Seit mehr als 50 Jahren ist Horst Lange in der Textilreinigung tätig. Jahrzehntelange Entwicklungsarbeit steckt auch in seinem energieeffizienten System mit Multitex-Maschinen und Silikon als Lösungsmittel. RWTextilservice hat ihn in der „Feinen Reinigung Lange“ in Ludwigsburg besucht.
3 Sie können es nicht lassen. Sobald Irmgard und Horst Lange in den Betrieb kommen, müssen sie mit anpacken. Die Reinigungsmaschine ist fertig? Schnell ausladen. Am Finisher gibt es ein technisches Problem? Wird selbst repariert. Ein Kunde kommt mit einem Sonderfall? Die Beratung übernimmt der Chef. Ruhestand scheint kein Thema zu sein für Familie Lange. Zu sehr sind sie mit der Textilreinigungsbranche verbunden – sei es in den eigenen Betrieben oder in Verbänden, in denen sie sich engagieren. Horst Lange ist ein Textilreiniger mit Leidenschaft für seinen Beruf und die Branche. Mehr als 50 Jahre ist er dabei und hat die „Feine
Reinigung Lange“ gegründet. Zehn heiße Läden haben Irmgard und Horst Lange in und um Stuttgart betrieben. Die Stuttgarter Läden wurden verkauft, zwei Betriebe – Ludwigsburg und Sindelfingen – wurden verpachtet und mit den Pächtern Goth und Wurst der Laden in Ludwigsburg in der Körnerstraße 17 im Juli 2011 neu gegründet.
Die Essenz des Reinigungskonzeptes, das Lange in seinen Betrieben anwendet, habe er in den vergangenen 50 Jahren ausgeklügelt, wie er beim Besuch der RWT-Redaktion im Betrieb in der Ludwigsburger Körnerstraße erzählt. Sein Konzept ist auf Wirtschaftlichkeit ausgelegt – aber auch auf faire, leistungsbezogene Bezahlung für die Mitarbeiter und auf Kundenzufriedenheit.
Bügelfreundliche Ware
Eines der Erfolgsgeheimnisse von Lange ist seiner Ansicht nach das Lösungsmittel Silikon. Von dem alternativen Lösungsmittel war der Textilreiniger selbst erst nicht überzeugt. Ein Schweizer Kollege, Andreas Koella, lud ihn vor einigen Jahren zu sich in den Betrieb ein. Dort konnte Lange sich ein ganz praktisches Bild von der mit Silikon gereinigten Ware machen. Der besondere Warengriff und das einfache Bügeln nach der Reinigung waren entscheidende Argumente für ihn. „Über die geruchsfreie, bügelfreundliche Ware freuen sich auch die Mitarbeiter“, berichtet Lange. Gleichzeitig könne die Effizienz im Prozess gesteigert werden, da die Mitarbeiter weniger Zeit zum Bügeln der Ware benötigen – und an dieser Stelle somit gleichzeitig Energie eingespart wird. Silikon kann laut Lange aber noch mehr: Es imprägniert und bietet einen Faserschutzeffekt. Durch hydrophobe Eigenschaften hält es Feuchtigkeit von der Faser fern. „Natürlich bekommen wir mit Silikon keine nassgebundenen Flecken aus der Garderobe“, gibt Lange zu. Aber bei bereits vorher mit Silikon gereinigter Ware dringe die Feuchtigkeit nicht bis in die Faser vor – und so sei bei der Reinigung ein „Herausspülen der getrockneten, nassgebundenen Flecken aus dem Gewebe“ möglich.
