In der Tiroler Landeshauptstadt trafen sich in diesem Jahr vom 8. bis 9. November 2013 die österreichischen Textilreiniger, Wäscher und Färber.
Die Tiroler Landesinnung begrüßte in diesem Jahr die österreichischen Textilreiniger, Wäscher und Färber zum Bundestreffen in ihrer Landeshauptstadt. Vom 8. bis 9. November tagten die Teilnehmer im Hotel Ramada Innsbruck Tivoli.
Nachdem man sich am Freitag bei einem Festabend im Hotel in geselliger Runde austauschen konnte, startete der Samstag mit Fachthemen und einigen herzlichen Grußworten. Zunächst hieß Landesinnungsmeisterin-Stv. Verena Erhart die Gäste in Tirol willkommen, die nicht nur aus Österreich, sondern auch aus Deutschland, der Schweiz und Südtirol angereist waren. Spartenobmann KommR Georg Steixner schloss sich ihr an und sprach den Mitarbeitern der Wirtschaftskammer Tirol ein Lob aus: "Ihr Einsatz und der der Landesinnungsmeisterin Brigitte Huditz und ihrer Stellvertreterin Verena Erhart ist nicht selbstverständlich." Er hob in seinem Grußwort außerdem hervor, wie wichtig besonders kleine und mittelständische Unternehmen für die Wirtschaft sind.
Bundesinnungsmeister KommR Walter Imp betonte ebenfalls: "Wir Textilreiniger und Wäscher sind Profis, die ihr Handwerk beherrschen. Wir sind die Basis und können das Vertrauen beim Kunden schaffen." Er bedankte sich herzlich bei der Tiroler Landesinnung für die Organisation des Bundestreffens 2013 und bei den Sponsoren, Zulieferanten und Referenten des Branchentreffens. Anschließend gab Imp einen Überblick über die Aktivitäten der Bundesinnung im vergangenen Jahr. Neben verschiedenen Schulungsangeboten für die Betriebe und ihre Mitarbeiter gab es eine Fachreise nach München. Im nächsten Jahr soll es dann nach Italien gehen. Das „Rote Telefon“ des Bundesinnungsmeisters werde intensiv genutzt: Zwei bis vier Anrufe gehen durchschnittlich pro Woche bei Walter Imp ein.
Gute Kooperation mit den Kleidermachern
Sehr gute laufe auch die Zusammenarbeit mit den Kleidermachern auf Landes- und Bundesebene. "Die Zusammenlegung unserer Innung mit der Mode- und Bekleidungsinnung hat einige Vorteile; wir haben enge Kontakte in die Branche und können so Probleme gemeinsam lösen", sagte Imp. Eine Herausforderung für die Textilreiniger und Wäscher stelle die immer kleiner werdende Wertschöpfung dar. Die Branche müsse nachdenken, was der Markt in Zukunft braucht. "Und wir müssen den Konsumenten zeigen, was hinter unserer Dienstleistung steckt", betonte der Bundesinnungsmeister. Genau das will man auch mit dem neuen Branchenfilm tun. Als Höhepunkt beim Bundestreffen hieß es: Film ab für den Textilreiniger- und Wäscherfilm.
Die Rechte der Arbeitgeber im Visier
Nach der Präsentation des Films folgten ausgesuchte Fachvorträge. Mag. Bernhard Johne von der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht der Wirtschaftskammer Tirol referierte über die Rechte der Arbeitgeber im Falle eines Nichterscheinens des Mitarbeiters. Johne stellte zu Beginn klar: "Das Grundprinzip lautet: Ohne Arbeit kein Entgelt." In besonders schutzwürdigen Situationen gebe es einen zeitlich beschränkten Anspruch auf Entgeltfortzahlung (EFZ), so u.a. bei Krankheit oder Unfall, Urlaub oder Pflegefreistellung.
"Im Falle beispielsweise eines Krankenstands gibt es allerdings einige Voraussetzungen für den Anspruch auf EFZ", betonte Johne. So müsse eine rechtzeitige Meldung beim Arbeitgeber eingehen und nach Aufforderung eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit voraussichtlicher Dauer vorliegen. Zudem darf der Krankenstand nicht grob fahrlässig oder vorsätzlich herbeigeführt worden sein. Eine Pflicht zur EFZ habe der Arbeitgeber generell auch bei Arztbesuchen – allerdings müssen diese nach Möglichkeit grundsätzlich außerhalb der Arbeitszeit erfolgen.
Einen Praxistipp für Unternehmer hatte Johne auch: Betriebe mit bis zu 50 Arbeitnehmern können bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) einen Zuschuss zur EFZ erhalten. Eine Antragstellung bei der AUVA ist auch rückwirkend innerhalb von drei Jahren möglich. Zum Stichwort "Kündigung" meinte Johne: "Eine Entlassung des Mitarbeiters ist durch eine verspätete Krankmeldung bzw. Nachweis nicht gerechtfertigt." Entlassungsgründe wären aber z.B. genesungsschädliches Verhalten oder das Vortäuschen einer Arbeitsunfähigkeit. Die Wirtschaftskammer Tirol bietet als neuen Service einen Rechtsbeistand im Arbeitsrecht an. Infos gibt es unter Telefon 0590 905-1111 oder per E-Mail an arbeitsrecht@wktirol.at.
