Materialkunde Warum sich T-Shirts nach dem Waschen verdrehen

So manches neue T-Shirt kommt nach dem ersten Waschen plötzlich krumm und schief aus der Maschine. ­Woran das liegt, erklären Jürgen Müller, Spezialist in Sachen Muster und Strickanwendungen beim Rundstrickmaschinenhersteller Mayer & Cie. und Garnspezialisten der Gebr. Otto Baumwollfeinzwirnerei GmbH + Co. KG.

Eine Hand holt ein weißes T-Shirt aus einer Toploader-Waschmaschine.
Wenn sich T-Shirts nach dem ersten Waschen verdrehen, liegt das oft an mangelnder Qualität. - © Pattarisara – stock.adobe.com

Woran liegt es, wenn im dümmsten Fall Vorder- und Rückseite nicht mehr aufeinanderpassen?

Vielleicht daran, dass sich eine Rundstrickmaschine immer im Kreis herumdreht?

Jürgen Müller, Spezialist in Sachen Muster und Strickanwendungen beim Rundstrickmaschinenhersteller ­Mayer & Cie., erklärt:

  • Eine Rundstrickmaschine dreht sich immer in ein und dieselbe Richtung, entweder mit dem Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn.
  • Genau diese Drehung hat ein Stricker im Blick, wenn er sein Garn aufsetzt.
  • Möglich ist ein abwechselndes Garnaufstecken von links und rechts gedrehtem Garn, also eine Spule linksgedrehtes Garn, ein Spule rechtsgedrehtes Garn und so weiter, oder der komplette Garneinsatz mit der entgegengesetzten Drehrichtung.

Wie bitte, linksdrehend, rechtsdrehend?

Da wissen die Garnspezialisten bei ­Gebr. Otto Bescheid: Wer schon mal die Otto-Spinnerei besucht hat, weiß, wie flauschig weich und fluffig die Baumwollfasern sind, nachdem sie gekämmt und/oder kardiert als Bänder vorliegen.

Allerdings: Dieses Material kann noch auf keiner Web- oder Strickmaschine verarbeitet werden.

Zwischen Kardenband und Garn liegt unter anderem das Verdrehen der Fasern. Die bekommen auf der der Spinnmaschine entweder eine S- oder eine Z-Drehung mit. Die S-Drehung bezeichnet eine Rechtsdrehung, die Z-Drehung die Linksdrehung.

Kleine Eselsbrücke

Der Steg des "Z" zeigt von links unten nach rechts oben.

Diesen "Steg" kann man auch bei Draufsicht auf das Garn erkennen.

Ebenso funktioniert das mit dem Steg des "S".


Blick auf die Garnspule

Wer eine Garnspule zur Hand hat, kann bei einem Blick von oben erkennen, ob es sich um ein rechts oder links gedrehtes Garn handelt:

  • Fällt das Garn rechts herunter, bilden Spule und Faden ein q, handelt es sich um eine S-Drehung, eine Rechtsdrehung.
  • Sieht die Garnspule von oben aus wie ein p, weil das Garn links hängt, halten wir ein linksgedrehtes Garn in den Händen.

Zu kompliziert? Mit einer Lupe betrachtet sieht man auch, in welche Richtung das Garn gedreht ist.

Die Spinnmaschine verdreht die Fasern mit einer Z- oder einer S-Drehung.
Die Spinnmaschine verdreht die Fasern mit einer Z- oder einer S-Drehung. - © Gebrüder Otto
Wer die Garnspule von oben betrachtet, erkennt eine Z- oder eine S-Drehung.
Wer die Garnspule von oben betrachtet, erkennt eine Z- oder eine S-Drehung. - © Gebrüder Otto

Wie viele Drehungen ein Garn pro Meter aufweist, hängt zum einen von seiner Stärke ab: Bei einem feinen Garn braucht es mehr Drehung, um seine Stabilität zu gewährleisten.

Essenziell sind auch ausreichend lange Fasern. Das gilt umso mehr für Garne mit weniger Drehung: Die weisen einen besonders feinen Griff auf, was sich später in der fertigen Strick- oder Webware bemerkbar macht. Zu wenig Drehung darf es allerdings nicht sein, denn das kann, unabhängig von der Faserqualität, beim fertigen Produkt zu Pilling führen.

Und warum verdrehen sich T-Shirts nun beim Waschen?

Mann wechselt Garnspule einer industriellen Strickmaschine.
Schon an der Strickmaschine entscheidet sich die Qualität von Textilien. - © littlewolf1989 – stock.adobe.com

Woran liegt es also, dass so manches T-Shirt krumm und schief aus der Waschmaschine kommt?

Ein hochwertiges Garn und ein kompetenter Strickprozess beugen bösen Überraschungen an der Waschmaschine wirkungsvoll vor.

Fehlt noch der Blick auf die Ausrüstung: Ein Stoff muss, bevor er zugeschnitten und zum T-Shirt vernäht wird, aufbereitet und insbesondere heiß gewaschen werden, damit er in seine endgültige Größe schrumpft. Passiert das nicht, beispielsweise aus Zeit- oder Kostengründen, übernimmt den Part unsere hauseigene Waschmaschine – mit den bekannten, unschönen Folgen.

Was kann man dagegen tun?

Beim Kauf auf Qualität achten. Ein hochwertiges textiles Produkt macht ziemlich sicher auch nach dem Waschen "Bella Figura".