Lavatec Laundry Technology stellt Wäschereitechnik für den weltweiten Textilpflegemarkt her. Kernkompetenzen sind das vollautomatische Waschen, Entwässern und Trocknen. Die Anlagen übernehmen auch das Sortieren, Befüllen und Entladen. Produktion und Entwicklung befinden sich in Heilbronn. RWTextilservice war vor Ort und hat mit den beiden geschäftsführenden Gesellschaftern gesprochen.
3 Gewaschen wird auf der ganzen Welt. Die Technik für Textilpflegeprofis kommt dabei häufig aus Deutschland, zum Beispiel aus Heilbronn. Hier befindet sich der Firmensitz der Lavatec Laundry Technology GmbH. Und von hier gehen Wäschereimaschinen an Kunden in aller Herren Länder. Die Anlagen von Lavatec übernehmen dort das Sortieren und Waschen, das Befüllen und Entladen, das Pressen und Trocknen. Auch das Mangeln, Falten und Stapeln der Textilien unterstützen sie. Die Redaktion von RWTextilservice hat das Unternehmen und die beiden geschäftsführenden Gesellschafter, Wolf-Peter Graeser und Mark Thrasher, in Heilbronn besucht.
Thrasher ist der US-Partner von Graeser, die beiden Gesellschafter arbeiten eng zusammen. Gleichzeitig sind die USA der wichtigste Markt von Lavatec. Thrasher berichtet, dass die Wirtschaft dort angezogen habe in den letzten Jahren, es dadurch mehr Arbeitnehmer gäbe und als Folge auch immer mehr Berufsbekleidung. „Gute Chancen also für die Textildienstleister“, so Thrasher. Aber auch Asien werde immer bedeutender, ebenso seien Großbritannien und Frankreich starke Märkte für Lavatec. „Wir haben unsere Maschinen fast schon überallhin verkauft – USA, Europa, Afrika, Mittel- oder Südamerika, überall stehen Lavatec-Anlagen. Selbstverständlich auch in Deutschland“, erzählt Graeser.
Weltweit hat Lavatec mehr als 200 Mitarbeiter. In Heilbronn sind es über 100, darunter Konstrukteure, Ingenieure und Techniker mit viel Erfahrung im Wäschereimaschinenbau, der Waschstraßentechnik oder der Pressen- und Trocknerentwicklung. Diese Erfahrung konnten langjährige Mitarbeiter während der bewegten Geschichte von Lavatec sammeln. 1986 wurde der Vorläufer des heutigen Unternehmens gegründet. Samir Tadros, ein ehemaliger Mitarbeiter des Waschtechnikherstellers Passat, machte sich mit der Firma selbstständig. Die Lavatec GmbH startete in Bad Rappenau, es folgte ein Neubau in Heilbronn – dem heutigen Firmensitz. Man expandierte international, in die USA, nach Frankreich, in die Niederlande. 2009 geriet das Unternehmen in eine Krise. Hier kommt Wolf-Peter Graeser ins Spiel: Er erwarb die Produktions- und Verwaltungsgebäude in der Heilbronner Wannenäckerstraße zusammen mit sämtlichen Markenrechten und Lavatec-Patenten. 2010 wurde die heutige Lavatec Laundry Technology GmbH gegründet, außerdem verschiedene Tochtergesellschaften durch den Kauf der Assets der alten Lavatec-Firma.
Heute befinden sich Standorte in den USA, Frankreich und Thailand. 2014 vereinbarte Lavatec eine weltweite Kooperation mit dem spanischen Wäschereitechnikhersteller Girbau. Durch die Zusammenarbeit können sich beide Partner auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. „Das Produktportfolio ergänzt sich perfekt, so können wir Wäschereien die ganze Bandbreite an Technik bieten“, freut sich Graeser. „Und auch von der Firmenphilosophie her passt es: Als Familienunternehmen denken wir partnerschaftlich und setzen auf hohe Qualität.“ So sei Lavatec mithilfe von erfahrenen Partnern in der Lage, die Märkte weltweit mit Wäschereitechnik zu bedienen. Die Vermarktungsstrategie stützt sich auf ein internationales Netzwerk von Vertriebsspezialisten, Partnern und Händlern.
