Wirtschaftliches Denken und Fachwissen sollen Textilreiniger in der Ausbildung lernen. Die Berufsschullehrer diskutierten Stoffvermittlung in den Lernfeldern und besuchten Praktiker. Beratung der Kunden durch Benchmarking des Textilverbrauchs erläuterte die Wäscherei Ullmer. Kostenreduktion durch Energieeffizienz stand beim Besuch des Coburger Handtuch- und Mattenservice im Vordergrund.
Was Führungskräfte wissen sollen
Wie entstehen Knitter bei Baumwolle? - Diese Frage können alle 20 Berufsschullehrer beantworten. Doch wie der Aufbau der Baumwolle den Auszubildenden ideal veranschaulicht werden kann, ist eines der Diskussionsthemen beim Berufsschullehrertreffen. Jährlich treffen sich die Pädagogen zum Austausch über ihren Unterricht und zur fachlichen Weiterbildung.
In diesem Jahr besuchten sie das größte Berufsbildungszentrum in Bayern. Die Berufsschule der Stadt Nürnberg wird in kommunaler Trägerschaft geführt und verfügt über eine eigene Schulbibliothek. Den Unterricht für die Textilreiniger leiten Gabriele Drechsler für den Teilbereich Reinigung und Jochen Bittner für die Wäscherei. Beide sind Textilreinigermeister, die hauptberuflich in der Praxis tätig sind. Die Auszubildenden zum Textilreiniger kommen neunmal eine Woche zur Berufsschule. Die Berufsschulen kämpfen wie die Betriebe mit dem Rückgang der Auszubildenden.
„Wir brauchen Leute, die rechnen können und die den Computer verstehen. Auszubildende brauchen das Know-how aus den beiden Zweigen, damit wir sie auch im kaufmännischen Bereich einsetzen können“, sagt Susanne Ullmer bei der Betriebsbesichtung in ihrem Unternehmen in Bad Neustadt. Die Berufsschullehrer können nur zustimmen. Fachkräfte mit guten mathematischen Kenntnissen sind wichtig, um diese später auch in der Betriebsführung einsetzen zu können, so Ullmer. Die Wäscherei beschäftigt - wie viele in der Branche - hauptsächlich Hilfskräfte. Darunter sind viele Quereinsteiger, die als z.B. gelernter Maler oder Pflegekraft in ihrem Beruf nicht mehr tätig sein können. Für Führungsaufgaben wie die Schichtleitung sind jedoch nach wie vor ausgebildete Textilreiniger gefragt.
Susanne Ullmer sieht die Zukunft ihrer Wäscherei in zusätzlichen Beratungsangeboten zum Verbrauchsmanagement der Wäsche: „Service ist unser Weg.“ Innerhalb der Kooperation Dectos bemüht sich die Wäscherei Ullmer um Aufträge der großen Klinikketten in Deutschland. Die Spezialisierung auf Krankenhaus- und Altenheimwäsche bedeutet, einen besonders preissensiblen Markt zu bedienen, so Ullmer: „Wir schauen sehr auf die Kosten. Denn im Gesundheitswesen ist der Markt extrem.“ Als „Problemlöser“ hat die Geschäftsführerin dabei nicht nur den Preis pro Wäschetonne und die Logistik im Blick, sondern bietet eine fundierte Beratung zum Verbrauch für Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen an: „Dieser Mehrwert ist unsere Leistung.“ Bei diesem Controlling von Gesundheitseinrichtungen nutzt Ullmer das Benchmarking. Diese Analyse des Verbrauchs pro Patient und der Vergleich mit Verbrauchsdaten aus anderen Einrichtungen zeigen Einsparungspotenziale bei der Verwendung der Textilien auf. Die Dectos-Gruppe erarbeitete gemeinsam auf Grundlage der Daten von 300 Krankenhäusern aus ganz Deutschland Benchmarks.
Das Servicekonzept der Wäscherei beginnt mit einer Kick-off-Veranstaltung mit allen verantwortlichen Ansprechpartnern aus Einkauf, Hauswirtschaft, Pflege und Geschäftsführung. Bei Stationsbesuchen erhebt Ullmer das derzeitige Verbrauchsverhalten, überprüft aktuelle Soll-Mengen. Zur Ist-Analyse nutzt die Wäscherei neben der elektronischen Erfassung des Wareneingangs auch eine rund zweiwöchige Beobachtung der Arbeitsweise bei einem Kunden. „Oftmals ist den Mitarbeitern in den Kliniken gar nicht klar, dass der unbewusste Umgang mit Wäsche zu erheblichen Kostenerhöhungen führen kann. Durch Sensibilisierung, Information und Datentransparenz etc. und ,Mitnehmen‘ können sehr gute Effekte erzielt werden“, berichtet Ullmer.
