Im Gespräch mit Dr. Alexander Rohde, Abteilung Forschung und Entwicklung bei BÜFA Vordenker im grünen Bereich

Wenn Dr. Alexander Rohde von umweltfreundlichen Lösungen für die Textilpflege redet, ist er vor allem Realist – ohne Chemie geht es nicht. Aber die müsse sich der Natur anpassen, nicht umgekehrt. Wir wollten von dem Diplomchemiker wissen: Wie grün kann Reinigungschemie wirklich sein?

Dr. Alexander Rohde betont: „Wir unterziehen sämtliche von uns verwendete Wirkstoffe einem Umweltcheck.“ Foto: BÜFA - © BÜFA Reinigunssysteme

3 „Nicht grün, aber deutlich grüner als sie in der Vergangenheit war“, beantworetet der Produktentwickler in der Abteilung Forschung und Entwicklung der BÜFA Reinigungssysteme die eingängliche Frage. Seit 2007 arbeitet Dr. Alexander Rohde mit einem ambitionierten Team an der Entwicklung innovativer Hilfsmittel für das Wirtschaftsfeld Textilservice. Nachhaltigkeit hat hier oberste Priorität. Es gehe längst nicht mehr darum, einen anhaltenden Trend weiter zu forcieren, sondern um wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Texcare International 2016 habe deutlich gezeigt, dass ökologische Lösungen weltweit gefordert werden, in erster Linie vom Endverbraucher und zunehmend von gewerblichen und industriellen Kunden sowie Einrichtungen der öffentlichen Hand. Diese Erkenntnis sei in den Köpfen von Betriebsinhabern und Entscheidern in der professionellen Textilpflege angekommen. Auch das hätten die Gespräche während der Texcare bewiesen. Der Dialog mit den Praktikern ist Alexander Rohde wichtig. Als er 2007 bei BÜFA startete, konnte er auf ein langes Studium, eine relativ kurze Promotion und wissenschaftliche Erfahrungen im öffentlichen Dienst zurückblicken. Die ersten beiden Jahre arbeitete er intensiv mit seinem Vorgänger Dr. Manfred Huppertz zusammen. Dieser führte ihn unter anderem „chemisch“ in die Welt der Wäscher und Reiniger ein. „Das Ganze ist nun fast zehn Jahre her und ich komme in der Tat mittlerweile sehr gut mit der Chemie der Branche zurecht.“ Der Chemiker brennt für sein Fach. Als stellvertretender Leiter des Prozesses Forschung und Entwicklung trägt er unter anderem die technische Verantwortung für die eingesetzten Rohwaren. Diese müssen nicht nur die Herstellung ökologischer Produkte möglich machen, sondern auch Wirksamkeit und Praxistauglichkeit garantieren. Denn „Grün“ bedeute selten die bessere Performance. Mit weniger Chemie oder besser gesagt mit adäquater, umweltsicherer Chemie vergleichbare Reinigungs- und Waschergebnisse zu erzielen, sei letztendlich das Ziel.

Man müsse das Rad nicht immer neu erfinden. Zu den Aufgaben des Entwicklungsteams gehöre daher auch die regulative Anpassung bestehender Formulierungen und Rezepturen, beispielsweise aufgrund gesetzlicher Änderungen. Für BÜFA sei es selbstverständlich, über den gesetzlichen Rahmen hinaus Verantwortung für Mensch und Umwelt zu übernehmen. „Derzeit unterziehen wir sämtliche von uns verwendete Wirkstoffe einem Umweltcheck“, erklärt Alexander Rohde.

