Zu Besuch bei Jensen in Burgdorf (Schweiz) Wäschereitechnik weltweit

Vom dänischen Kleinbetrieb zum globalen Großunternehmen: Die Jensen-Group versorgt die Wäschereibranche seit 58 Jahren mit Technik und mehr. R+WTextilservice hat den Hauptsitz des Unternehmens im schweizerischen Burgdorf besucht und u.a. erfahren, warum bei Jensen rund um die Uhr die Sonne scheint.

  • Bild 1 von 5
    © Jensen
    Die Jensen-Group hat auf der ganzen Welt insgesamt fast 1.700 Mitarbeiter mit 44 Nationalitäten.  Fotos: Jensen
  • Bild 2 von 5
    © Jensen
    Service gibt es nicht nur vor Ort, sondern z.B. auch via Fernwartung.
  • Bild 3 von 5
    © Jensen
    Jensen setzt auf Interaktion zwischen globaler Fachkompetenz und lokaler Präsenz.
  • Bild 4 von 5
    © Jensen
    Mehr als nur Maschinen verkaufen: Bei Jensen bekommen Kunden Planung und Beratung aus einer Hand.
  • Bild 5 von 5
    © Jensen
    Die Waschstraße Senking Universal ist nur eines von vielen Produkten aus dem umfassenden Jensen-Programm.

Your performance in mind. Der Leitspruch von Jensen trifft den Nagel auf den Kopf. Der Kunde und dessen Leistung stehen an erster Stelle, so die klare Philosophie des Unternehmens. Die international aufgestellte Jensen-Group hat es sich zur Aufgabe gemacht, Großwäschereien weltweit bei der Erbringung hochqualitativer Textildienstleistungen zu unterstützen. Das Unternehmen entwickelt mittels breit gefächerten Fachwissens nachhaltige Maschinen, Systeme und integrierte Lösungen. Alles – von einzelnen Maschinen über Bearbeitungslinien bis hin zu schlüsselfertigen Projekten – kann aus einer Hand geliefert werden. Daneben bietet Jensen umfassende Beratung und Kundenservice.

Zu den Kunden des Wäschereitechnikanbieters zählen Groß- und Industriewäschereien, Miettextilbetriebe, Zentralwäschereien, große hauseigene Wäschereien in Hotels, Krankenhäusern oder auf Kreuzfahrtschiffen. Laut Unternehmen werden auf jedem dritten Kreuzfahrtschiff, das in diesem Jahrhundert gebaut wurde oder derzeit gebaut wird, Anlagen von Jensen betrieben. Bei Installationen auf Schiffen zeigt Jensen, was möglich ist: Zeitgenaue Planung und zuverlässige Lieferung sind hier gefragt, ebenso wie praktische, wartungsarme Lösungen für beengte Verhältnisse. Das Know-how, das Jensen hier sammelt, überträgt das Unternehmen auch auf andere Kunden. Etwa 15 Großwäschereien stattet Jensen pro Jahr aus. Das Komplettprogramm beinhaltet alles von Saugzugsystemen über Förder-, Sortier- und Speichersysteme, Trennwand- oder Waschschleudermaschinen, Trockner, Pressen, Waschstraßen oder Tunnelfinisher (siehe Kasten „Portfolio“ auf Seite 35).

Mehr als nur Maschinen

Aber Maschinen einfach zu verkaufen wäre zu wenig. Es geht um individuelle Beratung, Projektmanagement und -planung sowie „Material Handling“. Bei Jensen weiß man, was für Wäsche­reien wichtig ist: Der Warenfluss muss optimiert werden. Es geht verstärkt um lückenlose Datenkommunikation. Deshalb hat die Jensen-Group Ende 2017 eine eigene Business-Unit „Material Handling“ gegründet, die neben Intralogistik und Fördertechnik auch Automatisierungslösungen fokussieren soll. „Wir wollen damit einem wichtigen Zukunftsthema Rechnung tragen“, erläutert Gerda Jank, Head of Communications bei der Jensen-Group. Sie betont die innovative Ausrichtung des Unternehmens – bei gleichzeitiger Nachhaltigkeit. „Unsere Kunden wollen einen Partner, der sie rundum gut betreut. Eine Wäscherei einzurichten, ist ähnlich wie ein Hausbau, ein ,Once in a life­timeʻ-Projekt. Deshalb ist ihnen wichtig, einen Partner mit Erfahrung zu haben, einen zuverlässigen, nachhaltig agierenden Partner.“

