Nybo Jensen Konfektion A/S: Produkt- und Innovationsschulung Von Baumwolle bis Nanoteilchen

An Berufsbekleidung werden immer mehr Anforderungen gestellt. Neue Produkte und Technologien sollen die hohen Ansprüche der Kunden erfüllen. Nybo Jensen gab auf seiner Produkt- undInnovationsschulung einen Überblick darüber, was die Branche über Leasingtextilien wissen mussund was es Neues gibt.

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    Die Referenten der Schulung waren (v.li.) Lars Kleinhans und Corona Bregenzer von Lauffenmühle, Hanne Böttcher von Nybo Jensen und Textilchemieingenieurin und Sachverständige Azita Mohseni.Fotos: Schönhaar
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    Die Teilnehmer erfuhren das Neueste rund um Berufs-bekleidung und entsprechende Gewebe.
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    Zum Anfassen: Lauffenmühle hatte praktisches Anschauungsmaterial dabei - vom Rohstoff bis zum fertigen Gewebe.

Von Baumwolle bis Nanoteilchen

Welche Neuerungen gibt es in der Welt der Berufsbekleidung? Um in Sachen Leasingtextilien auf dem aktuellen Stand zu sein, kamen rund 20 Teilnehmer zur Produkt- und Innovationsschulung des Berufsbekleidungsherstellers Nybo Jensen in die Nähe von Fulda. Mit Unterstützung der Unternehmen Lauffenmühle und Mohseni-Consulting ging es zwei Tage um Qualität, neue Entwicklungen bei Geweben und Design.

Corona Bregenzer, Marketingleiterin bei Lauffenmühle, gab einen Überblick über das vollstufig arbeitende Textilunternehmen mit Spinnerei, Weberei und Veredlung mit mehr als 175 Jahren Erfahrung. Neben Qualität zählt bei Lauffenmühle auch der Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanke. Deshalb lässt der Hersteller seine Produkte nach dem Bluesign-Standard zertifizieren. Dieser soll Konsumentenschutz, ressourcenschonende Produktion, reduzierten Emissionsausstoß, Hightech und Komfort garantieren. So werden beispielsweise über 600 limitierte und verbotene Substanzen innerhalb des Standards überwacht. „Im Vergleich zu anderen Labels deckt der Bluesign-Standard einfach viel mehr Gebiete ab, die uns wichtig sind“, begründete Bregenzer die Wahl.

Um die einzelnen Produktionsprozesse im Hause Lauffenmühle ging es im Vortrag von Key-Account-Manager Lars Kleinhans. Kleinhans machte deutlich, dass jeder Einflussfaktor auf die Gewebequalität - von der Faser und der Spinntechnik über die Konstruktion und die Webtechnik bis hin zur Farbe - eine Auswirkung auf das Fertigprodukt hat. Gebrauchseigenschaften wie Knitterverhalten oder Strapazierfähigkeit, Pflegeeigenschaften wie das Waschverhalten, aber eben auch die Wirtschaftlichkeit im Hinblick auf Leasingeignung, Pflegeaufwand usw. hängen von den vorherigen Arbeitsschritten ab. „Lauffenmühle hat hohe Ansprüche an die Gewebe für Berufsbekleidung“, sagte Kleinhans. Neben gesetzlichen Vorgaben und Normen sei die Leasingfähigkeit ein entscheidender Punkt, aber auch der Öko-Tex- und der Bluesign-Standard müssen erfüllt werden. Zu den „weichen Faktoren“ gehören Tragekomfort, angenehmer Griff und ansprechende Optik.

Wie also kann man all diese Ansprüche in der Produktion erfüllen? Das ist laut Lars Kleinhans ein komplexes Zusammenspiel aller Komponenten und fängt beim Rohstoff an. Natürliche Rohstoffe wie Baumwolle und Chemiefasern wie Polyester oder Tencel wollen entsprechend verarbeitet werden. Zunächst entstehen in der Spinnerei Garne. Deren nächste Station im Verarbeitungsprozess ist die Weberei. Ob Leinwandbindung wie bei der Bettwäsche, Köperbindung wie bei der Jeans oder die Satin- oder Atlasbindung - hier entscheidet sich die Konstruktion des Gewebes. Weiter geht es mit der Veredlung und dem Mercerisieren und Sanforisieren. Aber auch Färben und die Ausrürstung des Stoffes gehören dazu. Nach unzähligen Schritten ist das Gewebe fertig und kann zu Berufsbekleidung verarbeitet werden. Aber hier folgen die nächsten Herausforderungen, die Kunden, aber auch Wäschereien an die Textilien stellen.

Allein bei Design, Anordnung und Ausführung gibt es viele Punkte zu beachten:

- Nähte sollten nicht unter industriellen Waschverfahren leiden oder zur Faltenbildung neigen.

- Verschlüsse sind wichtig für die Funktionalität der Berufsbekleidung. Metallisches Zubehör sollte rostfrei sein, Plastikzubehör hohe Waschtemperaturen und die Tunneltrocknung aushalten.

