Seit Juni 2012 ist die neue Hightechwäscherei von CWS-boco in Neuss in Betrieb. Mit der Unternehmensphilosophie „Serving you - serving nature“ hat sich der Betrieb Ressourcenschonung bei höchsterProduktivität zum Ziel gesetzt. RWTextilservice hat die moderne Großwäscherei besucht.
Wäscherei mit „grüner“ Technik
Die Sonne strahlt durch die hohen Fenster der Produktionshalle auf die vielen emsig surrenden Förderbänder. Überall blinkt und glitzert es: Immer wieder leuchten die noch unverstaubten Anlagen im hellen Licht auf. Auf dem blanken Boden spiegeln sich die Gerüste der Transportanlage. Überall schwirren Mitarbeiter in weißen Hosen und T-Shirts umher, bedienen konzentriert die Touchscreens, die überall angebracht sind, kontrollieren Reflektionsbänder, legen wiederverwendbare Kopfhauben zusammen und versehen Overalls mit gechipten Kleiderbügeln. Untermalt wird das Ganze von dem beständigen Klicken der Kleiderbügel, die an den Förderbändern entlangpendeln. Die erste Impression der 5.800 m2 großen Wäscherei ist beeindruckend.
Bald 24.000 gewaschene Textilien pro Tag
Olaf Fockenberg, Betriebsleiter am Standort, überwacht die Produktionsprozesse genau. Er weiß, welcher Arbeitsschritt an welcher Station wie viel Zeit benötigen darf und wo es noch schneller gehen muss. Doch derzeit läuft alles wie am Schnürchen. Zu Eröffnungszeiten wurden noch rund 8.000 Teile pro Tag gewaschen, aktuell sind es etwa 9.000. Der Betriebsleiter ist guter Dinge, dass es bis Ende des Jahres 24.000 Teile am Tag sind. Selbst dann wäre die Höchstauslastung noch nicht erreicht;sie liegt bei 32.000 Textilien pro Tag.
Bisher wurden die Kunden der Region von zwei älteren Standorten aus bedient; das Waschen ihrer Textilien wird jetzt in die moderne Anlage in Neuss integriert. Zu einem großen Teil wird persönliche Schutzausrüstung (PSA) und Berufsbekleidung aus den Bereichen Handwerk, Industrie, der Lebensmittelproduktion und dem Gesundheitswesen gewaschen. Mit der bevorstehenden Verlagerung des Standorts in Krefeld soll bald Businessbekleidung hinzukommen. Doch hierfür müssen noch diverse Vorbereitungsmaßnahmen getroffen werden.
Die Wäscherei ist vor allem darauf ausgelegt, auf Wasserbasis zu waschen. Businessbekleidung, die den Weg nach Neuss findet, wird extern gereinigt. „Wir behandeln unsere Textilien rein auf Wasserbasis und verwenden keine Lösungsmittel“, hebt Fockenberg hervor. „Der Einsatz von Chemie wird bei uns so gering wie möglich gehalten.“ Textilien, bei denen beim ersten Waschdurchgang nur eine Sauberkeit von 98 Prozent erreicht wurde, waschen die Mitarbeiter nach. So soll eine hundertprozentige Reinheit garantiert sein.
In akribischer Reihenfolge durchlaufen die angelieferten Textilien den Waschvorgang. Die Maschinen in der Produktionshalle sind so angeordnet, dass die Bekleidungsstücke von einem Bearbeitungsort direkt in den nächsten übergehen können. Diese flussähnliche Anordnung spart nicht nur Zeit, sondern auch Energie. Angeliefert werden die Textilien ab ca. zwölf Uhr. Dann beginnt im abgetrennten Schmutzbereich der Wäscherei der Waschzyklus. Die angelieferten Teile werden nach Kundenzugehörigkeit sortiert und mit Nummern versehen. Jede Nummer entspricht einer Ordnungseinheit, nach der die Wäsche die Produktion durchläuft.
Kontrolle am Sortiertisch
Ohne eingehende Kontrolle dürfen die Textilien nicht in die Waschstraße. Vier Mitarbeiter kontrollieren im Schmutzbereich an Sortiertischen, ob in der Wäsche Utensilien stecken. „Gebisse und Wildschweinzähne haben wir schon in der Tasche der Berufsbekleidung gefunden“, erinnert sich Fockenberg. Kullis, Uhren und Werkstattausrüstung sind dagegen die gängige Alternative. „Unsere Mitarbeiter sammeln die Fundstücke und ordnen sie dem jeweiligen Kunden zu. So können alle Teile wieder zurückgegeben werden“, erklärt der Betriebsleiter. Klappt das nicht, wird der Gegenstand nicht weggeschmissen, sondern bei CWS-boco aufbewahrt, bis sich der Kunde meldet. In die Taschen greifen die Kontrolleure allerdings nur, wenn sie ein Objekt ertastet haben. „Das wäre zu gefährlich, denn manchmal stecken Messer in der Hosentasche“, sagt Fockenberg. Meist reicht es aber, die Textilien gut durchzuschütteln, damit alle Utensilien von selbst herausfallen.
