Industrie 4.0 ist in der Textildienstleistungsbranche angekommen. Bei MEWA in Lauenburg sorgen intelligente Datenvernetzung und Hightech-Maschinen für einen optimalen Produktionsfluss. Nach einer zweijährigen Umbauphase ist der aus den 80er Jahren stammende Betrieb nun der modernste der Gruppe.
Unter den Textilserviceunternehmen zählt die MEWA-Gruppe zu den Technologieführern. Regelmäßige Umbauten und Erweiterungen bestehender Wäschereien und der Bau von gänzlich neuen Betrieben gehen mit umfangreichen Investitionen in die neuesten Prozesstechniken Hand in Hand. Einen eindrucksvollen Beweis tritt MEWA Lauenburg an.
Die Umbauarbeiten in dem norddeutschen Betrieb begannen im Jahr 2012 mit der Errichtung einer neuen Halle für die Bearbeitung von Putztüchern. Danach wurde im laufenden Betrieb die neue Berufs- und Schutzbekleidungswäscherei errichtet. Sie ging zwei Jahre später, am 6. Januar 2014, an den Start. Insgesamt verfügt der Standort in unmittelbarer Nähe der Elbe nun über 75.000 m² Fläche, auf denen die Textilien von 10.500 Kunden gewaschen, repariert und zur Auslieferung bereitgestellt werden. Allerdings ist die Kapazität des Unternehmens noch lange nicht ausgeschöpft: Die Wäscherei ist für das doppelte Wäschevolumen ausgelegt und soll in Zukunft monatlich bis zu 700.000 Bekleidungsteile bearbeiten. Die neuen Kunden sieht Geschäftsführer Rolf Lausmann vor allem in der Lebensmittelbranche, die traditionell im Norden stark vertreten ist. Zu den Kunden mit Wachstumspotenzial gehören außerdem große Hotelgruppen, die an Nord- und Ostsee angesiedelt sind. Für den Lauenburger Betrieb dürfte sich dabei positiv auswirken, dass beide Branchen einen hohen Bedarf an HACCP-gerechter Berufsbekleidung, Matten und Putztüchern haben und die hohen hygienischen Anforderungen nur durch eine professionelle Wäscherei garantiert werden können.
Die vollständige Modernisierung des norddeutschen Wäschereibetriebs hat sich die MEWA etwa 25 Millionen Euro kosten lassen. Die Investitionen sind dabei in Maschinen und Anlagen,
in Umwelttechnik und in Technologien geflossen, die der
Industrie 4.0 zugerechnet werden können. Dabei handelt es sich gemäß Wikipedia um „ein Zukunftsprojekt in der Hightech-Strategie der deutschen Bundesregierung, mit dem in erster Linie die Informatisierung der Fertigungstechnik vorangetrieben werden soll.“ Das Ziel ist die intelligente Fabrik (Smart Factory). Sie zeichnet sich durch Wandlungsfähigkeit, Ressourceneffizienz und Ergonomie aus und bindet Kunden und Geschäftspartner in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse ein (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Industrie_4.0).
Die „denkende“ Fertigung bedarf dabei einer hochleistungsfähigen Informationstechnik (IT). Sie ist der Schlüssel zur Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. In Lauenburg ist diese Verbindung gelungen: Die IT ist mit der Produktionstechnik verschmolzen. So verfügt der Betrieb über eine vernetzte Steuerungstechnik, mit der beispielsweise der Energieverbrauch gemanagt wird. Wenn mehrere Verbraucher gleichzeitig Energie anfordern, werden die Maschinen mit einer kurzen zeitlichen Verzögerung und in Abhängigkeit von einem optimalen Produktionsfluss versorgt. Dies soll teure Spitzenlasten vermeiden.