Insgesamt verfügt Jensen über 58 Jahre Erfahrung in der Wäschereibranche. Der Ursprung geht auf die Gründung eines Dienstleistungs- und Produktionsunternehmens im Jahr 1937 auf Bornholm, einer dänischen Insel in der Ostsee, zurück. Ejnar Jensen führte dort einen Reparaturbetrieb für Molkereitechnik. 1960 entwickelte Ejnars Sohn, Jørn Munch Jensen, die erste Faltmaschine für Großwäschereien und begann, das Produkt weltweit zu vertreiben. Das Portfolio wurde 1973 mit der ersten Eingabemaschine und in den 1980er Jahren mit der ersten Mangel ergänzt. In den 1990er Jahren kam die Formteilebearbeitung durch den Erwerb des Unternehmens „Metricon Conveyer Systems“ hinzu. Das Unternehmen wuchs schnell und wurde internationalisiert. Mit Jesper Munch Jensen trat die dritte Generation ins Unternehmen ein. Er erweiterte das Geschäft im Jahr 1998 mit dem Erwerb der Firmen Senkingwerk, Futurail und L-Tron. Der Jensen-Gründer Jørn Munch Jensen starb 2012, kurz nach seinem 80. Geburtstag.

Transparentes Familienunternehmen

Heute ist die Jensen-Group an der Börse in Brüssel notiert. Jegliche Unternehmenszahlen sind für jeden transparent abrufbar. So betrug der Umsatz 2016 rund 318 Millionen Euro (2015: 286 Millionen Euro); die Bilanz weist keine Verbindlichkeiten auf. Transparenz gehört aber sowieso zur Firmenphilosophie, sagt Gerda Jank. „Wir wollen den Kunden Investitionssicherheit bieten.“ Als familiengeführtes Unternehmen lebe man eine entsprechende Philosophie des langfristigen Denkens.

Jensen setzt außerdem auf eine optimale Interaktion zwischen globaler Fachkompetenz und lokaler Präsenz. „Wir denken global und handeln lokal“, beschreibt es Gerda Jank. Weltweite Aktivitäten mit einem lokalen Vertriebs- und Servicenetzwerk – so lautet das dezentrale Konzept. Insgesamt arbeiten fast 1.700 Personen auf der ganzen Welt für die Jensen-Group. Unter den Mitarbeitern sind 44 Nationalitäten vertreten. Die Entwicklungsabteilungen sitzen lokal in den jeweiligen Ländern vor Ort, um immer direkt das Ohr am Markt zu haben. Es gibt z.B. eigene, jeweils angepasste Produkte für den europäischen oder amerikanischen Markt. „Deutschland, Österreich und die Schweiz sind wichtige Märkte für uns, dort läuft es gut“, sagt Gerda Jank. Auch China sei ein wichtiger Wachstumsmarkt. Produziert wird ebenfalls in verschiedenen Ländern, u.a. in Deutschland, China, den USA, Dänemark und Schweden. 2011 eröffnete Jensen eine neue Fabrik im chinesischen Xuzhou, 2016 wurde die Fabrik um eine zweite Halle erweitert.

Qualität steht bei allen Produkten im Vordergrund, egal wo sie hergestellt werden. Strenge Kontrollen beinhalten Abmessungs- und Toleranzprüfung, mechanische Prüfung, Geräuschpegel- und Wasseprobentest etc. Eine Über­wachung durch den TÜV – auch in der Produktionsstätte in China – soll Produktsicherheit und -qualität gewährleisten.

In den Kernmärkten hat Jensen eigene Servicekräfte an insgesamt 25 Niederlassungen. Bewusst habe man sich dezentral aufgestellt, sei aber global stark vernetzt. „Jensen. Local in the ­world.“ lautet ein Slogan. Gerda Jank erläutert: „Bei Jensen scheint immer die Sonne. Zu jeder Tageszeit ist eine unserer Geschäftsstellen für unsere Kunden da.“ In den vergangenen Jahren eröffnete Jensen neue Vertriebs- und Servicezentren in Italien, den Beneluxstaaten, in Schweden, im Mittleren Osten, in Brasilien, Neuseeland, Japan, Österreich, Spanien, Norwegen und Dänemark.

Textilservice als Wachstumsbranche

Das Unternehmen wächst. Und man ist bei Jensen überzeugt: Der Textilservice ist eine Wachstumsbranche. Es gebe mehr Reisen, mehr Gesundheitsausgaben und dadurch mehr Wäsche und Bekleidungsstücke. Nachhaltige Wäsche­reilösungen seien aufgrund von Ressourcenverknappung (Wasser, Energie, Platz, Menschen) weltweit gefragt. Ein weiterer Trend: Es gibt weniger, aber dafür anspruchsvollere Arbeitskräfte, was einen Automatisierungsbedarf und verstärkten Arbeitsschutz nach sich zieht. „Deshalb sind unsere Hauptthemen bei der Entwicklung die Ressourcenschonung und der Mitarbeiterschutz“, so Jank. Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind dabei Themen, die im Unternehmen gelebt werden. Schon früh hat Jensen den Cleantech-Ansatz gepusht, das „grüne“, ressourcensparende Waschen. Bereits 2008 führte man das Cleantech-Konzept mit direkter Gasbeheizung sowie integrierten Energie- und Wasserrückgewinnungssystemen ein. Damit soll der Ressourcenverbrauch gesenkt und so die zunehmenden Umweltvorgaben für Wäschereien erfüllt werden; zugleich werde die thermische Effizienz und Produktivität erhöht. Im gleichen Jahr eröffnete die laut Unternehmen weltweit erste dampflose Wäscherei in Österreich nur mit Maschinen von Jensen. Zahlen von Cleantech-Anlagen sollen die Effizienz belegen:

  • Taktwaschanlage mit einem Wasserverbrauch von 1,6 l/kg
  • WR-Trockner: 0,95 kWh/l
  • Jenfeed Express: 1.800 Stück pro Stunde
  • 0,8 kWh/kg Wäsche

Zur Nachhaltigkeit in Großwäschereien gehört für Jensen aber mehr, so auch das Wohlergehen der Menschen, die die Wäsche verwenden und bearbeiten. Auf Arbeitsschutz und Ergonomie achtet Jensen nach eigenen Angaben bei allen Produktentwicklungen: So gibt es u.a. eine Sicherheitstür an der Presse, Schutzvorrichtungen und Handläufe an der Mangelstraße, individuell einstellbare Eingabehöhen oder höhenverstellbare Aufgabestationen.

„Material Handling“ ist großes Zukunftsthema

Automatisierung und Wäscherei 4.0 sind weitere große Themen für Jensen. Europa habe hier eine Vorreiterrolle, da die Mitarbeiter teuer und die Gesetze streng sind. „Aber China zieht schnell nach“, so Gerda Janks Erfahrung. Generell sei eine Mischung aus Hard- und Software wichtig, um alle Prozesse im Fluss zu halten. Automatisierung und „Material Handling“ – das sind Bereiche, in die Jensen in Zukunft weiterhin stark investieren will.

Auch Digitalisierung spielt eine Rolle, nicht nur bei den Maschinen. Servicedienstleistungen sollen weiter ausgebaut werden – vor Ort, aber auch via Fernwartung. „Denn das unterstützt den Cleantech-Gedanken“, erläutert Jank. In Burgdorf und den vielen Jensen-Büros auf der ganzen Welt stehen z.B. Videokonferenzräume zur Verfügung, die regelmäßig genutzt werden, um unnötige Reisen und damit verbundene Schadstofferzeugung zu vermeiden. Insgesamt zeigt sich das Unternehmen interaktiv und dialogorientiert, intern wie extern. Die Mitarbeiter kommunizieren beispielsweise über eine Art Facebook, speziell für Jensen. „Wir digitalisieren unsere Prozesse und genauso die Prozesse beim Kunden“, sagt Jank. So treibe man u.a. einen Webshop mit Ersatzteilen voran. Details über Maschinen und Systeme von Jensen können Neugierige u.a. auf dem eigenen You­Tube-Kanal erfahren. Wer die Technik lieber live sehen und erleben möchte, kann dies regelmäßig auf Messen tun. Auf der EXPOdetergo 2018 wird Jensen nicht vertreten sein. Dafür organisiert das Unternehmen im April eine eigene Ausstellung auf Mallorca. Hier will man ausführlich mit den Kunden in Dialog treten und ausreichend Zeit für das Besprechen jeglicher Details bieten; zudem soll genug Platz herrschen, um Anlagen und Lösungen zu präsentieren. Auch Workshops sind geplant.

Das Unternehmen bleibt aktiv und innovativ. In den vergangenen Jahren 2015 und 2016 führte Jensen freistehende Waschschleudermaschinen, Trennwandmaschinen und Trockner unter der Marke Jensen ein. 2016 gründete Jensen zusammen mit ABS ein Joint Venture. Gotli Labs soll mit dem Softwaresystem „Globe“ bei der Betriebsdatenerfassung helfen. Damit haben Wäschereileiter ihren Betrieb, die Verbrauchs- und Leistungsdaten immer im Blick, verspricht das Unternehmen. „Und zwar nicht nur beschränkt auf Maschinen“, betont Jank. Mitarbeiter-, Ressourcen- und Maschinendaten werden erfasst und ausgewertet. „Globe“ soll das umfassendste Informationssystem zum Produktionsmanagement am Markt sein. R+WTextilservice berichtete in Ausgabe 2/2018 ausführlich über Gotli Labs und den Referenzbetrieb Clova in Belgien. Nach wie vor habe man viele Projekte in der Pipeline – immer mit dem Fokus auf Effizienzsteigerung und Arbeitserleichterung, so Gerda Jank. „Und immer mit dem Kundennutzen an erster Stelle.“

Elena Schönhaar

www.jensen-group.com