- Taschen sollten die angemessene Größe für die tatsächliche Nutzung haben und bequem zu erreichen sein.

- Größen müssen in geeigneten Systemen angegeben werden.

- Ergonomie schließt Komfort und Wohlbefinden des Trägers ein und hängt maßgeblich vom Design ab.

- Reperaturen und Anpassungen sollten möglichst einfach vorzunehmen sein.

- Farbechtheit ist vor allem beim Waschen mehrfarbiger Bekleidungsstücke wichtig.

Die Anforderungen an das Gewebe für Berufsbekleidungen hat die European Textile Service Association (E.T.S.A.) definiert. „In einem Drei-Punkte-System wird unterschieden, ob bei der Nutzung niedrige, mittlere oder hohe Einschränkung zu erwarten ist“, erläuterte Lars Kleinhans. Wichtige Faktoren dabei seien die Mischung der Fasern, die Mischungsart - also homogen oder konstruktiv -, das spezifische Gewicht und das Spinnverfahren. Garne, Gewebe und Bekleidung werden dazu in umfangreichen Labortests auf ihre Eignung überprüft. Kleinhans zählte als Beispiele Tests zu Dimensionsstabilität, Waschkrumpf, Pilling, Reißfestigkeit, Knittererholung und Scheuern auf.

Bei Lauffenmühle werden alle wichtigen Informationen zum Produkt in einem technischen Datenblatt zusammengefasst. Damit sollen Kunden die Möglichkeit haben, die ausschlaggebenden Eigenschaften zur Eignung für die Berufsbekleidung auf einen Blick zu sehen.

Azita Mohseni ging mit ihrem Vortrag sprichwörtlich ins Detail. Sie gab einen Überblick über Nanotechnologien für textile Fasern und Gewebe. „Nanotechnologie ist die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts, wirtschaftlich und wissenschaftlich gesehen“, sagte Mohseni. Aber was versteht man unter dem Begriff eigentlich? „Hinter Nanotechnologie verbirgt sich eine breite Auswahl von Technologien, die sich mit Gegenständen, die kleiner als 100 Nanometer (nm) sind, beschäftigen“, lautete Mohsenis Definition. Zur Veranschaulichung: Ein Nanometer sei ein zweitausendstel der Breite eines Haares. Stoffe in Nanoform haben eine vergrößerte Oberfläche und reagieren damit anders. Für Textilien mache das beispielsweise eine funktionelle Beschichtung über Nanotechnologie möglich. Diese könnte wasser-, schmutz- und ölabweisend, elektrisch leitend, geruchsmindernd bzw. geruchshemmend, antibakteriall oder wirkstofffreisetzend sein. Die Vorteile der chemischen Nanotechnologie für die Textilausrüstung sind laut Mohseni, dass es sich um wasserbasierte, lösungsmittelfreie Systeme handele, durch die Kleinteiligkeit dünne, flexible und dichte Filme auf der Oberfläche erzeugt werden, und verschiedene Kombinationen der Funktionen möglich seien. Als Anschauungsmaterial - oder eher als Anschnupperungsmaterial - für die Seminarteilnehmer hatte Azita Mohseni Handtücher mit eingelagerten Nanoduftstoffen dabei. Beim Waschen werden die Duftstoffe in die Depotstrukturen eingelagert und durch Reiben wieder freigegeben.

Außerdem ging es um antimikrobielle Fasermodifizierung anhand biochemischer Effekte mit Nanosilber. Neben den Vorteilen wie Geruchsverhinderung oder für die medizinische Anwendung bei Neurodermitis oder Wundauflagen sind auf diesem Gebiet aber noch viele Fragen offen. Was zum Beispiel macht man mit dem Abwasser nach dem Waschen solcher Textilien? Denn das Silber ist nicht wasserlöslich. „Es gibt noch nicht viele Studien zu dem Thema“, erzählte Mohseni, so dass der Verbleib der Teilchen noch ungeklärt bleibt.

Was sind außer der Nanotechnologie die Trends und Visionen für Funktionsgewebe? Laut Lauffenmühle gehören die Gewährleistung von Komfort in allen Arbeitsbedingungen dazu, die Vermeidung von Hautirritationen, nachhaltige Materialien und Verfahren und funktionelle Textilien, die unangenehme Gerüche reduzieren können, pflegeleicht sind oder niedriges Gewicht besitzen. Mit Produkten wie Lauffenmühle Soil Release, der Produktlinie Relax und Tencel will das Unternehmen die hohen Ansprüche auf dem neuesten Stand der Technik erfüllen. „Wir sehen uns als Qualitätsspieler auf dem Markt und wollen mit Bluesign auch als solcher erkennbar sein“, sagte Corona Bregenzer abschließend.

Bei allen Innovationen des Textilherstellers ist klar: „Konfektionäre und Mietwäscher sind Treiber in Europa für jegliche textile Qualitätsverbesserung, deshalb muss jede neue Entwicklung ihre Anforderungen berücksichtigen.“Elena Schönhaar