Effektive Reinigungstechnik
Ein wichtiges Thema für die Textilreiniger und Wäscher sind die Energiekosten. Und so drehten sich die nächsten drei Vorträge um entsprechende Maßnahmen zur Energie- und Ressourceneinsparung. Frank Ziermann, Geschäftsführer der BÖWE Textile Cleaning GmbH, präsentierte Interessantes zum Thema "Textilreinigungsmaschinentechnik vor dem Hintergrund von Energieeinsparungen und dem Einsatz verschiedener Lösungsmittel".
Wichtig sei bei den Maschinen für den Hersteller vor allem die Materialwahl. Denn die Reinigungsmaschinen müssen zuverlässig und sicher sein, egal mit welchem Lösungsmittel sie betrieben werden. "Insgesamt verarbeiten wir in unseren Maschinen 17 verschiedene Lösungsmittel – viele gibt es nur in China, Japan oder Taiwan", erzählte Ziermann. Um für alle sichere Lösungen zu bieten, verwendet BÖWE z.B. ein Material namens Viton. Es wird aus Fluor und Kautschuk hergestellt und soll besonders hitze- und säurebeständig sein. Mittels Viton-Klappen erreiche man z.B. eine langlebige, präzise Abschottung der Trommel vom Edelstahlluftschacht. Auch Dichtungen für Ladetür, Wartungsöffnungen, Schaugläser, Nadelfänger, Destillation, Wellendichtung des Trommellagers usw. bestehen aus Viton.
Außerdem werden bei BÖWE-Maschinen Flansch, Trommelrückwand, Kühler und Lüftungsgehäuse mit Kataphoresebeschichtung ausgestattet. Ziermann erläuterte: "Dadurch wird über Ionenanlagerung eine sehr glatte Oberfläche geschaffen, die Flusenanhaftungen verhindert." Zur Energieeinsparung trage z.B. auch die patentierte dynamische Trommellochung bei, die die Luft zwingt, den längsten Weg durch die Bekleidung zu nehmen. Der Effekt: Kürzere und effektivere Trocknung bei Problemzonen wie Schulterpolstern etc. Generell betonte Ziermann: "Wir freuen uns bei der Entwicklung unserer Maschinen immer über Vorschläge von Reinigern aus der Praxis und sind offen für jede Idee!"
BÖWE baut außerdem gerade ein Vorführzentrum mit sieben Maschinen und entsprechenden Zählern, an denen verschiedene Lösungsmittel getestet werden können. "Wir wollen den Kunden zeigen, was möglich ist, denn momentan herrscht regelrecht Desinformation in der Branche", so Ziermann. Im neuen Vorführzentrum soll es im kommenden Jahr auch eine Hausmesse geben.
Verbräuche reduzieren
Der Titel des Referats von Andreas Thiel, Seitz GmbH, lautete:"Energiesparmaßnahmen sind nicht nur etwas für Großbetriebe." Er stellte ein System zur Ressourceneinsparung an verschiedenen Stellen in der Textilpflege vor, das sogenannte "Cut-System" von Seitz. Ein Teil des "Cut-Systems" ist "HydroCut", das zur Wasserreduktion durch Aufbereitung und Verwertung beitragen soll. "ThermoCut" dient der Wärmerückgewinnung in Wäschereien und Textilreinigungen, z.B. durch Brüdendampfwärmetauscher.
Und schließlich gehört zum System die Lösung "Vermacon", die den Energiebedarf bei Trocknern reduzieren soll. Hierbei werden durch eine patentierte Messtechnik zunächst der Ist-Zustand und der tatsächliche Bedarf an Trockenluft bestimmt. Der nächste Schritt ist die Steuerung der Trockenluftmenge und deren Verweildauer je nach Trocknungsphase zur optimalen Verdampfung. Dies soll nicht nur die Wäsche schonen, sondern auch Energiekosten. Laut Rechenbeispielen aus der Praxis in Betrieben sind Einsparungen bis zu 41 Prozent im Vergleich zum vorherigen Verbrauch möglich.
Optimierung von Dampfkesselanlagen
Marcus Schneider, Geschäftsführer der SCS Schneider GmbH, stellte das Konzept des Ecojet vor. Dieser soll zur erfolgreichen Optimierung bestehender Heiz- und Dampfkesselanlagen beitragen. "Der Ecojet ist ein Hochleistungsmagnetsystem für die physikalische Brennstoffbehandlung", erläuterte Schneider. Das System verändert die Molekularstruktur, was bei gleicher Brennstoffzufuhr eine vollständigere Verbrennung mit höherer Verbrennungstemperatur und eine Steigerung der Reaktionsgeschwindigkeit zur Folge habe.
Der Ecojet soll einfach nachrüstbar sein. Interessenten erhalten nach Beratung und Datenaufnahme ein Angebot mit einer verbindlichen Garantiezusage zur Energieverbrauchsreduzierung (je nach Anlagenkonfiguration zwischen zwei und sechs Prozent). Der Auftrag an SCS Schneider wird auf Basis der verbindlichen Einspargarantie erteilt. Nur wenn die Einsparung messtechnisch nachgewiesen wird, ist der Auftrag wirksam, verspricht das Unternehmen. "Unsere Garantiezusage Zahlung nach Erfolg stellt Sie von jeglichem Risiko frei", so Schneider. Die durchschnittliche Amortisationszeit des Ecojet betrage rund ein Jahr.
Bei gemeinsamem Kaffee und Kuchen ließen die Teilnehmer die gelungene Tagung ausklingen. Im nächsten Jahr findet das Bundestreffen vom 17. bis 18. Oktober 2014 in Pörtschach am Wörthersee statt.