Nach der ersten Kontrolle kommen die Textilien auf das Postenbeladeband. Ein Mann in blauer Arbeitsbekleidung steht am Förderband: Er ist dafür zuständig, dass immer die richtige Menge an Schmutzwäsche in die verschiedenen Fächer kommt. Durcheinander kommen dürfen die Lieferungen hier auf keinen Fall.
Intelligente Dosieranlage
Vom Postenbeladeband gelangen die abgewogenen Textilmengen direkt in eine riesige Waschstraße. Sie besteht aus insgesamt 16 Kammern. Dort werden die Bekleidungsstücke mit Wasser und mit einer genau abgemessenen Menge an Waschmittel gewaschen. Im Waschmittellager stapeln sich blaue Tonnen und große weiße Säcke mit Waschmittelkonzentrat bis zur Decke. Gleich daneben befindet sich das Dosiersystem. „Das stellt sicher, dass wir genau die richtige Menge an Waschmittel für den jeweiligen Kunden verwenden und nichts verschwendet wird“, erklärt Fockenberg. Dicke durchsichtige Schläuche führen von den blauen Tonnen in die Anlage. „Waschmittel für Kunden, deren Bekleidung eine gesonderte Behandlung benötigt, bekommen eine separate Wäsche“, erklärt Fockenberg. Hier muss die Dosieranlage mit zusätzlichen Informationen gespeist werden. Für kleinere Textilmengen, bei denen sich der Einsatz der Waschstraße nicht lohnt, stehen in der Wäscherei vier Waschschleudermaschinen mit variierendem Fassungsvermögen zur Verfügung.
Dass die Wäscherei Wert auf Umweltfreundlichkeit legt, wird spätestens klar, wenn der Wasserkreislauf beim Waschgang betrachtet wird. Das Abwasser aus jedem Waschvorgang sammelt sich in einem großen Tank, der sich oberhalb der Waschstraße befindet. Teilweise wird das Wasser nach der Filterung zur Wiederverwendung wiederaufbereitet oder dient der Wärmezufuhr von Frischwasser. Ein ausgeklügeltes Leitungssystem im Unterbau der Wäscherei sorgt dafür, dass das Frischwasser die nötige Temperatur von rund 55 °C erhält. Somit ist an dieser Stelle kein zusätzlicher Energieaufwand notwendig.
Nachhaltigkeit findet im Keller statt
In einem kleinen Raum hinter schweren Stahltüren im Keller der Wäscherei befinden sich große Wassertanks. Es liegt ein eigenartig warmer Geruch in der Luft. „Erst wenn es gereinigt und wiederaufbereitet ist, wird das Abwasser wiederverwendet oder in den Kanal abgegeben“, betont Fockenberg. Und doch: Frisch- und Schmutzwasser begegnen sich hier. Allerdings fest verschlossen im Gegenfluss in dicken schwarzen Rohren, die den sogenannten Rohrwärmetauscher bilden. Eine doppelwandige Führung ermöglicht die Erwärmung des Frischwassers durch das Kaltwasser. So wird an dieser Stelle keine Fremdenergie verbraucht.
Ebenfalls für die Erhitzung des Frischwassers wird in Neuss Kompressorenabluft verwendet. Die erhitzte Druckluft daraus reicht laut Betriebsleiter Fockenberg aus, um in einem Kreuzwärmetauscher das Wasser auf die gewünschte Temperatur zu erhitzen. Das Prinzip der Wärmerückgewinnung funktioniert am Standort so gut, dass die Temperatur des Frischwassers weit über die gewünschten 55 °C hinaus gehen würde, würde der Erwärmungsvorgang nicht kontrolliert werden.
Aber nicht nur zur Wärmerückgewinnung stehen die großen Tanks im Keller. Der Silotank ist mit einem Rückgewinnungssystem verbunden. Das Wasser wird dort so gefiltert und aufbereitet, dass es in den Abwasserkanal eingeleitet werden darf. Benutztes Wasser aus der Waschstraße dagegen wird in der Wäscherei selbst gespeichert und dann wiederverwendet: altes Buntwasser für Buntwäsche und altes Weißwaschwasser für Weißwäsche.
Spezialfinisher für Neuss
Haben die Textilien die Waschstraße passiert und damit den Waschvorgang hinter sich, kommen sie in den Trockner. In einer Zentrifuge werden sie rund zwei Minuten geschleudert und weiter in den Takttrockner oder in den Finisher befördert. Der Finisher - eine Art „heiße Röhre“, wie Fockenberg sie nennt - ist leistungsfähiger als ein Trockner, da dieser viel mehr Teile fassen kann. Der Nachteil von gefinishter Wäsche: Sie wird steif. Gegenüber der auf dem Markt üblichen Technik hat der Finisher in Neuss einen klaren Vorteil: Er besteht aus sechs Modulen, von denen nur drei beheizt werden müssen und in denen kein Sprühdampf eingesetzt wird. „Die energiefressenden Vorgänge entfallen daher“, schildert Olaf Fockenberg die Besonderheit seines Finishers. „Vermutlich steht noch nirgends auf der Welt ein solcher Finisher. Den haben unsere Mitarbeiter zusammen mit einem Team von Kannegiesser entwickelt. In dieser Form ist er wohl einzigartig in Sachen Nachhaltigkeit“, erklärt er stolz.
