Instandhaltungsleistungen rücken zunehmend in den Fokus vieler Unternehmenslenker. Zu Recht, denn ein wertorientiertes Instandhaltungs- und Asset-Management entscheidet über die Wirtschaftlichkeit. Um den komplexen Anforderungen gerecht zu werden, kann eine Instandhaltungssoftware unterstützend eingesetzt werden. Ein Beitrag von Ing. Ingo Plewka von der Quadus GmbH.
3 Ob falsche Bedienung, Verschleiß oder ungeeignete Wartungs-und Inspektionspläne – aus welchen Gründen auch immer ein Aggregat ausfällt, in der Regel gilt es, in kürzester Zeit Ersatz zu beschaffen oder zu reparieren. Welche Kosten dafür anfallen, spielt meist eine untergeordnete Rolle, oberste Priorität hat die Wiederaufnahme der Produktion. Denn viele Aggregate sind Schlüsselelemente für die Verfügbarkeit einer Anlage. Dabei können jedoch nur solche Anlagenbetreiber schnell reagieren, die kritische Anlagenteile redundant ausgelegt haben oder über ein fundiertes Ersatzteilkonzept verfügen. Vielen Betrieben fehlt jedoch im Tagesgeschäft die Zeit für einen systematischen Ansatz, weshalb Verbesserungsmaßnahmen in der Instandhaltung häufig nur sporadisch oder bei konkreter Notwendigkeit vorgenommen werden. Hinzu kommt, dass Unternehmen ihre Instandhaltungsbudgets in den vergangenen Jahren kontinuierlich gekürzt haben.
Konkret bewegen sich Betriebsleiter ständig in folgendem Spannungsfeld: Einerseits müssen sie eine hohe Verfügbarkeit der Anlagen sicherstellen, andererseits die Kosten der Instandhaltung im Auge behalten. Sie müssen zudem eine Vielzahl von Aspekten wie Alter und Beanspruchung der Komponenten sowie Auswirkung von Störungen auf den Anlagenbetrieb beim Beantworten folgender Fragen beachten:
- In welchen Intervallen sollen wir unsere Maschinen und Anlagen inspizieren und warten?
- Wann rechnet sich für uns noch ein Instandsetzen, und wann sollten wir eine Neuanschaffung erwägen?
Mit diesen Fragen muss sich jedes Unternehmen mehr oder minder intensiv befassen. Sonst kann es auf Dauer seine Leistung nicht erbringen und wirtschaftlich arbeiten – unabhängig davon, ob es sich bei den genutzten Produktionsmitteln um Maschinen, Transportfahrzeuge oder Leitungsnetze handelt. Die drei Kernfragen sind dabei:
- Was muss als Nächstes getan werden? (Zeithorizont)
- Was hat höchste Priorität? (Risiken und Bedeutung für das Unternehmen)
- Was ist wirtschaftlicher? (Instandhaltung oder Investition?)
Zum Beantworten dieser Fragen benötigen die Unternehmen verbindliche Leitlinien. Sie können sich beim Instandhalten nicht auf ein Vorgehen stützen, das primär auf der individuellen Erfahrung basiert. Aufgrund ihrer Größe und vielfach auch Komplexität und Interdependenz ihrer Anlagen benötigen sie eine ganzheitliche
anlagenwirtschaftliche Betrachtung nebst daraus abgeleiteter Instandhaltungsstrategie, die sicherstellt, dass das Unternehmen seine Leistungen erbringen kann und die Ressourcen effektiv genutzt werden. Es geht somit bei der Frage nach der besten Instandhaltungsstrategie um das Erfüllen folgender Anforderungen:
- In der Instandhaltungsstrategie muss sich die Asset-Strategie (Anlagenwirtschaft) des Unternehmens widerspiegeln.
- Die gewünschte Anlagenverfügbarkeit beziehungsweise Versorgungssicherheit muss gewährleistet werden.
- Die für die Instandhaltung erforderlichen Ressourcen werden soweit möglich und sinnvoll minimiert.
Die zwei Instandhaltungsstrategien
Es werden im Allgemeinen zwei Klassen von Instandhaltungsstrategien unterschieden:
Schadensabhängige Instandhaltung: Hierbei wird nur dann eine Instandhaltungsmaßnahme durchgeführt, wenn ein Bauelement nicht mehr funktionstüchtig ist. Deshalb wird dieses Vorgehen auch als Feuerwehrstrategie bezeichnet. Bei den Maßnahmen handelt sich dann um schadensbedingte Instandsetzungen.
Vorbeugende Instandhaltung: In diesem Fall werden bereits dann Maßnahmen durchgeführt, wenn das Bauelement noch funktionstüchtig ist. Diese Maßnahmen haben dann zum Ziel, dass sich der Abnutzungsvorrat des Bauelements weniger schnell verringert (z.B. durch Schmieren) oder dass der Abnutzungsvorrat des Bauelements wieder aufgefüllt wird (z.B. durch Austauschen). Die entsprechenden Maßnahmen werden als Inspektion, Wartung oder vorbeugende Instandsetzung bezeichnet.