Dann erfolgt die Berechnung der pflegetagbezogenen Benchmarks. Bei der Präsentation wird die Soll-Bestandsanpassung abgesprochen. Der Soll-Ist-Vergleich darf dabei nie singulär gesehen werden, denn manche Abteilungen benötigen auf Grund der vorliegenden Erkrankungen mehr Textilien, erläutert Ullmer. Für diese Diskussionen mit der Geschäftsleitung und der Pflegedienstleistung gibt es monatlich oder quartalsweise feste Termine. Mittelfristiges Ziel ist die Erstellung eines „Wäschestatuts“. Dies ist die Festlegung einheitlicher Standards für jeden Artikel. Dabei können feste Verhaltensregeln für die Mitarbeiter im Krankenhaus etabliert werden. So darf nicht jede Station jeden Wäscheartikel verwenden. Als Beispiel für ineffiziente Textilnutzung nennt Ullmer Endoskopie-Stationen, die Windeln gerne zum Abwischen von Gel nutzen.
Neben dem Kostendruck stehen Gesundheitseinrichtungen unter besonderer Beobachtung bezüglich der Hygiene. Auch die Mitarbeiter in der Wäscherei müssen vor Krankheiten geschützt werden. Daher bietet Ullmer seinen Mitarbeitern eine kostenlose Impfung gegen Hepatitis A und B.
Im Kommissionsraum der Wäscherei werden die Container gepackt, die so direkt auf die Station wandern. So wird ein aufwendiges und hygienisch bedenkliches Umpacken der Textilien verhindert. Gleichzeitig erfassen die Mitarbeiter, was vorhanden ist und was verbraucht wird.
Wie im Lehrbuch, lobten einige Berufsschullehrer die klare Trennung von reiner und unreiner Seite im Unternehmen. Sogar die Container durchlaufen beim Wechsel der Seiten eine eigene Waschstraße für die Reinigung.
Die drei Waschstraßen für Oberbekleidung aus dem Altenheim, Standard- und Sonderwäsche bearbeiten täglich 60 t Ware. Nach dem chemothermischen Waschverfahren kontrolliert die Wäscherei den pH-Wert, damit nur Wäsche ausgegeben wird, die neutral ist. „Die Prozesse sind in Ordnung, aber es gibt immer mehr Menschen, die allergisch sind“, erläutert Ullmer, wie einer Reklamation wegen Hautirritationen vorgebeugt werden kann.
Für Krankenhäuser arbeitet die Wäscherei mit Ausgabeautomaten oder Poolwäsche. Bei der Wäsche der Altenheime setzt Ullmer auf das System Pro Persona. Die Mitarbeiter in der Wäscherei rüsten jedes Bekleidungsstück mit einem Barcode aus. Dies bindet zwar Personal, stellt aber die lückenlose Etikettierung sicher, so Ullmer: „Wir sind Problemlöser, weil der Kunde sicher sein kann, dass die Teile wieder zur richtigen Person kommen.“
Jeder Bewohner sammelt seine dreckige Wäsche in einem personalisierten Wäschesack. Die Sortierung der Wäsche aus den einzelnen Säcken nach Waschgängen wird in der Wäscherei vorgenommen. Wie die Berufsschullehrer beim Besuch sahen, ist das Sortieren keine leichte Aufgabe, denn einige der abgegebenen Säcke sind schon zwei Tage verschlossen und es befinden sich gelegentlich Kot, Windeln, Schimmel oder Insekten darin. Jedes Wäschestück, welches die Mitarbeiter vorsortieren, wird zuvor gescannt. Auf den Bildschirmen werden der Name des Bewohners, die Pflegehinweise und der Zustand des Kleidungsstücks angezeigt. So wissen die Mitarbeiter direkt, wie die Wäsche vorzusortieren ist, und protokollieren nebenher den Verschleiß der Wäsche. Nach der Bearbeitung scannen die Mitarbeiter im reinen Bereich die Teile erneut. Das Paternostersystem zeigt an, in welchem Fach die Wäsche eines einzelnen Bewohners gesammelt wird. Sind alle Wäschestücke zugeordnet, werden diese in Folie verpackt und dann wieder an die einzelnen Bewohner verteilt. Die Wäsche wird vor dem Einsortieren in der Regel nur gefaltet, da Bügeln für die Qualitätsansprüche im Altenheim häufig zu teuer ist. Die Altenheimbranche ist kostensensibel und die Heimleitung, Krankenkassen und Angehörigen wollen mit festen Größen rechnen. In der Rechnung für jedes Altenheim schlüsselt die Wäscherei die Rechnungsposten für jeden Bewohner auf, damit dieser sieht, was seine einzelnen Teile kosten, und ggf. aufwendig zu reinigende Blusen etc. seltener trägt. Für diese Serviceleistung und Kundenberatung können ausgebildete Textilreiniger mit Fachwissen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen punkten.