Eine finanzielle Belastung ist die neue umweltfreundliche technische Ausrüstung nur kurzfristig. „Auf lange Sicht betrachtet, können wir uns sicher sein, dass sich die Investitionen auszahlen“, erklärt Bastian Hageresch, Leiter der Betriebsorganisation bei CWS-boco. Seiner Einschätzung nach ist davon auszugehen, dass auch zukünftig die Energiepreise steigen werden und dass sich schon deshalb die Wiederbenutzung der eigenen Energie in Form von Wärmerückgewinnung auszahlen wird. „Außerdem legen unsere Kunden großen Wert auf die umweltfreundliche Bearbeitung ihrer Wäsche“, weiß Hageresch. „Diesem Wunsch wollen wir vollends nachkommen und der Nachhaltigkeit im Produktionsprozess mit vollem Einsatz nachgehen.“
Ordnung mit System ohne RFID
Sind die Textilien fertig getrocknet, befinden diese sich bereits im sauberen Bereich der Wäscherei. Von dort aus laufen sie auf einem Band weiter zur Batchstation. Sofort wird klar, woher das leise Klicken kommt, das schon in der Schmutzhalle trotz dem Rauschen der Maschinen im Hintergrund zu hören ist. An dieser Maschine werden die Textilien mit einem Code verheiratet, der sich auf einem Chip in dem jeweiligen Kleiderbügel befindet. Ein Computerprogramm sorgt dafür, dass hier nichts durcheinander gerät. Mit dem Chip kann ausgelesen werden, welches Teil von welchem Kunden sich auf dem jeweiligen Kleiderbügel befindet. Nicht nur für die Sortierung der Auslieferung ist das ein notwendiges Detail. RFID-Tags gibt es in der Großwäscherei keine. „Eine Umstellung von unserem Chip-im-Bügel-System würde rund sechs Jahre dauern. Außerdem würde mit der Verwendung der RFID-Technologie jegliche Kontrolle durch den Menschen unmöglich. Eine leserliche Kennzeichnung auf den Bekleidungsstücken gäbe es nicht mehr“, erklärt Fockenberg.
Aber das System des Verheiratens mit Chips via Kleiderbügel hat sich bewährt. Durcheinander kommt hier nichts. Sogar mangelhafte Ware wird erkannt, erfasst und via Förderband in die Nähabteilung der Wäscherei zur Reparatur gebracht. Dort kann genau nachvollzogen werden, welches Teil welche Reparatur braucht. Auch Teile, die eine Nachdbehandlung besonders hartnäckiger Flecken benötigen, werden nach diesem Prinzip verwaltet. Hat ein Textil alle Stationen durchlaufen, kommt es in das Lager der Wäscherei. Von dort aus wird es je nach Kundenwunsch verpackt und kommt in die Auslieferungshalle, wo die Lieferung mit den restlichen Stücken bereit steht, bis es mit einem der Transporter, von denen ein Teil aus emissionsarmen Erdgasfahrzeugen besteht, ausgeliefert wird.
Pünktlich um drei Uhr endet das helle Klicken der Kleiderbügel und die Geschäftigkeit, mit der hier die Arbeit ab sechs Uhr morgens vonstatten geht, lässt langsam nach. Die Maschinen werden abgeschaltet und die Frauen in den weißen Hosen und weißen Shirts verlassen ihre Arbeitsstellen - die Produktion ist für diesen Tag beendet. Verlassen stehen die Trinkflaschen an den Arbeitsplätzen und es wird beinahe unheimlich still in der riesigen Produktionshalle.
Neue Großkunden warten
Mit der Verlagerung des Standorts Krefeld kommen auf die Wäscherei viele neue Großkunden und damit eine weitere Herausforderung zu. Mit den ausgeklügelten, umweltfreundlichen Waschverfahren, hoch modernen Wasser- und Wärmerückgewinnungsanlagen und einem einzigartigen Spezialfinisher wird Nachhaltigkeit auch zukünftig garantiert sein. Dennoch: CWS-boco Neuss steht, wie alle Partnerstandorte, neuen umweltschonenden Maßnahmen offen gegenüber. Nicht zuletzt aus dem Grundsatz „Serving you - serving nature“ arbeitet ein ganzes Team im Bereich Umwelt bei CWS-boco, um den Status quo stetig zu verbessern. So kann der Kunde sicher sein, dass die neusten Trends in Sachen „grüne“ Wäschereitechnik gesucht, gefunden und umgesetzt werden. Bianca Flachenecker