Sinnstiftend für die Textilreinigung

Stolz ist er vor allem auf die BÜFA-Neuheit, die auf der Texcare International 2016 präsentiert wurde: Die Hilfsmittelserie „Secasene“ für die klassische Textilreinigung. Sie wurde speziell für den Einsatz des neuen Lösungsmittels „Sensene“ konzipiert, einem Produkt von Safechem Europe, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft von The Dow Chemical Company (Dow). Mit der Präsentation des neuen Lösungsmittels und den dazugehörenden Hilfsmitteln als sinnvoller Ersatz für die Reinigung in Per überraschte BÜFA das internationale Messepublikum. „Uns war es wichtig, eine überzeugende Neuheit zu präsentieren, keine Weiterentwicklung bekannter Lösungsmittel, beispielsweise für die Reinigung in KWL“, erklärt Rohde. Sein Team war früh in die Entwicklung von „Sensene“ eingebunden, das in regulären Multisolvent- oder Kohlenwasserstoffmaschinen eingesetzt werden kann. Als organisches Lösungsmittel auf der Basis biologisch abbaubarer, modifizierter Alkohole mit geringer Toxizität in Wasser steht es für umweltverantwortliche Textilreinigung unter dem Motto: „100 Prozent Reinigen für alle Sinne.“ Es sei nicht nur sanft zur Umwelt, sondern auch zu den Textilien und besitze eine mit Per vergleichbare hohe Lösekraft. Exakt auf die Bedürfnisse dieses Lösungsmittels abgestimmt, kreierten die Spezialisten in Oldenburg einen passenden Reinigungsverstärker, ein Anbürstmittel und eine Gewebeschutzausrüstung.

Der Diplom-Chemiker ist mit dem Ergebnis eines aufwändigen Entwicklungsprozesses absolut zufrieden. Zweifelsohne sei es eine Herausforderung, Hilfsmittel für ein neues Lösungsmittel zu entwickeln. Da heiße es erst einmal „trial and error“ im Becherglas und in der Testmaschine, um systematisch Fehler auszuschließen. Am Ende steht die im Labor für gut befundene Rezeptur, die dann den Langzeittest bestehen muss. Genau diesen Prozess liebt Alexander Rohde, vor allem, wenn es zu einem derartigen Ergebnis kommt und sich das gesamte Team einig ist, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Ob eine solche Innovation irgendwann Stand der Technik wird, stehe auf einem anderen Blatt.

Im Fall von „Sensene“ liege die Innovation aber ganz sicher im „grünen“ Bereich, insbesondere im Vergleich zu Perchlorethylen. „Da es sich um ein Lösungsmittel gemäß 31. BImSchV handelt, unterliegt es nicht der stärker reglementierten 2. BImSchV. Somit bietet es insbesondere der industriellen Textilreinigung neue, wirtschaftlich attraktive Perspektiven“, so der Experte. Als Ökoprodukt wolle er es allerdings nicht bezeichnen. „Wir reden immer noch über ein organisches Lösungsmittel, das außerhalb der Maschine mit entsprechender Sorgfalt gehandhabt werden muss.“ Wirklich „grün“ mit Brief und Siegel sei das neue „Ozerna-Eco“-Waschverfahren, das BÜFA ebenfalls auf der Texcare präsentierte. Als eines der ersten Waschverfahren entspreche es den Anforderungen des EU-Ecolabels für Waschmittel aus dem „I & I“-Bereich. Diese Neuentwicklung beweise: Chemie kann durchaus ökologisch sein. „Sämtliche biologische Funktionen laufen schließlich auf Basis chemischer Prozesse ab“, bemerkt Rohde. Sein Appell: Mehr auf die Natur schauen und Lösungen abgucken, um die Chemie im Einklang mit der Umwelt zu nutzen. Ein schönes Beispiel seien die in den Waschmitteln enthaltenen Tenside. Die in der Vergangenheit eingesetzten, schwer abbaubaren, künstlichen Tenside hätten zu schwerwiegenden Verunreinigungen der Gewässer geführt. Zwar seien die heute verwendeten Tenside noch lange nicht ökologisch, aber biologisch gut abbaubar. Rohdes Fazit: „Wir können von der Natur lernen, ohne sie auszubeuten.“

