Der Anbau von Baumwolle und die Arbeitsbedingungen in Ländern wie Indien und Bangladesh: Zwei Dinge, für die die Textilbranche immer wieder in der Kritik steht. Während Nachhaltigkeit bei Bekleidung schon angekommen ist, gibt es für Flachwäsche noch kaum Anbieter nachhaltiger Textilien.
3 „Wir hatten zufällig eine Wäscherei in der Region, die nachhaltige Textilien anbietet. Sonst hätten wir etwas länger nach einem Lieferanten suchen müssen“, sagt Maria Geiger, Direktorin des Wellnesshotels Lindenwirt im bayerischen Drachselsried. Vor zwei Jahren entschieden sich die Hotelbetreiber dafür, auf nachhaltig produzierte Wäsche umzustellen. Nur: Das Angebot dafür ist nach wie vor relativ knapp.
Während Fairtrade und bio in der Bekleidungsindustrie inzwischen auch bei den großen Ketten angekommen sind, findet man nachhaltige Textilien im professionellen Bereich und bei Flachwäsche noch eher selten. Im Bekleidungssektor gebe es zwar ein paar Hersteller wie MIP Europe, Greiff oder BP, die nachhaltige Berufsbekleidung anbieten. Gerade bei Flachwäsche gehe der Marktanteil im Mietbereich leider noch gegen null, schätzt Ralf Hellmann, Geschäftsführer des Herstellers Dibella und Präsident des neu gegründeten Vereins MaxTex.
Nachhaltigkeit als Gesamtstrategie
Was verbirgt sich hinter Nachhaltigkeit eigentlich, speziell bei Textilien? Zum einen geht es um die in den Produkten verarbeiteten Rohstoffe, zum anderen um die Einhaltung von Sozialstandards während der Herstellung. Geiger ist es wichtig, dass in ihrem Hotel beides berücksichtigt wird. „Es gehört alles dazu, von nachhaltigem Wirtschaften, damit die Mitarbeiter einen sicheren Job haben, bis zu einem grünen Fußabdruck.“ Das gelte im Hotel ebenfalls – also auch für die Textilien.
Dieser Meinung ist auch Hellmann. „Nachhaltigkeit ist für mich etwas Umfassendes: Dazu gehört nicht nur, einen nachhaltigen Artikel im Sortiment zu haben – es geht um eine Gesamtstrategie“, sagt er. Daher habe sein Unternehmen vor einigen Jahre alle Aktivitäten anhand der Norm ISO 26000, die für Unternehmen Standards für die soziale und gesellschaftliche Verantwortung festlegt, auf Nachhaltigkeit überprüft. Seit 2012 hat Dibella nachhaltige Textilien im Angebot, die mit dem GOTS- und dem Fairtrade-Zertifikat ausgezeichnet sind. Inzwischen machen sie laut Hellmann rund fünf Prozent des Gesamtumsatzes des Herstellers aus.
Sämtliche Produktionsstufen kontrolliert
Seither hat auch die Wäscherei des Lindenwirts die Dibella-Kollektion im Programm und Geiger kann ihren Gästen Bett- und Tischwäsche sowie Handtücher aus Biobaumwolle anbieten, die sozialverträglich produziert wurden. Für die Hoteldirektorin ist nun nachverfolgbar, woher die Zutaten der Textilien kommen. Die Fairtrade-/Biobaumwolle stammt aus Indien. Die Fairtrade-Bauern bekommen dafür einen garantierten Mindestpreis. Stellt der Bauer gleichzeitig auf biologischen Anbau um, darf er in den nächsten drei Jahren keine Kunstdünger und Pestizide einsetzen, erläutert Hellmann. Nach drei Jahren kann er die nicht genmanipulierte Baumwolle zusätzlich als zertifizierte Biobaumwolle verkaufen, da die Schadstoffe sich dann abgebaut haben.
Um ihre Produkte überhaupt zertifizieren lassen zu können, mussten die Geschäftsführer von Dibella zunächst selbst an einem Audit teilnehmen. Nun kontrollierten Zertifizierungsinstitute sämtliche Produktionsstufen. „Beim GOTS Transaction Certificate erfolgt zum Beispiel eine Mengenkontrolle“, erläutert Hellmann. Das basiere teilweise auf einer ganz einfachen Logik: „Hat man 200 kg Rohbaumwolle, kann das fertige Produkt nicht ebenfalls 200 kg Baumwolle enthalten.“ Es gebe zudem ein Warenbegleitpapier, das von der natürlichen Ressource bis zum Endprodukt die einzelnen Produktionsstufen nachverfolgbar mache.
Solche Auflagen machen die Textilien natürlich auch ein wenig teurer. Im Vergleich zu konventioneller Wäsche kosten die nachhaltig produzierten Produkte rund 15 bis 25 Prozent mehr. „Wobei die nachhaltigen Textilien meiner Meinung nach nicht teurer, sondern wertiger sind“, fügt Hellmann hinzu. Denn die Schäden, die durch die konventionelle Herstellung entstehen, wie etwa durch Überdüngung mit Kunstdüngern, hohem Wasserverbrauch und Pestizideinsatz, schlügen sich bei den konventionellen Waren schlicht nicht im Preis nieder. „Die Bauern machen dann letztendlich ein Verlustgeschäft.“
Doch nachhaltig hergestellte Textilien sind nicht nur für das gute Gewissen von Vorteil. Im Vergleich zu konventionell hergestellten Textilien fühlten sie sich viel angenehmer an, meint Geiger.
Hellmann will die nachhaltige Orientierung von Dibella nun weiter vorantreiben. Derzeit entwickelt das Unternehmen für die Bettwäsche zusammen mit anderen Herstellern ein Cradle-to-Cradle- Verfahren. Und auch Geiger achtet darauf, dass ihr Hotel die umweltbewusste Ausrichtung vollständig verfolgt: Während sie Bett- und Tischwäsche außer Haus bearbeiten lassen, waschen sie die Frottierwaren selbst – und zwar ausschließlich mit Biowaschmitteln und Mikroorganismen.