Inhouse-Wäscherei oder Outsourcing? Oft übernehmen Pflegeeinrichtungen das Aufbereiten der Heimtextilien selbst. Der Wunsch nach individuellen Leistungen und persönlichem Kontakt zwischen Bewohner und Wäschereipersonal kann ein Grund dafür sein - eine Herausforderung für Textilpflegebetriebe.
Wäsche waschen mit Bezug
Bezugspflege ist der Leitspruch des Senioren- und Pflegezentrums Rupprechtstegen und Artelshofen. Unter der Leitung von Dipl.-Psychogerontologin Sabine Distler setzen rund 150 Mitarbeiter alles daran, für die insgesamt 226 Bewohner ein Ambiente zu schaffen, in dem sie sich wohl und wie zu Hause fühlen. Ein spezielles Therapieprogramm soll dabei helfen, Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Demenz erfolgreich im Heimleben zu integrieren. Individuelle Entfaltung und ein angenehmer Alltag für alle Bewohner sind Teil der am Wohl des Menschen ausgerichteten Unternehmensphilosophie nach dem Prinzip „Miteinander leben“. Auch die im Senioren- und Pflegeheim anfallenden hauswirtschaftlichen Dienstleistungen wie Catering oder Wäscherei müssen daran orientiert sein. Daher setzt Heimleiterin Sabine Distler bei Pflegeeinrichtungen auf das Konzept der Inhouse-Wäscherei. Warum sich der Geschäftsführer der Einrichtung, Marco Rugieri, dafür entschieden hat und was Textilpflegebetriebe leisten müssen, um als externe Dienstleister in der Pflege von Bewohnerwäsche Fuß zu fassen, berichtet Distler im Gespräch mit RWTextilservice .
RWTextilservice: Frau Distler, warum ist die Wäscherei im Senioren- und Pflegezentrum Rupprechtstegen nicht outgesourct?
Sabine Distler: Als wir 1999 das Haus übernommen haben, befand sich die Pflege der Heimwäsche in den Händen eines externen Dienstleisters. Leider kam es immer wieder zu Konflikten zwischen der Heimleitung und dem Textilpflegebetrieb, sodass wir uns schnell dazu entschlossen haben, die Pflege der Heimwäsche selbst in die Hand zu nehmen.
RWTextilservice: Von welcher Art von Konflikten sprechen Sie?
Sabine Distler: Eines der größten Probleme war, dass der Dienstleister nur einmal pro Woche die Schmutzwäsche bei uns abgeholt hat. Das hatte zum einen die negative Konsequenz, dass verschmutzte Wäsche lange liegen blieb, schwer zu säubern war, und zum anderen, dass unsere Bewohner lange Wartezeiten in Kauf nehmen mussten, ehe sie ihre Textilien zurückbekamen. Außerdem hatten wir immer wieder Schwierigkeiten mit verschwundenen Bekleidungsstücken. Da wir in unserer Einrichtung auch Demenzkranke pflegen, kann es durchaus passieren, dass der eine oder andere Bewohner seine Wäsche durcheinanderbringt und in den falschen Schrank einräumt. Im damaligen Textilpflegebetrieb wurden die Textilien nicht einzeln sortiert, sondern direkt umgebatcht, wenn sie im falschen Kleidersack waren. So konnten wir nicht mehr nachvollziehen, welchem Bewohner welche Textilien gehörten. Uns fehlte durch das Outsourcing kurz gesagt die Individualität, die wir unseren Heimbewohnern garantieren. So haben wir uns dazu entschieden, die Wäscherei ins Heim zu verlagern.
RWTextilservice: War das nicht mit großem Aufwand verbunden?
Sabine Distler: Doch, war es. Vor allem weil in unseren Räumlichkeiten im Grunde kein Platz für eine Wäscherei war. Wir mussten sie daher in den fünften Stock des Gebäudes verlagern, der bis dato als Lagerraum diente. Aber schon nach einem halben Jahr waren die Umbaumaßnahmen inklusive der Einhaltung der Hygienevorschriften, wie die Trennung von reiner und unreiner Seite durch eine Schmutzwand, umgesetzt, sodass wir 2001 die Wäscherei in Betrieb nehmen konnten. Miele hat uns dabei unterstützt und lieferte auch die Maschinentechnik. Seit der Inbetriebnahme der Wäscherei sind bei uns ein Durchlader mit einem Fassungsvermögen von 24 kg, zwei Waschmaschinen mit 14 kg und eine mit 7,5 kg im Einsatz. Unsere Wäschereileiterin Franziska Umuler hat während der Umbauphase, in der die Wäsche im Keller gepflegt wurde, viele Notwendigkeiten zur Arbeitserleichterung entdeckt, die wir beim Ausbau der neuen Wäscherei umsetzen konnten. Wir haben z.B. ein geeignetes Batchsystem integriert, das die Bewohnerwäsche nicht mit Nummern, sondern mit dem Namen des Eigentümers kennzeichnet. Damit leisten wir einen erheblichen Beitrag zur Wahrung von Persönlichkeit und
Individualität.
RWTextilservice: Wie bewältigen Sie die anfallenden Anforderungen wie die Einhaltung von Hygienevorschriften?
