013 kamen 170.000 km Fahrtstrecke zusammen. Die Zahl für 2014 dürfte nicht geringer sein. Einzugsgebiet ist die Region Bern und die ­französische Schweiz.

Im Betrieb werden die wöchentlich mehr als 2.000 Teile zuzüglich 2.000 Hemden von insgesamt neun Voll- und Teilzeitmitarbeite­rinnen bearbeitet. Violeta Fankhauser und Edina Prosic leiten seit acht Jahren gemeinsam die Produktion.

Qualität und Umwelt ständig im Blick

Gereinigt wird in Kohlenwasserstofflösung. Auch die wässrige Textilpflege in der Nassreinigung wird angeboten. Sein Augenmerk richtet Haldimann auf Qualität, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Die Maschinen und Einrichtungen entsprechen dem neuesten Stand der Technik und die Verfahren sind demnach definiert. Den Strom für den Betrieb liefert eine Solaranlage. Im Oktober 2014 wurde auf dem Flachdach des Betriebs auf 300 m² eine Photovoltaikanlage installiert.

Haldimann hat sich mittlerweile teilweise aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Im Juli 2014 übergab er die Geschäftsführung an Martina Kories-Wili, die mehr als zehn Jahre seine Assistentin gewesen ist und das Unternehmen in seinem Sinne weiterführen soll. Beat Haldiman bleibt Verwaltungsratspräsident.
Als „graue Eminenz“ wird er dem Betrieb beratend zur Seite
stehen.

textilpflegebern.ch