Auf der Messe Heimtextil in Frankfurt am Main vom 14. bis 17. Januar 2015 boten mehr als 300 Aussteller Raumlösungen und Produkte für die Objektausstattung an. Für die Textilservicebranche lohnte sich vor allem ein Besuch der Halle 8.0, wo viele Anbieter von leasingtauglicher Wäsche versammelt waren.
3 Für die Messe Frankfurt war die diesjährige Heimtextil ein
Erfolg. Mit 2.759 Ausstellern aus 68 Ländern verzeichnete der Veranstalter ein Plus von zwei Prozent. Bei insgesamt 68.000 Besuchern lag der Zuwachs sogar bei drei Prozent. Auch die erneut gestiegene Internationalität – bei den Ausstellern stieg sie von
87 Prozent auf 88 Prozent und bei den Besuchern von 67 Prozent auf 68 Prozent – zählt zu den Erfolgsfaktoren der Fachmesse. Dementsprechend positiv war auch die Grundstimmung bei den Ausstellern, die von einer hohen Gesprächsqualität mit den Einzel- und Fachhändlern berichteten. Doch auch wenn die Heimtextil überwiegend dem Handel geöffnet ist, gehören zu den Besuchern auch die Fachleute großer Wäschereien, die sich über aktuelle Produkttrends für Tisch, Bett und Bad informieren. Ihr zentraler Treffpunkt ist die Halle 8.0, in der wichtige Anbieter von
Objekttextilien versammelt sind.
Kock ist wieder da
Zu den Rückkehrern der diesjährigen Heimtextil gehört der Textilhersteller Kock. Dessen verbliebene Geschäftsfelder wurden am
1. September 2014 durch das international tätige Textilunternehmen Wilh. Wülfing in Borken übernommen. Der im Jahr 1885 gegründete Betrieb ist auf die Herstellung hochwertiger Heimtextilien – überwiegend Bettwäsche und Matratzenschutz – spezialisiert und hat sich weltweit einen Namen mit der Marke Dormisette gemacht. Wülfing ist außerdem mit einigen Artikeln seines Matratzenschutzprogramms im Objektgeschäft tätig und hofft, sich durch die Zusatzprogramme von Kock als Lieferant für diesen Bereich noch interessanter zu machen. Das Unternehmen produziert mit 430 Mitarbeitern vollstufig am Standort Deutschland. Auch die von Kock übernommene Produktpalette wird zukünftig wieder die Auszeichnung „made in Germany“ tragen, versicherte die Geschäftsführung anlässlich der Heimtextil. Es ist geplant, den Großteil der Tischwäsche in der eigenen Weberei herzustellen. Die Veredlung, die der Tisch- und Bettwäsche ihre leasingstauglichen Eigenschaften verleiht, erfolge ausnahmslos für sämtliche Waren, also auch für zugekaufte Rohware, in dem Borkener Betrieb. Dadurch kann das Unternehmen für die Objekttextilien von Kock diejenigen Werte sicherstellen, für die der Traditionsbetrieb bekannt ist: Zuverlässigkeit und Qualität. Was im Einzelhandel funktioniert, wird auch die Wäschereibranche überzeugen, so die Hoffnung der Geschäftsleitung. Deshalb investiert das Unternehmen zusätzlich in die Produktentwicklung einer für die Wäschereibranche geeigneten Tisch- und Bettwäsche. Neue Designs und Farben stehen ebenso auf dem Plan wie funktionelle Problemlösungen für die Textilpflegebranche: Derzeit wird an Lösungen für die RFID-Kennzeichnung von Tisch- und Bettwäsche gearbeitet.
Atlaskante, nein danke
Die Produktion in heimischen Gefilden zählt auch zu den Stärken von Damino aus Großschönau. Das Unternehmen ist einer der größten Erzeuger Europas von Tisch- und Bettwäsche und fertigt seine Objekttextilien vollständig in Sachsen. Das Produktprogramm umfasst verschiedene Designs und Materialqualitäten in bis zu 17 Farben, sämtliche Konfektionsformen und -arten bis
305 cm Breite und mit abgepasster Webung. Um die Wäschereikunden schnell beliefern zu können, betreibt der Hersteller ein Lager, dessen Waren einen Wert von etwa 5,5 Millionen Euro haben. Dadurch können Standard- und Lagerartikel in allen Farben und ab einer Bestellmenge von einem Stück innerhalb von maximal 10 bis 14 Tagen geliefert werden. Sonderanfertigungen dauern etwas länger: Kundenindividuelle Designs und Kolorits sind bei einer Abnahme bis 2.500 Bettwäsche-Garnituren in sechs Wochen fertig. Darüber hinausgehende Mengen dauern etwas länger. Die Zukunft für Damino wird genau in diesem Segment der Spezialitäten liegen, betont die Geschäftsführung während der Heimtextil. Standardtischwäsche mit Atlaskante wird es zukünftig nicht mehr aus Oberschönau geben. Stattdessen präsentiert das Unternehmen neue Qualitäten, zu denen Damaste, aber auch Bettwäsche in Webkaros gehören. Das Karo-Design „Prima“ mit den 8 mm großen Quadraten und sechs Kolorits und die Züchenbettwäsche mit den 1 cm großen Karos entsprechen dem Trend zum rustikalen Almhüttencharme, der sich gerade in der 3- und 4-Sterne-Hotellerie etabliert.
