
3 Der Name Biesinger ist aus der Branche der Textilreinigungsmaschinen seit fast 45 Jahren nicht mehr wegzudenken. Bereits in der zweiten Generation werden im Rottenburger Familienbetrieb Reinigungsmaschinen für die Textilpflege entwickelt. RWTextilservice hat mit Vertriebsmitarbeiter und Textilreiniger-Urgestein Horst Lange gesprochen.
RWTextilservice: Wie schätzen Sie aktuell die Lage
der Textilreinigungsbranche und deren Zukunftschancen ein?
Horst Lange: Ich bin sehr froh, in diese Branche hineingeboren zu sein. Diese Branche der „Färber und Chemischreiniger“ ernährt meine Familie seit 1709. In den mehr als 300 Jahren haben sowohl die Branche als auch meine Familie alle politischen und wirtschaftlichen Höhen und Tiefen überstanden und ich bin fest davon überzeugt, dass es unsere Branche auch in den nächsten 100 Jahren geben wird und es uns gut geht, wenn wir den Trend der Zeit erkennen und immer ein bisschen mehr für unsere Kunden und Mitarbeiter tun als für uns selbst. Wenn wir unsere Kunden als unsere Freunde betrachten und ihnen dementsprechend gute Preise, kurze Lieferzeit und gute Qualität liefern, dann muss ich um unsere Zukunft keine Angst haben. Es sollte einem Profi doch möglich sein, mit seiner technischen Überlegenheit in Preis und Leistung unter der Bequemlichkeitsschwelle des Selbermachers die Textilreinigung anzubieten. Denn der Selbermacher beurteilt unsere Leistung nach dem Eigenaufwand.
RWT: Welche Rolle spielt die Reinigungsmaschinentechnik für die Zukunft der Textilreinigung?
Lange: Edle Textilien brauchen die Trockenreinigung. Gott sei dank erkennen das auch immer mehr Textilhersteller. Die Zusammenarbeit namhafter Hersteller mit der EFIT zeigt deutlich ein Interesse an unserer Branche. Man erkennt auch dort: Hochwertiges braucht die Pflege durch den Fachbetrieb. Und selbstverständlich brauchen wir eine Reinigungsmaschinentechnik, mit der auch wirklich sauber gereinigt wird, mit einem Filtersystem, das mit einer Filterfeinheit von nur 1 µ die Rückvergrauung verhindert. Bleicherde und Mehrschichtsilikate machen es möglich, dass Hautfett und Schmutz von der Faser entfernt werden, mit einem Lösungsmittel, das das Gewebe schützt, ohne die Fasson und die Farben negativ zu beeinflussen. Klingt nach einer eierlegenden Wollmilchsau, aber diese Maschine gibt es heute schon.
In Wirtschaftlichkeit und Umweltschonung ist die Multitex-Maschine mt200, 300, 400, 600 an der Spitze. Ein Beispiel zur mt300 mit 15 kg: Ich reinige 30 Teile mit 1.600 l feinst gefiltertem Lösungsmittel in 55 min Chargenzeit; mit 4,5 kWh Strom vollelektrisch und nur 88 l Kühlwasser. Einsame Spitze ist auch die Keimreduzierung ohne desinfizierende Zusätze, nur das System nutzend mit beiden von mir in den letzten 14 Jahren genutzten Lösungsmitteln (KWL und Silikon). Neueste Untersuchungsergebnisse zu Silikon (getestet mit Des-Controller, ausgewertet durch Meducomp, sowie Abklatschtests mit RODAC-Platten, ausgewertet von BÜFA) haben eine Keimreduzierung bestätigt, die es uns ermöglicht, für Betriebe in der Lebensmittelbranche und in der Altenpflege zu arbeiten.
RWT: Also spielt nicht nur die Maschinentechnik eine wichtige Rolle?
Lange: Selbstverständlich werden sowohl in KWL wie auch in Silikon, Per, K4 und CO2 keine wasserlöslichen Flecken entfernt, aber alle Lösungsmittel lösen Fette und daran haftenden Schmutz. In Silikon gereinigte Ware hat einen Faserschutzeffekt, der es wasserlöslichen Flecken schwer macht, in die Faser einzudringen. Die Flecken kommen weitgehend nur noch ins Gewebe, von wo sie relativ leicht, oft schon beim Reinigen, entfernt werden. Das funktioniert, denn vor der Fluorkarbon-Imprägnier-Zeit haben wir auch schon mit Silikon imprägniert – heute reinigen wir mit Silikon. Darum auch keine Vordetachur. Erst müssen Maschine und Lösungsmittel beweisen, was sie können. Der Rest muss nachdetachiert, eingeweicht, enzymbehandelt, gewaschen oder gebleicht werden. Wozu sonst haben wir das alles gelernt. Es gibt eben doch keine eierlegende Wollmilchsau!
