Ob am Lieblingsshirt oder der feinen Bluse: Gelbe Schweißflecken unter den Achseln sind nicht nur unschön, sondern auch hartnäckig. Aber lassen sich solche Verfärbungen überhaupt rückstandslos entfernen? Wir klären, wie professionelle Reinigungen vorgehen, welche Hausmittel helfen – und was Verbraucher besser lassen sollten.
Es ist jedes Jahr dasselbe: Die Temperaturen steigen, die Kleidung wird luftiger – und plötzlich sind sie wieder da. Gelbe Schweißflecken unter den Achseln, die sich hartnäckig auf unseren liebsten T-Shirts und Hemden breitmachen. Unschön, ärgerlich und scheinbar unvermeidlich. Aber woher kommen diese Verfärbungen eigentlich? Und vor allem: Kann man sie wieder loswerden?
Auch auf dem Ladentisch professioneller Textilreinigungen landen regelmäßig die gelben Verfärbungen im Achselbereich. Doch trotz mehrmaligem Waschen bzw. Reinigen sind diese Verfleckungen kaum noch zu entfernen und fordern sowohl Kunden als auch professionelle Textilreinigungskräfte immer wieder aufs Neue. R+WTextilservice hat mit Fabian Fuchs, Sachverständiger im Textilreinigerhandwerk, gesprochen und herausgefunden, was wirklich gegen die unschönen Ränder hilft – und welche Hausmittel eher schaden als nützen.
Wie entstehen gelbe Schweißflecken unter den Achseln?
Die Vergilbungen entstehen durch eine
komplexe chemische Reaktion zwischen Schweiß, Körperfett, Deodorant und Textilfasern. Besonders problematisch sind aluminiumhaltige Antitranspirante. Sie reagieren mit den Eiweißen im Schweiß und bilden schwer lösliche Rückstände. Diese dringen tief in die Faser ein. Wirkt dann noch Hitze auf die Aluminium-Schweißverbindung, etwa beim Bügeln, Trocknen im Tumbler oder bei der Trocknung im Reinigungsverfahren der Reinigungsmaschine, werden die Rückstände dauerhaft im Gewebe/in den Fasern fixiert.
Lassen sich solche Verfärbungen entfernen?
In der professionellen Textilreinigung hängt die Erfolgsaussicht stark vom Faserstoff, dem Alter der Flecken und der Vorbehandlung ab. Frische Vergilbungen auf Naturfasern wie Baumwolle lassen sich in vielen Fällen mit geeigneten Detachier- oder Bleichmitteln entfernen. Sind die Rückstände jedoch älter oder durch Wärmeeinwirkung fixiert, kann auch die beste Reinigung oft nur eine Aufhellung, aber keine vollständige Entfernung erzielen.
Wie gehen professionelle Reinigungen vor?
In der professionellen Textilreinigung kommen individuell abgestimmte Vorbehandlungen zum Einsatz – die sogenannte Detachur. Diese beinhaltet beispielsweise enzymatische Fleckenlöser zur Eiweißspaltung, gefolgt von einem oxidativen Bleichprozess (z. B. mit Aktivsauerstoff). Anschließend erfolgt die Hauptreinigung. Diese kann entweder nass oder chemisch durchgeführt werden, je nach Textilkennzeichnung und Faserart.
Besonders wichtig ist hierbei die pH-Wert-Steuerung: Enzymatische Vorbehandlungen gegen Eiweißrückstände wirken am besten im leicht alkalischen Bereich. Auch Bleichmittel auf Sauerstoffbasis benötigen ein alkalisches Milieu, um ihre volle Wirkung zu entfalten.
Die Waschbehandlung sollte entsprechend alkalisch eingestellt sein und enzymatische Bestandteile enthalten. Im Anschluss kann eine saure Nachbehandlung sinnvoll sein, um Rückstände
zu neutralisieren und das Gewebe zu stabilisieren.
Was können Verbraucher tun – was sollten sie besser lassen?
Bei der Selbstbehandlung zuhause ist Vorsicht geboten. Im Internet kursieren viele verschiedene Hausmitteltipps zur Entfernung der gelben Schweißflecken wie Backpulver, Zitronensaft oder Aspirin, die schnelle Hilfe versprechen. Doch sie wirken selten zuverlässig. Zwar können sich kurzfristige Effekte zeigen, häufig schaden sie jedoch dem Gewebe oder der Farbe. Besonders gefährlich wird es bei empfindlichen Fasern wie Wolle oder Seide. Dort drohen irreparable Schäden.
Ein besserer Ansatz ist die regelmäßige, sachgerechte Wäsche mit einem enzymhaltigen Waschmittel bei niedriger Temperatur. Der Experte empfiehlt 30 bis 40 °C. Denn ab 60 °C verlieren die Enzyme ihre Wirkung und das Eiweiß im Schweiß beginnt zu stocken. Um ein enzymhaltiges Waschmittel zu finden, müssen Verbraucher genau hinsehen. In der Inhaltsstoffangabe sollten Begriffe wie Proteasen, Lipasen oder Amylasen stehen. Oft werden diese Waschmittel mit dem Hinweis „besonders effektiv gegen Eiweiß, Fett- und Stärkeflecken“ deklariert.
Wichtig: Verschwitzte Kleidung nicht lange liegenlassen, da sich Flecken sonst festsetzen. Und aluminiumfreie Deos verwenden – sie helfen, gelbe Flecken von vornherein zu vermeiden.
Vorsicht bei Wolle und Seide
Wolle und Seide reagieren äußerst sensibel auf chemische Einflüsse, insbesondere auf ungeeignete pH-Werte. Beide Fasern bestehen aus Eiweiß (Keratin bei Wolle, Fibrion bei Seide) und vertragen weder starke Laugen noch aggressive Säuren.
Wolle wird durch alkalische Substanzen (pH > 9), wie sie in vielen Vollwaschmitteln vorkommen, geschädigt: Die Schuppenstruktur der Faser kann aufquellen, was zu Verfilzung und Strukturverlust führt. Ideal ist ein leicht saurer bis neutraler pH-Wert von 5 bis 7.
Seide ist sogar noch empfindlicher: Bereits leicht alkalische Lösungen können den Faseraufbau angreifen, wodurch Glanz und Reißfestigkeit verlorengehen. Auch Essig oder Zitronensaft als vermeintliche Hausmittel sind für Seide äußerst schädlich.
Für beide Materialien gilt: Nur spezielle Fein- oder Wollwaschmittel mit angepasstem pH-Wert verwenden. Zudem sollte die mechanische Belastung so gering wie möglich gehalten werden, das heißt eine niedrige Schleuderzahl. Vorsicht bei der Detachur!
Fazit
Vergilbungen durch Schweiß sind eine häufige, oft unterschätzte Herausforderung. Während bei frischen Flecken gute Chancen auf eine vollständige Entfernung bestehen, sind ältere oder bereits fixierte Verfärbungen oft nur noch begrenzt behandelbar. Durch gezielte Detachur mit alkalischen und enzymatischen Detachiermitteln und ggf. einer anschließenden oxidativen Bleichbehandlung sind jedoch gute Ergebnisse möglich. Eine Saumprobe vor der Detachur ist dabei Pflicht!
