Nachhaltige Textilpflege mit Ressourcen- und Energieeffizienz: Das steht bei der Warener Waschfee auf der Tagesordnung. Geschäftsführer Stefan Müller hat mit weitsichtigen Investitionen nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch wirtschaftliche Rentabilität erreicht. Das jüngste Projekt wurde vom Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert. Welche Partner beteiligt waren und was die Zahlen sprechen.

Die Warener Waschfee GmbH & Co. KG ist ein inhabergeführtes Unternehmen mit Sitz in Waren (Müritz), Mecklenburg-Vorpommern, und seit 1965 in der Textilpflege tätig. Als etablierter Partner für anspruchsvolle Auftraggeber aus dem Gesundheitswesen, der Hotellerie und Gastronomie verarbeitet das Unternehmen mit 47 Mitarbeitern auf einer Produktionsfläche von 3.500 m² jährlich große Wäschemengen – im Jahr 2023 waren es beispielsweise 4.295.200 kg.
Geschäftsführer Stefan Müller, der 2019 die alleinige Leitung übernahm, hat das Unternehmen durch eine komplette Umstrukturierung und weitreichende Investitionen in neue, digitalisierte Anlagen zu einer der modernsten und ökologischsten Wäschereien Europas entwickelt.
Vor der jüngsten Investition wies die Wäscherei im Jahr 2023 folgende Verbrauchswerte auf: Der Brennstoffverbrauch lag bei 4.327.000 kWh, der Stromverbrauch bei 348.000 kWh und der Wasserverbrauch bei 28.000 m³. Der jährliche Wasserverbrauch aus der Stadtwasserleitung belief sich auf 26.516 m³. Für die Warmwasserbereitung waren jährlich 1.546.396kWh Energie notwendig, was mit CO₂-Emissionen von 310,83 t verbunden war. Bislang waren im Betrieb noch keine umfassenden Maßnahmen zur Wärmerückgewinnung integriert. Das gewichtete Temperaturniveau der benötigten Waschlauge betrug 60,1 °C.
Intelligente Abwasseraufbereitung
Kernstück des aktuellen Projekts ist die neu installierte, energieeffiziente Abwasser-Mikrofiltrationsanlage am Standort Waren (Müritz). Diese Anlage verfolgt das Hauptziel, Treibhausgasemissionen zu senken, indem sie eine verbesserte Wasseraufbereitung und eine umfassende Wärmerückgewinnung im gesamten Waschprozess ermöglicht. Die moderne Technologie, geliefert und installiert von der UVA Bremen GmbH, erlaubt es, große Mengen an Abwasser aus dem Waschprozess aufzubereiten und wiederzuverwenden. Dabei wird eine klare, nahezu geruchslose und bereits rund 50 °C warme Waschlauge (Permeat) zurückgewonnen.
Die Nutzung dieses warmen Permeats führt zu erheblichen Einsparungen beim Stadtwasser- und Abwasserverbrauch, beim Waschmitteleinsatz und insbesondere bei der Dampferzeugung, da deutlich weniger Energie für die Erwärmung des Wassers auf das gewünschte Temperaturniveau benötigt wird. Das aufbereitete Permeat wird vielseitig eingesetzt: zum Auffüllen der maschineninternen Tanks in den Waschstraßen und in allen Waschschleudermaschinen für die Vorwäsche, Klarwäsche und das erste Spülbad. Eine eigens dafür verlegte, ressourcenschonende Rohrleitung führt das Permeat direkt zu den Maschinen.
Gezielte Förderung durch Land und EU
Die Einführung dieser zukunftsweisenden Technologie wurde maßgeblich durch einen nicht rückzahlbaren Zuschuss des Landes Mecklenburg-Vorpommern unterstützt. Die Bereitstellung erfolgte durch das Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern und wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert. Mit einem Fördersatz von 45 % auf die förderfähigen Gesamtausgaben konnte die Warener Waschfee dieses Vorhaben erfolgreich umsetzen. Die Integration der Wärmerückgewinnung spielte hierbei eine entscheidende Rolle für die Förderfähigkeit des Projekts. Die Förderzusage wurde nach einer Bearbeitungszeit von nur wenigen Wochen, Anfang Mai 2025, zugestellt.
Kompetente Begleitung durch Kooperation
Ein wesentlicher Pfeiler für den Projekterfolg war die enge Kooperation mit der Initialberatung GERATRADE GmbH aus Gera in Thüringen, wie Stefan Müller betont: „GERATRADE bot umfassende Unterstützung: von der technischen Auslegung der Mikrofiltrationsanlage bis hin zur Identifizierung und Beantragung passender Fördermittel.“ Dank dieser Expertise konnte das Unternehmen die komplexen Anforderungen der Förderprogramme leichter bewältigen und das Vorhaben zügig realisieren. GERATRADE übernahm die Fördermittelrecherche, die Behördenkommunikation und die Antragsstellung.
Weitere Unterstützung kam von MVeffizient, einer Beratungsreinrichtung im Auftrag des Klimaschutzministerium Mecklenburg-Vorpommern, kostenlos und neutral. Der Technische Berater Konrad Krehl wies die Warener Waschfee auf weitere Möglichkeiten zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz hin. Dazu zählt das Potenzial der Speichertechnologie für das Spitzenlastmanagement und die Strompreisoptimierung, eventuell in Kombination mit einer Photovoltaikanlage auf dem Hallendach oder einer Kleinwindkraftanlage. Auch der bereits hohe Digitalisierungsgrad der Wäscherei wurde hervorgehoben und dient als vorbildliches Beispiel für andere Betriebe. Zudem erwägt das Unternehmen, zukünftig weitere energieeffiziente Maschinen und „humanoide“ Roboter anzuschaffen. Die Innovationsfreudigkeit ist ungebrochen.

Einsparungen und weitere Potenziale
Bereits jetzt zeigen sich die positiven Effekte der umgesetzten Maßnahmen: Die prognostizierten Einsparungen bei Energie und Wasser erweisen sich als realistisch und wirtschaftlich vorteilhaft. Das Einsparpotenzial der neuen Abwasserreinigungsanlage liegt bei circa 34 % des Energieeinsatzes und bei etwa 20 % des Wassereinsatzes. Dies führt zu einer Senkung des Energieverbrauchs um rund 520 MWh pro Jahr. Dadurch sind jährliche Kosteneinsparungen im hohen fünfstelligen Bereich möglich und die CO₂-Emissionen werden um etwa 104 t reduziert. Die Frischwassereinsparung beträgt jährlich 5.303 m³. Insbesondere durch die gewährte Landesförderung verkürzt sich die Amortisationszeit der getätigten Investition und liegt unter dem branchenüblichen Niveau.
Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken
Mit diesem wegweisenden Projekt festigt die Warener Waschfee ihre Position als Vorreiterin in der nachhaltigen Textilpflege in der Region. Sie zeigt: Umweltbewusstsein und ökonomischer Erfolg lassen sich verbinden. Mittelständische Unternehmen können durch strategische Investitionen, fachkundige Begleitung und die Inanspruchnahme öffentlicher Förderungen den Klimaschutz voranbringen und ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken.
Energieberater, Produktentwickler und Nutzer möchten das Projekt außerdem für den Energy Efficiency Award 2025 der Deutschen Energie-Agentur (dena) vorschlagen. Mit diesem Preis werden Projekte ausgezeichnet, die sich in besonderem Maße für Klimaschutz und Nachhaltigkeit einsetzen.