Im Gespräch mit Beate Schäfer, Geschäftsführerin der Schäfer Mietwäsche Service GmbH Unternehmerin mit Weitblick

Wo sind die weiblichen Führungskräfte in unserer Branche? Das ist eine Frage, die Beate Schäfer bewegt. Gemeinsam mit ihren Schwestern leitet sie seit 1995 ein erfolgreiches Familienunternehmen im Servitex-Verbund. „Wer nach vorne gehen will, muss immer mal wieder alte Zöpfe abschneiden“, so lautet das Credo der Fatex-Vorsitzenden und stellvertretenden Obermeisterin.

Beate Schäfer wagt immer wieder den Blick über den Tellerrand. Foto: Schäfer - © Schäfer

3 Beate Schäfer ist eine Frau, die Dinge bewegen will und es tut. An der Seite ihrer Schwestern Claudia Müller und Karla Schäfer führt sie die Geschäfte der Schäfer Mietwäsche Service GmbH. Die Frauen sind erfolgreich. Weil alle drei Geschäftsführerinnen stets bereit waren und sind, unkonventionelle Wege zu gehen. So sieht es Beate Schäfer. In dem 1931 gegründeten Familienunternehmen ist sie für Technik, Produktion, Logistik und Personalmanagement verantwortlich. „Diese Unternehmensbereiche werden im Wirtschaftsfeld Textilservice nach wie vor von Männern dominiert“, weiß Beate Schäfer. Sie kennt die Strukturen vieler Betriebe aus dem direkten Dialog und dem Austausch mit Kollegen im Deutschen Textilreinigungs-Verband. Sie wagt immer wieder den Blick über den Tellerrand, im eigenen Betrieb und bei der Verbandsarbeit.

Es sei immer wieder amüsant, wenn Männer sie speziell in Technikfragen unterschätzten, erzählt sie. Im Grunde sei das natürlich nicht zum Lachen. Ihre Erfahrung als Unternehmerin und ihre Kompetenz lassen sie es gelassen betrachten. Ein Anliegen ist es ihr dennoch; aus guten, pragmatischen Gründen. Mit Ideologie habe das nichts zu tun. Beate Schäfer ist bodenständig, wie das Unternehmen, das sie lenkt und repräsentiert. „Wir schreiben das Jahr 2014“, betont die Unternehmerin. Die Branche müsse nicht nur technisch mit der Zeit gehen, sondern auch offen sein für die eigenen personellen Strukturen. Dazu gehöre die Positionierung von Frauen, sowohl im Unternehmen als auch in den Verbänden. Wie viele andere Frauen aus Familienbetrieben habe sie seit Kindesbeinen miterlebt, was Frauen Tag für Tag in der professionellen Textilpflege leisten. Sie selbst war gerade erst sechs Jahren alt, als sie und ihre Schwestern die Wäscherei als wahren Abenteuerspielplatz entdeckten. „Wunderbar!“ Beate Schäfer erinnert sich gut und gern und lacht, freundlich, offen, authentisch. So ist sie.

Alle Füße und Hände in die Wäscherei!

Was es heißt, Zeit und Energie in das eigene Unternehmen zu investieren, die Ärmel hochzukrempeln und den herbeigesehnten Sonntag zu opfern, um einen eiligen Kundenauftrag zu erledigen, erlebte sie als junges Mädchen bewusst. Da hieß es: „Alle Füße und Hände in die Wäscherei. Dann wurde gearbeitet!“ Das ist 40 Jahre her. Etwas ganz Entscheidendes, das sie in dieser Zeit ebenfalls erfahren habe, sei die Tatsache, dass Frauen zupacken können. Dass sie sich engagieren und beherzt einbringen, wenn „Not an der Frau“ ist, an Arbeitsplätzen, die weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick frauentypisch sind. Nichts für lackierte Fingernägel und High Heels.