Kundenspezifische Lösungen
Da die Anforderungen in den verschiedenen Ländern teils stark variieren, entwickelt Lavatec die Produkte flexibel und bietet kundenspezifische Lösungen. „Auf Wunsch planen und realisieren wir Sonderanlagen und Spezialmaschinen“, erläutert Thrasher. Im Prinzip sei jede Lavatec-Maschine eine Spezialanfertigung, die genau so zusammengestellt wird, wie eine Wäscherei es benötigt. Beispielsweise baut Lavatec Waschstraßen generell erst nach Bestellung mit vom Kunden gewünschter Ausstattung – von der Anzahl der Kammern bis zur Platzierung der Anschlüsse. „Wir bieten wirtschaftlich arbeitende Anlagen“, betont Graeser. Das setze eine einfache Bedienung sowie eine unkomplizierte und störungsfreie Bauweise voraus. Man will den Kunden eine „neue Perspektive von Wirtschaftlichkeit und Sauberkeit“ bieten. Zur Kundschaft gehört die gesamte Wäschereibranche, z.B. Großwäschereien, Hotels, Krankenhäuser und verschiedene andere Betriebe.
Produziert und entwickelt werden die Lavatec-Maschinen in Heilbronn auf insgesamt rund 15.000 m2 Fläche. Die anderen Unternehmensstandorte verfügen über eine Werkstatt, die die Modernisierung bzw. Aufarbeitung der Maschinen bei Bedarf übernimmt. „Unsere Technik ist universell und robust gestaltet, deshalb ist Lavatec auch am Gebrauchtmaschinenmarkt gefragt“, sagt Thrasher. In den USA beispielsweise werden bei einer Komplettüberholung die Maschinen zerlegt, alle Verschleißteile durch neue ersetzt und die Maschinen mit neuer Garantie ausgeliefert. Auch für Steuerung und Software gibt es Möglichkeiten der Modernisierung durch Updates, mit denen zum Beispiel der Ressourcenverbrauch noch genauer geplant und gesteuert werden kann. Steuerungsbau und Softwareentwicklung macht Lavatec nach eigenen Angaben selbst. Im Bereich Steuerung und Software liegt laut Graeser auch ein Schwerpunkt der aktuellen Produktentwicklung. Die Maschinen sollen Daten sammeln und verwerten können. „Der Trend geht in Richtung Wäscherei 4.0, Vernetzung ist das Stichwort“, meint er. „Der Textilserviceunternehmer will auf einen Blick sehen: Laufen alle Maschinen rund? Gibt es im Prozess an einer Stelle Engpässe? Wo sind meine LKW? Welcher Kunde hat noch wie viel Wäsche?“ Thrasher erläutert: „Wir helfen mit unseren Anlagen, vollautomatische Wäschereien im Sinne der Industrie 4.0 aufzubauen.“
Auf die Stärken konzentrieren
Lavatec bezieht viele Bauteile von Zulieferern. Graeser erläutert: „Die Fertigungstiefe ist geringer als früher. Dadurch haben wir einiges an Fläche gewonnen und können uns auf unsere Stärken konzentrieren.“ Wichtige Sicherheitsteile oder qualitätsrelevante Kernbauteile wie etwa Waschtrommeln werden selbst hergestellt. Zukaufteile kommen laut Lavatec von deutschen Zulieferern.
Die Produktphilosophie lautet: höchste Leistung bei solider Konstruktion und bester Wirtschaftlichkeit. Dabei spielt auch Nachhaltigkeit eine Rolle. „Unsere Maschinen sorgen für einem möglichst geringen Verbrauch an Energie, Wasser und waschaktiven Substanzen, also für mehr Effektivität und Umweltschonung“, sagt Graeser. Alle Medien werden computergesteuert überwacht. Bei den Waschstraßen habe Lavatec das Gegenstromverfahren perfektioniert, mit dem die meisten Kunden arbeiten. In den letzten Jahren gehe der Trend zu Waschverfahren mit stehenden Bädern. Auch hier biete Lavatec maßgeschneiderte und praxisgerechte Waschstraßen und Komplettlösungen an. „Damit können heute zahlreiche Wäschereien Wasserverbräuche von weniger als 3 l pro Kilogramm Wäsche realisieren“, erzählt Graeser.
Alle Maschinen werden in Heilbronn fertig zusammengefügt und so vormontiert, dass die Inbetriebnahme beim Kunden vor Ort möglichst wenig Zeit in Anspruch nimmt. Möglichst schnell sollen auch Wartung und Instandhaltung funktionieren. Das Ziel: Die Kosten der Maschine über deren gesamte Laufzeit gering halten, damit die Wäscherei wirtschaftlich arbeiten kann. Man spricht auch von „Total Cost of Ownership“. Erreicht werden soll das durch niedrige Servicekosten, robuste Maschinen und Vermeidung von Ausfallzeiten. Lavatec-Kunden können Serviceverträge abschließen und so sicherstellen, dass die Maschinen in einem funktionsfähigen, zuverlässigen Zustand sind. „Dann kommen unsere Servicetechniker regelmäßig vorbei und es finden vorbeugende Maßnahmen zur Instandhaltung statt“, erläutert Thrasher. Die Techniker von Lavatec sind gut geschult und werden ständig weitergebildet, ergänzt Graeser. In Deutschland sind aktuell zehn Mitarbeiter für den Lavatec-Service im Einsatz.