Bei Langes Reinigungsverfahren kommen keine Reinigungsverstärker zum Einsatz. Dass es auch ohne geht, hat er durch Zufall herausgefunden. Ein verstopftes Nadelventil verhinderte damals – vor rund 30 Jahren –, dass der Reinigungsverstärker zum Einsatz kam. „Wir bemerkten es zunächst nicht und hatten nach der Reinigung trotzdem nicht mehr Flecken in der Ware als vorher“, sagt Lange. Zehn Jahre lang reinigte er mit FCKW. Danach zehn Jahre mit Per ohne Vordetachur und ohne Reinigungsverstärker – ohne Probleme. Auch heute noch kommt die Ware nach der Taschenkontrolle ohne jegliche Vorbehandlung in die Reinigungsmaschine. „Erst arbeiten die Maschine und das Lösungsmittel und dann wir. Die Ergebnisse überzeugen, wir haben nur wenig Nachdetachur“, berichtet Lange. Auch hohe Abfallkosten vermeidet die „Feine Reinigung Lange“ dank des alternativen Lösungsmittels.
Silikon gelte als ungefährlich, nicht umweltbelastend und könne deshalb nach Rücksprache mit dem örtlichen Entsorger in deren Verbrennungsanlage entsorgt werden. Das sei zwar von Kommune zu Kommune verschieden und hänge von der Entsorgungsvariante vor Ort ab, aber in Ludwigsburg gebe es die Möglichkeit, so Lange.
Der Stromzähler lügt nicht
Im Betrieb in der Körnerstraße läuft alles vollelektrisch. Thermostatisch geregelte Kondensatableiter sorgen genauso für Energieeffizienz wie die Reinigungstechnik. Die Dokumentation der Verbrauchswerte erfolgt über einen separaten Stromzähler für die Reinigungsmaschine. Die Oberhemdenabteilung hat ebenfalls einen eigenen Stromzähler. Die Textilreinigungsmaschine von Multitex ist für die Anwendung von Silikon optimiert und lizenzfrei – es wird laut Lange kein einziges Patent von General Elektrik (GreenEarth) verletzt. Ein Phasentrenner ist installiert, also ein spezieller Tank, in dem sich Wasser und Lösungsmittel trennen – dazu haben sie eine ganze Charge lang Zeit. Mit 800 bis 900 Umdrehungen wird geschleudert, anschließend 20 bis
25 Minuten getrocknet. So beträgt die Chargenzeit laut Lange 45 bis 50 Minuten. Durch feinste Filtration in der Maschine entsteht glasklares Lösungsmittel – davon kann sich jeder Besucher mit einem Blick durch ein kleines Bullauge überzeugen. Ein periodischer Lösungsmittelaustausch ist laut Lange nicht erforderlich. Horst Lange ist beim baden-württembergischen Unternehmen Multitex Maschinenbau für Beratung und Vertrieb zuständig. Er ist überzeugt von der Technik. Diese unterscheidet sich von herkömmlichen Reinigungsmaschinen, da sie ohne Kältetechnik und Destillation funktioniert. Das spart Energie: Die Multitex-Maschine soll mit 3,9 bis 4,5 kWh pro Charge auskommen. Ganz konkrete Werte hat Horst Lange für jeden seiner Betriebe ausgerechnet. Im schlechtesten Fall machen die Energiekosten insgesamt 4,07 Prozent vom Gesamtnettoumsatz aus. In der Filiale Körnerstraße sind es 4,01 Prozent.
Ziel: Betriebe voll auslasten
Lange spart Kosten an verschiedensten Stellen – und gibt die Ersparnis durch die Preise an die Kunden weiter – mit Angeboten wie 99 Cent für einen Pulli oder 1,29 Euro für ein Hemd. „Da lohnt sich selber waschen und bügeln nicht mehr und die Kunden kommen zu uns“, erklärt Lange. Mit diesen Preisen wolle er auch keine Wettbewerber „ärgern“. Er möchte einfach eine Auslastung für die Betriebe erreichen. „Ziel ist es, nicht ein einziges Teil von außen reinholen zu müssen – und so die komplette Logistik zu sparen.“ Die Kunden bringen die Ware in die Filialen; Annahmestellen, die angefahren werden müssen, gibt es nicht.