Ökologie schafft Mehrwert

Von dieser Erkenntnis dürften Wäscher und Reiniger langfristig profitieren. „Nicht nur Endverbraucher, sondern zunehmend auch gewerbliche Kunden fragen nach ökologischen Dienstleistungen.“ Ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für oder gegen „grüne“ Produkte sei momentan noch der Preis. Davon ausgehend, dass lediglich zwei Prozent der Betriebskosten in der Wäscherei durch Waschmittel entstehen, ist dieser aus seiner Sicht zu vernachlässigen. „Wenn sich die Forderung nach Nachhaltigkeit fortsetzt, werden die auf nachwachsenden Rohstoffen basierenden Wirkstoffe außerdem günstiger und somit langfristig auch die ökologischeren Produkte. Der zurzeit niedrige Erdölpreis trägt allerdings nicht gerade dazu bei.“ Je „ökologischer“ die Dienstleistung, umso höher sind Akzeptanz und Nachfrage. Auch davon ist Alexander Rohde überzeugt. Textilreinigungen und Wäschereien hätten beste Voraussetzungen, sich als verantwortungsbewusste Dienstleister zu profilieren und zu dokumentieren, dass sich Chemie und Umweltschutz durchaus vertragen. „Denn ein Leben ohne Chemie ist in einer modernen, industrialisierten Gesellschaft undenkbar“, so der BÜFA-Fachmann. Zum Schluss wollten wir wissen:

RWTextilservice: Herr Dr. Rohde, warum ist Ihnen der Klimaschutz wichtig?

Dr. Alexander Rohde: Der verantwortungsbewusste Umgang mit Chemie spielt in einer Zeit des Klimawandels eine maßgebliche Rolle. Im Jahr 2013 wurde BÜFA als Modellunternehmen für das deutschlandweit einzigartige Projekt „green transformation“ ausgewählt. In diesem Zusammenhang haben wir uns mit der Erstellung des sogenannten „Product Carbon Footprints“, dem produktbezogenen CO2-Fußabdruck, beschäftigt. Hier geht es um die Berechnung der Menge an CO2, die im gesamten Lebenszyklus eines Produktes entsteht. Inzwischen fokussieren wir uns auf den sogenannten „Corporate Carbon Footprint“, den CO2-Fußabdruck des ganzen Unternehmens.

RWT: „Corporate Carbon Footprint“ – was bedeutet das genau?

Rohde: Hier betrachten wir die CO2-Emissionen, die durch unser gesamtes unternehmerisches Handeln entstehen: Bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Diesel für unsere Fahrzeugflotte oder Heizgas, aber auch in vorgelagerten Prozessen, wie etwa bei der Nutzung von Strom aus konventioneller Herstellung oder bei Dienstreisen im Flugzeug. Diese Daten werden jährlich ermittelt und ausgewertet. Unser Ziel ist es, eine Reduktion der CO2-Emission um 20 Prozent bis 2020 zu erreichen. An dieser Vision mitzuarbeiten, ist mir ein persönliches Anliegen. Unser Forschungs- und Entwicklungsteam ist gefordert, energiesparende Herstellungsverfahren zu entwickeln. Dieses Know-how können wir in die Branche tragen, da die meisten Prozesse im Wirtschaftsfeld Textilservice sehr energieintensiv sind. Gleichzeitig bedeutet die Optimierung unseres CO2-Fußabdrucks einen Zugewinn an positivem Image. Auch wenn BÜFA nicht zu den riesigen CO2-Emittenten gehört, ist es uns wichtig, unseren Beitrag zu leisten. Denn nur wenn alle mitmachen, ist der Klimawandel noch aufzuhalten oder wenigstens abzuschwächen.

RWT: Welche Rolle spielt Chemie insgesamt in Ihrem Leben?

Rohde: Eine sehr zentrale. Darum bin ich Diplomchemiker geworden. Bereits in der Schule hat mich das Fach brennend interessiert. Mein Interesse für die Wasch- und Reinigungschemie entdeckte ich allerdings erst nach meiner akademischen Ausbildung. Während des Studiums lernte ich die Materie oberflächlich kennen, tief eingedrungen bin ich durch meine Tätigkeit bei BÜFA. Meine erlernten, methodischen Kompetenzen sind und waren hierbei sehr hilfreich, aber letztlich beruht der größte Teil unserer Arbeit auf Empirie. Also heißt es am Anfang einer Entwicklung immer wieder, die Theorie zu bemühen, um sich schließlich von der Praxis eines Besseren belehren zu lassen. Die Wasch- und Reinigungschemie ist eben kein Zweikomponentensystem, das man mit Hilfe der Theorie genau beschreiben könnte. Daher bleibt die Thematik für mich garantiert spannend. Und meine Frau und unsere beiden Kinder freuen sich, dass ich mich auch zu Hause um die Wäsche kümmere. Selbstverständlich ökologisch orientiert!

RWT: Vielen Dank für das Gespräch!

Infos: www.buefa.de