Sabine Distler: In unserer Wäscherei arbeiten neun Teilzeitkräfte, darunter eine Hauswirtschafterin, zwei Fachkräfte und zwei Näherinnen. Gewaschen werden die rund 160 t Wäsche im Jahr täglich, auch an Sonn- und Feiertagen, von 6 bis 19 Uhr. So gewährleisten wir, dass unsere Bewohner innerhalb weniger Stunden ihre Bekleidung wieder zurückbekommen. Hätten wir einen ausgelagerten Textilpflegebetrieb, müssten sie unter Umständen bis zu zwei Tage warten. Externe Reinigungsfirmen helfen uns bei der Umsetzung von Hygienesicherheit im Arbeitsprozess, indem sie unsere Wäschereimitarbeiter regelmäßig über die aktuellen Richtlinien informieren, zeitweise auch unseren Betrieb kontrollieren und Verbesserungsvorschläge machen. Außerdem achtet Franziska Umuler akribisch darauf, dass nach dem Leitfaden der Gütegemeinschaft für sachgemäße Wäschepflege gearbeitet wird. In den zwölf Jahren seit der Gründung der Inhouse-Wäscherei ist es noch nie zu einem Fall von Vervielfältigungs- oder Weiterkontamination von Wäsche gekommen.
RWTextilservice: Sie scheinen vom Prinzip der Inhouse-Wäscherei überzeugt zu sein. Was bietet Sie Ihnen für Vorteile?
Sabine Distler: Ja, das bin ich. Aus der Sicht einer Heimleitung kann ich sagen, dass es ein sinnvolles Konzept für uns ist. Bei uns sind alle hauswirtschaftlichen Bereiche im Heim integriert, sodass wir mehr Verantwortung für die erbrachten Leistungen übernehmen können. Unsere Wäschereimitarbeiter stehen in direktem Kontakt zu den Bewohnern; diese wissen, wo ihre Bekleidung zum Waschen hinkommt. Wenn sie einen besonderen Wunsch haben, steht ein Ansprechpartner zur Verfügung. Unsere Bewohner können ihre Wäsche, wenn sie möchten, auch selbst abgeben. Wir geben ihnen so ein Stück ihres gewohnten Alltags zurück und setzen durch das Öffnen aller Bereiche die Bezugspflege für die Senioren um. Das gefällt unseren Bewohnern. So kommt es oft vor, dass wir auf Wunsch Unterwäsche oder Nachtwäsche bügeln.
RWTextilservice: Und das ist es, was Ihnen externe Dienstleister nicht bieten können?
Sabine Distler: Den persönlichen Bezug eher nicht. Auch wenn es wahrscheinlich ist, dass sich, seit wir das Outsourcing beendeten, Leistung und Angebot der Textilpfleger verändert haben. In den letzten zehn Jahren haben wir keine Erfahrung mit externen Wäschedienstleistern gemacht. Daher kann ich schlecht einschätzen, was diese aktuell bieten. Ich gehe davon aus, dass es eine Kostenfrage ist, individuelle Wünsche verwirklichen zu lassen. Für uns wäre das Outsourcen der Wäscherei eine Qualitätsminderung. Dennoch ist der Einsatz eines externen Dienstleisters manchmal notwendig. In unserem neu eingegliederten Haus in Nürnberg ist die Pflege der Flachwäsche outgesourct, hauptsächlich weil dort Platzmangel herrscht. Die Bewohnerwäsche wird trotzdem im Haus gepflegt. Dies ist eine tragbare Mischform aus Inhouse und Outsourcing, da wir so Individualität und Bezugspflege sichern.
RWTextilservice: Sie haben die Kosten angesprochen. Wie schlägt sich der Unterhalt einer Wäscherei in Ihrer Heimbilanz nieder?
Sabine Distler: Natürlich stellt eine selbstgeführte Wäscherei keine derart verlässliche Größe in der Kalkulation dar, als die vorhersehbaren Kosten, die bei einem Dienstleister anfallen. Vor allem der Personalaufwand ist ein Risikofaktor, den man einplanen sollte. Aber mit der Wirtschaftlichkeit unserer Wäscherei bin ich sehr zufrieden. Sie ist der Heimbereich, mit dem ich als Leitung am wenigsten Schwierigkeiten habe; nicht zuletzt weil die Personalfluktuation gering ist. Unsere Wäschereimitarbeiter arbeiten aufgrund der für sie angenehmen Arbeitsbedingungen, meist in Teilzeit, sogar nach der Rente weiter bei uns. Das schafft Planungssicherheit. Und auch die Maschinenkosten sind gut kalkulierbar.
RWTextilservice: Können Sie in der Pflegebranche einen Trend in Richtung Outsourcing oder Inhouse-Wäscherei erkennen?
Sabine Distler: Das ist derzeit von Einrichtung zu Einrichtung verschieden. Noch vor zehn Jahren, als wir mit der Inhouse-Wäscherei begonnen haben, ging der allgemeine Trend eher in Richtung Outsourcing. Heute kenne ich viele Kollegen und Verbände, die wie wir auf die eigene Bearbeitung setzen und diese ausbauen. Wir arbeiten derzeit z.B. an einem Synergieprojekt, das den Waschbetrieb unserer drei Häuser in einer Schnittstelle zusammenführt. So soll es zukünftig eine zentrale Heimwäscherei geben, in der alle anfallenden Textilien gesammelt gewaschen werden. Damit der persönliche Bezug dabei nicht verloren geht, soll in jedem Heim ein persönlicher Ansprechpartner für Wäschefragen bereitstehen, ebenso wie eine Waschmaschine, in der Bewohner oder Mitarbeiter auf Wunsch selbst waschen können. Wenn alles klappt, könnte das Projekt 2014 abgeschlossen sein.
RWTextilservice: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Distler. bf