Sie selbst wollte etwas ganz anderes machen. Nicht, weil sie sich etwas Vornehmeres gewünscht hätte. „Ich hatte eine Vorliebe für den Werkstoff Holz und wollte meine handwerklichen Fähigkeiten verfeinern und beruflich nutzen.“ So war es ihr Plan, eine Schreinerlehre zu absolvieren und als Restauratorin zu arbeiten. Schließlich war es die gut ausgestatte Werkstatt im eigenen Familienunternehmen, die ihre Leidenschaft für eine Karriere in der Dienstleistungsbranche Textilpflege weckte: „Das Geheimnis um den Dampfkessel und das Freiräumen ­einer zugefahrenen Archimedia hatten auf mich schon immer eine größere Anziehungskraft als die Buchhaltung“, erzählt sie. Nach einem Ferien­job in einem Büro sei endgültig klar gewesen, dass sie nicht am Schreibtisch arbeiten würde, auch nicht im eigenen Unternehmen. Die talentorientierte Arbeitsteilung in der Geschäftsleitung sei eine ideale ­Lösung, das Unternehmen in allen Bereichen optimal zu führen.

Technik ist sehr wohl Frauensache

Ihr handwerkliches Geschick und ein Faible für Wäschereitechnik dienen Beate Schäfer heute bei der technischen Leitung der Produktion, sprich der Bedienung und Wartung des Maschinenparks. Als Unternehmerin profitieren sie und der Familienbetrieb vor allem von ihrer Fähigkeit, lösungsorientiert zu denken und zu handeln. Ihre Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft wirken positiv in allen Personalfragen; ihr Führungsstil ist ganz sicher nicht nur weiblich, sondern in erster Linie menschlich. Ihre Kompetenz muss sie nicht beweisen.

Die Textilreinigermeisterin hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Keine Frage. Ebenso selbstverständlich ist es für sie, sich als Unternehmerin und Führungskraft kontinuierlich weiterzubilden. Unter anderem legte sie die staatliche Prüfung zum Desinfektor ab und absolvierte eine Weiterbildung zum Betriebswirt des Handwerks. Bereits im Jahr 1989, direkt nach abgeschlossener Ausbildung, war sie in die Unternehmensführung eingestiegen. Die Entscheidung, den Familienbetrieb weiterzuführen, hatte ihre berufliche Orientierung geprägt und den Handwerksberuf doch noch zur Berufung gemacht. Für ihn tritt sie aktiv ein, wenn es um Ausbildungsförderung geht und darum, Frauen für die Weiterbildung zu gewinnen. Dass die Führungsriege im eigenen Unternehmen aus Frauen bestehe, sei eine bewusste Entscheidung, die nicht rein zufällig auf der Familienkonstellation beruhe.

Einfühlungsvermögen als Kernkompetenz

Beate Schäfer erlebt die Zusammenarbeit und Kommunikation mit und unter Frauen als zielführend und effizient. Ihr ist es wichtig, mit alten Klischees aufzuräumen. Das sei keine Prinzipienreiterei oder der Wunsch, „Frauenpower“ zu leben, sondern eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Notwendigkeit. Es mache schlichtweg keinen Sinn, wenn Frauen in der Branche freiwillig in die zweite Reihe zurückträten, um ihren Männern das Feld zu überlassen. „In unserer Branche gibt es zahlreiche Frauen, die über betriebswirtschaftliches Wissen verfügen, das Wirtschaftsfeld kennen und handwerkliches Know-how besitzen“, so Beate Schäfer. „Leider finden wir sie selten in Führungspositionen, geschweige denn in der Geschäftsleitung.“ Damit lasse die Branche wertvolle Ressourcen ungenutzt. „Abgesehen davon brauchen wir gerade in einem Gewerbe, in dem überwiegend Frauen arbeiten, feine Antennen, sprich Einfühlungsvermögen.“ In Zeiten akuten Fachkräftemangels sei diese Kernkompetenz von Frauen gefragter denn je. Wir wollen von Beater Schäfer wissen:

1. Was machen Frauen anders, zum Beispiel in Ihrem Unternehmen?

Beate Schäfer: Auch Frauen vertreten Standpunkte, sie sind aber nach dem Abwägen von Pro und Contra bereit, einem überzeugenden Argument den Vorzug zu geben. Es entspricht unserer Firmenphilosophie, dass Entscheidungen weniger aufgrund von Prestige oder Image getroffen werden, sondern vielmehr aus Überlegungen zum Wohlergehen des Unternehmens und der Mitarbeiter. Bei uns treffen die Natur der Frau und die männliche Prägung durch unseren Vater und unseren Onkel zusammen. Daraus ergibt sich immer eine Entscheidung, die auf Details achtet, ohne dabei das Gesamte zu vernachlässigen. Das ist für mich kooperativer, erfolgreicher und durchaus weiblicher Führungsstil.

2. Was bedeutet das für die Verbandsarbeit?

Schäfer: Gerade auf der Verbandsebene geht es um das Miteinander und Füreinander, also um konstruktive Zusammenarbeit. Eben nicht um Positionierung. Aus meiner Erfahrung fällt es Frauen leichter, sich von überholten hierarchischen Strukturen und verstaubten Ansichten zu trennen. Auch im Verband müssen immer mal wieder alte Zöpfe abgeschnitten werden. Generell sollten wir beherzigen, mehr miteinander zu reden und weniger gegeneinander zu arbeiten. Das gilt für Frauen und Männer. Denn es werden nicht mehr Betriebe in der Branche. Nur so können wir uns gegenseitig motivieren und Verbandskollegen dabei unterstützen, nicht dieselben Fehler zu machen, für die bereits viel Lehrgeld bezahlt wurde. Gemeinsam und mit genügend Weitsicht können wir möglichen Schaden von der Branche abwenden.

3. Haben Sie einen Appell an die Frauen in der Branche?

Schäfer: Ja. Auch ein Mann ist dazu in der Lage, in die zweite Reihe zurückzutreten und sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern. Damit die Frauen aus unserer Brache beispielsweise Zeit haben, an einem Arbeitskreis Unternehmerfrauen teilzunehmen. Ich selbst habe meine unternehmerischen und familiären Verpflichtungen unter einen Hut bringen müssen. Das Geheimnis ist, sich nicht um alles selbst zu „kümmern“, sondern den Mann und die Kinder mit in die Verantwortung zu nehmen. Wozu gibt es Excelltabellen und ein QM-System, das angewendet werden kann? Dazu ein Zitat meiner beiden Söhne: „Arbeitsanweisung im Haushalt lag nicht in zweifacher schriftlicher Ausfertigung vor!“

4. Welche Entwicklung wünschen Sie sich generell für die Branche?

Schäfer: Nicht erst seit wir im letzten Jahr eine Auszeichnung für hervorragenden Kundenservice in Empfang nehmen durften, arbeiten wir stetig daran. Neben technischem Fortschritt gehört dazu umfassendes Wissen, z.B. über den gesamten Wäschereimaschinenmarkt. Das verbessern wir durch den Besuch von Fachmessen und den direkten Kontakt zur Industrie. Indem wir uns dafür engagieren, den Umweltschutz zu verbessern und die Arbeit für unsere Mitarbeiter angenehmer zu gestalten, übernehmen wir als Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung. Der Mindestlohn ist ein von uns seit dem ersten Tag unterstütztes Muss und dessen Einhaltung die moralische Pflicht eines jeden Arbeitgebers der Branche. Ich wünsche mir für alle Unternehmen und Mitarbeiter das positive Erleben, dass in der professionellen Textilpflege kein Tag wie der andere ist und ein Textilpflegebetrieb immer noch einem Abenteuerspielplatz gleicht.

Infos: www.schaefer-mietwaesche.de