Lange weiß: Ohne die Mitarbeiter läuft in der Textilreinigung nichts. Deshalb sollen sie Fairness erfahren und ordentlich bezahlt werden. Es gibt eine Prämie für die bearbeiteten Teile pro Kopf und Stunde sowie eine Qualitätsprämie. Das macht Lange seit 35 Jahren so. Zur Qualitätskontrolle kommt eine ehemalige Mitarbeiterin, die mittlerweile in Rente ist, aber viel Erfahrung hat. So wird man von einer neutralen Person – und nicht vom Chef – auf eventuelle Fehler hingewiesen. Um flexibel mit dem Personal planen zu können, gibt es Plus- und Minusstunden. Durch die Prämie für Teile pro Kopf und Stunde regulieren sich auch die Arbeitszeiten wie von selbst, so Lange. Außerdem motiviere es die Mitarbeiter – sie wollen ja die Leistung schaffen, die eine Prämie bringt – und fördere den Teamgedanken. „Alles in einer Reinigung ist eine Teamleistung“, ist Lange überzeugt.
Und noch ein Thema liegt ihm am Herzen: die Hygiene. Im Betrieb wird das Lösungsmittel durch Ozonosieren am Ende jeder Charge entkeimt, ebenso Filteroberflächen und Tanks. Das Ozongas wird elektrisch über einen kleinen Generator erzeugt – Mitarbeiter kommen damit nicht in Berührung. In den Betrieben der „Feinen Reinigung Lange“ wird außerdem auf die Trennung zwischen reiner und unreiner Seite geachtet. Nach dem Entladen kommt die gereinigte Ware nicht mehr mit Containern in Berührung, die auf der Schmutzseite eingesetzt werden. Der Effekt: Vor dem Reinigen wurden bei mehrfachen Messungen 400 Keime auf dem Abklatschträger gezählt, nach dem Reinigen nur noch 12 bis 51 Keime, so Lange. Für die Reinigung der Böden werden Reinigungsmittel aus dem Krankenhausbereich verwendet. Spender mit Desinfektionsmittel für die Händedesinfektion hängen im Betrieb; die Mitarbeiter sind angehalten, diese entsprechend konsequent zu nutzen. „Ich möchte in Sachen Hygiene sicher sein – für meine Kunden, für meine Mitarbeiter und für mich selbst.“
Zufriedene Kunden als Werbeträger
Werbung macht Lange für seine Textilreinigungsbetriebe bewusst keine mehr. Er sieht seine Kunden als Werbeträger. Deshalb steht deren Zufriedenheit auch im Vordergrund. „Zufriedene Kunden kommen wieder“, weiß Lange. „Und für wiederkehrende Kunden zählen Qualität, freundliches Personal und Preise.“ Der Erfolg gibt Lange Recht: Die Umsätze seiner Betriebe haben sich kontinuierlich gesteigert. „Dafür muss man aber ganz genau rechnen und effizient arbeiten“, sagt der Experte. Wer sich selbst von Horst Langes Konzept überzeugen will, ist herzlich eingeladen. Generell teilt er seine Erfahrung und sein Wissen gern. Seit einigen Jahren besteht eine Kooperation mit einem Ludwigsburger Modehaus. Einzelhandelsazubis lernen anhand Langes Betrieb wie Textilaufbereitung funktioniert. Aber auch Textilreinigerazubis können bei ihm etwas lernen. Im April 2015 kamen Schüler der Abschlussklasse von der Kerschensteinerschule in Stuttgart zu ihm in den Betrieb für eine Praxisstunde (RWTextilservice berichtete in Ausgabe 6/2015). Und auch die Mitarbeiter wissen: Ihr Chef hat viel Erfahrung, die er gerne mit ihnen teilt.
Infos: www.lange-diefeinereinigung.de, Kontakt: horst@lange-diefeinereinigung.de