Kundennutzen wird großgeschrieben
Kurze Lieferzeiten sind auch ein Service, den Floringo aus Obersöchering der Wäschereibranche bietet. Das Unternehmen, dessen Frottierwaren ausschließlich aus ausgewählten türkischen Betrieben stammen, betreibt am bayerischen Standort ein Lager mit einem Warenwert von 2,5 Millionen Euro. Die Lieferzeit von Standardartikeln beträgt zwei bis drei Tage, nicht bevorratete Standards sind innerhalb von vier Wochen beim Kunden und Sonderanfertigungen brauchen sechs bis sieben Wochen. Zum Lieferprogramm von Floringo gehören leasinggeeignete, meist indanthrengefärbte Frottiertücher in Gewichtsklassen zwischen 400 und 850 g/m² sowie Bademäntel in zahlreichen Konfektionsformen und Materialqualitäten. Eine der jüngsten Entwicklungen ist ein leichter Bademantel (320 g/m²), dessen Innenseite eine gewebte Schlaufenware aus reiner Baumwolle bildet, während die Außenseite aus einem weichen Polyestervelour besteht. Der besondere Materialmix von „Twin-Star“ bietet laut Floringo den Wäschereien verschiedene Vorteile, zu denen eine kürzere Trocknungszeit und eine längere Nutzungsdauer gehören. Ein ebenfalls neu im Programm aufgenommenes Produkt ist ein Hammam-Tuch aus einem leichtgewichtigen Baumwollvelour.
Der Newcomer: Das Hammam-Tuch
Das Hammam-Tuch, auch Pestemal genannt, stammt ursprünglich aus der Türkei. Die originalen Tücher sind rechteckig und ihre kurzen Seiten sind durch gedrehte Fransen begrenzt. Die leinwandbindigen, in Streifendesigns erhältlichen und üblicherweise aus reiner Baumwolle hergestellten Tücher sind mit einem Gewicht ab 130 g/m² sehr leicht, weshalb sie im türkischen Dampfbad als Liege-, Wickel- und Trockentuch genutzt werden. Inzwischen erfreuen sich die Pestemals auch in den hiesigen Hotels zunehmender Beliebtheit und werden den Gästen im Spa- und Wellnessbereich zur Verfügung gestellt.
Der österreichische Frottierhersteller Vossen hat den jüngsten Trend ebenfalls aufgegriffen und mit der Linie „Balance“ leichtgewichtige Spa- und Hammam-Tücher zur Verwendung als Liegen- und Wickeltuch präsentiert. Ergänzt wird das Pestemal-Sortiment um Bademäntel in Leinenqualität. Einen weiteren Trend erkennt der vor allem im Fach- und Einzelhandel vertretene Hersteller in ultraleichten Frottiertüchern mit Gewichten um 300 g/m². Grundlage der neuen Produktentwicklung bildet die im Unternehmen entwickelte Airpillow-Technologie, bei der die Faserschlingen in einem warmen Luftstrom aufgerichtet werden und dadurch geschmeidig und weich werden.
Nord-Süd-Gefälle bei Biowäsche
Zulauf haben auch Objekttextilien, die unter ökologisch und ethisch einwandfreien Bedingungen hergestellt sind. Zu diesem Ergebnis kommt Dibella aus Bocholt am Ende der Heimtextil. Nach Angaben der Geschäftsführung steigt die Nachfrage nach dem „Breeze“-Sortiment. Die Objekttextilien für Bett, Tisch und Bad sind mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnete und nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert. Großes Interesse an der Ware herrscht laut Unternehmen vor allem in Skandinavien und den Beneluxstaaten. Auch in Deutschland nehme das Interesse zu: So entscheiden sich vermehrt inhabergeführte Hotels für nachhaltige Textilien. Allerdings scheint es mit dem Sprachraum auch eine imaginäre Grenze für faire Biowäsche zu geben. Im südlichen und östlichen Europa habe die Ware keine Chance.
Landestypische Unterschiede stellt auch die Vestio Textiling aus Greven fest. Das Unternehmen, das Objektwäsche, Haus- und Heimtextilien für Handel und Wäschereien anbietet, hat auf Anfragen aus der Schweiz eine spezielle Tischwäschelinie entwickelt. „Bionic“ verbindet Design mit der Funktionalität einer antimikrobiellen, schmutzabweisenden Ausrüstung. Die Linie baut auf einem Strukturleinen sowie Jacquards in floralen und grafischen Mustern auf und zeigt sie in modernen, frischen Farben wie Orange, Apfelgrün, Fuchsia, Königsblau, Grau und Champagner. Der Finish verleiht den industriewäschetauglichen Textilien zusätzliche pflegeleichte und hygienische Eigenschaften. Das Unternehmen führt aber auch diverse Objektqualitäten für den heimischen Markt im Programm.
Partner setzen Ego-Stil um
Wie auch in der Bekleidung setzt sich bei Objektkunden allmählich ein Hang zu einer originellen Textilausstattung durch. Um den Kunden ein entsprechendes Angebot unterbreiten zu können, hat sich in Chemnitz die Inntex gegründet. Die Initiative ist ein Unternehmensnetzwerk für individuelle, hochwertige Heim- und Objekttextilien. Zu den acht ausschließlich in Sachsen ansässigen Partnern gehören unter anderem der Frottierhersteller Frottana (Oberschönau), Produzenten von Geweben und Strickwaren, eine Textilveredlung, eine Stickerei sowie ein Inkjet-Digitaldrucker. Damit scheint die Initiative den Nerv der Zeit zu treffen, wie die stark gestiegene Ausstellungsfläche für Digitaldruck zeigte. In Halle 4.0 zeigten verschiedene Anbieter, dass es heute schon möglich ist, sämtliche Wohnmaterialien auf digitalen Druckern zu erzeugen. Wem seine Inneneinrichtung zukünftig nicht mehr passt, lässt einfach eine neue drucken. In der Wäscherei wird sich dieser Trend wohl nicht durchsetzen lassen: Ink-Jet-Drucke sind üblicherweise nicht industriell waschbar.