Umfangreiches Datennetz
Dank des Informationsmanagements herrscht im Betrieb ein hohes Maß an Transparenz. MEWA Lauenburg ist quasi ein gläserner Betrieb. Dafür spricht beispielsweise die Visualisierung der Prozesstechnik: Auf Monitoren wird dem Personal die Belegung jeder Maschine nach Kunden, Verfahren und weiterer Parameter angezeigt. Die Daten stehen zur Verfügung, weil sowohl Bekleidung als auch Putztuchtonnen mittels Barcode erfasst werden.
Die Datenerfassung beginnt bei den Servicefahrern. Sie sind mit einem tragbaren Lesegerät auf Tour, das die beim Kunden abgelieferte und aufgenommene Ware erfasst. Dadurch stehen die Informationen über den Wareneingang schon fest, bevor die Wäsche überhaupt auf dem Hof ist. Gleichzeitig sind auch an jeder Stelle des Betriebs die genauen Inhalte der Maschinen bekannt, was eine individuelle Ansteuerung jedes Wäschepostens gestattet. Durch die Konstruktion der Waschstraßen ist es theoretisch sogar möglich, jede einzelne Kammer mit einem eigenen Verfahren und einer dazugehörigen Wasch- und Hilfsmitteldosierung zu belegen. In Lauenburg ist die Datenvernetzung aber in erster Linie für eine kundenbezogene Bearbeitung der Wäsche geschaffen worden. Die Posten durchlaufen den Betrieb zur selben Zeit und verlassen die Bearbeitungskette auch wieder zusammen.
Umweltschutz für Kosteneffizienz
Ein wesentlicher Bereich des Lauenburger Betriebs ist die Abwasseraufbereitung. Da die Putztücher stark mit Lösungsmitteln, Fetten und Ölen verschmutzt sind, muss das Abwasser vor der Einleitung in die Kanalisation entsprechend gereinigt werden. MEWA hat aus dieser Not eine Tugend gemacht. Dank eines physikalisch-chemisch-biologischen Verfahrens gewinnt das Unternehmen seit Mitte der 70er Jahre Altöl aus dem Abwasser zurück. Dieses wird den Heizkesseln zugeführt und deckt bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs ab für Trockner und Waschstraßen bei der Bearbeitung von Putztüchern. Die dazu notwendigen Dampfkesselanlagen sind mit Hochtemperaturbrennkammern und Rauchgaswäschern ausgestattet.
Zu den weiteren Umweltschutzmaßnahmen in Lauenburg zählt eine auf den Verschmutzungsgrad der Waschposten abgestimmte Dosierung von Waschsubstanzen, ein mehrstufiges Wärmerückgewinnungssystem und eine effiziente Wiederverwertung von Spül- und Waschwässern. Die Putztuchwaschstraßen wurden mit automatischen Abkippmaschinen für die bis zu 120 kg schweren Transportbehälter versehen. Darüber angebrachte Absauganlagen sorgen für gute Luft am Arbeitsplatz: Sie transportieren die in der Luft befindlichen Schadstoffe ab.
Es geht immer noch ein Stück besser
Im Weiteren investierte der norddeutsche Betrieb in eine automatisierte Förder- und Sortiertechnik. So gibt es eine Wareneingangssortierung, die auf dem Prinzip der Rohrpost aufbaut. Die Bekleidung wird in Röhren abgeworfen. Von dort wird sie mittels Druckluft in unter der Decke wartende Wäschesäcke geschickt. Auch der weitere Transport der Bekleidung durch den Pflegeprozess wurde automatisiert: Eine moderne Förder- und Sortiertechnik bringt die Ware an die ihr zugeordneten Maschinen.
Dank der vielfältigen Maßnahmen erhielt MEWA Lauenburg eine Rundumerneuerung, weshalb der aus den 80er Jahren stammende Betrieb nun der modernste der Gruppe ist. Möglicherweise muss er seine Vorreiterposition demnächst aber wieder abgeben: MEWA plant in Saarlouis die Errichtung einer neuen Niederlassung. Diese dürfte dann schon mit einer neuen Technologiegeneration ausgestattet werden.