Die erste Maschine läuft heute noch
Das Qualitäts- und Serviceversprechen von Lavatec ist nicht nur ein Lippenbekenntnis. Der Beweis: Die erste ausgelieferte Maschine aus dem Jahr 1986 läuft immer noch, wie Thrasher berichtet. Und: Es gibt auch heute noch Ersatzteile dafür. „Darauf haben unsere Konstrukteure bei der Entwicklung immer geachtet: Die verwendeten Teile müssen lange verfügbar sein bzw. nachproduziert werden können. Oder man kann ein ,Drop-in‘-Teil verwenden, also ein weiterentwickeltes Teil, das aber trotzdem für ältere Modelle passt und funktioniert“, erläutert Graeser. So sei nicht nur gewährleistet, dass es auch für ältere Modelle Ersatzteile gibt, sondern es ermögliche auch einen geringen Lagerbestand, da sich die Vielfalt der Teile in Grenzen hält. Dass die Ersatzteile schnell beim Kunden sind, spielt besonders in den USA eine Rolle, erzählt Thrasher. Hier arbeiten Wäschereien durchgehend, 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Ein Stillstand aufgrund eines Maschinenausfalls muss unbedingt vermieden werden. Lavatec entwickelt und baut die Maschinen entsprechend. Beim meistverkauften Produkt des Unternehmens, der Waschstraße, ist laut Lavatec beispielsweise das Weiterwaschen selbst bei Ausfall von zwei Motoren noch möglich, da man mit vier Motoren arbeitet. Wichtige Sensoren sind redundant, sodass auch hier der Ausfall einzelner Motoren keinen Stillstand bedeutet. Die Steuerung sei ebenfalls so ausgelegt, dass man bei einem Softwareabsturz weiterwaschen kann. Alles mit dem Ziel, dass der Kunde möglichst keine Kosten durch Maschinenausfall hat. In dieser erhöhten Ausfallsicherheit unterscheidet sich Lavatec deutlich vom Wettbewerb, so Graeser.
Auch das Qualitätsmanagement soll zur Zuverlässigkeit beitragen: Beispielsweise wird jede Zentrifuge im Lavatec-Werk durch einen externen Experten geprüft und abgenommen. Bei den Waschstraßen werden die einzelnen Trommelteile genauestens zusammengeschweißt, damit alles rundläuft. Zur Überprüfung werden alle Waschstraßen mit Wasser betrieben und getestet. Nur einwandfreie Maschinen gehen an die Kunden in aller Welt.
Für die Zukunft aufgestellt
Graeser ist mit der internationalen Entwicklung von Lavatec zufrieden. Für die nächsten Jahre plant er moderates Wachstum. Ziel ist ein langfristig solides, nachhaltiges Unternehmen. Anfang 2016 wurde die Finanzierung von Lavatec ausgeweitet, um das Unternehmen auf ein stabiles finanzielles Fundament zu stellen, auch im Hinblick auf die nächsten Jahre, so Graeser. Auch personell sei man hervorragend aufgestellt, es habe u.a. ein erfolgreicher Generationswechsel stattgefunden in der Belegschaft. Um auch zukünftig gut ausgebildetes Personal zu haben, beschäftigt Lavatec momentan fünf Auszubildende in Heilbronn und führt eigene Trainingsmaßnahmen durch.
Die Produktentwicklung wird weiter vorangetrieben. Dies geschieht nicht nur mit den eigenen Technikern und Ingenieuren sowie auf Anregung von Kunden. Die Heilbronner arbeiten auch mit Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen. In Sachen Ressourcenreduzierung habe Lavatec einige Ideen in der Pipeline. „Hier gibt es noch viel Potenzial“, glaubt Graeser, „gerade in Sachen Reduzierung des Primärenergieeinsatzes.“ Thrasher pflichtet ihm bei: „Das ist weltweit ein Thema für Wäschereien und wir werden uns weiterhin dafür einsetzen.“
Infos: www.lavatec-laundry.com