Auch die Wäscherei Coburger Handtuch- und Mattenservice (CHMS), den die Berufsschullehrer besuchten, beschäftigt größtenteils angelernte Kräfte. Für die Schichtleitung würde Inhaber Jochen Krause jedoch gerne Fachkräfte einstellen. Bisher arbeiten nur er und seine Tochter als ausgebildete Textilreiniger im Unternehmen. In der Berufsschule lernen die Auszubildenden Grundlagen über Wasser- und Energiespartechniken kennen. In der Wäscherei von Jochen Krause sahen die Berufsschullehrer ausgefeilte Techniken zu Energieeinsparungen und Ablaufoptimierung. „Wir haben die Zwangsläufigkeit, dass wir mit dem Wasser, das wir einsparen, auch Energie einsparen. Denn Wasser, das wir nicht benötigen, müssen wir nicht erwärmen“, erklärt Krause seinen Antrieb zur ständigen Optimierung des Energie- und Wasserverbrauchs in seinem Betrieb. Um den Mitarbeitern ein Gefühl für den Verbrauch zu geben, lässt er die Betriebsdaten täglich händisch notieren. Dadurch wird auch die Nachvollziehbarkeit von Veränderungen gewährleistet.
Das Unternehmen ist auf die Wäsche von Handtuchrollen, Fußmatten und Wischmops spezialisiert. Seit 1990 setzt der Inhaber sich mit dem Thema Energieeffizienz auseinander. Seitdem konnte er den Wasserverbrauch von 24 m³/t Wäsche auf 2,1 m³/t reduzieren, den Gasverbrauch von 240 m³/t auf 48 m³/t drosseln und den Stromverbrauch von 140 kWh/t auf 90 kWh/t herunterfahren.
Krause, der als Energieberater andere Betriebe besucht, verdeutlichte, dass die Reduktion der Verbrauchskosten nicht durch das Drehen an einer Stellschraube schnell gelöst werden kann: „Es sind viele kleine Schritte zur Energieoptimierung. Das Wichtigste ist die ganzheitliche Betrachtung, denn die Prozesse dürfen nicht außer Acht gelassen werden.“ Bei CHMS wird das Wasser stufenweise wiederverwendet. Zuerst durchläuft es rechnerisch zweieinhalbmal die Vorgänge Spülen, Klarwäsche und Vorwäsche der Waschstraße für Handtuchrollen. Danach fließt das Wasser dreimal durch die Waschstraße für Matten. Regenwasser wird durch Filtration und Keimreduktion in Trinkwasserqualität gebracht und dann direkt zum Spülen der Handtuchrollen in die Waschstraße eingeleitet. Durch Regenwasser werden derzeit zehn Prozent des jährlichen Wasserbedarfs gedeckt. Ab November will Krause den Verbrauch des Frischwassers stark reduzieren. Derzeit installiert CHMS eine Wasseraufbereitungsanlage. In einem selbst ausgetüftelten Behälter soll mit der Elektrolyse-Technik von Aqua Vivendi das Wasser gereinigt werden. Nach der Elektrolyse kann das rund 38 °C bis 45 °C warme Wasser wieder für die Wäsche der Matten verwendet werden. Wenn eine weitere Wasseraufbereitungsstufe, die Kumulation der Partikel, durchgeführt wird, eignet sich das Wasser sogar wieder zur Wäsche der Handtuchrollen. Durch die Wiederverwendung des noch warmen Wassers hofft Krause auf eine jährliche Einsparung der Energiekosten von 38.000 Euro bis zu 42.000 Euro. Die Reststoffe nach der Elektrolyse können nach der Kammerfilterpresse der kommunalen Müllverbrennung zugeführt werden. Durch die Ersetzung der Ultrafiltration und Umkehrosmose durch die Elektrolyse rechnet Krause mit einer Reduktion des Stromverbrauchs von jährlich 18.000 Euro bis zu 22.000 Euro. Zur Energieeinsparung gehört die Bereitschaft, in neue Technologien zu investieren, so Krause: „Wer ein Schwein schlachten will, muss es erst füttern. Wer sparen will, muss erst investieren.“Christina Geimer