Jens Lederer aus Magdeburg hat vor Jahren einen Schmutzfangmattenservice aufgebaut, um saisonale Schwankungen im Textilpflegegeschäft auszugleichen. Inzwischen ist aus dem „zweiten Standbein“ ein eigenständiges Geschäftsfeld geworden. RWTextilservice war vor Ort.
3 Schmutzfangmatten im individuellen Design anzubieten und diese in regelmäßigen Abständen von Schmutz wie Split oder Schneematsch zu befreien – für Jens Lederer kein Problem. Vor wenigen Monaten erwarb er eine Waschschleudermaschine von Pharmagg aus zweiter Hand. „Ich hatte großes Glück. Mit einem Füllvolumen für 160 kg Schmutzfangmatten bringt diese Maschine meinen Betrieb nach vorn“, freut sich der Inhaber des „SFM Matten und Hygieneservice“ in Magdeburg. Zuvor hatte der Textilreinigermeister die Schmutzfangmatten in einer ebenfalls gebrauchten Maschine mit einem Fassungsvermögen von 100 kg gewaschen. „Nach acht Jahren wurde es aber Zeit, sie auszutauschen“, erklärt Lederer.
Nachdem er 1997 die „Sauber & frisch Textilpflege“ in Magdeburg gegründet hatte, begann er 2003, Schmutzfangmatten zu vermieten und aufzuarbeiten. Parallel dazu baute er einen Waschraumservice auf. „Einige Kunden hatten uns gefragt, ob wir sie auch mit Schmutzfangmatten beliefern könnten“, berichtet der Unternehmer über die Pionierzeit. Er ließ sich darauf ein, zumal er eine Chance sah, saison- und kapazitätsbedingte Schwankungen im Segment Textilpflege ausgleichen zu können.
„Wir begannen auf ganz kleiner Flamme und kauften rund 50 Standardmatten mit verschiedenen Formaten von 85 × 150 cm bis zu 150 × 400 cm“, erzählt Lederer. Gleichzeitig begann er, gezielt Aufträge für das neue Geschäftsfeld zu akquirieren: „Im Winterhalbjahr boten wir Interessenten an, zur Probe in den Eingangsbereichen ihrer Objekte Matten auszulegen.“ Die Erfahrung, dass Schneematsch, Streusalz und Split aufgefangen und die Geschäfts- und Büroräume weitaus weniger verschmutzt wurden, überzeugte auch die hartnäckigsten Skeptiker. Wegen der guten Nachfrage wurde der Mattenbestand stetig erweitert. Auch ergaben sich Kooperationen mit Gebäudereinigern, die ihre Wischbezüge in der „Sauber & frisch Textilpflege“ regelmäßig waschen lassen.
Von Anfang an setzte der Unternehmer auf Qualitätsprodukte: „Zuerst bezogen wir die Matten vom britischen Hersteller
Golden Star. Nach dessen Insolvenz wechselten wir zu Milliken. Heute werden wir durch die Firma Kleen-Tex beliefert“, erinnert sich Lederer. Mittlerweile umfasst der Bestand rund 4.000 Matten – darunter auch solche mit Logos. Manche Kunden mieten gern Matten mit neutralen Designs wie zum Beispiel mit der Aufschrift Willkommen. Werden jedoch individuelle Logos gewünscht, werden die Interessenten vor Ort beraten. So wird die Schmutzfangmatte quasi zur textilen Visitenkarte. Zusammen mit den Designern von Kleen-Tex werden dann individuelle Matten entworfen und angefertigt. „Klar, dass diese Produkte nicht im Rahmen des Mietservice angeboten werden können, sondern der Kunde muss sämtliche Kosten für den Entwurf und die Herstellung übernehmen“, räumt der Textilreinigermeister ein.
Die Wechselturnusse erfolgen individuell nach Kundenwunsch oder Notwendigkeit. „Als kleines Unternehmen sind wir in dieser Hinsicht stark, weil wir jederzeit flexibel reagieren können“, unterstreicht Lederer. Sollte sich z.B. ausgerechnet an einem Sonntag Dackel Waldi auf der Schmutzfangmatte eines Hoteleingangs schlecht benehmen, genügt ein Anruf und der Chef fährt persönlich vor, um die verschmutzte Matte gegen eine saubere auszutauschen. „Dies gilt aber nur für die Wochenenden. In der Regel werden die Kunden ganz nach Wunsch wochentags durch unseren Fahrer bedient“, versichert der Textilreinigermeister.