Die Ingenieurwissenschaften raten von der schadensabhängigen Instandhaltung ab, da sie hohe Stillstandszeiten der Anlage verursacht, die Schäden häufig zu einer Gefährdung der Mitarbeiter oder auch Unbeteiligter führen und die Schäden oftmals auch eine Verschmutzung der Umwelt bewirken. Deshalb wird empfohlen, eine vorbeugende Instandhaltung zu praktizieren. In diesem Bereich werden wiederum zwei Strategien differenziert:
- Zeitabhängige Instandhaltung: Tätigkeiten, die regelmäßig nach einer gewissen Zeit durchgeführt werden (Beispiel: jährlicher Ölwechsel).
- Zustandsabhängige Instandhaltung: Tätigkeiten, die aufgrund eines bestimmten Zustandes eines Bauelements durchgeführt werden (Beispiel: Öl nachfüllen aufgrund einer Überprüfung der entsprechenden Anzeige).
Die Planung und Ausführung einer vorbeugenden Instandhaltung stellen hohe Anforderungen an das Management.
Das Was-wurde-gemacht-Problem: Mit steigender Komplexität der Anlagen vervielfacht sich die Anzahl möglicher Instandhaltungsmaßnahmen. Ohne ausreichende Dokumentation verliert man leicht den Überblick über die ausgeführten und die noch auszuführenden Maßnahmen.
Das Was-war-die-Wirkung-Problem: Oftmals kann kein Zusammenhang zwischen einer vorbeugenden Maßnahme und ihren Konsequenzen wahrgenommen werden. Beispielsweise ist wegen der großen Zeitintervalle zwischen den einzelnen Maßnahmen und ihrer ungenügenden Dokumentation selten ein Ausfall einer Anlage eindeutig auf eine unzureichende vorbeugende Instandhaltung zurückzuführen.
Das War-es-das-wert-Problem: Häufig sind keine Informationen über die Aufwendungen für vorbeugende Maßnahmen relativ zu ihren Auswirkungen verfügbar.
Nachfolgend sind Tipps für die Einführung einer vorbeugenden Instandhaltung zusammengefasst.
Klein anfangen! In der Einführungsphase einer vorbeugenden Instandhaltung wird die Summe der Aufwendungen zunächst ansteigen, weil die Vorbeugung eine Investition zum Zeitpunkt t darstellt, um eine Aufwendung für eine Schadensbehebung zum Zeitpunkt t + x zu vermeiden. Um die vorhandenen Ressourcen nicht überzustrapazieren, sollte deshalb zunächst ein eher kleiner Teil (10 bis 15 Prozent) für die vorbeugende Instandhaltung vorgesehen werden. Wenn sich dann im Laufe der Zeit der Return on Investment dieser Maßnahmen einstellt, weil seltener Schäden auftreten, können die so freigesetzten Ressourcen in die vorbeugende Instandhaltung reinvestiert werden.
Wo ansetzen? Zunächst sollten die Ressourcen für die vorbeugende Instandhaltung dort eingesetzt werden, wo innerhalb kurzer Zeit ein hoher Return on Investment erzielt werden kann. Zur Identifizierung entsprechender Anlagen und Bauelemente sind Schwachstellenanalysen durchzuführen. Grundlage dieser Analysen sind z.B. Störungsstatistiken und die Rückmeldungen zu den Instandhaltungsaufträgen. In die Analysen sollten zudem die Maschinenführer einbezogen werden, die oftmals über wertvolles Erfahrungswissen verfügen.
Welche Strategie? Es können zwei Strategien verfolgt werden, die zeitabhängige (auch: periodische) vorbeugende Instandhaltung oder die zustandsabhängige vorbeugende Instandhaltung. Zwar ist die zustandsabhängige Strategie in der Regel effektiver, weil vorbeugende Maßnahmen nur bei Überschreiten eines definierten Abnutzungskriteriums durchgeführt werden. Sie stellt jedoch hohe Anforderungen an die Instandhaltungsorganisation, da der Zeitpunkt für die vorbeugenden Maßnahmen nicht von vornherein bekannt ist, was z.B. die Abstimmung mit den Produktionserfordernissen erschwert. Zudem ist sie bei Nutzung von Sensortechnik (Condition Monitoring) in der Einführung erheblich teurer. Deshalb ist es ratsam, zunächst eine zeitabhängige Strategie zu verfolgen. Längerfristig sollte diese aber von einer zustandsabhängigen Vorbeugung abgelöst werden, wo es technisch machbar und finanziell sinnvoll ist.