RWT: Worauf wird bei der Konstruktion von Multitex-Reinigungsmaschinen besonders Wert gelegt?
Lange: Bei der Konzeption der Biesinger-Maschinen war ich nicht dabei, aber das Konzept hat mich sofort überzeugt, als ich die Maschine das erste Mal sah. Ich suchte Maschinen, um meine neun ehemals heißen Läden wieder autark zu machen. Ich suchte Ersatz für meine drei 50-kg-Per-Maschinen mit Destillation im Zentralbetrieb. Per wollte ich auf keinen Fall wieder haben, zu viele Kollegen wurden mit Boden- und Grundwassersanierung um die Früchte ihrer lebenslangen Arbeit gebracht. Ich habe damals in alle KWL-Maschinen mit Destillation meine Nase gesteckt – alle darin gereinigten Textilien hatte einen Geruch wie von überhitztem Fett und überdestillierten Niedrigsiedern. Das wollte ich meinen Kunden und mir – meine eigene Garderobe wird ausschließlich gereinigt – nicht antun. Dann stand ich mit der K25 ohne Destillation zum ersten Mal an einer Maschine, aus der die Ware ohne unangenehme Gerüche herauskam. Zwei K25 und eine K16, die ich kaufte, haben mich dann endgültig davon überzeugt, diese Qualität der Reinigung zukünftig meinen Kunden zu bieten.
Ein paar Dinge, fand ich, hätten anders sein sollen. Die Maschine sollte ohne Kälteanlage auskommen wegen des hohen Stromanschlusses und der möglichen Wartungen. Einfach muss sie sein, sie sollte nicht von mir bedient werden müssen. Und ich wollte nicht mehr zweibadig reinigen. Warum 2 min ohne Filtration mit dem Risiko der Rückvergrauung und Aufziehen gelöster Farbstoffe auf die Ware reinigen und dann über den Filter mit sauberem Lösungsmittel versuchen, die Ware wieder sauber zu bekommen? Es schien mir logischer, gleich und nur über den Filter zu fahren, so dass möglichst kein ungefiltertes Lösungsmittel an die Kundenware kommt und alle gelösten Substanzen sofort herausgefiltert werden, ehe das Lösungsmittel wieder Kontakt mit der Garderobe bekommt. Beim einbadigen Reinigen brauche ich auch keine zwei Tanks und keine zwei Filter. Wenn überschüssiger Farbstoff mein Lösungsmittel anfärbt, regeneriere ich den Filter und reinige danach wieder mit sauberem Lösungsmittel weiter.
RWT: Wie sind Sie zu Ihren „Wunschmaschinen“ gekommen?
Lange: Als ich nach einer Wochenendtagung über meine Wunschmaschine mit meinem Servicetechniker sprach, sagte er mir, diese Maschine, wie ich sie mir wünsche, steht in Rottenburg am Neckar bei Multitex auf dem Prüfstand und könnte von mir schon morgen selbst getestet werden – was dann auch geschah. Die Prüfstandsmaschine hat meine Testgarderobe (30 Teile) in 45 min gereinigt mit einem Stromverbrauch von 900 W (mit Fremddampf beheizt) und einem Kühlwasserverbrauch von 130 l. Ich habe dann acht Maschinen bei Herr Biesinger gekauft. Das war vor 14 Jahren. Von diesen acht Maschinen sind heute noch sieben im täglichen Einsatz. Es wurde in den 14 Jahren nicht ein einziger Liter Lösungsmittel aus diesen Maschinen jemals entnommen, um ihn zu destillieren. Wir reinigen bis heute mit den besten getesteten Vergrauungswerten; damals noch nach den Hohensteiner Vergrauungsteststreifen. Werte von 1 bis 1,5 sind die Regel, also sehr gut bis gut. Warum bei mir seit 25 Jahren keine Vordetachur und keine RV-Zugabe erfolgt, ist eine andere Geschichte.
Infos: www.multitex-gmbh.de