Persönlicher Kontakt, guter Service
Ein spezielles Lieferfahrzeug samt Fahrer wurde notwendig, weil es sich zwischen Burg, Haldensleben, Halberstadt und dem sächsischen Schkeuditz bei vielen Unternehmern – in Arztpraxen, Apotheken und anderen Firmen – herumsprach, dass es in Magdeburg einen tollen Schmutzfangmattenservice gibt, der prompt und zuverlässig liefern kann. „Anfangs hatten wir die Matten parallel zur Auslieferung von Wäsche und gereinigten Textilien gewechselt. Später war jeder Mittwoch ‚Mattentag‘. Vor geraumer Zeit haben wir einen weiteren Fahrer eingestellt, der die Kunden jeden Wochentag bedient. Die schätzen den persönlichen Kontakt und empfehlen uns gern an Geschäftsfreunde und Bekannte weiter“, berichtet der Unternehmer.
Jens Lederer erhält auch Sonderaufträge. So sollte vor einigen Jahren kurz vor der Fertigstellung der „grünen Zitadelle“ in Magdeburg, dem letzten Bauwerk von Friedensreich Hundertwasser, in der Tiefgarage eine Baustellenparty gefeiert werden: „Die Handwerker hatten noch nicht ihre Werkzeuge beiseitegelegt, aber das Event sollte schon stattfinden. Deshalb wurden wir beauftragt, die gesamte Fläche mit Matten auszulegen“, erinnert sich Lederer.
Nach gut zwölf Jahren kann er sich nur noch schwer vorstellen, wie er zu Beginn den Mattenservice überhaupt mit ganz einfacher Technik bewältigen konnte: „Wir wuschen in einer 16-kg-Waschschleudermaschine pro Waschgang fünf Matten“, erzählt er. Bereits nach sechs Wochen lief das Geschäft so gut, dass der Unternehmer eine gebrauchte 40-kg-Waschschleudermaschine von Senking erwerben musste. Zwei Jahre später drohten auch die Produktionsräume aus allen Nähten zu platzen und so trennte Lederer den Schmutzfangmattenservice von der Textilreinigung ab und mietete ein befahrbares Objekt mit 300 m2 Fläche.
In der Halle installierte er die 100-kg-Waschschleudermaschine, die nun gegen eine noch größere Maschine ausgetauscht worden ist. „Die Maschinen werden durch Sandkörner, das Gewicht der Schmutzfangmatten und daraus resultierende Unwuchten stark belastet und ein Verschleiß ist unvermeidbar. Deshalb habe ich nie neue Maschinen gekauft. Gute Erfahrungen mache ich mit Technik aus zweiter Hand, sofern sie robust ist und sich in einem exzellenten Erhaltungszustand befindet“, unterstreicht Lederer. Mit der neu erworbenen Maschine konnte er nicht nur aufgrund des höheren Trommelvolumens die Produktivität um 50 Prozent steigern. Aus einer jüngeren Generation stammend, gewährleistet sie auch einen besseren Wascheffekt sowie eine höhere Wasser- und Energieeffizienz.
Die Maschine ist mit einem computergestützten Steuerprogramm ausgestattet, das jedoch beim Waschen von Schmutzfangmatten nicht so sehr beansprucht wird wie in der ehemaligen Produktionsstätte, einer Krankenhauswäscherei. Jens Lederer: „Wir beschränken uns auf das Universalprogramm. Auch benötigen wir in diesem Segment keine Dosieranlage.“ Das Spülwasser kann wegen der Belastung mit Restsand nicht wiederverwendet werden, sondern wird direkt in die Abwasserentsorgung geleitet. Die Schmutzfangmatten werden maximal geschleudert und danach über ein Beladeband in einen dampfbeheizten Durchgangstrockner geleitet. Hier will der Unternehmer aber noch nachbessern: „Mir ist eine gasbeheizte Anlage aus zweiter Hand angeboten worden. Davon erwarte ich einen effektiveren Wirkungsgrad, so dass das Nachtrocknen künftig verkürzt wird“, begründet der Textilreinigermeister die Investition.
Billigangebote meiden
Um vor Ort der Gefahr, dass sich hässliche Wellen bilden, vorzubeugen, werden die Matten unmittelbar nach dem vollständigen Trocknen entweder gerollt oder aber in Laufrichtung einmal längs gefaltet. „Gerade für Passanten, die nicht so gut zu Fuß sind, erhöhen schlecht am Boden haftende Matten das Sturzrisiko. Deshalb kaufen wir nur schwerere Qualitäten ein und meiden Billigangebote“, erklärt der Unternehmer. Die Lebensdauer einer Matte betrage kalkulatorisch zwei Jahre, effektiv jedoch fünf bis sechs Jahre. Wird eine Matte im Objekt eines Kunden entwendet oder grob beschädigt, stellt ihm Jens Lederer eine Kostenerstattung des Zeitwerts in Rechnung. Von Knebelverträgen hält er nichts: „Für den Fall, dass ein Kunde insolvent wird oder aber aus irgendeinem anderen Grund auf unseren Service verzichten möchte, stellen wir die Belieferung einfach kurzfristig ein“, sagt der Unternehmer.