Wer führt die Maßnahmen durch? Neben den Instandhaltungstechnikern können grundsätzlich auch die Maschinenführer in die Ausführung der vorbeugenden Maßnahmen eingebunden werden, um z.B. dem unvermeidlichen Ressourcenengpass in der Einführungsphase zu begegnen. Auch längerfristig ist diese Beteiligung sinnvoll, um z.B. bei einer zustandsabhängigen Strategie die kontinuierliche Überwachung wichtiger Anlagenparameter sicherzustellen, wo dies nicht automatisiert ist. Art und Umfang der Beteiligung hängen jedoch vom Verhältnis von technischen Anforderungen und Mitarbeiterqualifikation ab. Letztere sollte stetig weiterentwickelt werden, um die Spezialisten von Routineaufgaben zu entlasten.
Welche Maßnahmen wann durchführen? Hinweise auf Art und Intervall der vorbeugenden Maßnahmen ergeben sich in der Regel aus den Schwachstellenanalysen. Weitere Informationsquellen sind z.B. die Instandhaltungsempfehlungen des Anlagenherstellers, das Erfahrungswissen der Instandhaltungstechniker und Maschinenführer sowie die Fachliteratur. Ein entsprechender Plan ist zu formulieren, dessen Ausführung genau dokumentiert wird. Diese Dokumentation gibt, zusammen mit den Störungsmeldungen, Auskunft über die Wirksamkeit der vorbeugenden Maßnahmen und Hinweise auf mögliche schrittweise Verbesserungen.
Um den Papierkrieg in Grenzen zu halten, sollte eine Instandhaltungssoftware eingeführt werden.
Software für das technische Objektmanagement
Sogenannte Software für das „technische Objektmanagement“ wurde speziell für Unternehmen entwickelt, die wartungspflichtige Objekte aller Art besitzen oder im Kundenauftrag betreuen. Neben der Verwaltung der Objekte mit allen relevanten Eigenschaften liegen die Schwerpunkte bei:
- Überwachung und Planung sämtlicher Termine für wiederkehrende Vorgänge wie Wartungen, vorbeugende Instandhaltungen sowie gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen und Kontrollen,
- Aufnahme und Weiterleitung von Störungen sowie Bildung und Bearbeitung der daraus resultierenden Reparaturaufträge,
- grafischer Auftrags- und Ressourcenplanung,
- Zuordnung aller wichtigen Objekt-, Ersatzteil- und Vorgangsdokumente wie Betriebsanleitungen, Wartungs-/Prüfvorschriften und Einbauanleitungen sowie der Protokolle über durchgeführte Wartungen und Prüfungen,
- Überwachung der Garantieabläufe von technischen Anlagen und kostenintensiven Ersatzteilen,
- Planung, Überwachung und Auswertung von Kosten und Budgets (Ermittlung von „Kostenfressern“),
- Ersatzteilverwaltung durch Lagerführung sowie Objekt- und Verbrauchsstücklisten,
- individuellen Auswertungen zur Prozessoptimierung,
- Recherche in der Historie mit dem 5-W-Effekt (wer, wann, was, warum, an welcher Anlage).
Durch eine übersichtliche Struktur und einfache Bedienung wird es möglich, auch komplexe Anforderungen an die Instandhaltung zu meistern. Per Klick lässt sich das „Datenblatt“ zum Objekt/zur Anlage öffnen. Sofort stehen alle relevanten Daten zur Verfügung wie Parameter und Eigenschaften, zugeordnete Dokumente, offene Vorgänge (Wartungen, Prüfungen, Reparaturen, Garantieablauf usw.), historische Vorgänge, angefallene Aufwände, Kosten und Ersatzteilstückliste.
In Verbindung mit den branchenspezifischen Zusatzmodulen ist die Software TOM (Technisches Objektmanagement) laut Quadus in der Lage, nahezu alle Branchenschwerpunkte einer Instandhaltungsstrategie in einem Textilpflegebetrieb abzudecken. Mit der Schnittstelle zur ERP-Software und dem dazugehörigen Controlling habe man einen ganzheitlichen Blick auf seine Unternehmensdaten.
Fazit
Zusammenfassend kann man feststellen: Eine Investition in eine organisierte Instandhaltungsstrategie lohnt sich. Man sollte das Thema Instandhaltung ganzheitlich betrachten. Nur der richtige Strategiemix führt zur Verbesserung von Effektivität und Effizienz.
Es ist ratsam, Technologien gezielt nutzen, um die Mitarbeiter mit den erforderlichen Informationen zu versorgen. Die effiziente Planung, Steuerung und Durchführung der Instandhaltungsmaßnahmen sind durch Transparenz und standardisierte Prozesse möglich. Betriebsinhaber sollten ihre Unternehmensziele auf die Instandhaltung herunterbrechen und bedarfsgerecht die Anlagenverfügbarkeit sicherstellen. Unterstützend kann eine Software für das technische Objektmanagement eingesetzt werden.
Quellen: CHEManager-online.com, channelpartner.de, dietmar-gude.de, mop-zwickau.de, ifs.rwth-aachen.de
Infos: www.quadus.de