Antje Schubert, Natürlich Sauber in Tulln Vom Holzhandel in die Reinigung

Gut aufgestellt: Antje Schubert (2. v. re.) und ihr Team. Foto: Hans Eder - © Hans Eder

3 Das erste Jahr war das schwierigste. Im ersten Jahr von Antje Schubert als Geschäftsführerin der Textilreinigung Natürlich Sauber im niederösterreichischen Tulln ging es drunter und drüber. Sie selbst arbeitete nebenher noch in ihrer alten Firma, drei Tage nachdem sie den Betrieb übernommen hatte, fiel eine Mitarbeiterin wegen Schwangerschaft aus, und immer wieder gingen die Maschinen kaputt. „Es prasselte aus allen Richtungen auf mich ein“, erzählt Schubert. Doch das ist Vergangenheit.

Heute läuft es gut. Dazwischen liegen zwei Jahre, ein Kampf mit den Behörden, eine Renovierung – und viel „learning by doing“. Schubert ist in ihre Aufgabe hineingewachsen. Im Jahr 2012 hat sie die Textilreinigung in ihrer Nachbarschaft von einer älteren Dame, die in den Ruhestand ging, übernommen. Dabei arbeitete Schubert als gelernte Kauffrau eigentlich seit Jahren im Holzhandel. Doch die Textilreinigungsbranche gefiel ihr, der Betrieb hatte mit seinen drei Angestellten genau die richtige Größe, um einzusteigen.

Schwierigkeiten mit den Behörden

Kurz nachdem sie das Unternehmen übernommen hatte, wurde ihr jedoch klar, dass sie einiges verändern muss. Denn ihre Vorgängerin hat nur wenig in den Laden investiert. „Die Vorbesitzerin hatte den Betrieb von ihrem Mann geerbt und weitergeführt. Sie war aber nicht mit Herzblut dabei“, sagt die 42-Jährige. Also stand nur eineinhalb Jahre nach ihrem Debüt als Selbstständige eine Komplettrenovierung des Geschäfts an. „Wir haben fast alles herausgerissen, neue Maschinen angeschafft, eine neue Elektrik ein- und den Laden umgebaut.“ Außerdem erweiterte sie den Service für die Kunden. „Der Chef muss die Angestellten mitziehen.“

Schon tauchte allerdings das nächste Problem auf: Die Textilpflegebranche ist geschützt und Schubert erfüllte als Branchenfremde nicht alle Zugangsvoraussetzungen, um den Laden eigenständig zu führen. Eine ihrer Angestellten musste – als gelernte Textilreinigerin – einen Teil des Betriebes tragen. Also auch das Risiko. „Durch die großen Investitionen war relativ viel Privatinvestment im Spiel und ich wollte nicht, dass meine Mitarbeiterin die Lasten trägt“, sagt Schubert. Also sprangen Bundesinnungsmeister KommR Walter Imp und der Landesinnungsmeister von Niederösterreich, Franz Thür, ein, damit die Kammer der neuen Textilreinigerin eine außerordentliche Befähigung für Antje Schubert ausstellt. Es folgten Anträge, Gutachten und viele Gespräche. Das war umständlich, doch nun hat sie die komplette Kontrolle über ihr Geschäft.

Auf ihre drei Mitarbeiter – eine Textilreinigerin, eine Schneiderin und ein Absolvent der Modeschule – kann sie sich verlassen. Sie übernahm ihre Angestellten von ihrer Vorgängerin und sie haben ihr gerade in der Anfangszeit viel gezeigt und beigebracht, so dass die Inhaberin heute auch selbst oft im Laden steht und mit anpackt. Schubert ist voll in der Branche angekommen; anfangs ist sie viel in Österreich herumgereist und hat einige Kollegen kennengelernt. Auch sie seien sehr hilfsbereit gewesen und standen mit Tipps zur Seite, egal ob es um fachliche Fragen oder Administratives ging. „Ich finde meine neue Arbeit super“, sagt sie. „Ich habe ganz liebe Kunden, die teilweise richtig an der Ware hängen, die sie zu mir bringen. Das sind oft ganz persönliche Geschichten, die man dort erfährt“, erzählt die Geschäftsführerin lachend. „Es ist immer etwas anderes, ständig gibt es neue Herausforderungen.“ Den Branchenwechsel hat sie bisher nie bereut. „Dagegen war der Holzhandel eher langweilig.“

Schwierig wird es nur im Sommer, wenn alle Urlaub machen möchten, denn es ist nicht einfach, gut ausgebildete Leute zu finden, die einspringen würden. „Wir machen in den Sommermonaten nicht zu, daher müssen die anderen Mitarbeiter die Arbeit auffangen“, sagt die gebürtige Deutsche – fast schon in österreichischem Dialekt. Doch auch das klappt und die Betriebsinhaberin schafft es, zwischendurch ebenfalls Urlaub zu machen. Weg aus Österreich möchte Schubert nicht mehr, erst recht nicht, seit sie einen eigenen Laden hat. Als sie 25 Jahre alt war, war sie damals aus beruflichen Gründen ausgewandert. Heute hat sie in Österreich eine kleine Familie. Ob ihre siebenjährige Tochter ihr Unternehmen eines Tages übernehmen wird, darüber macht sich Schubert noch keine Gedanken. „Unser Betrieb ist überschaubar, da wird sich sicher jemand finden, der ihn weiterführen möchte.“ 7